Interstellar (USA / GB 2014) | 6 Empfehlungen | #Filmfest 475

Filmfest 475 Empfehlungen

Interstellar ist ein US-amerikanischbritischer Science-Fiction-Film unter der Regie von Christopher Nolan aus dem Jahr 2014. Der Film spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Menschheit die Erde verlassen muss und ein neues Zuhause auf einem anderen Planeten sucht.

Es wird noch etwas dauern, bis unsere eigene Rezension zu diesem Film kommt, denn derzeit sind die Türen für alles, was neuer ist als 1961 und nicht aus den USA, ziemlich geschlossen. Das liegt daran, dass wir uns nun doch zur beinahe chronologischen Vorstellung vorhandener Rezensionen auf dem Filmfest entschlossen haben. Um die Diskriminierung neuerer Werke und anderer Filmländer wenigstens etwas zu mildern, schieben wir ab und zu eine Empfehlungrezension dazwischen. Manche der darin besprochenen Filme habe ich schon gesehen, wie „Interstellar“, andere nicht.

Eine Meinung muss es trotzdem geben, und zwar eine richtig kantige. Bisher ist interstallare Raumfahrt in dem Sinne, dass wir uns einen Planet B suchen könnten, wenn wir die Erde abgewirtschaftet haben, nicht in Sicht, und falls das jemals der Fall sein sollte: Für welche Minderheit wird das wohl möglich sein? Nur einmal dürfen Sie raten. Ganz sicher hatten viele Filme, die mit Warp- oder Hyperraumantrieb arbeiten mussten, damit die darin etablierten Figuren die unendlichen Weiten des Weltraums erkunden konnten, gute Absichten, besonders trifft das auf „Star Treck“ zu, das für seine Zeit sehr divers war und eine völkerverbindende Botschaft hatte. Doch anstatt, wie einige verrückte Milliardäre, unendlich viel Geld mit eklektischen Raumfahrtprojekten zu verbrennen, sollten wir uns auf die Aufgaben konzentrieren, die hierzuerde zu lösen sind und die wir noch lösen können.

Die irreversiblen Schäden, die wir mit Träumereien anstatt progressiver Realpolitik angerichtet haben, sind bereits groß genug. Interessanter- ode auch entlarvenderweise gibt es keine Filme darüber, wie die allfälligen sozialen und ökologischen Schäden doch noch behoben werden könnten. Entweder rüde Dystopie oder eben doch die Weiten des Weltraums, das bot uns das Kino der letzten Jahre an. Trotzdem ist Interstellar als Film gelungen, da bin ich mit der überwiegenden Zahl der Kritiker*innen einer Meinung. Und zur Technik gibt es eine Besonderheit: Es wird nicht mit Überlichtgeschwindigkeit geflogen, sondern es werden befruchtete Eizellen auf eine lange Reise geschickt:

2021-02-12-filmfest-empfehlungen-2021Die Produktion von Interstellar wurde vom Astrophysiker und späteren Nobelpreisträger Kip Thorne wissenschaftlich begleitet und überwacht. Thorne hat zeitig im Entstehungsprozess zwei Richtlinien festgelegt: Nichts dürfe geltende physikalische Gesetze verletzen, und Spekulationen müssen einen wissenschaftlichen Ursprung haben. Nolan akzeptierte diese Bedingungen, sofern sie der Produktion des Films nicht im Wege standen.[59] Hinsichtlich der filmischen Konzepte von Wurmlöchern und Schwarzen Löchern meinte Thorne, dass er die Gleichungen berechnet habe, die es ermöglichten, dass man die durch ein Wurmloch oder ein Schwarzes Loch wandernden Lichtstrahlen nachverfolgen könne.

Der Grund, warum wir gerade jetzt auf „Interstellar“ Bezug nehmen? Er ist hier nachzulesen: Filmothek #58: „Interstellar“ (neu auf Amazon Prime) – Film plus Kritik – Online-Magazin für Film & Kino:

„Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Regisseur, der sich mit Werken wie „Memento“ und „Inception“ bereits einen Namen als Meister des gepflegten Mindfucks gemacht hatte, einmal dem Science-Fiction-Genre widmen würde. Immerhin sind die Möglichkeiten hier schier grenzenlos. Umso erstaunlicher ist, dass „Interstellar“ bei genauerem Hinsehen durchaus als einer der intimeren Filme in Christopher Nolans Œuvre gesehen werden kann. Das Meisterwerk ist seit 12.5. auf Amazon Prime zu sehen und wartet auf seine Wiederentdeckung.“

