„Das Corona-Rätsel von Afrika“ | #Newsroom #Corona #Lage | #NTV #Afrika #Afrcia #Covid19 #Pandemie #Impfung #Gene

Newsroom | Corona Lage | Afrika, geringe Fallzahlen

Wir haben uns im Rahmen vieler Corona-Lageberichte mit vielen Ländern auseinandergesetzt, vor allem mit jenen, in denen hohe Fallzahlen zu beklagen waren und in erster Linie mit Deutschland. Afrika habe wir immer nur gestreift mit Randbemerkungen wie „Schon interessant, wie niedrig die Zahlen dort sind“ oder ähnlich formulierten Sätzen. Dabei war immer klar: Wir zweifeln die dortigen Zahlen besonders stark an. Noch stärker als die bei uns beispielsweise, wo wir immer wieder darauf hinweisen, dass die geringe Zahl an Testungen auch eine vergleichsweise hohe Dunkelziffer verursacht.

Zu Corona in Afrika hingegen hat man sich hier vor ein paar Tagen Gedanken gemacht und wir ergänzen unsere Berichterstattung um jenen „vergessenen Kontinent“ und widmen uns ihm nun etwas ausführlicher:

Erstaunlich niedrige Fallzahlen: Das Corona-Rätsel von Afrika – n-tv.de

Auffällig waren die niedrigen Fallzahlen auf einem Kontinent, dessen Gesundheitssysteme man eher mit denen des jetzt sehr stark betroffenen indischen Subkontinents vergleichen kann als mit jenen in Europa und dessen Bevölkerung so rasant wächst, dass die Infrastruktur dieses Wachstum nur mühsam aufzunehmen in der Lage ist, von Beginn an bzw. ab dem Zeitpunkt, als die westliche Welt von der ersten Welle getroffen wurde. Manche Überlegungen, die auch in dem Artikel erwähnt werden, sind im Grunde absurd: Zum Beispiel, dass die Bevölkerug in Afrika genetisch so aufgestellt ist, dass sie gegen das Virus eher immun ist als in Europa. In den USA zählten Afroamerikaner zu den am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen und in Südafrika mit etwa 80 Prozent indigener Bevölkerung sind die Zahlen viel höher als in allen anderen Staaten des Kontinents, direkte Nachbarn verzeichnen nur einen Bruchteil an gemeldeten Infektionen wie das Land am Kap.

Eine Wahrheit dürfte in der Tat darin liegen, dass die Bevölkerung Afrikas sehr jung ist. Junge Menschen haben nun einmal bei weitem seltener schwere Corona-Krankheitsverläufe, ihre Infektionen werden gerade bei niedriger Testungsrate seltener erfasst, mithin nicht offenkundig. Das ist nachvollziehbar, ebenso, dass dadurch die Todesfallrate im Vergleich zu den Infektionszahlen relativ gering ist, trotz einer in manchen Teilen des Kontinents sehr rudimentären Gesundheitsversorgung. Aber wir schauen uns seit Längerem die Testzahlen an und diese sind in Afrika in der Tat sehr niedrig. Noch niedriger als in Deutschland, könnte man frotzeln, denn auch bei uns wird ja eine Politik der vielen Infektionsfälle unter dem Radar gefahren. Der Preis dafür ist eine für ein mitteleuropäisches Land erstaunlich hohe Todesfallquote. Das passt jedoch ganz gut zusammen. Außerdem schätzt die WHO, dass die weltweiten Todesfallzahlen im Zusammenhang mit Corona viel höher liegen, als sie von den Staaten ausgewiesen werden. Angesichts der sehr niedrigen Todesfallzahlen in manchen Ländern, die keine so junge Bevölkerung haben wie Subsahra-Afrika, kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass die Zählung nicht überall gleich ist, mithin auch die Statistiken schwierig zu vergleichen sind.

