Macht der Familie – Tatort 1164 #Crimetime Vorschau #Tatort #Bundespolizei #Falke #Grosz #NDR #Familie #Macht

Crimetime Vorschau 18.04.2021, Das Erste, 20:15 Uhr – Titelfoto NDR, Meyerbroeker

Gleicher Rang, großer Fall

„Es ist die erste Einsatzleitung, die die frisch zur Polizeihauptkommissarin beförderte Julia Grosz (Franziska Weisz) im NDR-Tatort „Macht der Familie“ übernehmen darf – und die geht gleich gehörig schief. Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) versucht seine Kollegin bei den verantwortungsvollen Ermittlungen gegen einen russischen Waffenhändler zu unterstützen, eckt jedoch mit Grosz an.“

So leitet die Redaktion von Tatort-Fans ihre Beschreibung zum ersten Gleichberechtigungsfall mit den Bundespolizei-Ermittler*innen Julia Grosz (Franziska Weisz) und Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ein. Ich fand von Beginn an, dass dieses Team gut passt und entwicklungsfähig ist. Inwieweit man horizontal geht, mit der Erzählung, wird sich zeigen, eine persönliche Annäherung war bereits zu beobachten. In den Fernsehkrimis läuft das aber nie einfach durch, weil dadurch ein Spannungselement verlorenginge. Es gibt eine negative Meinung: langatmig, blöde Auflösung, würde ich mir kein zweites Mal ansehen und eine moderat positive: würde ich mir nochmal ansehen.

Zum neunten Mal lösen die beiden aus dem Norden nun einen Fall, nachdem Falkes ursprüngliche Partnerin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ausgetauscht wurde. Was sagen weitere Kritiker*innen zum Tatort Nr. 1164?

Im SWR3-Tatortcheck schreibt Stefan ScheurerWas dieser Tatort mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz nicht kann: Er ist nicht witzig, nicht modern oder experimentell. Er besticht nicht durch tolle Landschaften oder originelle Schnitte. Immerhin, die Geschichte ist handwerklich o.k. und gut gespielt. (…) Aber ich persönlich erwarte inzwischen viel mehr Originelles und Cooles. Manche Tatorte schaffen das ja echt sehr gut. Und es gibt oft genug gute Chancen, Netflix und Prime abzuhängen. Aber der hier bleibt… sagen wir mal… unauffällig, bei 3 von 5 Elchen.“

Ich finde die beiden Nordlichter als Team schon ziemlich cool, da muss man vielleicht beim Filming nicht so auf die Grütze hauen, aber vielleicht wollte man sich auch einfach mal zurücknehmen, denn die Tendenz, die Tatorte immer mehr durchzustylen, ist kaum zu übersehen. Und durchgestylt ist nicht immer originell. Zumindest am Premierenabend hängt der Tatort sowieso die gesamte Konkurrenz ab. In diesem Sinne: Auf eine gute Quote für „Macht der Familie“ und für Grosz und Falke. Die Zehn muss stehen!

Rainer Tittelbach fasst in seiner Publikation zusammen: „Mit einer heiklen Polizeiaktion beginnt Niki Steins „Tatort – Macht der Familie“ (…) Die Aktion scheitert verhängnisvoll. Die minutiös ausgespielte „Zugriffs“-Sequenz ist ein packender Einstieg, der auch dem Flow des Films guttut. Wenig später gibt auch noch eine russische Kamikaze-Polizistin als Episodenhauptfigur das leise Versprechen, dass dieser Krimi mit einem Hauch „Killing Eve“ weitergehen könnte. Trotz interessanter politischer Implikationen, prachtvoller Locations, einem stimmigen Casts (…), trotz eines knalligen Finales mit Heckenschützen & Treibjagd hält dieser „Tatort“ nicht, was die ersten 20 Minuten versprechen. Besonders im Mittelteil läuft die kleinteilige Geschichte nicht rund. Das dürfte auch mit dem Drehen unter Pandemiebedingungen zu tun haben.“ Das Ergebnis: 4/6. Leicht unterdurchschnittlich für Tittelbach-TV, nach meinem Gefühl.