Die Autorin hat den Film nun zum zweiten Mal angeschaut und dabei wurde er wohl auch intimer und die Story der Hauptfiguren trat in den Vordergrund, während der Orgelkrach von Hans Zimmer, auch Score genannt, nicht mehr so sehr die Rezeption bestimmte. Ich mag voluminöse Filmmusik recht gerne, aber Zimmer und das Team, das er benötigt, damit die Noten für die vielen verwendeten Instrumente zu unendlich vielen Filmmusiken zu Papier gebracht werden können, übertreiben es zuweilen und das wirkt nicht mehr kreativ oder innovativ, sondern nur bombastisch. Ich glaube, rückblickend werden einige epochale Scores z. B. eines John Williams, gerne für SF-Filme, höher bewertet werden als die überwiegend industriell gefertigt anmutende Klangdröhnung von Zimmer. Auf die Musik beziehe ich mich, weil sie in der oben Rezension auch erwähnt wird, nicht, weil sie mir ohrwurmmäßig in Erinnerung geblieben wäre.

Was schreiben weitere Kritiker*innen zu „Interstellar“? Zunächst die Wikipedia-Übersicht:

In der Top-250-Liste der IMDb lag der Film im April 2021 mit über 1,5 Millionen Stimmen auf Platz 29 mit einer Durchschnittswertung von 8,6.[68] Rotten Tomatoes weist für den Film 72 Prozent positive Kritiken aus, der Kritikerkonsens dort lautet: „Interstellar repräsentiert mehr vom spannenden, nachdenklich-provozierenden und visuell glänzenden Filmemachen, welches Kinobesucher mittlerweile vom Autor und Regisseur Christopher Nolan erwarten, auch wenn die intellektuelle Tragweite des Films ein wenig seine Fassungskraft überschreitet.“ Die Zuschauerbewertung liegt dagegen bei 86 %.[69] Metacritic verzeichnet auf Basis von 46 Kritiken einen Metascore von 74 von 100 Punkten. Der User-Score liegt bei 8,5 von 10 Punkten.[70]

Empfehlungsrezensionen unterfallen bei uns nicht dem Projekt „Top 250 aller Zeiten der IMDb“, das bisher 60 Filme umfasst, aber dass Interstellar ein Publikumsfilm ist, erschließt sich schon aus den obigen Daten. Sogenannte „Übereinstimmungsfilme“, die von der Kritik sehr gut und vom Publikum so herausragend rezipiert werden wie „Interstellar“, haben in der Regel einen Metascore von über 80 und einen Score bei Rotten Tomatoes von über 90. Einen Hinweis kann man auch darin sehen, dass der Film lediglich für die visuellen Effekte einen Oscar erhielt, nicht für das Drehbuch, die Regie oder die darstellerischen Leistungen.

Gregor Wossilus vom Fernsehmagazin Kino Kino nahm den Film zwiespältig auf. Er sah „ein zumindest visuell ausgesprochen starkes Weltraumabenteuer“ und auch die Actionmomente und Effekte seien packend. Die „hochphilosophischen Ansätze“ seien in ein „typisches Unterhaltungs-Sci-Fi-Szenario“ eingebettet, das klar den Regeln des Genres folge. Das Finale lasse an Logik zu wünschen übrig. Wie auch bei The Dark Knight und Inception empfand Wossilus Interstellar als „Hochglanz-Unterhaltungskino, das tiefgründiger sein will, als es am Ende ist“.[77]

Ich mache mit dieser negativen Kritik weiter, weil sich in ihr etwas zeigt, was ich ähnlich empfinde. Ich konnte nie verstehen, dass „Inception“ und „Dark Knight“ zu den besten der besten Filme aller Zeiten gezählt werden und empfinde darin auch sehr vieles als pseudophilosophisch. Ich kann mich gut an meine erste Sichtung von „Inception“ im Kino erinnern, als ich durch die Begleitung seitens einer Person irritiert war, die der Ansicht war, den Film komplett zu verstehen. Immerhin war sie Naturwissenschaftlerin, deshalb nahm ich ihr das ab. Doch bei „The Dark Knight“ war ich in der Rezeption des heutigen und speziell des Nolan-Kinos bereits genug geschult, um Zweifel an der überragenden Hochwertigkeit der gesamten Konstruktion anzumelden. Dieses Nolan-Kino ist grandioser Mindfuck, das sieht die erste erwähnte Kritik richtig, deswegen muss man sich geradezu zwingen, sich etwas zurücknehmen, um den Kern zu exzerpieren. Von hier aus zu den positiveren Stimmen:

