Das Mädchen Irma la Douce (Irma la Douce, USA 1963) #Filmfest 517 #DGR

Filmfest 517 Cinema - Die große Rezension

Das Mädchen Irma la Douce (Originaltitel: Irma la Douce) ist eine US-amerikanische Liebeskomödie, die 1963 unter der Regie von Billy Wilder gedreht wurde. Sie basiert auf dem Musical Irma la Douce von Marguerite Monnot und Alexandre Breffort. Wilder verzichtete jedoch darauf, aus dem Stoff ebenfalls ein Filmmusical zu machen.

Das Filmmusical ist eines der wenigen Genres, in denen Billy Wilder nicht erfolgreich war. Weil er es nie eines inszeniert hat. Vielleicht hielt er sich nicht für musikalisch genug oder war der Ansicht, dass die Musik die temporeichen Dialoge stört, die seine Filme aufweisen oder dass eine Botschaft durch die Musik verändert oder aufgeweicht werden würde. Zwei Filme zuvor hatte Wilder Jack Lemmon und Shirley MacLaine in „Das Appartement“ zusammen spielen lassen, das Ergebnis war fantastisch. War es möglich diesen typischen New-York-Film mit seinem satirischen Einschlag in einem bunten, hollywoodesken Paris-Setting wiederholen? Dies und mehr besprechen wir in der –> Rezension.

Handlung (1)

In der Rue Casanova im Pariser Quartier des Halles werden die Geschäfte des Rotlichtmilieus von der korrupten Polizei toleriert, bis der junge Polizist Nestor Patou in den Bezirk versetzt wird, der sofort eine Razzia einleitet und sämtliche Prostituierte und Freier auf die Wache bringen lässt. Unter den Freiern befindet sich leider auch der Chef des örtlichen Polizeireviers, der Nestor sofort vom Polizeidienst suspendiert.

Nestor Patou will seinen Kummer in der Zuhälter-Kneipe Chez Moustache ertränken. Dort trifft er Irma la Douce (la Douce = die Süße, frz.) wieder, in die er sich bei der von ihm eingeleiteten Razzia verliebt hat. Als ihr Zuhälter übel mit ihr umgeht, stellt der ehemalige Polizist Nestor ihn zur Rede und es kommt zum Kampf. Der zunächst unterlegene Nestor gerät zunehmend in Wut und siegt in dem Kampf überragend, wenn auch eher zufällig. Der Sieg trägt ihm den Respekt bei den anderen Zuhältern des Viertels ein. Alle Angehörigen des Milieus (einschließlich Irmas, der anerkannten Primadonna in diesem Milieu) gehen daher ganz selbstverständlich davon aus, dass Nestor nun die Rolle ihres Beschützers (und Zuhälters) übernehmen wird. Irma nimmt Nestor mit in ihre Wohnung.

Von nun an tritt Nestor offiziell als Irmas Zuhälter auf, kann es aber aus Eifersucht nicht ertragen, wenn sie Umgang mit Freiern hat. Er verkleidet sich mit Hilfe des Barkeepers Moustache als reicher englischer Lord X, bezahlt Irma 500 Franc für jedes Treffen und erwartet hierfür nur einige Partien Patience. Sie vereinbaren sich zweimal die Woche zu treffen, so dass Irma keine weiteren Freier mehr annehmen muss.

Um das Geld aufzutreiben, muss Nestor allerdings jede Nacht auf dem Pariser Großmarkt Halles Centrales arbeiten. Da Nestor infolge der nächtlichen harten Arbeit den ganzen Tag über völlg erschöpft und müde ist, vermutet Irma eine Affäre. Sie flirtet in ihrer Enttäuschung mit dem Lord, der anbietet, sie mit auf sein englisches Schloss zu nehmen. Eine zentrale Szene des Films ist die Verführung von Lord X durch Irma. Indem Lord X ihr Hoffnungen macht und ihr seine Impotenz eingesteht („Kriegsverletzung“), appelliert er erfolgreich an ihren Berufsstolz. Mit der offenbar erfolgreichen Verführung macht sich Lord X nun zum Nebenbuhler von Nestor. Das motiviert dramaturgisch die Ermordung von Lord X durch Nestor und macht deutlich, dass Nestor (dessen alter Ego Lord X ist) ein wenig unter Persönlichkeitsspaltung leidet (2).

