Woher die Friedenswächter kommen und wer die Kosten für die Missionen trägt – Zum Tag der Blauhelme am 29.05.2021: Blauhelmsoldaten weltweit | #Frontpage #UNO #BlueHelmets #BlueBerets #Blauhelme #UNMISS #MINUSMA (Mali) #MONUSCO Statista

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Zum Welttag der Uno-Missionen am 29.05.2021 stellen wir eine Frage: Haben Sie auch den Eindruck, die Blauhelmmissionen der Uno sind Zusammenkünfte von Soldat*innen verschiedener führender westlicher Staaten? Im Wesentlichen jedenfalls? Das stimmt eindeutig nicht. Hier die Länder, die gegenwärtig die meisten Blauhelme zu UNO-Friedensmissionen entsenden:

• Infografik: Woher die Friedenswächter kommen | Statista

Über 80.000 Soldat*innen sind derzeit weltweit im Auftrag der UNO im Einsatz, davon nur 557 aus Deutschland. Im Begleittext von Statista heißt es dazu:

Am 29. Mai ist der Internationale Tag der Blauhelme. An diesem Datum „würdigen die United Nations alle zivilen Einsatzkräfte, Polizisten und internationalen Soldaten, die in Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen tätig sind oder die in Missionen infolge von Gewalt, Unfällen oder Krankheiten ums Leben kamen.“ Aktuell laufen zwölf solcher Friedensmissionen. Die größten sind die UNMISS (Südsudan), die MINUSMA (Mali) und die MONUSCO (Demokratischen Republik Kongo) mit zusammengenommen fast46.000 Soldat_innen, Polizeikräften und sonstigem Personal. Das Gros der aktuell rund 80.000 Einsatzkräfte wird von Ländern des globalen Südens gestellt, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. (…) Die Friedensmissionen sind oftmals riskant. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2021 starben 52 Friedenshüter_innen – insgesamt beläuft sich die Zahl der Opfer seit 1948 auf 4.089.

Aber woher kommt es, dass die Länder, die geostrategisch das Weltgeschehen bestimmen, kaum Soldat*innen für die UNO-Missionen bereitstellen? Das einzige dieser Länder, das unter den Top Ten auftaucht, ist China, wohingegen besonders arme Länder wie Bangladesch und Äthiopien hervorstechen. Um das zu klären, lohnt sich eine kleine Vertiefung. Wir haben uns die Statista-Grafik zu diesem Thema aus dem Jahr 2018 angeschaut:

• Infografik: Wer entsendet die meisten Blauhelme? | Statista

Das Bild war bereits dem heutigen sehr ähnlich. Die Grundlage der Blauhelmtätigkeit wird im Begleittext der älteren Grafik erläutert, im Jahr 2018 hatte Deutschland nach etwa 1/3 Mehr Personen im Einsatz als derzeit:

Vor 70 Jahren entsandten die Vereinten Nationen erstmals Beobachter nach Palästina, um einen Waffenstillstand während des israelischen Gründungskrieges zu überwachen. Mit der 50. Resolution des Sicherheitsrates vom 29. Mai 1948 wurde der Grundstein für die Einsätze gelegt, die heute als Friedens- oder Blauhelmmissionen bekannt sind.

Damit ist aber noch nicht die Frage nach der interessanten Verteilung Blauhelmsoldaten nach Ländern beantwortet, die wir heute sehen. Sie findet sich aber hier:

Während die wirtschaftlich stärkeren Länder das Gros des Budgets der UN-Friedensmissionen zahlen, sind es die Entwicklungs- und Schwellenländer, deren Soldaten ihren Kopf hinhalten. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Vereinten Nationen etwa 1.330 US-Dollar pro Soldat im Monat an die Regierungen zahlt, die ihre Soldaten dann wiederum nach ihrem eigenen Soldsystem entlohnen. Oftmals bleibt gerade bei den Mannschaftsdienstgraden eine positive Differenz. Viele der Länder sind aber auch Stolz auf ihren Beitrag für die Friedenseinsätze und haben eine lange Truppensteller-Tradition.

Trotzdem sind die Blauhelme keine „Söldner der Reichen“, weil sie im Auftrag der Weltgemeinschaft wichtige Friedenssicherung betreiben. Dazu kommen uns sofort zwei Assoziationen in den Sinn: Die deutsche Außenpolitik vor der Wende, die als Generschismus Karriere machte: Die anderen sind vor Ort und Deutschland zahlt. Es gibt aber einen weiteren Gedanken, bei dem vor allem Linke die Ohren spitzen sollten: Es wird von den Genoss*innen so gerne hervorgehoben, dass in Kuba Ärzte für die Welt ausgebildet werden, die dann insbesondere in anderen lateinamerikanischen Ländern zum Einsatz kommen. Das ist aber keine altruistische Maßnahme, sondern Export bzw. Verleih von qualifizierten Arbeitskräften seitens eines Landes, das kaum am internationalen Warenhandel teilnimmt. Die Länder, in denen diese in der Tat gut ausgebildeten Mediziner zum Einsatz kommen, zahlen 3.000 bis 4.000 US-Dollar pro Monat für jede*n dieser Mediziner*innen, von denen selbstverständlich nur ein kleinerer Teil in deren eigene Taschen fließt, das Übrige sind Deviseneinnahmen des kubanischen Staates.

Die Ungleichheit der Welt spiegelt sich trotz der von der Taube geleiteten Friedensmissionen verblüffend deutlich darin wider, wer wo welche Funktionen wahrnimmt, wenn es um internationale Aufgabenteilung geht. Man kann über imperialistische Zusammenhänge oder einen Klassismus innerhalb des UN-Blauhelmsystems nachdenken; ob dies zu etwas führt, darf jedoch bezweifelt werden. Der Vollständigkeit halber und weil Statista auch hierzu die passende Grafik anbietet, nun diejenigen, welche die UN-Blauhelmeinsätze in erster Linie finanzieren. Die Grafik zeigt die Situation im Jahr 2019:

• Infografik: Wer die Kosten für den Friedenserhalt trägt | Statista

Hier sehe wir dann die Staaten, die wir auch eher vorne beim Abstellen von Einsatzkräften erwartet hätten; die Rangfolge spiegelt in etwa ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. China müsste mittlerweile einen größeren Anteil tragen, der Westen einen etwas geringeren, andererseits ist China das einzige Land, das auf allen drei verwendeten Grafiken auftaucht, also sowohl unter den Top-Finanzierern zu finden ist wie auch in höherer Zahl Soldat*innen entsendet.

TH

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