Flammender Stern (Flaming Star, USA 1960) #Filmfest 489

Filmfest 489 Cinema

Der flammende Stern des Todes über dem weiten Land

Flammender Stern ist ein im Jahr 1960 unter der Regie von Don Siegel gedrehter Western, der auf dem Roman Flaming Lance von Clair Huffaker basiert. Elvis Presley ist hier in seiner sechsten Filmrolle zu sehen.

Der King als Halbblut und jüngerer Spross einer Familie, die in Texas eine kleine Ranch betreibt. Die zweite Frau seines Vaters ist eine Kiowa aus der Umgebung. Man kann schon sagen, „Flaming Star“ hat uns verblüfft mit seiner Unerbittlichkeit und seinem Pessimismus, denn gerade die frühen 1960er waren eine sehr optimistische Phase – andererseits eine, in der die Amerikaner den Mut hatten, sozialen Problemen ins Gesicht zu sehen, dabei sind wunderbare Filme herausgekommen, die bis heute in ihrer Art unübertroffen sind.

Allerdings meist in Schwarzweiß gefilmt und keine Western. Aber auch in der Prärie tat sich etwas, zum Beispiel beim Blick auf die Native Americans, die bis dahin in Western meist nicht allzu gut weggekommen, oftmals nur als Bedrohung dargestellt wurden, nicht als eine Ansammlung von ebenso individuellen Menschen wie die Weißen, welche die Kiowas und andere Stämme zunehmend aus ihrem Land drängten. Wer würde heute widersprechen, wenn der junge Häuptling Buffalo Horn dies ausführt und daraus die Konsequenz ableitet, dass es nur einen Weg gibt, die Weißen zu stoppen: Sie zu bekämpfen? Ob das vom Actionspezialisten Don Siegel mit Elvis Presley in der Hauptrolle gut inszeniert wurde, darüber steht mehr in der -> Rezension.

Handlung (1)

Texas 1878: Sam Burton bewirtschaftet mit seiner Familie eine Farm, nicht weit gelegen von einer kleineren Siedlung. Neben seinem Sohn Clint gehört Sams zweite Frau Neddy zur Familie, eine Kiowa. Mit ihr hat Sam einen weiteren Sohn, Pacer. Die beiden Halbbrüder sind gemeinsam aufgewachsen und unzertrennlich. Clint plant die Hochzeit mit der in der Siedlung lebenden Roslyn Pierce.

Angst und Sorge machen sich in der Bevölkerung breit: Der benachbarte Kiowa-Stamm plant einen Angriff auf die große Siedlung und hat schon mehrere außerhalb liegende Farmen überfallen. Die Farmer machen Burtons Familie den Vorwurf, dass diese nicht auf ihrer Seite stünde und nur wegen Sams Frau Neddy von den Überfällen bisher verschont geblieben sei. Entrüstet beteuert die Familie Burton, sich bei einem Angriff der Kiowa auf die Seite der amerikanischen Farmer zu stellen. Nur Pacer ist unschlüssig: Seit seiner Geburt fühlt er sich als Halbblut nicht in der Gemeinschaft der Farmer aufgenommen.

Nachdem Pacers Mutter Neddy bei einem Unfall schwer angeschossen worden ist, machen sich die Brüder auf den Weg zur Siedlung, um Hilfe zu holen. Mit Doktor Phillips und Clints Verlobter Roslyn kehren sie jedoch zu spät zurück. Neddy ist bereits tot, nachdem sie den „Flammenden Stern des Todes“ gesehen hat. In seiner Wut und Trauer gibt Pacer dem Doktor die Schuld daran und beschuldigt ihn, nie ein Herz für seine Mutter und ihn gehabt zu haben, genauso wie sämtliche Bewohner der Siedlung. Er fühle sich daher den Amerikanern nicht zugehörig und werde im herannahenden Krieg auf der Seite der Kiowa kämpfen. Sein Bruder kann ihn nicht von der Entscheidung abhalten. Vater Burton lässt ihn mit seinem Segen ziehen und verliert damit zwei seiner Familienmitglieder an einem Tag.

Bei den Kiowa wird Pacer freundlich aufgenommen, ihm wird versprochen, bei einem Überfall auf das Farmerland Pacers Vater und Bruder zu verschonen. Doch ein Indianertrupp, der noch nichts von dieser Abmachung weiß, bringt derweil Sam um, während Clint außer Haus ist. Als Pacer wenig später mit dem Häuptling der Kiowa „Buffalo Horn“ und einigen Kriegern in den Krieg reitet, treffen sie auf Clint. Pacer verwundet ihn versehentlich und bringt ihn unter großen Anstrengungen zur heimatlichen Farm, um ihn dort gesund zu pflegen. Er ruft nach seinem Vater; von Clint erfährt er, dass dieser bereits tot ist.

