„Niederlande kriegen Verkehr am besten auf die Kette“ + Helme tragen #Fahhrad #Verkehr | #Newsroom #Statista + Anmerkungen | #Radfahren #Rad #Radfahrer

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Der radfahrende Holländer bzw. die mit dem Hollandrad strampelende Radfahrerin sind geradezu ein Klischee, es gibt meines Wissens keinen anderen Fahrradtyp, der nach einem Land bzw. einer Region benannt wurde. Niemand wundert sich angesichts des Spitzenplatzes, den die Niederländer:innen beim Radfahren einnehmen:

https://de.statista.com/infografik/25150/umfrage-zur-regelmaessigen-fahrrad-nutzung/

 

Ich finde aber auch den deutschen Wert beachtlich und er gibt Hoffnung darauf, dass Umweltbewusstsein sich hierzulande zunehmend im Pedalieren ausdrücken wird. Allerdings steht im Begleittext nicht, ob dabei auch E-Bikes inbegriffen sind, denn zu denen habe ich eine etwas abweichende Einstellung. Zur aktuellen Situation der Begleittext von Statista.

Die Fahrrad-Branche gehört in Deutschland zu den Gewinnern der Pandemie. 2020 wurden hierzulande laut ZIV etwas mehr als fünf Millionen Fahrräder verkauft – das entspricht einem Plus von fast 17 Prozent. Dem Statista Global Consumer Survey zufolge steigen ein Drittel der Befragten in Deutschland mindestens zwei bis fünf Mal pro Woche in den Sattel. 

Man merkt es an den Preisen für neue Fahrräder, dass die Branche boomt, leider. Und damit zum deutschen K(r)ampf mit dem Rad fahren. Die Niederlande sind extrem begünstigt durch ihre Topografie und ein weiterer Ansatzpunkt für den intensiven Gebrauch von Fahrrädern waren die Kanalsysteme in Altstädten, besonders natürlich in Amsterdam, welche die Anlage breiter Autostraßen verunmöglichten. Hier dürfte der Radkult seinen Anfang genommen haben.

Dass in Indien noch viel Rad gefahren wird, dass die Schweizer begnadete Radler sind, gerade wegen ihrer Berge, dort hat das Radeln auch einen erheblichen Sporteffekt, ist alles interessant, aber keine Sensation. Was mich interessiert hätte: Was aus dem einst größten Radland der Welt, China geworden ist. Ein Hersteller von Fahrrädern natürlich, aber was ist mit den Anteilen der Verkehrsmittel am gesamten Verkehrsaufkommen geschehen?

„Mindestens zwei- bis fünfmal pro Woche“ gibt es allerdings nicht. Entweder oder. Denn mindestens zweimal kann z. B. bedeuten, dass man nur am Wochenende ein paar Runden auf dem Tempelhofer Feld dreht, um ein in meiner Gegend beliebtes Radlerziel zu nennen und das ist eine ganz andere Sache, als wenn an jedem Werktag das Abenteuer wagt, auf zwei Rädern zur Arbeit zu gelangen, vielleicht durch mehrere Bezirke hindurch und konfrontiert mit höchst unterschiedlichen Philosophien der lokalen Politik, den Radverkehr betreffend, mithin, es gibt z. B. qualitativ sehr unterschiedliche oder auch gar keine Radwege.

