Machen wir’s in Liebe (Let’s Make Love, USA 1960) #Filmfest 506

Filmfest 506 Cinema

Wie wirkt Marylin Monroe in ihrem zweitletzten (vollendeten) mit Yves Montand in seinem ersten Hollywoodfilm? Ein seltsames Paar?

Die beiden fanden das offenbar nicht, denn es gab eine Affäre, sicherlich eine von Marilyns letzten, und die Hauptdarsteller nahmen den US-Titel des Films wörtlich, der sich von dem, was man auf den ersten Blick als genaue Übersetzung ansehen könnte, doch ganz leicht unterscheidet. Und man kriegt es leider nicht aus dem Kopf, dass Marilyn zwei Jahre später tot war. Dabei wirkt sie in diesem Film wirklich bezaubernd, variantenreicher als in den Streifen, mit denen sie berühmt wurde und die einen ähnlichen Plot haben („Gentlemen prefer Blondes“ und „How to Marry a Millionaire“, beide sieben Jahre von „Let’s Make Love“). Ist „Let’s Make Love“ aber auch der bessere Film?

Handlung (1)

Der Vorspann des Films beginnt mit der Vorstellung der sieben Generationen Cléments, die das kolossale Vermögen der Familie aufgebaut haben. Der Milliardär Jean-Marc Clément ist der achte in dieser Reihe, er war nie verheiratet und hat keinen Nachfolger. Mitarbeiter berichten ihm, dass ein Off-Broadway-Musical geprobt wird, das sich über ihn und insbesondere über seine Neigung zu weiblichen Eroberungen lustig machen soll. Er beschließt eine Probe aufzusuchen um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Dabei lernt er Ramona, die Startänzerin der Truppe, kennen. Aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu dem Milliardär, der verspottet werden soll, wird er engagiert. Da er Ramona näher kennen lernen möchte, spielt er das Spiel mit.

Ramonas Zuneigung scheint aber dem anderen Star der Musical-Truppe, Tony, zu gehören. Der Versuch Clements, vor dem gesamten Ensemble einen Witz zu erzählen, scheitert grandios, alle im Raum sprechen die allgemein bekannte Pointe mit. Clements Absicht ist es weiterhin die Zuneigung von Ramona zu gewinnen, ohne seine wahre Identität und seinen Reichtum preiszugeben. Da sich Clément seines Mangels an Talent durchaus bewusst ist, aber Geld für ihn keine Rolle spielt, engagiert er Milton Berle, Bing Crosby und Gene Kelly (alle drei in ihren eigenen Rollen), damit diese ihm Tricks und Kniffe deren Handwerks beibringen. Auch vor dem Kauf eines „neuen Witzes“ für tausend Dollar schreckt er nicht zurück. Aufgrund des anhaltenden Misserfolgs bei Ramona lässt Clement die Musicalbühne schließen. Er gesteht Ramona, dass er tatsächlich Jean-Marc Clement sei, was diese nicht glaubt und ihm zum Gang zum Psychiater rät.

Empört über die Schließung der Musical-Bühne suchen Ramona und ihre Kollegen das Bürohochhaus von Clement auf. Dort trifft Ramona auf Clement, den sie als Nebendarsteller auf der Musical-Bühne kennengelernt hat. Allmählich dämmert es ihr, dass seine Behauptung wirklich Jean-Marc-Clement zu sein, kein Scherz, sondern womöglich die Wahrheit ist. Im Aufzug küssen sie sich. Die Frage, ob Ramona wirklich in Jean-Marc verliebt ist, oder nur von dessen Reichtum bezaubert ist, wird ins Ermessen des Zuschauers gestellt.

Rezension

Der Plot wirkt recht angestaubt, weil er Muster zu deutlich wiederholt, die einige Jahre zuvor State of the Art waren. In einem Jahr, in dem auch der kapitalismuskritische „Das Appartement“ von Billy Wilder entstand, der ebenfalls in New York spielt und kurz vor Beginn der Kennedy-Ära, als alle Zeichen auf anspruchsvollere Filme standen, ist dieses Werk schon sehr affirmativ. Sicher, die Herkunft von Clément als Nachfahre eines Bauern, der auf seinem Acker einen Schatz findet und so den Reichtum der Familie begründet, die später Waffen an mehrere Kriegsparteien geliefert hat etc., ist ironisiert, und er selbst, kann man sagen, degeneriert, denn im Grunde will er nur geliebt werden. Die Hinweise auf bestimmte französische Industriellen-Dynastien sind zwar vorhanden, werden aber so dezent gehalten, dass man daraus nicht viel zum Nachdenken ableiten kann.

George Cukor hat diese konventionelle Komödie inszenierungsseitig jedoch gut im Griff, man merkt, dass er zu Hollywoods Besten in der klassischen Ära gehörte und dass man ihm nachsagt, besonders weibliche Darsteller gut führen zu können, bestätigt sich auch in „Machen wir’s in Liebe“.