Daraufhin schnürt Pacer seinen todkranken Bruder auf ein Pferd und schickt es in Richtung Siedlung. Dort nimmt sich Roslyn ihres Verlobten an, unwissend, was mit seiner Familie geschehen ist. Als Clint am nächsten Morgen erwacht, schleppt er sich aus dem Haus, um nach seinem Bruder zu suchen. Tatsächlich ist Pacer auf dem Weg zur Siedlung, er ist jedoch schwer verwundet und erzählt, dass er nur noch einmal nach seinem Bruder sehen wollte. Clint will ihn dazu bewegen, sich ebenfalls in der Siedlung helfen zu lassen, doch Pacer erzählt, dass er bereits den „Flammenden Stern“ gesehen habe und nun in die Berge reiten werde, um dort in Frieden zu sterben. Clint vermag nicht, ihn aufzuhalten, und bricht unter Tränen vor der Siedlung zusammen.

Rezension

Das Interessanteste aber an Don Siegels Film ist nicht, dass er für seine Entstehungszeit ziemlich brutal ist und sehr direkt und schnörkellos gefilmt, nicht, dass es eine Veränderung der Sichtweise auf die Weißen und die „Indianer“ gibt, sondern, dass kein Ausweg existiert. Es gibt auch keine eindeutige Schuldzuweisung, obwohl man durchaus den Eindruck hat, dass die „Indianer“ weniger wild sind als der weiße Mob, als der sich die nachbarschaftliche Umgebung der nur sehr vordergründig integrierten Burtons herausstellt.

Das kann nur in Gewalt enden, hinzu tritt das eine oder andere Missverständnis, das die Handlung merklich beschleunigt und die Dramaturgie schärft. Auch an dieser gibt es wenig auszusetzen:  Sie folgt dem klassischen Schema des ruhigen, ja fröhlichen Beginns, das Szenario wandelt sich zur Tragödie, und um eine solche handelt es sich im Fall der Familie Burton, die doch das Symbol für die friedliche Vereinigung der Rassen hätte sein sollen. Der Film geht für damalige Verhältnisse sehr weit, indem er uns aller Identifikationsfiguren schrittweise beraubt. Zuletzt sind diese Schritte sehr kurz oder schnell – und vor allem lässt man Elvis Presley sterben. Offscreen, man sieht ihn am Ende lediglich schwer verwundet auf dem Pferd sitzen.

Offenbar war „Flaming Star“ der Versuch, Elvis Presley weiter als Schauspieler zu etablieren, ein wenig in der Manier, wie Frank Sinatra vom Sänger und Teenie-Schwarm zu einem geschätzten Darsteller in Hollywood wurde. Dabei hatte er schwierige Rollen zu meistern wie sein Comeback als Private „Angelo“ in „From Here to Eternity“ (1953) oder eine harte Studie über einen Drogensüchtigen, wie in „The Man With the Golden Arm“ (1955). Dazwischen immer wieder Komödien.

So hätte es bei Presley auch laufen können, der 1960, als „Flaming Star“ entstand, erst 25 Jahre alt war und theoretisch noch das Beste vor sich hatte. Aber auch in Flaming Star, der als einer seiner besten Auftritte gilt, sieht man, warum es eben nicht so gelaufen ist, dass er zwei Karrieren gleichberechtigt nebeneinander verfolgen konnte. Zuvor hatte  er bereits fünf Mal vor der Kamera gestanden, nach „Flaming Star“ aber flaute seine Zweitkarriere als Filmschauspieler ab und es kam in den 1960ern zu einer ganzen Reihe von Komödien, die belegen, dass Presley zwar ein Zugpferd war, aber kein darstellerisches Schwergewicht.

In „Flaming Star“ kann er mit den anderen Darstellerin in etwa mithalten, aber er dominiert sie keinesfalls, obwohl er die Hauptrolle spielt. Er hat nicht die schauspielerischen Fähigkeiten wie Frank Sinatra, sein Ausdruck ist nicht hinreichend variabel, seine Präsenz auf der Leinwand nicht unbedingt die eines Superstars. Er gab allerdings auch nicht den zornigen Wilden, den Rebell, welcher er auch im realen Leben 1960 schon nicht mehr war. 1956, 1957 (dem Jahr, in dem u. a. „Jailhouse Rock“ entstand), da traf das noch zu, aber mit seiner Stationierung als GI in Deutschland kam die Wende hin zum massentauglichen Mainstream-Artisten.

