Der Hofnarr (The Court Jester, USA 1955) #Filmfest 500 #LoveMovie #DGR

Filmfest 500 Cinema – Lieblingsfilm – Die große Rezension

Der Hofnarr ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1955 mit Danny Kaye, Glynis Johns, Basil Rathbone, Angela Lansbury und Cecil Parker in den größeren Rollen. Regie, Drehbuch und Produktion übernahmen Melvin Frank und Norman Panama. Obwohl der Film ein finanzieller Flop war, erhielt er heute sehr gute Kritiken und hat sich über Jahrzehnte einen Kultstatus erarbeitet. Die erste deutsche Kinoversion lief unter dem Titel Der schwarze Fuchs.

Nun habe ich den Film mindestens viermal gesehen. Zwei Sichtungen galten alleine der folgenden Rezension, vorgenommen vor ein paar Wochen und gestern Abend auf Basis derselben Aufzeichnung. Seit ich mir die Daten zu „The Court Jester“ in der IMDb zuletzt angeschaut habe, hat der Film sich dort von 7,8/10 auf 7,9/10 verbessert. Das ist insofern bedeutend, als ab 8,1/10 die Möglichkeit zum Eintritt in die Top-250-Liste besteht. Die Chancen dafür stehen gleichzeitig gut und schlecht. Schlecht, weil dies nur für Filme machbar ist, die mindestens ca. 25.000 Stimmen erhalten haben und „The Court Jester“ kommt nur auf knapp 12.000. Gut deshalb, weil das bei stärkerer und positiver Rezeption relativ schnell tatsächlich in die Liste führen könnte. Und dort zu sein, hat der Film nach meiner Ansicht verdient. Warum das so ist und etwas mehr zu dieser Ritterfilm-Parodie steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

England im 13. Jahrhundert. Die königliche Familie ist durch den tyrannischen Roderich ermordet worden, der sich des Throns bemächtigt hat. Doch eine Gruppe Geächteter unter der Führung des „Schwarzen Fuchses“ konnte den letzten rechtmäßigen Thronerben, ein Baby, retten und führt nun einen Partisanenkrieg gegen den verhassten König. Roderich will daher durch die Heirat seiner verwöhnten Tochter Gwendolyn mit dem grimmigen Schotten Sir Griswold von MacElwain ein Bündnis schließen. Dies geschieht jedoch sehr zum Missfallen von Gwendolyn („Er ist ein Flegel und ein Scheusal …“) und Roderichs mächtigstem Berater Ravenhurst, der fürchtet, dass das Bündnis seine Vertrauensstellung beim König beeinträchtigt.

In einer musikalischen Einführungsszene verkleidet sich der ehemalige Jahrmarkts-Komödiant Hubert Hawkins zusammen mit seinen Schaustellerkollegen (einer Gruppe kleinwüchsiger Artisten) als der Schwarze Fuchs. Doch Hubert hat, obwohl er gerne kämpfen würde, nur zwei Aufgaben: Einerseits die Rebellen unterhalten, andererseits auf das königliche Kind aufpassen. Hingegen darf die von ihm bewunderte Jungfer Jean – in männlicher Uniform – dem Schwarzen Fuchs als Hauptmann dienen. Auf der Flucht vor den Truppen des Königs, bei der der Säugling in einem leeren Weinfass transportiert wird, kommen sich Jean und Hawkins in einer Holzfällerhütte näher. Dort begegnen sie durch Zufall dem italienischen Hofnarren Giacomo, dem „König der Narren und Narr der Könige“, der für Roderichs Hof engagiert wurde. Da Giacomo als neuer Hofnarr Zutritt zu den Gemächern des Königs besitzt und am Hof noch nicht bekannt ist, schlägt Jean ihn nieder: Hawkins soll als Giacomo verkleidet das Vertrauen des Königs gewinnen und einen Schlüssel stehlen, der einen Geheimgang zum Schloss öffnen und so einen Angriff der Rebellen aufs Schloss ermöglichen kann.

