Nacht der Oscars: Schauspieler*innen mit den meisten Oscarnominierungen, die Rekordhalter*innen und ein paar Anmerkungen am Rande #Filmfest Special

Filmfest Cinema – Special Oscars, All Time Records, Living Legends and Others

Sie alle sind Legenden, auch die noch lebenden Schauspieler*innen, die auf der untenstehenden Liste zu finden sind.

Anlässlich der gestrigen, verspäteten Oscarverleihung in mageren Kinozeiten hat Statista eine Grafik erstellt, die einen grundsätzlichen Überblick über die Rekordhalter*innen bei den Nominierungen für den begehrtesten Filmpreis der Welt gibt. Damit eine noch lebende und aktive Hollywoodschauspielerin ganz vorne steht, hat die Zahl der Nominierungen für einen Oscar genommen, nicht die Zahl der Siege. Man kann diese Vorgehensweise vertreten, denn es gibt einige Schauspieler*innen, die mehrfach nominiert waren, nie gewannen und doch zu den Besten zählen.

Die gestrigen Oscars wurden so verteilt, wie es die Internet Movie Database hier ausführlich wiedergibt.

Weiter im Text geht es nach der Grafik.

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• Infografik: SchauspielerInnen mit den meisten Oscar-Nominierungen | Statista

Ein Beispiel aus der klassischen Hollywood-Ära, der auch Katharine Hepburn, Bette Davis und Spencer Tracy angehören, ist Barbara Stanwyck, die einige bleibende Leistungen geliefert hat, wie etwa die maximal bösartige Phyllis Dietrichson in Billy Wilders Film-noir-Meisterwerk „Double Indemnity“ (1944). Sie wurde viermal nominiert, die Britin Deborah Kerr, die in Hollywood großen Erfolg hatte, sogar sechsmal, ohne zu gewinnen.

Katharine Hepburn, so kann man es auch sehen, brauchte nur zwölf Nominierungen, um viermal zu gewinnen. Mit einer interessanten Splittung. Zwei der Statuen gewann sie bereits in jungen Jahren als aufstrebender Star, dann galt sie ein paar Jahre lang als „Kassengift“ und trotz vieler toller Leistungen dauerte es mehr als 30 Jahre, bis sie zwei weitere Oscars gewann, wenn man so möchte, für „Alterleistungen“ in den Filmen „Rat mal, wer zum Essen kommt“ und „Ein Löwe im Winter“ (1967, 1968). Wessen Fehlen mir sofort auffiel: Robert De Niro. Er gewann einen Oscar als bester Nebendarsteller in „Der Pate“ und einen als bester Hauptdarsteller für „Wie ein wilder Stier“ und war, wie Jack Lemmon und Marlon Brando, ebenfalls achtmal nominiert. Die beiden gewannen allerdings je zweimal für Leistungen in Hauptrollen. Tom Hanks hingegen hat zwei Oscars für Hauptrollen gewonnen, war aber insgesamt nur sechsmal nominiert (Haupt- und Nebenrollen zusammengerechnet). Er findet sich demgemäß nicht auf der obigen Liste.

In die Reihe der zweifachen Oscarpreisträger reiht sich seit gestern Anthony Hopkins ein, der für „The Father“ gewann, seinen ersten Oscar erhielt er für seine unvergessliche Rolle als Hannibal Lector in „Das Schweigen der Lämmer“. Weitere zweifache Preisträgerinnen bei den Frauen neben den oben genannten (in KLammern die Zahl der Nomnierungen) sind Luise Rainer (2) Olivia de Havilland (4), Vivien Leigh (2), Ingrid Bergman (6), Elizabeth Taylor (5), Glenda Jackson (4), Jane Fonda (6), Sally Field (2), Jodie Foster (3), Hilary Swank (2), Meryl Streep (17).

Drei der in der obigen Grafik aufgeführten Personen leben noch. Der nach Hauptdarsteller-Oscars beste Schauspieler überhaupt ist Daniel Day-Lewis (3 Siege), er ist jedoch nicht auf der Liste enthalten, weil er nur zwei weitere Male nominiert wurde. Das Verhältnis von Siegen zu Nominierungen ist exorbitant, die meisten Darsteller*dinnen mussten sich ihre Oscars über viele Nominierungen hinweg regelrecht „verdienen“.

