Die Bestie der Wildnis (Arrowhead, USA 1953) #Filmfest 455

Filmfeste 455 Cinema

Die Bestie der Wildnis ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahr 1953 mit Charlton Heston und Jack Palance in den Hauptrollen. Das Drehbuch basiert auf dem Roman Adobe Walls von William Riley Burnett.

Immer wieder passiert es, dass Western auf den Bildschirm kommen, die ich noch nie gesehen habe. Ein Lob der Programmvielfalt. Der Film hat im Deutschen einen so reißerischen Titel. Damit ging man noch etwas über das hinaus, was damals üblich war, indem man eine Person als Bestie bezeichnet und der Zuschauer wird nicht lange brauchen, um zu erraten, wer gemeint ist. Dabei heißt das Werk eigentlich nur „Arrowhead“ („Pfeilspitze“). Ist dieser Western interessant und wenn ja, warum? Es steht in der -> Rezension

Handlung  (1)

Texas im Jahr 1878. Fort Clark ist ein Posten der US-Kavallerie mitten im Gebiet der Apachen. Der Zivilscout Ed Bannon und sein Partner Sandy Mackinnon töten drei Chiricahua-Apachen und verhindern damit einen Friedensvertrag zwischen den Apachen und den Weißen. Bannon warnt Colonel Weybright vor dem Plan des Häuptlings Chattez, in ein Reservat in Florida umzusiedeln. Er traut den Indianern nicht und sieht in dem Plan ein Täuschungsmanöver. Da er als Kind unter Apachen aufgewachsen ist, glaubt er zu wissen, wie Indianer denken.

Als bekannt wird, dass der Häuptlingssohn Toriano von der Ostküste zurückkehrt, glaubt Bannon an eine List. Weybright entlässt Bannon und wird kurze Zeit später bei einem Angriff der Apachen getötet. Bannon kehrt nach Fort Clark zurück, um sich der jungen Witwe Lela Wilson anzunähern, doch Lela ist mit Captain North befreundet und weist ihn ab. Sergeant Stone und andere Soldaten machen Bannon für den Ärger mit den Apachen verantwortlich und wollen ihn aus dem Fort vertreiben. Bannon bleibt jedoch und beginnt nun mit der halbmexikanisch-halbindianischen Waschfrau Nita eine Beziehung.

Während die beim Fort lebenden Indianer mit Namensschildern versehen und bewacht werden, kommt Toriano zum Fort. Bannons Vorbehalte gegen die Indianer bewahrheiten sich, als in der Nacht eine rebellierende Gruppe Apachen unter Toriano das Fort angreift. Am nächsten Morgen töten Bannon und Mackinnon Nitas Bruder Spanish, der zu Toriano hält. In einer leidenschaftlichen Ansprache an die Offiziere warnt Bannon noch einmal vor den Indianern. Ein Friede mit ihnen sei unmöglich. In der folgenden Nacht versucht Nita Bannon zu töten, doch er kann sie ergreifen. Er beschuldigt sie für Toriano zu spionieren und will sie einsperren lassen. Nita ergreift ihr Messer und tötet sich selber.

Captain North begibt sich mit einer Abteilung zu Friedensverhandlungen mit den Apachen. Toriano hat einen Hinterhalt gelegt und greift an. Bei dem Gefecht kommt die Hälfte der Soldaten ums Leben. In der Erkenntnis, dass Bannon mit seinen Ansichten über die Indianer richtig lag, übergibt Captain North Bannon das Kommando für einen Angriff auf Toriano. Bannon nutzt seine Kenntnisse der indianischen Taktik und kann mit seinen Männern die Apachen zurückschlagen. Zwischen Toriano und Bannon kommt es zu einem Kampf Mann gegen Mann. Bannon besiegt Toriano; die rebellischen Indianer willigen ein, Friedensverhandlungen mit den Weißen zu führen.

Rezension

Die Schande zuerst: Mir sagte der Name Charles Marquis Warren nichts, der bei diesem Film Regie geführt hat. Er schein aber ein profilierter Filmarbeiter im Westerngenre gewesen zu sein. Wichtig ist seine Handschrift auch deswegen, weil er diesen Film nicht nur inszeniert hat, sondern auch für das Drehbuch zuständig war. Gleichzeitig weist „Arrowhead“ eine interessante Besetzung auf. Charlton Heston auf dem Weg zum großen Ruhm spielt den Helden und Jack Palance – nun, raten Sie mal, wen er darstellt. Jedenfalls finde ich, der ukrainischstämmige US-Schauspieler ist einer der besten Darsteller von Native Americans aus jener Zeit, in der es noch keine indigenen Schauspieler*innen gab und Katy Jurado, die im Jahr zuvor durch ihre Rolle als Frau Nr. 2 in „High Noon“ bekannt wurde, spielt eine ¾-Native American. Da sie aber mexikanischer Abstammung ist, lässt man sie auch zu einem Viertel genau das sein, nach dem Motto: 1/4-Hispanic zu sein, kann ausreichen, um die Optik zu bestimmen.