Nestor bekommt den Eindruck, dass Irma „den Lord“ mehr liebt als ihn, und versenkt das Kostüm, das er als Lord X trug, in der Seine. Irmas ehemaliger Zuhälter beobachtet ihn dabei, deutet den Vorfall als Mord an Lord X und denunziert ihn. Nestor wird verhaftet. Moustache rät Nestor den „Mord“ zu gestehen, da ihm die Geschworenen die bizarre Geschichte eines von ihm selbst gespielten Rivalen nicht glauben würden. Aber auch Irma ist davon überzeugt, dass er den „Mord“ begangen hat – aus Liebe zu ihr – und schwört ihm ewige Treue. (…)

Im Gefängnis erfährt Nestor, dass Irma von ihm schwanger ist und kurz vor der Entbindung steht. Nestor kann mit Moustaches Hilfe aus dem Gefängnis fliehen. Sie lassen den Lord wieder aus der Seine „auferstehen“. In einer grotesken Szene steigt Lord X vor den Augen der Polizei in voller gediegener Kleidung eines englischen Lords – über eine Treppe am Ufer – aus den Fluten der Seine.
(Zunächst erscheint dabei allerdings nur der Griff seines Regenschirms über Wasser und imitiert dabei das Periskop eines U-Bootes, eine Anspielung/Persiflage auf entsprechende Kriegsfilme).

Der Vorwurf des „Mordes“ ist mit der Wiederkehr von Lord X nicht mehr haltbar. Nestor und Irma können in buchstäblich letzter Minute vor der Geburt ihrer Tochter heiraten. Einen Auftritt hat dabei auch – als Schlussgag wider alle Logik – Lord X. Geburtshelfer der Tochter ist wiederum Moustache (ein Running Gag, weil Moustache im Lauf des Films viele Fähigkeiten für sich reklamiert, vom Kneipenwirt über einen Anwalt bis zum Geburtshelfer, und alle diese Tätigkeiten erfolgreich ausübt).

Rezension

Wilder zufolge war Elizabeth Taylor ursprünglich die erste Wahl für Irma, jedoch wollte der Regisseur nichts mit der damaligen Affäre zwischen Taylor und Richard Burton zu tun haben. Auch Marilyn Monroe war für die Titelrolle im Gespräch, da Wilder von ihrem Auftritt in Manche mögen’s heiß begeistert gewesen sein soll, doch sie starb vor Beginn der Dreharbeiten. Die tatsächliche Darstellerin Shirley MacLaine unterzeichnete den Vertrag, ohne das Drehbuch gelesen zu haben, da sie „Vertrauen zu Wilder und Lemmon“ gehabt habe. Als Moustache wollte Wilder Charles Laughton einsetzen, der jedoch an Krebs litt und kurz darauf starb. Tura Satana, die später durch den Film Die Satansweiber von Tittfield bekannt wurde, spielte in dem Film eine Nebenrolle. James Caan hat als „Soldat mit Radio“ einen nicht in der Besetzungsliste genannten Auftritt.