Auch Frances McDormand hat dieses Jahr ihren dritten Hauptdarstellerinnen-Oscar erhalten für ihre Leistung in „Nomadland“. Auch sie fehlt auf der Liste, weil sie insgesamt nur sieben Mal nominiert war. Nach Zahl aller Oscars ist sie sogar die Nr. 2 hinter Katharine Hepburn, weil ein vierter Oscar für eine Leistung als Nebendarstellerin hinzukommt. Sowohl Day-Lewis als auch McDormand sind 1957 geboren, da ist also noch Zeit für weitere Auszeichnungen, die sie ganz an die Spitze bringen könnten.

Weitere bemerkenswerte Fakten (1)

Emil Jannings gewann 1929 als erster Schauspieler einen Oscar für seine Darstellung in zwei Filmen – Der Weg allen Fleisches (1927) und Sein letzter Befehl (1928). Im gleichen Jahr wurde Richard Barthelmess für seine Darstellung in ebenfalls zwei Filmen – Die Welt in Flammen (1927) und Die Nacht ohne Hoffnung (1928) – als bester Hauptdarsteller nominiert.

Nur Spencer Tracy und Tom Hanks gelang es, in zwei aufeinander folgenden Jahren zu gewinnen. Tracy gewann 1938 für Manuel und 1939 für Teufelskerle; Hanks gewann 1994 für Philadelphia und 1995 für Forrest Gump. Die größte Zeitspanne zwischen zwei Siegen beträgt 29 Jahre: Anthony Hopkins gewann 1992 für Das Schweigen der Lämmer und 2021 für The Father.

Für die Darstellung derselben Figur gewannen Marlon Brando und Robert De Niro jeweils einen Oscar. Brando spielte Don Vito Corleone in Der Pate, und De Niro spielte ihn (als jungen Mann) in Der Pate – Teil II. Jahrzehnte später gewannen Heath Ledger (posthum) und Joaquin Phoenix jeweils einen Oscar für verschiedene Adaptionen des Jokers in den Filmen The Dark Knight und Joker.

Heutige Darsteller*innen profitieren neben ihren unbestreitbaren Leistungen davon, dass Seriensieger*innen bei den Juror*innen wieder beliebt sind, in den 1960ern bis 1980ern hat man es möglichst vermieden, wenige Superstars zu häufig zu prämieren. Ob auch der Talentpool selbst in Hollywood kleiner geworden ist, ist eine Frage, zu der wir uns äußern werden, wenn wir über die neueren Filme einen besseren Überblick haben als derzeit. In Europa, zumindest außerhalb Großbritanniens, ist diese negative Tendenz jedenfalls eindeutig.

Im Sinne des „Sichhochdienens“ und gewisser Ungerechtigkeiten, die daraus zu resultieren schienen, kam es zu Auszeichnungen, die von Kritikern mit Stirnrunzeln betrachtet wurden, weil man sie als kompensatorisch ansah. Jemand erhielt für eine herausragend Leistung keinen Oscar und wurde später für eine allgemein als weniger großartig angesehene prämiert (so etwa Elizabeth Taylor, die nicht als „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ gewann, aber zwei Jahre später mit dem schwülstigen „Butterfield 8“ reüssierte). Im selben Jahr, in dem „Die Katze“ gedreht wurde, hätten Sowohl Tony Curtis als auch Sidney Poitier den Hauptdarsteller-Oscar für ihre Leistung in „Flucht in Ketten“ verdient gehabt, sie waren beide nominiert. Doch der eine war noch zu sehr ein Underdog, im anderen Fall war die Zeit für einen afroamerikanischen Hauptdarsteller als Oscarpreisträger noch nicht reif, so zumindest ist es einer Dokumentation über Tony Curtis zu entnehmen – also zeichnete man David Niven für eine gehobene Durchschnittsrolle in einer gehobenen Durchschnittskomödie aus. Um die Oscars gibt es unzählige Storys, manchmal sind sie nur sehr persönlich, manchmal auch politisch. Häufiger bzw. deutlicher noch als bei den Darsteller*innen kam es aus historischer Sicht zu sehr offensichtlichen Fehlentscheidungen bezüglich der Auszeichnung des besten Films des Jahres.

TH

(1) Alle zusätzlichen Informationen sind verschiedenen Wikipedia-Seiten entnommen

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