Jean will das Baby in Sicherheit bringen, wird aber von der Hofgarde des Königs überrascht, die für den lüsternen Roderich auf der Suche nach den „lieblichsten Maiden des Landes“ sind. Zusammen mit dem versteckten Kind wird Jean zum Schloss geführt. Hawkins trifft nach ihr als Giacomo getarnt am Königshof ein. Er ahnt nicht, dass der echte Giacomo nicht nur als Hofnarr tätig ist, sondern auch ein von Lord Ravenhurst engagierter Auftragsmörder ist. Auf der Suche nach seinem Kontaktmann im Schloss kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung. Statt seines tatsächlichen Verbündeten, des als Stallknecht getarnten Fergus, sieht er irrtümlich Ravenhurst als seinen Kontaktmann an. Er wird dem König vorgestellt und verspricht, diesem eine geeignete Frau aus den kürzlich eingetroffenen auszuwählen. (…)

Rezension

Im Vorspann singt Danny Kaye schon ein Lied über den Inhalt des Films, und verspricht eine sehr abwechslungsreiche Handlung. Die Handlung des in der Tat handlungsreichen Films ist in der Wikipedia sehr ausführlich beschrieben, wir belassen es bei der Wiedergabe von knapp der Hälfte des Textes.

Nachdem sie gemeinsam im Vorjahr mit Die Lachbombe (1954) einen Erfolg erzielt hatten, arbeiteten Komiker Danny Kaye und das Filmemacher-Duo Melvin Frank und Norman Panama erneut zusammen. Mit über vier Millionen Dollar Produktionskosten war Der Hofnarr zum damaligen Zeitpunkt ein teurer Film, besonders für eine Komödie, was nicht zuletzt an den aufwendigen Kulissen und der großen Besetzung lag. An den Kinokassen spielte der Film aber 2,2 Millionen ein und wurde damit ein heftiger Flop. Im Laufe der Jahrzehnte wurde er jedoch in den USA wie international ein beliebter und unzählige Male wiederholter Fernsehfilm.

Bei den Filmen des Vorjahres denke ich nicht nur an „Die Lachbombe“, sondern vor allem an „White Christmas“, in dem Danny Kaye und Bing Crosby zusammen auftraten und für den größten Kassenschlager des Jahres sorgten. Beide waren zu dem Zeitpunkt äußerst populär und angesichts der hervorragenden Besetzung von „Der Hofnarr“, wenn auch ohne Crosby, durfte Danny Kaye ewarten, dass sein und der anderen Stars zugkräftiger Name die halbe Miete sein würden. Leider wurde tatsächlich nur die halbe Miete eingefahren und es liegt nicht so fern, darüber nachzudenken, warum der Film nicht die ganz großen Erwartungen erfüllte.

Eine interessante Verbindung gibt es zu „White Christmas“ insofern, als „The Court Jester“ im Grunde eine Produktion aus dem Jahr 1956 ist, denn die Premiere fand in den USA Ende Januar 1956 statt – aber in Japan gab es, vielleicht als Reminiszenz an den Weihnachtsfilm des Vorjahres, eine noch frühere Erstaufführung: Am 24.12.1955. 

2,2 Millionen Dollar Einspielergebnis waren damals gar nicht so schlecht, aber der Film war eben teurer. Warum hat das Publikum seinerzeit nicht mehr gezogen? Zum Einen war es eine Genre-Angelegenheit. Mitte der 1950er war die Hochzeit des Melodrams und auch epische Filme kamen wieder mehr in Mode, Historienfilme vor allem oder allgemein Period Pictures. Einer meiner weiteren Lieblingsfilme aus dem Jahr 1955 ist von ganz anderer Natur als „The Court Jester“, nämlich das Kleinstadtdrama „Was der Himmel erlaubt“ von Douglas Sirk. Im selben Jahr drehte Billy Wilder auch „Das verflixte siebte Jahr“, also eine erfolgreiche Komödie, aber auf mich macht dieser Film den Eindruck, dass es noch etwas dauern würde, bis der Gipfel der lockeren Spritzigkeit erreicht sein würde, denn einiges an diesem Werk wirkt für Wilders Verhältnisse ungewöhnlich krampfig oder auch bemüht.