Yves Montand wirkt verständlicherweise  unamerikanisch, zudem sympathisch, wie mehr oder weniger in allen seinen Rollen, gleich, ob er jemanden aus der Ober- oder Unterwelt, einen Trucker in Gefahr (in dem großartigen „Lohn der Angst“, 1953) oder einen Milliardär auf Freiersfüßen darstellt. Gefallen hat mir auch Tony Randall, der in diesem Film zwar wieder den Sidekick geben muss, aber besser eingebunden und kapabler wirkt als in den Day-Hudson-Komödien, in denen er ebenfalls die Aufgabe hat, den Hauptdarsteller in dessen Wirkung zu unterstützen, indem er etwas kleiner, nicht so attraktiv, dafür aber komischer ist.

Hingegen sind die Auftritte der Gaststars wie ein Echo besserer Zeiten. Gene Kelly war 1960 bereits nicht mehr als Tänzer, sondern als Charakterdarsteller unterwegs und Bing Crosby, dessen „Samantha“ aus „High Society“ (1956) kurz satirisch aufs Korn genommen wird, als Montand lautmalerisch eine kurze Notenfolge genau wie Crosby wiedergibt, war um 1960 auch schon nicht mehr vorwiegend Schauspieler, sondern Sänger. Außerdem begann Montand als Chansonnier, weniger als Filmschauspieler und deswegen wirkt, wenn man das weiß, der Unterricht etwas albern.

Mein Eindruck war, dass die Regie diese Gastdarsteller-Auftritte widerwillig eingearbeitet hat, weil sie eben im Drehbuch standen, wohl wissend, dass sie eher stören, weil sie nicht integriert oder integrierend wirken. Warum der Komiker Milton Berle einen so großen Erfolg in den USA hatte, erschließt sich aus diesem Film zumindest nicht, sein Spitzname „König der geklauten schlechten Witze“ spielt allerdings auf eines der witzigsten Handlungselemente an, nämlich den Versuch von Clement, einen absolut neuen und guten Witz zu kaufen, um Ramona damit beeindrucken zu können. Das fällt doch etwas aus dem Rahmen des Üblichen in solchen Komödien und auch die Musikszenen sind ansehnlich, besonders diejenige, in der Marilyn Monroe „My Heart Belongs to Daddy“ von Cole Porter singt, außerdem gibt der Disney Channel, der „Let’s Make Love“ ausgestrahlt hat, auch ältere Filme im Original-Stereo wieder, und es geht nichts über Authentizität.

Dass George Cukor, der in den 1930ern das Hollywood-Kino mit definiert hatte, vier Jahre später mit dem Musical „My Fair Lady“ und dessen überragender Choreografie allerdings einen überragenden Späterfolg feiern sollte, darauf deuten sie nicht unbedingt hin. Noch einmal zu Montand – er war bei weitem nicht die erste Wahl, als Partner der Monroe.

„Vor Yves Montand sagten nacheinander Gregory Peck, Cary Grant, Rock Hudson und Charlton Heston ab, weil sie befürchteten, dass ihnen in einem Monroe-Film die Show gestohlen werden könnte“, steht in der Wikipedia.

Im Vorjahr hatten Billy Wilder, Jack Lemmon und Tony Curtis in „Some Like it Hot“ bewiesen, dass man auch Marilyn Monroe in eine Ensemble-Leistung einbinden konnte, und zwar so gut, dass man sich sogar vorstellen kann, jemand anderes hätte die Rolle der blonden Ukulele-Spielerin Sugar gespielt und der Film wäre ähnlich erfolgreich gewesen. Billy Wilder wäre das wohl auch lieber gewesen, er fand die Zusammenarbeit mit der Monroe schrecklich. Bis auf Cary Grant gehe ich aber d’accord, denn der hatte auch neben Grace Kelly eine gute Figur gemacht und war nicht so einfach an die Wand zu spielen, weil er für Komödien wie diese mit seiner Mischung aus Eleganz und Humor wie geschaffen war. Aber es kommt auch auf die Rolle an, und die des Clement zwingt stellenweise zu einer gewissen Demut und vielleicht zu einer Spielweise, die Grant um 1960 bereits abgelegt hatte.

Finale

Der Film wird gegen Ende deutlich schwächer, die Auflösung ist richtiggehend gequetscht und sehr konventionell, da hilft die elegante Regie von George Cukor ebenso wie die interessante Besetzung nicht mehr darüber hinweg, dass man das Gefühl hat, das alles schon tausendmal gesehen zu haben. Etwas schade, dass die letzte Monroe-Komödie kein überzeugendes Finale hat.

69/100

© 2021 (Entwurf 2017) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie George Cukor
Drehbuch Norman Krasna,
Hal Kanter,
Arthur Miller
Produktion Jerry Wald
Musik Lionel Newman
Kamera Daniel L. Fapp
Schnitt David Bretherton
Besetzung

 

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