Heute würde der Grund ausreichen, den die Apachen im Film hatten, Verträge zu brechen und so heimtückisch wie möglich gegen die Weißen zu kämpfen, ihre Siedlungen zu brandschatzen, nämlich, dass die Weißen ihnen einfach ihr Land weggenommen haben, aber so war die Mentalität zu Beginn der 1950er nicht. Ich habe verzweifelt versucht, eine Differenzierung in dem Film zu erkennen, aber es wollte mir nicht recht gelingen. Dass jemand, der die „Rothäute“ so gut kennt wie der bei ihnen aufgewachsene Ed Bannon, die negativste Einstellung zu ihnen hat, während andere Weiße ihnen bis zu einem gewissen Grad vertrauen, ist bereits eine Konstruktion, die so dezidiert negativ den Native Americans gegenüber selbst damals selten anzutreffen war. Oft wurden sie mehr oder weniger als anonyme Gefahr dargestellt, sie waren eben da und gefährlich, womit der wilde Westen schon aus diesem Grund seine Bezeichnung mit einiger Berechtigung führte. Doch die Darstellung von Torino ist geht darüber weit hinaus, weil sich in ihm mehr oder weniger alle schlechten Eigenschaften versammeln, die man sich als ehrlicher Kämpfer vorstellen kann.

Dass es sich um einen B-Western handelt, merkt man zumindest seiner Spieldauer nicht an. 105 Minuten Spielzeit sind für damalige Verhältnisse mehr, als viele A-Western aufwiesen. Allerdings versickert vieles, was in den diesen 105 Minuten gezeigt wird, mehr oder weniger im Nichts. Das gilt für Ed Bannons Love Interest, hier kommt es nicht zum klassischen Abschluss, es gilt für das Verhältnis zu der ¾-Native Nita, die in Wirklichkeit nur das Fort für ihre Blutsbrüder ausspionieren will, für deren Bruder, der ebenfalls dort angestellt ist und das Verhältnis zwischen Ed Bannon und dem ersten Fortkommandanten und dessen Nachfolger ist redundant, dramaturgisch nicht gut gelöst und den Eindruck hatte ich von dem gesamten Film: Es fehlt ein guter Spannungsbogen und technisch ist er nicht so perfekt, wie es von „Cinema“ (siehe Kritik unten) behauptet wird. Das, was man heute als „Sounddesign“ bezeichnet, ist nicht besonders gut: Pferdegetrappel hört sich immer gleich an, egal, ob zwei oder fünfzig dieser Vierbeiner unterwegs sind, außerdem stoppt es ganz abrupt, wenn die Reiter verlangsamen, was man an einer Stelle gut bemerken kann, an der Bannon und sein Gefährte wieder auf die Armee treffen. Die Kampfszenen sind Second Rate, obwohl mit Charlton Heston und Jack Palance zwei ausgesprochen physische Schauspieler zur Verfügung standen, die mehr draufhatten, als hier gezeigt wird. Man kann auch sagen, so ist es realistischer als etwa die epische Prügelei, die sich Heston mit Gregory Peck in „Weites Land“ fünf Jahre später lieferte. Aber „Weites Land“ ist ein beinahe epischer und gut geschriebener AAA-Western, der trotz seiner Länge kaum Längen aufweist.

Was man „Die Bestie der Wildnis“ zugutehalten kann, ist, dass die Figuren nicht so leicht auszurechnen sind und dass dadurch eine Spannung zustande kommt, die auch mit Unsicherheit beim Zuschauer zu tun hat. Es handelt sich eher eine Form von Anspannung, nicht um Suspense à la Hitchcock.