Nichts davon ist zu spüren in „Der Hofnarr“, der aber vielleicht noch ein weiteres Problem hat: Filme, die im Mittelalter oder in der Zeit bis zum 18. Jahrhundert angesiedelt waren, wurden in den frühen 1950ern nicht als Komödien inszeniert, sondern zählten zum romantisch-abenteuerlichen Kanon. Zwar haben der wundervolle „Scaramouche“ von 1952 oder der prächtige „Die drei Musketiere“ von 1948, die beide bei MGM entstanden, auch ein erhebliches Maß an Humor, aber zentral waren jeweils eine romantische Liebesgeschichte und ein ernster Hintergrund. Das galt auch für „Robin Hood“ aus dem Jahr 1938, dem „Der Hofnarr“ wohl am deutlichsten auf die Füße tritt, wenn man es so ausdrücken möchte. Ich halte es gut für möglich, dass Publikum 1955 noch nicht bereit war, eine Generalpersiflage auf Filme dieser Art witzig zu finden, zumindest nicht so witzig, dass es „The Court Jester“ ein herausragendes Einspielergebnis ermöglicht hätte, zumal es auch zu einigen Todesfällen kommt. In schwarzen Komödien gab es das auch zuvor, aber meines Wissens nicht als Verballhornung des beschriebenen Genres. Das ist äußerst schade, denn für die Entwicklung von Parodien ist die schwache Kasse von „The Court Jester“ ein Rückschlag gewesen und es mussten erst die Monty Pythons kommen, um das Mittelalter so richtig durch den Kakao ziehen zu dürfen. Auf eine noch einmal andere Art, in „Die Ritter der Kokosnuss“, die viel abstrakter wirkt als der doch konventionelle Plotmuster einhaltende „Der Hofnarr“, der die Form nicht auflöst, sondern sich zunutze macht, um einen Riesenspaß zu bereiten.

„Eine amüsante Parodie auf alle grimmig-ernsten Ritterfilme der großen Robin-Hood-Familie, auf die Abenteuer im Kostüm des waffenklirrenden Mittelalters und die Männlichkeit eines Errol Flynn. Danny Kaye prägt in einer Bombenrolle das Geschehen, aber auch die Inszenierung überzeugt durch Elan und Tempo und persifliert geschickt das naive Pathos.“ Lexikon des internationalen Films[2]

„Hofintrigen, eine Romanze und köstlich-komische Situationen geben Kaye Gelegenheit, sein großes Komikertalent voll zu entfalten. (Wertung: 3 Sterne – sehr gut)“ – Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990[3]

„Eine teilweise köstliche Parodie auf die zahlreichen Ritterfilme. Bombenrolle für Danny Kaye, aber auch die Regie zeigt überlegenen Witz. Etwa ab 14.“ – 6000 Filme (1963)[4]

Ich finde die Parodie nicht nur teilweise köstlich. Allein der Sketch „Der Becher mit dem Fächer und der Pokal mit dem Portal und der Kelch mit dem Elch“ gilt heute als Legende der Verbalkomik und wird in der Wikipedia in aller Ausführlichkeit referiert. Da ich für diese Rezension aber den oben erwähnten längeren Anlauf genommen habe. Zweimal Gucken innerhalb von wenigen Wochen hat den unbetreitbaren Vorteil, dass man vom Lachen nicht mehr so überwältigt ist wie nach vielen Jahren des Wiedersehens in nostalgisch-glücklicher Stimmung. Dadurch konnte ich gestern mehr auf Details achten und darüber nachdenken, wie sie nach so kurzer Zeit auf mich wirkten. Noch genauso wunderschön wie wenige Wochen zuvor oder gab es neue Erkenntisse? Ausgerechnet der Superwitz mit dem Gift einerseits und dem reinen Wein andererseits in mächtig mittelalterlichen Trinkgefäßen hat einen Schwachpunkt. Warum sollte man den reinen Wein in ein neues Gefäß tun, wenn doch dasjenige, welches das Gift enthielt, zerbrach? Der Spruch hätte eigentlich gar nicht neu gelernt werden müssen, wenn man das Logische getan hätte und nur den neuen Kelch mit dem Elch mit dem Gift und dem somit unreinen Wein befüllt hätte und außerdem die Grundregel eingehalten hätte, dass man sich nur das Richtige merken muss, also das Trinkgefäß mit dem nicht vergifteten Inhalt. Aber so wirkt es natürlich auf den ersten Blick witziger, weil die Verwirrung der offenbar nicht ans auswendig lernen von Reimen gewöhnten Kontrahenten nun vollends von der Rolle sind. Dummerweise nimmt man das dem doch sichtlich wortwitzigen und intelligenten Hawkins nicht so ganz ab und kann es nur seiner großen Aufregung vor dem für ihn vermutlich tödlichen Waffengang zuschreiben. Dafür aber ist er wieder zu sehr am Grimassieren bzw. sein Darsteller tut dies.