Hatte Wilder wirklich Marilyn Monroe im Sinn, obwohl er die Zusammenarbeit mit ihr als äußerst nervenaufreibend beschrieben hatte? Auf jeden Fall ist es gut, dass nicht Elizabeth Taylor die Irma gespielt hat, denn wenn Taylor eines nicht hat, dann ist es diese Mischung aus Humor und Sentimentalität, die MacLaine in diesem Film wieder ebenso mühelos darstellen kann wie in „Das Appartement“. Auch das Szenario aus diesem Film wird weiterentwickelt, denn wieder hält sich jemand mit Geld eine Geliebte exklusiv, die zuvor ein Straßenmädchen war. Die Anmerkung zum Hays Code haben wir aus der Handlungsangabe, wo sie nichts zu suchen hat, in eine Fußnote verlegt. Es hat mich auch ein wenig erstaunt, dass Prostitution so offen dargestellt wird. Dass das möglich war, hat Wilder wohl dazu veranlasst, beim Nachfolgefilm „Küss mich, Dummkopf“ das Thema wieder aufzugreifen, die Satire zu erweitern und gleichzeitig das weitgefasste Panorama von „Irma la Douce“ auf die amerikanische Provinz zu verengen. Wilder hat weitere Filme zitiert und Gags daraus abgewandelt, wie Charles Chaplins „City Lights“, gemeint sind die Szenen mit der Bodenklappe im Gehsteig, die dieses Mal bewusst eingesetzt wird, damit Nestor Patou sich rasch in „Lord X“ verwandeln kann. Ob es solche Klappen in Pariser Gehsteigen gibt?

Ich erinnere mich nicht detailliert genug an meinen letzten Paris-Aufenthalt, um das bejahen zu können. Einiges hat man bewusst verniedlicht, wie etwa die Renault Dauphines als Streifenwagen. Das werden die Amerikaner, deren Autos damals ihre größten Dimensionen bis heute erreichten, reizend gefunden haben und für sie wurde der Film hauptsächlich gemacht. In der Realität fuhr die Pariser Polizei zu dem Zeitpunkt, als der Film entstand und wie man es in französischen Filmen beobachten kann, größere Peugeots der Typen 403 und 404, während die Gangster, Politiker und andere Ganoven in Nadelstreifen selbstverständlich auf die grandiose DS von Citroen setzten (3). In Deutschland hingegen gab es wirklich den „Polizei-Käfer“.

„Ein entlassener Pariser Polizist spannt ein naives Straßenmädchen dessen brutalem Zuhälter aus und führt es durch listige, aber nervenaufreibende Doppelgängerei zum Traualtar. Amüsante Verfilmung eines gleichnamigen Musicals. Bemerkenswerter Unterhaltungsfilm mit vielen Gags und einigen anrührenden Tiefen.“ – Lexikon des Internationalen Films[3]

„Kess, witzig und voller Frivolität spielt Shirley MacLaine das berühmte Pariser Straßenmädchen […] Der übereifrige Polizist Jack Lemmon entfaltet in einer Doppelrolle seine Verwandlungskunst. Wilders erfolgreichste Komödie […]“ – Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“[5]

Wenn die kirchliche Filmkritik einen Film über Prostitution in den frühen 1960ern okay findet, kann etwas mit ihm nicht stimmen, vor allem, wenn das Thema so humorvoll behandelt wird wie hier und nicht, wie in „Das Mädchen Rosemarie“, der das Vorbild für den deutschen Verleihtitel gewesen sein dürfte, sehr kapitalistmuskritisch oder als moralisch anstößig dargestellt. Am Ende stimmt ja auch alles: Der gefallene Engel, der vielleicht nie ein Engel war und somit auch nicht fallen musste, um sich der Sexarbeit widmen zu können, wird gerettet. Wilder war sicher klug genug, um zu erkennen, dass er damit subtil eine der kitschigsten Konstellationen des Motive-Kanons der Literaturgeschichte recht locker zur Grundlage von „Irma la Douce“ gemacht hat. Nämlich so, dass der Hays Code nicht verletzt wurde. Tatsächlich? Der Hays Code war in den Jahren, in denen „Irma“ gedreht wurde, bereits in Auflösung begriffen. Zehn Jahre zuvor, im Zeitalter der US-Restauration, wäre ein Film wie dieser undenkbar gewesen, selbst vor dem  Hintergrund eines Pariser Settings. Erstmals wurde vier Jahre später in „Gigi“ eine Prostituierte in jenem Setting so reizend und dieses selbst so charmant dargestellt, dass es  geradezu erstrebenswert wirkt, in diesem Milieu zu leben. Natürlich auch mit einer Wandlung, das musste damals einfach sein, in diesem Fall  in ein oscarprämiertes MGM-Musical eingekleidet.

