Der Besessene / Noch hänge ich nicht (One-Eyed Jacks, USA 1961) #Filmfest 445

Filmfest 445 Cinema

Der Besessene (Alternativtitel: Noch hänge ich nicht, Originaltitel: One-Eyed Jacks) ist ein Western, in dem Marlon Brando die Hauptrolle spielte. Es ist der einzige Film, bei dem er auch Regie führte. Der Spielfilm basiert lose auf dem Buch Die einzig wahre Geschichte vom Leben und grausamen Ende des berühmten Revolverhelden Hendry Jones, genannt Billy the Kid (Originaltitel: The Authentic Death of Hendry Jones) von Charles Neider.

Nachdem Marlon Brando sich mit dem vorgesehenen Regisseur Stanley Kubrick überworfen hatte, übernahm er selbst die Regie. Unzählige Drehbuchfassungen wurden verworfen, der fertige Film, der über drei Stunden dauerte, wurde von den Produzenten um etwa eine Stunde gekürzt.

Brando formulierte vor allem in der Figur von Karl Malden, der vom Desperado zum verlogenen Biedermann mutiert, seine heftige Ablehnung bürgerlicher Werte. In seiner Ambivalenz und Gewalttätigkeit nimmt Der Besessene auch einiges der späteren Italowestern vorweg.

Kritiken, zitiert nach (1)

Das Lexikon des internationalen Films sagt, der Film sei ein „großangelegter, aber recht harter Western“ und lobt die „beeindruckende Regiearbeit“.[2]

Phil Hardy nennt ihn einen „einzigartigen Western“. Er habe eine „Gefühlsintensität“, wie man sie sonst nur in den Werken von King Vidor und Anthony Mann finde und sei ein Vorläufer der Western Sam Peckinpahs. Hardy hebt besonders die Kameraarbeit Langs und die „ödipale Intensität“ der Vater-Sohn-Beziehung hervor. Kennzeichnend sei außerdem „Brandos Unfähigkeit, die Erzählung in den Griff zu bekommen“.[3]

Joe Hembus lobt die „lyrisch-pathetische Getragenheit“ des Films. Brando sei „der Heiland und Märtyrer, der sich und andere unter Schmerzen auf den Weg der Liebe, der Freundschaft und der Loyalität führt.“[4]

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz geben dem Western in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“ 3½ von 4 möglichen Sternen (außergewöhnlich) und meinen: „Blendend fotografiert, mit zwei aufregenden Frauen und einem packenden Schlußduell.“[5]

Das scheint in der Tat ein ungewöhnlicher Western zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, den Film seit langer Zeit, vermutlich seit der Sichtung vor Rezension 1989, nicht mehr gesehen zu  haben. Was möglicherweise schade ist, obwohl ich ein ungutes Gefühl habe, wenn ich mir Marlon Brando als Regisseur vorstelle und an der Bemerkung hängenbleibe, dass er nicht in der Lage war, die Story in den Griff zu bekommen. Wenn dann die Produzenten einen Film um eine Stunde kürzen, kommt oft ein Mangel an Ausgewogenheit, Rhythmus und Tiefe heraus. Die IMDb-Nutzer geben aber durchschnittlich 7,1/10; unter Berücksichtigung der seinerzitigen 0,5/10-Teilung die gleiche Wertung, ich vergeben hatte, sehen den Film also nicht als misslungen an.

Erstmals mussten wir eine Korrektur zum Entstehungsjahr eines Films machen, das ihn nicht, wie bisher zuweilen, um ein Jahr, sondern sogar um zwei Jahre jünger werden lässt.

(1) und kursiv: Wikipedia

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Marlon Brando
Drehbuch Charles Neider,
Guy Trosper
Produktion Frank P. Rosenberg,
Walter Seltzer,
George Glass
Musik Hugo Friedhofer
Kamera Charles Lang
Schnitt Archie Marshek
Besetzung

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