In Deutschland weicht in weiten Landstrichen nicht nur die Topografie deutlich von jener der Niederlande ab, Rad fahren ist hierzulande auch ein heroischer Akt. In Berlin muss man jederzeit damit rechnen, von abbiegenden Lastkraftwagen erfasst und getötet, von plötzlich aufspringenden Autotüren für lange Zeit, wenn nicht für immer gestoppt zu werden, von Autos von den Busspuren, die man als Radfahrer:in benutzen darf, die Autos  hingegen nicht (immer), geradezu geschubst zu werden und manches mehr. Gleichermaßen rücksichtslos verhalten sich Radfahrer:innen oftmals gegenüber Fußgänger:innen, für mich persönlich derzeit das größte Ärgernis im Straßenverkehr. Die allgemein egozentrische Mentalität in diesem Land drückt sich eben auch im Verhalten der Menschen als Verkehrsteilnehmer:innen aus. Neuerdings kommt hinzu, dass E-Biker sich mit großer Geschwindigkeit, aber unhörbar nähern und Rollerchauffeure (fast immer junge Männer) mit zu hoher Geschwindigkeit und ohne jedes Gefühl für einen Sicherheitsabstand über die Gehsteige brettern. In Deutschland, speziell in Berlin mit seiner Mentalität, dass die Regelbefolgung die Ausnahme sein muss und nicht die Regel, ist Verkehrsteilnehmer sein eine ganz andere Herausforderung als in den entspannten Niederlanden. Aber nicht nur die Tätigkeit an sich ist, wie alles in Deutschland, nicht ganz frei von Gefahren und Nebenwirkungen, selbst sprachlich ist das Radfaren, pardon, etwas unter die Räder gekommen, und zwar bei der vergurkten neuen Rechtschreibung:

Rechtschreibung
bis 1996
Reformschreibung
1996 bis 2004/2006
Heutige Rechtschreibung
seit 2004/2006
radfahren Rad fahren Rad fahren;
Auto fahren und Rad fahren; er fährt Rad;
aber: Auf dem Gehweg ist das Radfahren verboten;
der Rad fahrende / radfahrende Teil der Bevölkerung

So, jetzt wissen Sie darüber auch Bescheid. Man soll nie bei etwas mitreden, was man nicht korrekt ausdrücken kann, auf Deutsch: Die Zahl der Themen, über die man schreiben darf, wird geringer.

Obwohl das Radfahren in Deutschland gefährlich ist, trägt noch immer fast jeder zweite niemals einen Helm, wie die nächste Grafik zeigt. Diejenigen, die sich nicht immer auf diese Weise schützen, sind sogar deutlich in der Mehrzahl. Die Beobachtung im Alltag geht dahin, dass sich das Bild allmählich wandelt, aber das Tragen von Sicherheitsgurten im Auto hat sich auch erst durchgesetzt, nachdem es zur Pflicht gemacht wurde, und selbst das nur mit Hilfe von Verwarnungsgeldern. Dabei rettet es so viele Leben. Ja, es gibt Menschen, die wollen alles Mögliche verbieten, damit andere sich endlich selbst und Dritte nicht gefährden. Angesichts der allgemeinen Unvernunft weiter Kreise, die sich während der Corona-Pandemie so offen, massiert und auch von erheblicher Selbstgerechtigkeit begleitet gezeigt hat wie nie zuvor, wird es nicht anders machbar sein, wenn wir vorankommen wollen, insbesondere die Nachhaltigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise betreffend.

Dazu zählt auch das Radfahren nach einigermaßen einzuhaltenden Regeln für alle Verkehrsteilnehmenden, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich die E-Biker:innen zu den Radfahrer:innen zählen soll. Ich tendiere zum „Nein“, denn E-Bikes sind zwar optisch eher Fahrräder, funktional jedoch elektrische Mofas, kosten auch so viel und erreichen ähnliche Geschwindigkeiten, ohne dass dafür die ein solches Vehikel fahrende Personen Muskelkraft aufwenden oder gar ein amtliches Kennzeichen anbringen müssen. Die Diskussion über E-Bikes auf Radwegen wird uns noch beschäftigen, wenn diese Art der Fortbewegung weiter zunimmt, die für erhebliche zusätzliche Gefahren auf jenen berüchtigten schlecht gewarteten und schlecht ausgebauten Radwegen sorgt.

https://de.statista.com/infografik/24785/umfrage-zum-tragen-eines-fahrradhelms/

 

Die Statistik würde sich etwas verbessern, wenn man Kinder einbeziehen würde, denn, anders als in meiner Jugend, in der das vollkommen unüblich war, sorgen die Eltern heute zu über 80 Prozent dafür, dass Kinder mit Helm auf ihren Rädern sitzen und schwankend über die Gehsteige flitzen.

TH

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