Ein unklarer Moment entsteht, als Hawkins dem Ritter Ravenhurst, gespielt in einer Parodie auf eigene Rollen als fechtender Fiesling von Basil Rathborne, erwartungsgemäß beim Führen der Klinge unterlegen ist und Griselda, befeuert von einer Drohung ihrer Herrin, die Hofdame umbringen zu lassen, wenn sie Hawkins nicht rettet, mit einem neuen Spell belegt, der ihn wieder zum Draufgänger macht und besser fechten lässt. Zuvor war Hawkins im Gefecht so zu Boden gegangen, dass er in einem Gang hinter den Zinnen zu liegen kommt, in dem Griselda passenderweise steht und ihn abpassen kann. Es wirkt aber, als ob Ravenhurst mitbekäme, was dort geschieht, denn er zögert dabei, Hawkings zu suchen, um ihm den tödlichen Stoß zu verpassen. Also hat er mitbekommen, dass Griselda seinen Gegner pimpt und auch, dass dies mit einem Fingerschnipsen in Kraft gesetzt wird. Hawkins selbst weiß aber nichts von dieser Auslösung, Ravenhurst hätte es aber mal mit Schnipsen probieren und Hawkins somit wieder in den im Fechten ungeübten Zustand des Gauklers versetzen können.

Dass mit diesen langen und gewichtigen Schwerten auf eine Weise gefochten wird, die erst später mit viel eleganteren Waffen möglich war, rechnen wir der Parodie zu, die auch Mantel- und Degenfilme umfasst, die im 17. oder 18. Jahrhundert spielen, denn wir wollen nicht einen der besten Filmwitze wie den mit den Bechern, Kelchen und Pokalen, der auch in modernen Trailern herausgestellt wird, oder gar den gesamten Film dekonstruieren, ich bin nur so kritisch, weil ich mich als genauer Beobachter erweisen und die Aufmerksamkeit umso mehr auf andere Vorzüge des Films lenken will.

„Der Hofnarr“ ist nämlich keineswegs kühl oder herzlos, nur, weil er ein Genre parodiert, auf das romantische und etwas naive Herzen besonders angesprochen haben dürften, als in den 1940ern und 1950ern diese Art von Filmen sehr en Vogue war. Sie sprachen aber auch die Abenteuerlust, die Menschen immer schon zu besonderen Taten getrieben hat, mit denen man Gut und Böse ebenso statuarisch ablichten konnte wie im Western, und dann die prächtigen Kostüme. Sich in die Rolle anderer zu versetzen, ist ein Urbedürfnis.