Gerade deshalb, so dachten sich die Macher von „Flaming Star“ wohl, sei es eine gute Idee, das Profil des Mannes, der im Rock’n Roll der King war und einen Smash Hit nach dem anderen produzierte, zu schärfen, etwas mit ihm zu wagen. Frank Sinatra hatten wir allerdings auch deshalb erwähnt, weil zunächst angedacht war, Marlon Brando und ihn für diesen Film zu teamen. Brando vermutlich als Halbblut, Sinatra als der ältere, weiße Bruder. Das bedeutet auch, „Flaming Star“ ist nicht von Beginn an als Vehikel für Elvis geplant gewesen, und vielleicht deshalb muss er überzeugend spielen und kann nicht viel singen. Es gibt nur zwei Lieder, den Titelsong „Flaming Star“ und eine Cowbo-Weise, die er gleich zu Beginn des Films vortragen darf, als die Welt noch fröhlich erscheint und das „Halbblut“ etwas Folkloristisches hat. Optisch passt es übrigens ganz gut, die dichte, schwarze Tolle, der dunkle Teint, damit sieht er echter aus als die Hundertprozent-Kiowas, die von Weißen gespielt werden. So weit war man 1960 noch nicht, Native Americans von ebensolchen darstellen zu lassen.

Das Titellied allerdings hat’s uns angetan, ist eines unserer Lieblingssongs von Elvis Presley, ursprünglich hatten wir auch nicht sehr auf den Text geachtet, und schon wegen dieses Liedes wollten wir den Film unbedingt einmal sehen:

Ev’ry man, has a flaming star
A flaming star, over his shoulder
And when a man, sees his flaming star
He knows his time, his time has come

Flaming star, don’t shine on me, flaming star
Flaming star, keep behind me, flaming star
There’s a lot of livin‘ I’ve got to do
Give me time to make a few dreams come true
Flaming star

When I ride, I feel that flaming star
That flaming star, over my shoulder
And so I ride, in front of that flaming star
Never lookin‘ around, never lookin‘ around

Flaming star, don’t shine on me, flaming star
Flaming star, keep behind me, flaming star
There’s a lot of livin‘ I’ve got to do
Give me time to make a few dreams come true
Flaming star

One fine day, I’ll see that flaming star
That flaming star, over my shoulder
And when I see, that old flaming star
I’ll know my time, my time has come

Flaming star, don’t shine on me, flaming star
Flaming star, keep behind me, flaming star
There’s a lot of livin‘ I’ve got to do
Give me time to make a few dreams come true
Flaming star.

Sicher, der Rhythmus, die Melodie haben einen dramatischen Einschlag, aber trotzdem wirkt der Song nun, durch den Text, der auch im Zusammenhang mit der Filmhandlung stimmig ist, noch einmal intensiver.

Finale

„Flaming Star“ ist psychologisch stimmig. Die Handlung hat alles, was es braucht, um Spannung aufzubauen, und die Art, wie sie gefilmt ist, hält diese Spannung aufrecht. Sie resultiert auch daraus, dass die Wendungen nicht vorhersehbar sind, man auf viele Standards ode auch Klischees verzichtet hat, die einen Western so gestalten, dass klar ist, was am Ende geschieht und auch, wo die guten und die Bösen zu finden sind. Der Wandel zeichnet sich ab, gut und böse waren regelmäßig zu erkennen, auch wenn es 1960 bereits möglich war, dass die Helden Brüche haben durften, wie etwa in „Die glorreichen Sieben“, der jedoch zu jenen grundoptimistischen Werken zählt, in denen Kämpfe sich zumindest generell lohnen und die Welt, wenn sie beendeet sind, mehr Frieden genießen kann als den düsteren Scheinfrieden der Unterdrückung, die zuvor herrschte.

So lässt Don Siegel nicht unsere Seelen hüpfen, sondern verwehrt durch die Auslöschung der Familie Burton, die zwischen die Fronten geraten ist, ein Abhaken im Stil eines Krimis, in dem der Mörder gefunden wurde, die Guten gewonnen haben und die Ordnung wiederhergestellt ist. Wie sich der Hass zwischen den Native Americans und den Siedlern wieder in den Griff bekommen lässt, das lässt „Flaming Star“ vollkommen offen und diese Handlungsgestaltung ist zukunftsweisend.

Auch wenn die Art der Inszenierung sich später wandelte. Die Botschaft, dass Frieden nicht möglich ist, weil die Menschen so sind, wie sie sind, weist bereits auf New Hollywood hin. Und damit wieder auf Don Siegel, der 1971 mit „Dirty Harry“ (1971) den Polizeifilm der neuen Ära vollendete, an dessen Entstehung er mit „Coogan’s großer Bluff“ (1968) bereits beteiligt war. Was hingegen „Flaming Star“ ein wenig fehlt, sind prägende darstellerische Leistungen, die ihn noch mehr nachwirken lassen.

72/100

© 2021 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv: Wikipedia

Regie Don Siegel
Drehbuch Nunnally Johnson
Clair Huffaker(auch Roman)
Produktion David Weisbart/Twentieth Century Fox
Musik Cyril J. Mockridge
Kamera Charles G. Clarke
Schnitt Hugh S. Fowler
Besetzung

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