In der Süddeutschen Zeitung meinte Tobias Kniebe, dass „der quasi-psychedelische Trip […] einen dann auch wirklich packt und einsaugt mit der Kraft eines gewaltigen schwarzen Lochs.“ Zudem hielt er Nolan zugute, dass er versucht habe, die Einsamkeit im Weltraum zu skizzieren, und „darin unterscheidet sich sein Film von fast allem, was das Weltraumgenre bisher hervorgebracht hat.“ Die „logischen Wurmlöcher, die zum Ende hin auch den Plot von Interstellar durchziehen“, konnte Kniebe verzeihen. Störend sei jedoch „der finale Drang, kein Ende der Geschichte lose zu lassen, auch das letzte Rätsel in einer Weise aufzulösen.“[76]

Wenn man die vielen Logiklöcher in Krimis fast jeden Tag zu begutachten hat, wie das bei uns wegen der Rubrik „Crimetime“ der Fall ist, freut man sich eigentlich, wenn alles korrekt aufgelöst wird. Dann sollte es aber auch auch korrekt sein und je gewaltiger der Eindruck ist, den ein Film schinden will, desto schwieriger wird es damit, alle Fäden so zusammenzuhalten, dass sie stringent geführt wirken. Wäre das so, würde das eine oder andere, was viele Zuschauer als toll überraschende Wendung empfinden, der objektiven Unmöglichkeit wegen gestrichen werden müssen. Von der subjektiven Unmöglichkeit gar nicht zu reden.

Todd McCarthy vom Hollywood Reporter sah in Interstellar „Nolans persönliche Antwort auf seinen Lieblingsfilm 2001: Odyssee im Weltraum“. Der Film versucht „intime menschliche Emotionen und Spekulationen über den Kosmos gleichwertig zu wichten“, das gelingt ihm mit „gemischten Ergebnissen.“[53]

Mit 2001 konnte bisher kein weiterer SF-Film mithalten, was die Tiefgründigkeit angeht und er war hochgradig innovativ, am nächsten kamen ihm eher die kritischen SFs seiner Entstehungszeit bzw. der frühen 1970er, nicht die heutigen Mainstreamprodukte. Er hat aber auch etwas mehr Geduld erfordert und den Zuschauer*innen Raum für Assoziation und Interpretation gelassen. Man kann auch sagen, „2001“ war Kino für Erwachsene. In den Top 250 der IMDb verweilt er aktuell auf Rang 89. Allerdings hat „2001“ auch keine berührende persönliche Story, sondern ist konsequent konzepttreu, während „Interstellar“, das wird vielfach betont, gängigen Mustern des Genres (und natürlich des Hollywoodkinos) folgt. Filme, die heutzutage Blockbuster werden wollen, müssen das eben.

Das britische Filmmagazin Empire nahm Interstellar positiv auf. James Dyer empfand den Film als „schlau, verrückt und wunderschön“ und sah in ihm eine Star-Trek-Version von Stephen Hawking. Interstellar sei „eine verblüffende Oper über Raum und Zeit mit Seele, eingerollt in Wissenschaft.“[71]

Kritischer betrachtete Henry Barnes vom Guardian das Werk. So lobte er zwar die „beste Einbettung wissenschaftlicher Theorien in einen Blockbuster“ seit Nolans Inception,[72] kritisierte aber, Nolan habe „bei all seinen Ambitionen“ vergessen, „Spaß an dem Ganzen zu vermitteln“.[73]

Uns geht es bei diesen Empfehlungsrezensionen auch darum, dass das gesamte Blockbusterkino von heute ein wenig kritisch hinterfragt wird, deswegen freue ich mich auch darüber, dass Profis durchaus nicht alles super finden, was darin gezeigt wird und ich diese Stimmen anzitieren kann. Die Kritik ist selbstverständlich nicht gleichgerichtet, aber sie zeigt auf, dass man das Publikum … naja, sagen wir mal, manchmal auch etwas für dumm verkauft und wie gut das funktioniert, wenn nur entsprechend mit mächtigen visuellen Effekten gearbeitet wird (und natürlich mit dem Sound von Hans Zimmer). Dass Nolan mit „wissenschaftlicher Akkuratesse“ gearbeitet hat, ist natürlich auch ein Trick: Der Hyperraumantrieb ist irgendwie schon zu ausgelutscht, um noch richtig dramatisch zu wirken. Er würde das, was in „Interstellar“ gezeigt wird, schlicht zu wirken oder auch leicht schlicht wirken lassen. Es geht im Ergebnis aber doch meist eher um Kunstfertigkeit als um große Kunst.

TH

Kursive Textbestandteile: Wikipedia, Rezension 1 eigenständig zitiert.

Regie Christopher Nolan
Drehbuch Jonathan Nolan,
Christopher Nolan
Produktion Christopher Nolan,
Emma Thomas,
Lynda Obst
Musik Hans Zimmer
Kamera Hoyte van Hoytema
Schnitt Lee Smith
Besetzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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