Kampf der Welten (The War of the Worlds, USA 1953) #Filmfest 528

Filmfest 528 Cinema

Kampf der Welten ist ein Film, der 1953 von George-Pal produziert wurde. Er basiert auf dem Roman Der Krieg der Welten von H. G. Wells und gilt als Vorreiter populärer Alien-Invasionsfilme.

Als „Kampf der Welten“ 1953 in den Kinosälen auftauchte, war er sicher eine Sensation. Bis dahin hatte kein Film so konsequent eine Invasion von einem anderen Planeten dargestellt, obwohl das Terrain mit „Das Ding aus einer anderen Welt“ und „Der Tag, an dem die Erde still stand“, beide aus dem Jahr 1951, gewissermaßen bereitet war. Außerdem war damals insbesondere in den USA der Ufo-Hype in vollem Gange und es war vermutlich noch nicht geklärt, ob sich auf dem Mars nicht wirklich hätte höheres Leben entwickeln können. Weitere  Zutaten: Die Schrecken des erst wenige Jahre zuvor zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs, der aktuelle Korea-Krieg als erstmalige Konfrontation der Blocksysteme in Form eines heißen Krieges mitten im Kalten Krieg und die allgemeine Paranoia der Kommunistenhetze. Die Zeit war absolut reif für Filme wie diesen, auch wenn die Bedrohung von außerhalb der Erde kommt.

Handlung

An einem warmen Sommerabend in den 1950er Jahren beobachten die Einwohner einer kalifornischen Kleinstadt, wie unweit von ihnen ein meteorähnliches Objekt zu Boden stürzt. Polizei und Feuerwehr halten das glühende Objekt nach kurzer Begutachtung tatsächlich für einen Meteor, und es werden sofort Pläne geschmiedet, wie der noch glühende, walfischgroße Steinklotz gewinnbringend vermarktet werden könnte. Nur der zufällig in der Gegend Urlaub machende Physiker Clayton Forrester zweifelt daran, dass es sich tatsächlich um einen Meteoriten handelt, da dieser einen wesentlich größeren Krater hätte erzeugen müssen. Aufgrund seiner immer noch glühenden Oberfläche verschiebt Forrester eine genauere Untersuchung des Objektes auf den nächsten Tag.

In der Nacht begutachtet die Brandwache routinemäßig noch einmal den Stein. Kurz bevor man sich auf den Heimweg machen will, bemerken die drei Männer, wie sich am Stein ein Deckel öffnet. Daraus kommt ein metallisches, einer Kobraschlange ähnelndes Objekt, mit glühend rotem Kameraauge. Als die drei Wachposten sich dem unbekannten Wesen nähern, werden sie durch Strahlen zu Asche verbrannt. Forrester, der kurz darauf nur um Haaresbreite diesen Todesstrahlen entgeht, ist sich sicher, dass es sich um ein Raumschiff vom Mars handeln muss. Als rund um die Erde immer mehr derartige Objekte beobachtet werden, steht schnell fest, dass es sich um eine Invasion vom Mars handelt.

Das Militär ist gegenüber den außerirdischen Invasoren machtlos, sämtliche konventionellen Waffen bleiben wirkungslos, da die schwebenden Kampfmaschinen, welche die steinernen Hüllen der Raumschiffe verlassen haben, durch undurchdringliche Kraftfelder geschützt sind. Dafür vernichten die Marsianer nun mit ihren Kampfschiffen umso erbarmungsloser alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Systematisch werden alle bewohnten Gebiete der Erde angegriffen, die Gebäude zu Schutt und Asche zerstrahlt und die Menschen getötet. In Todesangst und völligem Chaos verlassen die Menschen die Städte und flüchten in abgelegene Regionen der Erde. Als letzte Hoffnung bleibt den nun über alle nationalen Grenzen zusammenarbeitenden Menschen der Einsatz von Atomwaffen. Doch auch eine Atombombe, die von einem der modernsten Bomber auf ein marsianisches Kampfgeschwader abgeworfen wird, richtet nichts aus.