Ich bin dem Film trotzdem interessiert gefolgt, denn ich wollte sehen, wie weit die Ideologie vorangetrieben wird, welche die Apachen als Bestien darstellt, vor allem ihren jungen Anführer, der sozusagen in einer Indianerschule Camouflage betrieben hat. Man hätte es ahnen können, dass er nicht zu zivilisieren ist, denn er hat sich die Haare nicht schneiden lassen. Ed Bannon hingegen lässt sich nicht dadurch abschrecken, dass die Armee ihn unbedingt loswerden möchte. Dass Armeeführer borniert sein können, hat John Ford eindrucksvoll fünf Jahre zuvor in „Bis zum letzten Mann“ (im Original bezeichnenderweise „Fort Apache“) vorgeführt, offensichtlich fußt die Leichtgläubigkeit der Offiziere in „Die Bestie der Wildnis“ darauf.

Al Sieber hingegen war niemals den „Indianern“ gegenüber so hasserfüllt, wie Ed Bannon hier dargestellt wird, sondern war maßgeblich am Friedensprozess der 1870 und 1880er Jahre beteiligt. Allerdings hatten die realen Personen auch immer wieder Wendungen vollzogen und Dinge getan, die nicht zur Legende passten – und das kommt in „Die Bestie der Wildnis“ wohl mehr unfreiwillig ganz gut heraus: Die Logik des Handelns und damit der Handlung ist häufig nicht nachzuvollziehen.

Kritiken

Das Lexikon des internationalen Films über den Film: „Trotz guter Darsteller und bemerkenswertem Einsatz der Technicolor-Farben eher ein Durchschnittswestern mit den gängigen Feindbildern.“[1]

Die Filmzeitschrift Cinema „Der handwerklich saubere und gut gespielte Film gilt als einer der indianerfeindlichsten Western.“ Das Fazit fällt folgendermaßen aus: „Technisch tipptopp, aber reaktionäre Moral“[2]

Bosley Crowther von der New York Times bezeichnet den Film als monoton, was auf Vorurteile des Produzenten gegenüber Indianern zurückzuführen sei. Der Film sei weder gut noch spannend.[3]

Finale

Wir wollen aus diesem Film nicht mehr machen, als er ist, aber festhalten, dass die Machart für die Verhältnisse der Zeit eher typisch als die Ausnahme gewesen sein dürfte. Nur kommen die vielen „billigen“ Western bei uns nicht zur Ausstrahlung, sondern es werden frühe humanistische Werke wie „Broken Arrow“ mit James Stewart herausgehoben, die Meilensteine auf dem Weg zu weniger Rassismus gegenüber den amerikanischen Ureinwohnern waren. Grundsätzlich wird gesagt, worum es auch in diesem Film geht und das ist die Perspektive, die heute eingenommen werden sollte: Die Apachen sollen in ein Reservat eingesperrt werden, in dem sie angeblich keine Feinde mehr haben – abgesehen davon, dass sie auch untereinander nicht immer friedlich waren und insgesamt kriegerischer als andere „Indianer“-Völker, hatten sie diese aber auch in ihrem angestammten, großen Gebiet nur unter den Weißen.

Es lässt sich auch bei Filmen mit einer Tendenz wie „Die Bestie der Wildnis“ nicht ganz vermeiden, dass durchschimmert, wie rabiat man mit den Ureinwohnern umging, als sie besiegt waren. Große Westernfilmer wie John Ford haben sich deshalb solche Begründungen für die Indianerkämpfe, wie wir sie hier sehen, vorsichtshalber gespart, in dem Wissen, dass damit auf dünnem Eis geht, das Handeln der Weißen moralisch zu rechtfertigen, indem man die „Rothäute“ als tückische und minderwertige Typen darstellt. Rein qualitativ wäre der Film etwa bei 55/100 herausgekommen, die niedrigere Bewertung fußt auf seinem Spin. Sowas dürfen heute nur noch Privatsender im deutschen Fernsehen zeigen, aber interessant ist es durchaus, weil es unser Bild von Amerika komplettiert und das Bild des klassischen Hollywood, wenn es nicht von seiner edelsten Seite gezeigt wird. Außerdem sind Forts, die keine Palisaden, sondern Gartenmauern haben, dafür aber große Wirtschafts- und Kasernengebäude, doch mal eine interessante architektonische Abweichung vom Pionierstil, wie wir ihn kennen. Außerdem kann man das Starpotenzial von Charlton Heston schon recht gut identifizieren, auch wenn er ein etwas anderer Typ ist als die bis dahin dominierenden Hollywood-Superstars.

40/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke 

Regie Charles Marquis Warren
Drehbuch Charles Marquis Warren
Produktion Nat Holt
Musik Paul Sawtell
Kamera Ray Rennahan
Schnitt Frank Bracht
Besetzung

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