Wilder hat zwischen der harten Alltagsdarstellung und einer Verklärung trotzdem einen guten Mittelweg gewählt, denn die beiden Hauptfiguren sind so ungeheuer sympathisch, dass man als Zuschauer, wenigstens als solcher heutiger Prägung, unmöglich den Zeigefinger heben kann. Außerdem ist es Wilders buntester und putzigster Film, der ebenjene anrüherenden Szenen aufweist, die auch die zeitgenössische Kritik bereits herausgestellt hat. Ich halte sie sogar für die besten, denn zwei Eigenschaften hat „Irma la Douce“ nicht mehr: Das enorme Tempo von „Manche mögen’s heiß“ oder von „Eins, zwei, drei“ und die Schärfe von „Das Appartement“, dafür spielt er in Paris und nicht in Berlin, wo man damals leicht von den politischen Ereignissen überholt werden konnte und ein Film plötzlich etwas deplatziert wirkte, der tatsächlich zahllose Gags von großer Wirksamkeit beinhaltet. Man kann sogar sagen, „Irma la Douce“ wurde vom Virus der Geschwätzigkeit befallen, der das klassische Hollywoodkino in den frühen 1960ern so anstrengend wirken ließ. Die Filme wurden immer länger, weil immer mehr Dialog unterzubringen war,  nicht, weil die Zahl der Handlungselemente dramatisch angestiegen wäre.

So gönnt sich „Irma“ einen Narrator, der als Talking Head zum Einstieg funktioniert. Man kann sagen, dadurch hat der Film den verschlafenen Rhythmus, den man vom Fünf-Uhr-morgens-Paris z. B. durch das Lied „Paris erwacht“ wunderbar nachempfinden kann. Außerdem wird in „Les Halles“, die leider mittlerweile abgerissen sind, auch nachts angestrengt malocht. Wegen der Markthallen ist dieser Film auch ein wunderbares Dokument des alten Paris, trotz der amerikanischen Zuckerung. Die Farben des Films sind exzellent und die Äpfel schon so glänzend gewachst, wie man das heute kennt. Dafür wird das Schlachterhandwerk recht blutig darstellt und der ersten Gags des Films bezieht sich darauf und auf die in der Realität nicht immer so glimpflich ablaufende Konkurrenz zwischen den Luden, die hier noch als malerische Einzelgänger dargestellt werden, die grundsätzlich in Koexistenz leben und sogar eine Gewerkschaft mit Pensionskasse gründen. Der einzige, der sich dem sozialen Comment der Halbwelt widersetzt, ist auch der einzige, der in Mitleidenschaft gezogen wird. Solche Darstellungen flicht Wilder immer wieder mit großer Treffsicherheit ein, aber wir wollen erst einmal wieder zur Struktur zurückkehren:

Auch das Ende ist zu lang geraten. Es wirkt sogar wie nachgeschoben, obwohl der surrealistische Schlussmoment wiederum sehr nett gemacht ist. Wilder wollte wohl die Wandlung zur Bürgerlichkeit, die seine Irma vollzieht, gründlich darstellen und begeht doch eine absichtliche Übertretung: Sie hätte natürlich als Schwangere und Ex-Prostituierte nicht in Weiß heiraten dürfen. In der von mir angeschauten Version des Films wirkt ihr Kleid auch eher cremefarben, jedenfalls ist es nicht mehr grün, Irmas Lieblingsfarbe, die so schön das übliche leuchtende Rot des Milieus kontert, das in diesem Fill nicht den Witz des Films überstrahlt, sondern unterstreicht. Einen Bezug zur Realität gibt es ebenfalls und er belegt, wofür Paris doch gut ist:

Jack Lemmon married Felicia Farr in Paris during this movie’s shoot. Billy Wilder and regular Jack Lemmon director Richard Quine were joint „Best Men „.