Forrester verzweifelt beinahe auf der Suche nach einer Lösung, mit der man den feindlichen Aggressor zurückschlagen könnte. In einem abgelegenen Farmhaus, in dem er und seine Begleiterin Schutz suchen, kommt es zu einer gewalttätigen Begegnung mit einem Marsianer. Es gelingt ihm, diesen in die Flucht zu schlagen und einen der Kameratentakel sicherzustellen, sowie ein paar marsianische Blutspritzer. Mehr als herauszufinden, wie die Kamera und das Auge der Marsianer beschaffen sind, gelingt ihm und seinen Mitarbeitern am Pacific Institut jedoch nicht. Allerdings bemerkt eine seiner Mitarbeiterinnen, dass das Blut der Marsianer außergewöhnlich wenig weiße Blutkörperchen enthält und damit ihre Widerstandskraft deutlich geringer sein muss als die des Menschen. Die Wissenschaftler diskutieren die Möglichkeit einer biologischen Waffe gegen die Marsianer, doch erscheint dies wenig aussichtsreich, da die Marsianer in wenigen Tagen die Menschheit zerstört haben werden.

Als bereits alle Hoffnung aufgegeben ist und die Vernichtung der Menschheit nur noch eine Frage von Stunden zu sein scheint, stürzt ein marsianisches Kampfschiff nach dem anderen ab, und die Invasion stoppt abrupt. Es stellt sich heraus, dass die Marsianer aufgrund ihres schwachen Immunsystems den Viren und Bakterien, die auf dem Mars nicht vorhanden sind, zum Opfer gefallen sind. Nicht der Mensch, der sich bis dahin gegenüber der Natur überlegen gefühlt hat, sondern die kleinsten Lebensformen des Planeten retten die Menschheit vor der völligen Auslöschung.

Rezension

Außerdem hat jedes bessere Raumschiff seit „Der Kampf der Welten“, der ein sehr ungleicher ist, einen worauf immer basierenden Schutzschirm. Freilich darf er nicht komplett undurchdringlich sein, sonst wären SF-Schlachten ja nicht mehr spannend. Viren und Bakterien sind in der Tat ein beliebtes Mittel, um eine Raumschiffbesatzung doch erfolgreich angreifen zu können. Aber welch ein deprimierendes Ende, obwohl die Menschheit gerettet wird. Anfangs heißt es: Nur dadurch, dass eine Bedrohung von außen auftritt, könnten die Menschen ihre Streitigkeiten beilegen, um gemeinsam gegen den neuen Feind zu kämpfen. Das ist psychologisch stimmig, wie man an den Allianzen in den Vielnationenkriegen sah, die nur Zweckbündnisse waren und Ressentiments keineswegs beseitigten.

Stellen wir uns vor, wir seien Marsianer und hielten uns für unbesiegbar und dann käme Corona. Da würden wir ganz schön blöd ausschauen. Fast so, als ob wir Menschen wären und alles besser wüssten. Durch die aktuelle Krise erschließt sich der Film auf einer weiteren Ebene: Die Unkontrollierbarkeit der Natur hat derzeit wieder Konjunktur und wenn es etwas gibt, was man aus all dem lernen kann, dann, sich nicht für unverletzlich zu halten. Viele gehen diesen gedanklichen Schritt nicht, sondern zanken sich durch diese frustrierenden Tage, bedrohen andere und verhalten sich wie die Plünderer, die dem Film einen zusätzlichen Kick geben. Sie haben die Menschheit zwar nicht zerstört, denn es wäre nicht mehr genug Zeit gewesen, biologische Abwehrkampfstoffe zu entwickeln, aber sie zeigen, wie extrem beschränkt wir zuweilen sind. Sogar einen Kapitalisten, der mitten auf der Straße sitzt und nur sein Geld und sein Geschmeide retten will, sehen wir, aber, pssst: Wenn es mal richtig zur Sache geht, wird es auch für die, die immer noch glauben, sie hätten die Überlebenschancen für sich alleine, sehr eng werden und das Hantieren mit einer neuen Weltordnung kann sozusagen ein Schuß in den Ofen werden. Selbstverständlich haben wir das nur für jene geschrieben, die an so etwas glauben.