Ich muss gestehen, ich bin noch gar nicht darauf gekommen, dass das Drehen mit Abstand etc. der Dichte des Plots oder dem Filming schaden könnte. Das kann ja nun eine Reihe mittelgut gefilmter Tatorte werden, die uns erwartet. Ich plädiere deshalb noch einmal dafür, zumindest hin und wieder die Corona-Bedingungen offen zu zeigen Dann wirken Abstände und Bildkompositionen auch nicht unnatürlich, sondern so, wie wir die Realität mittlerweile kennen. Selbstverständlich kann man das nicht immer tun, sonst haben die Menschen tatsächlich bald die Nase voll von Tatorten, in denen alle ebenso mit Masken herumlaufen, wie man das selbst im Alltag tun muss – denn Filme sind Verdichtung und die Pandemieoptik würde auch für eine Banalisierung sorgen.

Christian Buß formuliert im Spiegel: „Tolstoi rezitieren, Raketen verdealen. Mit dem großen Ermittlerbesteck gegen die Russenmafia: Der neue »Tatort« springt zwischen Vollgas-Thriller und Teetrinker-Elegie. Nicht alle Wendungen gehen auf.“ Am Ende vergibt Buß 6/10, immerhin einen Punkt mehr als letzte Woche für „Der böse König“ aus Ludwigshafen. Es geht wieder aufwärts. Das zuweilen nicht sehr Rhythmische an dem Film, das auch bei Tittelbach-TV beschrieben ist, ist offenbar nicht von der Hand zu weisen. Wir werden das übermorgen Abend sehem bzw. dann, wenn ich mir die Aufzeichnung vom Sonntagabend anschaue. Ich weiß schon jetzt, wer sich über den Film ärgern wird: Alle Russlandfreunde. Bitte nicht zu ernst nehmen, kann ich da nur sagen, in einer der Kritiken steht sogar, es könnte sich bei dem einen oder anderen Handlungselement oder Dialog um eine Anspielung auf aktuelle Putin-Politik handeln. Dann wollen wir den Ziegenf… auch irgendwann in einem Tatort durchschimmern sehen können, oder? Man könnte auch so tun, als ob der Begriff „Clans“ überhaupt keine ethnische Konnotation hätte. Dann wäre es endgültig vorbei mit dem Realismus bezüglich des heutigen organisierten Verbrechens. Richtig ist aber nicht, die Augen zu verschließen, sondern Probleme so zu benennen, dass dadurch nicht Menschen nach ethnischer Zugehörigkeit und anderen Merkmalen pauschal diskriminiert werden.

TV Spielfilm hält den Daumen für „Macht der Familie“ hoch, aber da müssen wir vielleicht mal weiter nach einer vierten Stimme suchen, denn die haben das immer getan, seit ich nach der Einstellung der Vorabkritiken auf „Filmstarts.de“ auf der Suche nach einem Ersatz bin. Am Sonntagabend wissen wir mehr, ich freue mich jedenfalls auf das Team!

TH

Handlung

Die Bundespolizei ermittelt gegen russische Waffenhändler, die sich als angebliche Hersteller von Landmaschinen eine perfekte Unternehmer-Fassade aufgebaut haben. Julia Grosz, gerade zur Hauptkommissarin befördert, leitet den Einsatz.

Als der verdeckte Ermittler kurz vor der Aufdeckung der mafiösen Strukturen im Einsatz ums Leben kommt, scheint die ganze Aktion gescheitert. Aber der Waffenhändler Timofejew hat eine Nichte, Marija, die beim LKA arbeitet und sich schon vor Jahren von ihrer Familie distanziert hat. Um das komplette Scheitern der Aktion zu verhindern, versucht Grosz, Marija gegen ihre eigene Familie in Stellung zu bringen. Falke, der mal Marijas Vorgesetzter beim LKA war, ist nicht begeistert. Die Sache scheint zu gefährlich und nicht kontrollierbar. Aber Marija geht auf den Vorschlag von Grosz ein und beginnt ein doppeltes Spiel um Leben und Tod.

Besetzung und Stab

Thorsten Falke Wotan Wilke Möhring
Julia Grosz Franziska Weisz
Marija Timofejew Tatiana Nekrasov
Nicolai Timofejew Jakub Gierszal
Andrej Tomofejew Nikolay Sidorenko
Kriminaldirektorin Reetz Judith Rosmair
Katija Anja Taschenberg
Okonjo Jonathan Kwesi Aikins
Tarik Ercan Karacayli
Evrin Vanida Karun
Victor Timofejew Wladimir Tarasjanz
Warwara Jeanette Spassova
Torben Falke Levin Liam
Musik: Jacki Engelken
Kamera: Arthur W. Ahrweiler
Buch: Niki Stein
Regie: Niki Stein

 

 

 

 

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