Das wissen wir, auch wenn wir in unseren Artikeln, wenn wir z. B. westliche Länder vergleichen, dies nicht jedes Mal in den Vordergrund stellen, denn was nützt es, das permanent zu tun? Wir haben keine besseren Daten. Wir können nur hoffen, dass wenigstens in den Ländern, die sich noch als halbwegs demokratisch bezeichnen dürfen, nicht Millionen von Fällen und Hunderttausende von Toten geradezu unter den Teppich gekehrt werden. Sofern nicht auch die Sterbestatistiken, mithin alle Bevölkerungsdaten eines Landes stark manipuliert sind, wird sich aber noch zeigen, wie es wirklich mit Corona gelaufen ist. Für Afrika bedeutet dies:

Bis zuletzt wurden für den Kontinent laut Weltgesundheitsorganisation WHO knapp 85.000 Corona-Todesfälle übermittelt. Mehr als 50.000 davon allein in Südafrika. Mit laut WHO insgesamt 3,4 Millionen gemeldeten Corona-Fällen macht Afrika nur etwa 2 Prozent aller globalen Fälle aus. Dabei beherbergt der Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern mehr als 17 Prozent der Weltbevölkerung.

Das bedeutet nichts anderes, als dass in ganz Afrika bisher weniger Menschen an Corona verstorben sind als in Deutschland alleine. Auch wenn die sehr überalterte deutsche Bevölkerung einen großen Unterschied macht, das wirkt schon sehr seltsam. Man traute Afrikas Staaten durchaus zu, ein gutes Krisenmanagement zu zeigen, wegen der Erfahrungen aus vorausgegangenen Epidemien wie Ebola, aber in Relation zum sonstigen Gesundheitssystem, sicher nicht zu dem, was in reichen Ländern möglich ist. Das heiße Klima stand auch in der Diskussion. Wie man mittlerweile als sicher annehmen darf: Auch bei uns sinken im Sommer tendenziell die Infektionszahlen, weil das Virus sich unter diesen Bedingungen weniger schnell verbreitet. Aber was ist mit ebenfalls heißen Zonen wie Indien oder mit Südamerika, wo das Virus vor allem in Brasilien immer noch wütet?

Irgendwann kam man dann tatsächlich auf das, was wir anhand der Worldometer-Statistik schon länger beobachten: In Afrika wird sehr wenig getestet. Immerhin sind diese niedrigen Zahlen wohl echt.

Ein internationales Forscherteam (…) hat in der Hauptstadt Nairobi mit einer Stichprobe das wahre Ausmaß der Pandemie ermittelt. Für ihre Studie, die noch keine Peer-Review durch unabhängige Experten durchlaufen hat, hatten sie im November 2020 das Blut von rund 1200 Menschen in mehr als 500 Haushalten auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 untersucht. (…) Jeder zweite Haushalt war demnach von mindestens einem Corona-Fall betroffen. Etwas mehr als ein Drittel der Menschen in Nairobi hatte bereits eine Infektion hinter sich (…) Laut der Zwischenauswertung der SeBluCo-Studie wiesen in Deutschland im März gerade mal knapp 8 Prozent der Bevölkerung Corona-Antikörper auf – und davon ein Drittel wohl aufgrund einer Impfung.

Man kann nur hoffen, dass sich diese Zahlen aus einer ostafrikanischen Großstadt nicht auf den gesamten Kontinent übertragen lassen. Nur – wenn es so wäre und die meisten Menschen sich dort nur „atypisch“ infizieren, also gar keine Krankheitssymptome zeigen? Dann würde das bedeuten, das bei uns Atypische ist dort das Typische.

Nur 2,4 Prozent aller Corona-Infektionen in Nairobi wurden laut den Autoren offiziell erfasst. Die tatsächliche Verbreitung des Virus war demnach 42 Mal höher als bislang bekannt. 