Nach der Einführung mit dem akrobatisch wertvollen „Never outofox the Fox“ und dem Beginn der Reise von Hawkins und Jean mit dem Kind kommt es nicht nur zur ersten wirklich lustigen Szene, die aber noch Aufwärmcharakter hat, als die Soldaten des falschen Königs die beiden anhalten und Hawkins einen alten Mann spielt und Jean seine Enkelin, sondern bald darauf zu einer wunderschön gemachten Sequenz, die Übernachtung in der Hütte. Dabei denkt sich Hawkins für den kleinen Prinzen ein Wiegenlied aus und Jungfer Jean, die ihn bisher nur als Gaukler sah, während sie im Camp der Rebellen Anführerstatus als Aktivisten genießt, verliebt sich binnen wenigen Sekunden in ihn und das wirkt nicht einmal unglaubwürdig. Es ist ganz harmonisch und einnehmend gefilmt und berührend. Die folgende Stroh-Szene  referiert unter anderem die Weihnachtsgeschichte. Erstaunlich subtil übrigens, und auch die Annäherung der beiden Gefährten in der Hütte wird zwar mit einiger Komik inszeniert, doch auch hier stimmt das Verhältnis zwischen Slapstick, Verbalwitz und Romantik perfekt, um etwas zu bewirken, was die meisten Komödien so gut nicht beherrschen:

Diese Szene baut umgehend eine breite Brücke zwischen den Hauptfiguren und dem Publikum, die nicht darauf basiert, dass Hawkins besonders witzig ist, sondern dass die beiden vom selben Schlag und warmherzig sind und die alle folgenden Wendungen und auch das größte Problem des Films übersteht: Das ist der Umgang mit dem Korb, in dem der kleine Prinz transportiert wird. Wie damit auf der Burg verfahren wird, ist alles andere als kindgerecht und da hätte man unbedingt eine Idee finden müssen, um in diesen Momenten vorsichtiger und langsamer zu agieren. Deswegen wird in Trailern auch keiner dieser Momente gezeigt. Wieder zurück zu den Vorzügen.

Doch alles, was ich bis dahin zutrug, ist so großartig gemacht, dass ich mich entschlossen habe, über diese Sache hinwegzusehen und auch nicht die Exploitation Kleinwüchsiger in einem Film aus dem Jahr 1955 zum Thema zu machen, zumal die „kleinen Freunde“ von Hawkins eine ganz und gar positive Rolle im Sinne der Wiederherstellung von Recht und Ordnung und der richtigen Thronbesetzung spielen.

Auch, dass der Film kein Systemsprenger ist und das vererbbare Herrschertum nicht vordergründig, sondern höchstens durch den Gag mit dem purpurnen Muttermal in Frage stellt, also nicht so radikal daherkommt wie die alle möglichen Zeitalter bzw. deren Gebräuche persiflierenden Filme der Monty Pythons, sollte man zugunsten des großen Herzes und des großen Vergnügens, das „Der Hofnarr“ bereitet, nicht ernsthaft diskutieren und damit beweisen, dass man keinen Sinn für Humor hat, zumal dieser nie diskriminierend wirkt, sondern immer den (noch nicht so alten) weißen Mann Hawkins selbst in den Mittelpunkt rückt.

Mit ihm und über ihn darf man lachen und über alles, was er anrichtet, wie es sich für einen großen Komödianten wie Danny Kaye gehört, der sich in seinen Filmen auch immer wieder als einer der warmherzigsten unter Hollywoods Lachbomben erweist. Das zum Beispiel hat er den Marx-Brothers voraus, die zwar eher die Vorläufer der Monty Pythons sind als Danny Kaye, aber deren Komik auch erfordert, dass man sich keine allzu großen Gedanken zum Beispiel über misogynen Ansätze macht, sondern sie durchlässt, weil die Gesellschaftskritik herausragend inszeniert ist und legendäre Sketche dominieren, dargebracht von begnadeten Künstlern – ebenso wie in „Der Hofnarr“.

Es gibt keinen direkten Vergleich. Kaye ist attraktiver und kann auch den romantischen Part in einem Film wie diesem besser spielen als z. B. Stan und Ollie oder irgendein Stummfilmkomiker oder als Jerry Lewis und Dean Martin. Er ist nicht so sentimental wie Charles Chaplin und ganz und gar nicht statuarisch und damit das Publikum auf Distanz haltend, wie Buster Keaton, ist nicht in so intellektuell wirkend wie Jack Lemmon, kann dafür aber gut singen und tanzen, wie so viele der umfassend ausgebildeten Stars von damals, vor allem, wenn sie aus der MGM-Kaderschmiede kamen. Sein Humor ist in seinen Varianten ein Teil von uns allen. Er ist genau der Typ, dem man die süße Jungfer Jean gönnt.