Einer der großen Pluspunkte ist unzweifelhaft, dass I. A. L. Diamond, der Drehbuchautor, der mit Wilder ein unschlagbares Duo bildete, in diesem Film neben dem üblichen Wortwitz sehr viel Philosophisches untergebracht hat. „Wegen der Liebe muss man sich verstecken, aber hassen darf man jedermann und jederzeit“, heißt es an einer Stelle und so ersetzen die weiß-grauen Zeitungen mit ihren politischen Schlagzeilen die grünen Seidenstrümpfe, die Irma bisher mehr hinweisend als verhüllend vor das Fenster ihrer Mini-Atelierwohnung unter einem der berühmten Dächer von Paris gehängt hatte. Später gibt es einen zeitgemäßen Vorhang in kariertem Dessin und natürlich wieder mit Grün. Wie man auf diese Weise auch den Wandel von der lockeren Prostituierten zu einer Person, die mit der (ehemaligen) Ordnungsmacht ins Bett geht hin zu einer Bürgerlichen illustriern kann, das ist wunderschön und fällt leider angesichts der vielen komischen Ansätze etwas hinten runter. Etwas weniger wäre bei diesem Film stellenweisem mehr gewesen, aber „Irma la Douce“ enstpricht durchaus dem Komödienstil der Zeit. Nur ist er trotz der beschriebenen Probleme immer noch flotter und reichhaltiger als der Durchschnitt. Einige Gags hat man absichtlich wohl nicht auf interne Logik abgestellt, weil es unmöglich gewesen wäre, sie so herzustellen, dass der Handlungsfluss nicht unterbrochen worden wäre. Das Gebot, das Wilder sich selbst auferlegt, war bekanntlich nicht: „Du sollst in einer manchmal unplausiblen Welt auf maximale Logik achten“, sondern „Du sollst nicht langweilen“.

Die Reichhaltigkeit drückt sich in weiteren Anspielungen auf: Paris-Filme von Nichtfranzosen. Eine kleine Dachkammer, Romantik, Drama, Komödie, installiert für alle Zeiten durch René Clairs Film „Unter den Dächern von Paris“ (1930) und von den Amerikanern hingebungsvoll verkitscht, u. a. in „Ein Amerikaner in Paris“. Die Engländer werden ziemlich durch den Kakao gezogen, wobei Jack Lemmon seine Wandlungsfähigkeit einsetzen kann, unterstützt durch eine Verkleidung freilich. Gar nicht so leicht, ein Volk, das für seine Ironie und auch Selbstironie bekannt ist, zu parodieren. Dieses Ansinnen gelingt, sagen wir, einigermaßen, die deutsche Synchronisation lässt die Darstellung wohl nerviger wirken, als wenn im Original einfach nur Oxford-Englisch oder eine Pointierung davon gesprochen wird. Hätte man einfach nur einen Reichen dargestellt, keinen spleenigen Lord, der alle möglichen Ereignisse der britischen Geschichte zum Besten gibt und persifliert (besonder Dünkirchen, 1940), wäre der Film vielleicht aber auch einen Tick zu ernst geworden. Menschen kaufen Menschen und wie können sich in diesem Szenario echte Gefühle entwickeln? Darauf hat man sich trotz der gewissen Weitschweifigkeit so konzentrieren könnten, dass es glaubwürdig und eben anrührend wirkt.

The pimps‘ union is called the „Mecs (Guys or Blokes) Paris Protective Association“ (MPPA), which also stands for „Motion Picture Producers Association“, an organization which had given Director Billy Wilder some trouble (4).

Solche Spitzen gehen durch die Übersetzung ins Deutsche verloren, das beeinträchtigt das Kinoerlebnis aber nicht besonders, zumal auch viele Amerikaner Anspielungen wie diese wohl nicht bemerkt haben dürften. Der einzige von den drei Ausdrücken, der mir geläufig war, ist übrigens „Flics“ für Polizisten.