In späteren SF-Filmen war man nicht mehr so konsequent, die Menschen hatten es immer selbst irgendwie gewuppt, dank überlegener Wissenschaft, während gerade in den noch sehr fortschrittsgläubigen frühen 1950ern dieser Film herauskam, in dem die Menschen sich nicht scheuten, die Atombombe als ultima ratio einzusetzen. Wie sie dann im Umfeld das Entstehen des Pilzes beobachten, erinnert ein wenig an die „duck and cover“-Kampagne Mitte der 1950er, in der man Schulkindern weismachen wollte, man könne der Radioaktivität einer Atombombe durch in Deckung gehen entkommen. Trotz all dem ist der Film auch unverkennbar eine Machtdemonstration: Die höchste schnelle und effiziente Armeeführung und ultramodernes Gerät wie der Nurflügel-Bomber YB-49, der aber nie in Serie entstand, sind zwar nicht geeignet, um die Marsianer zu vertreiben, aber um die Sowjetunion in Schach zu  halten, reicht er allemal aus. Am Ende sind übrigens keine Russen dabei, als die Nationen zusammenarbeiten, zumindest nicht in der deutschen Synchronfassung, es werden aber auch keine Bilder vom zerstörten Kreml gezeigt. Botschaft: Marsianer interessieren sich nicht für die Weiten dieses retardierten Landes, sondern ergötzen sich lieber am Zerschießen der Weltmetropolen, die hauptsächlich Städte der USA sind. Jetzt müssen wir im Grunde zu den vielen Problemen des Films kommen, denn wenn diese Marsmenschen so fortgeschritten sind, wäre es doch viel logischer gewesen, die Städte nur zu entvölkern, aber nicht alles kaputtzumachen, wo man drin wohnen könnte. Sozusagen das umgekehrte Schema wie in „Der Tag, an dem die Erde still stand“.

Auch wenn der Narrator, der außerdem ein bisschen viel erklärt, zu Beginn die oben erwähnte psychologisch stimmige Beschreibung dessen, was der Angriff vom Mars auf der Erde verursacht, abliefert, hat man den Eindruck, diese Menschheit kann unmöglich so weit gekommen sein, mit ihrem Verhalten. Wie wir heute wissen, wäre es mindestens zwei Mal beinahe zur Selbstvernichtung gekommen, einmal sogar wegen eines technischen Fehlers, der missinterpretiert wurde.

Trotz der Vorreiterfunktion, die dem Film zugebilligt wird, trotz der kultigen Raumschiffe mit den Kobraschnorchel-Fernsehaugen, trotz einige bedenkenswerter Botschaften, die man ihm unterlegen kann und anderer, die diskutiert werden müssten, ist die Handlung stellenweise furchtbar. Vom irrsinnigen Verhalten der Menschen vor Ort, die einfach auf das erste sich zeigende Objekt zugehen, als hätten sie nicht gerade in vielen Kriegen gelernt, etwas vorsichtig zu sein, wenn Unbekannte sich nähren über das Verhalten des Pfarrers, das ebenso naiv ist, als ob die Aliens wissen müssten, was ein Kreuz und eine Bibel sind und wie man sich in deren Angesicht zu verhalten hat, wo doch viele Menschen schon keinen Respekt davor haben, wirkt vieles komplett unmotiviert, auseinandergerissen und teilweise auch, als ob der Film gekürzt worden wäre, obwohl die gesehene Version der Originallänge entspricht, wie sie in der Wikipedia wiedergegeben wird, abzüglich der etwas schnelleren Fernsehausstrahlungsmodalität mit 25 anstatt 24 Bildern pro Sekunde. Dass es dabei auch einen Mann gibt, einen tapferen Wissenschaftler, der eine hysteriche Frau beruhigen muss, versteht sich von selbst und gehört zu den lässlicheren und konventionellen Bestandteilen des Kinos, die erst in jüngster Zeit hinterfragt worden sind.