Wenn ein Schema glücklicherweise nicht durchbrochen wurde, dann das des Happy Endings für die beiden, die in der kleinen Hütte einander näher kommen, woraufhin, wenige Sekunden später, der Schatten der beherzten Jungfer Jean im Stile des deutschen Film-Expressionismus den Schatten einer Keule auf dem Schatten des echten Giacomo niedergehen lässt und damit die Handlung richtig in Schwung bringt.

Die Idee, diese Aktion nur als Schattenwurf zu zeigen, ist genial, weil sie das Weibliche nicht so konterkariert und gleichzeitig so ausgeführt werden kann, dass man den Drehbuchautoren abnimmt, es war richtig, dass nicht Hawkins, sondern diese zierliche Person, wie der falsche König sie nennt, kurz bevor er von der Breckinridge-Seuche erfährt, ebenjenen Hieb geführt hat.

Der Film ist nicht nur eine Slapstick-Komödie, nicht nur stellenweise unwiderstehlich romantisch, ohne kitischig zu wirken, persifliert diese Romantik im Verhältnis von Hawkins zur Prinzessin Gwendolyn, er ist auch eine Verstellungskomödie, in welcher der Protagonist mit ungeheurer Schlagfertigkeit auf alle möglichen unerwarteten Situationen reagieren muss, was ihm auf ganz unterschiedliche Weise gelingt: Wie einem Mann mit dem sogenannten Volksmund, wenn er er selbst ist, wie einem begnadeten Aufschneider, wenn er unter dem Einfluss der Zauberin Griselda steht und binnein einer Sekunde wie ein begreiflicherweise ängstlicher Mensch, aber durch seine Sitution besonders aufmerksamer Mensch, der ohnes seinen Willen in eine prekäre Situation gebracht wurde, wenn der Zauber per Fingerschnipp aufgehoben wird: Eine weitere Idee, die auch das Gehabe der mittelalterlichen Ritterlichkeit sehr hübsch durch den Kakao zieht.

Die Dialoge des Autorenduos Melvin Frank und Norman Panama sind auch in der deutschen Übersetzung noch über jeden Zweifel erhaben, zumindest allermeistens. Dabei entsteht die bekannte Schwierigkeit, Wortspielereien zu übersetzen, denn man muss Dinge, die sich reimen sollen, inhaltlich sehr frei behandeln, damit das Lustige, das Gereimte, das sprachgewand wirkende Dialoggerüst in der anderen Sprache erhalten bleibt, ohne dass der Sinn verstellt wird. Dies hat die Berliner Synchron recht gut hinbekommen. Deutsche Synchronisationen haben ihre Tücken, aber sie gelten als die besten, haben oft eine kundige Regie und die Sprecher*innen sind sehr begabt bzw. waren es in den 1950ern und 1960ern. Das kommt gerade Filmen wie „The Court Jester“ zugute, die man durch eine schwache Übersetzung zumindest teilweise ruinieren kann.

Auf die visuellen Gags trifft das nicht zu und es gibt eine Szene, die steht für mich über allen anderen. Das ist die beschleunigte Ritterwerdung des Jack Hawkins. Die Choreografie ist exzellent, besonders, als die beiden Reihen von für die Zeremonie abkommandierten Soldaten marschierend ineinander gekreuzt werden und außerdem auch noch Hawkins mittendrin herumturnt. Das hat Busby-Berkley-Qualität und auch die Beschleunigung eines normalerweise jahrelang dauernden Prüfungsverfahrens als solche ist eine der gelungensten Verballhornungen des mediävistischen Gepräges von skillful Operance, die man sich denken kann. Unterstützt durch die fantasievollen Kostüme vieler Beteiligter und wenn es sich dabei um die Hollywood-Variante dieses Gepräges handelt, die der Wirklichkeit an Eleganz um einiges überlegen gewesen sein dürfte.