Finale

Aufgrund der Längen, die „Irma la Douce“ aufweist und einiger kleiner Wackler, kann man ihn nicht als besten Film von Billy Wilder bezeichnen, aber er zeigt noch einmal ganz viel von dem, was seine Filme über andere heraushebt: Ein tiefes Verständnis für Menschen, die nicht einfach nur hoppgenommen werden, sondern gerade wegen ihrer Schwächen und Spleens, ihrer Individualität, als Identifikationsfiguren geeignet sind. Heute ist das leider kaum noch kinowürdig. Das Superheldenkino unserer Tage hat einen äußert unangenehmen Nebeneffekt, der viel zu wenig besprochen wird: Es zeigt Menschen in einem Zustand, den wir niemals erreichen können, während einige von Wilders Filmen dabei helfen, sich anzunehmen, wie man ist, denn da ist so viel Liebenswertes drin. Dass dafür die Luden mit ihrem verwegenen Dandy-Style, den man sich aus dem französischen Kino abgeschaut hat, dafür etwas netter und harmloser dargestellt werden, als sie wirklich sind und die Prosituierten als überwiegend schrille Personen, gehört dann auch dazu. Man darf den Weg zur Komödie eben nicht nur zur Hälfte beschreiten, wenn die funktionieren soll.

Shirley MacLaine was not happy with the script, and thought even less of the film after it was finished, calling it „crude and clumsy“. She was surprised to get a Best Actress Oscar nomination out of it, saying, „I would have been nonplussed had I won it.“ (4)
Shirley MacLaine signed on without having read the script because she „believed in [Billy Wilder] and [Jack Lemmon]“. (4)

Vergleichen Sie bitte die beiden Zitate miteinander. Man soll eben nie unterschreiben, bevor man das Kleindgedruckte gelesen hat. Besonder in unserem Online-Zeitalter, das Kleingedrucktes bei jedem erstmaligen Öffnen einer Internetseite bereithält, tut das aber jeder mehr oder weniger. Sicher ist der Film weniger subtil als Wilders „Zeugin der Anklage“ oder ähnliche Meisterwerke und, auf Shirley MacLaine bezogen, an „Das Appartement“ reicht er eben nicht heran, aber auch MacLaine hat schon in schlechteren Filmen mitgespielt. 

Für Tierliebhaber gibt es am Ende auch noch etwas von uns. Es ist nicht die Tatsache, dass Irmas Hündchen „Coquette“ auf Champagner steht:

The last name of Nestor Patou, who’s a policeman at the beginning of the movie, is a nod. Patou is a surname for the Pyrenean Shepherd, an old race of sheepdogs traditionally found between the north-east of Spain and the south-west of France. (4)
 
Die IMDb-Nutzer:innen bewerten dieses Werk aktuell mit 7,4/10. Das ist nicht schlecht, aber der Verdacht, dass es „Irma la Douce“ unter die Top-250 der IMDb schaffen könnte, besteht ebenfalls nicht. Wir gehen etwas höher.
 
82/100
 
© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv ohne Nummerierung: Wikipedia

(2) Diese Verführung ist Weiterentwicklung einer zentralen Szene aus Manche mögen’s heiß: Dort motiviert der vorgebliche Shell Junior die Sängerin Sugar durch eine ebenso vorgespiegelte Impotenz zur Verführung. Allerdings ist die Verführung in Irma la Douce subtiler dargestellt, wird jedoch von manchen Kritikern für erotisch wirkungsvoller gehalten. Dem Hays Code entsprachen offenbar beide Szenen.
(3) Die „Deesse“, die Göttin auf vier Rädern, wurde nach ihrem Erscheinen umgehend als Nachfolgerin des „Gangster-Citroen“ 15 CV akzeptiert, obwohl sie aufgrund ihrer vergleichsweise komplizierten Technik nicht das optimale Fluchtfahrzeug war.
(4) IMDb.

Regie Billy Wilder
Drehbuch Alexandre Breffort
Billy Wilder
I. A. L. Diamond
Produktion Edward L. Alperson
I. A. L. Diamond
Doane Harrison
Billy Wilder
Alexandre Trauner
für Mirisch Corporation
Musik André Previn
Marguerite Monnot
Kamera Joseph LaShelle
Schnitt Daniel Mandell
Besetzung

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