Rechnen wir also die erfassten Corona-Infektionsfälle in Afrika vorsichtig um das Zwanzigfache nach oben und gehen davon aus, dass die Untererfassung nicht überall so extrem hoch ist, wie diese doch recht kleinräumige Studie es für Nairobi ergeben hat, erhalten wir vermutlich eher ein realistisches Bild: Derzeit sind in Afrika 4,8 Millionen Corona-Fälle registriert, das Zwanzigfache, 96 Millionen, wäre das Doppelte der aktuellen Zahl für ganz Europa. Das wäre angesichts einer um das 2,5-fache höheren Bevölkerung realistisch. Dass es hingegen nach jeder möglichen Form der exakten Erfassung weniger Todesfälle als auf unserem im wörtlichen Sinne alten Kontinent gibt, ist durchaus möglich. Und es wäre auch insofern tröstlich, als die hohe Infektionsrate, die oben benannt wird, bei europäischen Verhältnissen abzüglich in der Regel doch, wenn es ums Ganze geht, noch recht passabel funktionierender Gesundheitssystem gigantische Verlute an Menschenleben bedeuten würden.

Allerdings, wie oben angedeutet, zweifelt die WHO auch die korrekte Erfassung von Todesfällen von Todesfällen im Zusammenhang mit Corona an und warum sollte ausgerechnet diese Zahl in Afrika korrekt sein, wenn alle anderen, die gemeldet werden, vermutlich weit von der Wirklichkeit entfernt sind?

Einen Hinweis auf die Untererfassung von Corona-Toten gibt Südafrika. Die dort vergleichsweise gute Datenlage ermöglicht eine Berechnung der Übersterblichkeit. Eine Untersuchung des Zeitraums Mai 2020 bis April 2021 ergab knapp 154.000 Todesfälle mehr, als erwartbar gewesen wären. Laut offiziellen Daten verzeichnet Südafrika jedoch bis heute nur etwas mehr als 50.000 Corona-Tote.

Das wäre angesichts von vermutlich fast 100 Millionen Infizierten immer noch eine sehr geringe Zahl. So, wie die Dinge liegen, lautet das Fazit des für die vorliegende Betrachtung herangezogenen Artikels, steuert Afrika mehr oder weniger im Blindflug durch die Pandemie und nun sei die Verbreitung der indischen Variante verstärkt zu erwarten. Zudem seien in vielen Ländern Afrikas nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung geimpft. Vielleicht schützt das geringe Durchschnittsalter der Menschen sie noch einmal vor der ganz großen Katastrophe. Es gibt tatsächlich afrikanische Staaten, die sehr hohe Geburtenraten und einen Altersdurchschnitt von unter 18 (!) Jahren aufweisen. In Deutschland liegt er trotz des jährlichen Zuzugs vieler jüngerer Menschen bei 45 und in Europa insgesamt bei über 40 Jahren. Vor allem die Zahl der sehr Betagten, die ein besonders hohes Corona-Todesfallsrisiko aufweisen, ist hierzulande und überall in der westlichen Welt um ein Vielfaches größer.

Was ist eigentlich den erwähnten Gesichtspunkten von den herausragenden Zahlen einiger asiatischer Staaten zu halten? Sie sind nicht mit Afrika vergleichbar, aber offensichtlich auch nicht mit Europa oder den USA. Sie sind aber besonders darauf bedacht, keine schlechte Figur zu machen bzw. das Gesicht zu wahren. Wir haben es in Europa wirklich trottelhaft angestellt, gerade in Deutschland, aber auch bei einigen südostasiatischen Ländern wirken die Zahlen nicht gerade vertrauenerweckend, sondern sind für dermaßen dicht besiedelte Regionen, wie wir sie dort vorfinden, zu gut. Es wird in diesem Raum nicht so viele Realitätsverweigerer geben und man war auch in den demokratischeren Staaten der Region sehr konsequent bei der Eindämmung der Pandemie. Trotzdem bleiben erhebliche Zweifel daran, dass das so gut gelungen sein kann, wie die Nahe-Null-Ziffern bei den Todesfällen es für einige dieser Staaten ausweisen.

TH

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