Finale

Es gibt bekanntlich nichts Richtiges im Falschen und das Falsche im Richtigen wollen wir mal nicht so eng sehen. Damit die kleinen Schwächen von „Der Hofnarr“ nicht dazu führen, dass wir seiner Stellung als einen meiner wenigen absoluten Lieblingsfilme nicht entsprechend bewertet werden kann, habe ich mich vor ihm verbeugt und ihm die 500. Rezension gewidmet, die auf dem Filmfest des neuen Wahlberliner gezeigt wird und sie wird eine Innovation beinhalten.

Erstmals vergeben wir Punkte für den Film nach den üblichen Kriterien, für seine Qualität, was er in der Historie darstellt, seine mehr oder weniger objektivierbaren Eigenschaftne, könnte man sagen, aber es wird künftig die Möglichkeit geben, Extrapunkte für das zu verteilen, was einen Film zu meinen persönlichen Lieblingen macht und von dieser mache ich hier gleich Gebrauch.

Nicht die Perfektion, die gibt es ohnhin nicht, sondern, dass ich ihn mir immer wieder anschauen könnte, dass er mich zum Lachen bringt und mich berührt und mich dankbar dafür macht, in einer Zeit zu leben und in einer Welt, in der es möglich ist, sich so köstlich zu amüsieren, die kleinen Dinge zu schätzen, zu lachen und auch mal eine Träne zu verdrücken, die nicht vom Lachen kommt – auch wenn es nicht immer leicht fällt und vieles an diesen Zeiten alles andere als amüsant ist.

Freilich muss man sich auf einen Film wie diesen einlassen können, ebenso wie auf ein hochmögendes Melodram aus den 1950ern, aber das geht, wenn man ein bisschen vom mittlerweile üblichen Zynismus Abstand gewinnen kann und die aktuell sehr gute Rezeption von „Der Hofnarr“ beweist, dass er den Test der Zeit bestanden hat, dass er weiterwirkt und sich auch jüngeres Publikum offenbar mit ihm anfreunden kann.

Und, Tipp: Es handelt sich um einen Film, den Frauen besonders schätzen. Frauen spielen in ihm viel aktivere Rollen als in Mittelalterfilmen üblich. Sie sind Hexen, sie sind eigenwillig, sind ausgeprägte, recht moderne Charaktere und sie können, jede auf ihre Art, kämpfen und die Situation aktiv mitgestalten. Das dürfte auch der Grund sein, warum die IMDb nutzende Frauen „Der Hofnarr“ sogar mit durchschnittlich 8,2/10 bewerten, Männer kommen auf 7,8/10.

Intelligente Frauen verstehen den Mix aus Komik und Romantik und vielleicht auch das Alberne an männlichen Ritualen und eitlen Ränkespielen, die hier auf die Schippe genommen werden, wohl besonders gut. Sie gehen möglicherweise eher mit, wenn Jungfer Jean z. B. darüber referiert, dass ein Mann nicht nur durch Kampfstärke, sondern auch durch Empathie punkten kann, dies zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht weiß, wie vielseitig Jack Hawkins ist, besonders, wenn er unter einem Zauber steht, er jedoch bereits illustriert und besungen hat, wie bezaubernd er als Vater wäre. Die ironische Brechung von Kitsch und Klischees und der Subtext, dass dies alles tatsächlich eine Bedeutung hat, die gelingt in „The Court Jester“ besonders gut. So gut, dass man von einem Einzelstück sprechen kann, das mit keiner anderen Komödie vergleichbar ist.

„Der Hofnarr“ ist ein Must-See und wer ihn nicht mag, der ist … anders gestrickt als ich. Ich gebe 85/100 + 13 Lieblingsfilm-Punkte, damit ich in der IMDb und anderen Portalen mit 10/10 votieren kann.

98/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Melvin Frank,
Norman Panama
Drehbuch Melvin Frank,
Norman Panama
Produktion Melvin Frank,
Norman Panama für Paramount Pictures
Musik Walter Scharf,
Sylvia Fine,
Sammy Cahn,
Victor Schoen
Van Cleave
Kamera Ray June
Schnitt Tom McAdoo
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s