Offenbar konnte man die Strahlenwaffen auch bezüglich der Stärke / Wirkung einstellen, denn die drei ersten Menschen, die getötet wurden, sind noch als halb zerstaubte Skelette sichtbar, die Autos als Trümmerhaufen, während spätere Angriffe damit enden, dass nur noch ein schwarzer Fleck sichtbar ist, egal, was ins Visier genommen und getroffen wurde.

Finale

„Der Kampf der Welten“ und seine Aliens sind faszinierend, um mit Mr. Spock zu reden, sehr spannend, auch aufgrund der kompromisslosen Kürze des Werks, aber die Plotführung ist kaum auszuahlten, so viel Falsches und Rudimentäres kommt darin vor. Für den technischen Teil wollen wir das gar nicht analysiern, dazu sind wir nicht Fachleute genug und müssten alles zusammentragen, was in der IMDb dazu verfasst wurde und auslassen, dass interstellare Raumfahrt bis heute kein Thema ist, weil die Antriebe dafür noch nicht geschaffen wurden, die außerdem die Grenze der Lichtgeschwindigkeit überwinden müssten. Vielleicht wäre es wirklich eine gute Idee, sich als Meteorit zu verkleiden, aber man müsste zum Mars oder gar aus diesem Sonnensystem heraus mit sehr langen Fahrzeitzeiten rechnen, wenn es, wie bisher, unmöglich bleibt, einen Wharp-Antrieb oder etwas Ähnliches zu entwickeln und Hyperraumsprünge zu vollführen. Das Problem haben aber alle Weltraumabenteuer-Filme und sind doch kultig, aus vielen guten Gründen.

George Pal, der den Film produziert hat, bewies als Regisseur sieben Jahre später, dass er einen tiefgründingen, immanent recht logischen und außerdem sehr anrührenden SF machen kann – mit „Die Zeitmaschine“, der für uns eine der besten Produktionen seines Genres bis heute ist. „Der Kampf der Welten“, ebenalls nach H. G. Wells, ist hingegen strukturell ein B-Film, wenn auch ein teurer, aufgrund der Spezialeffekte, und weil er in Farbe gefilmt ist. Meines Wissens ist er damit der erste SF, dem diese Ehre zuteil wurde, denn das gesamte Genre war bis in die 1950er „B-Grade“. Immerhin half der Erfolg von Filmen wie „Der Kampf der Welten“ dabei, das zu ändern. Der Höhepunkt der nachfolgenden Veredelung war mit „2001“ erreicht, 15 Jahre später.

H. G. Wells hätte diese Verfilmung seines Stoffes vermutlich nicht gemocht, schon deshab nicht, weil er mit einem religiösem Pathos aufgeladen wurde, das seiner Vorlage fremd ist. Aufgrund der Tatsache, dass ein Raumschiff ausgerechnet in einer Kirchenwand zum Halten kommt, kann man die Baktieren als Eingriff Gottes in das Geschehen interpretieren oder als unendliche Voraussicht seinerseits. Seine hiesige Krone der Schöpfung hingegen weiß nicht mehr weiter, in dem Moment, in dem eine andere Krone, die ja auch von Gott erschaffen wurde, wie der Pfarrer, dieses Mal in der Spur der Logik, uns mitteilt, jene unzulänglichen Erdenmenschen zu vernichten droht. Warum Gott die Marsmenschen weniger physisch widerstandsfähig geschaffen hat, obwohl sie auf einem lebensfeindlicheren Planeten hausen als die Terraner:innen, wird eines seiner vielen Geheimnisse bleiben.

Was bleibt, ist dennoch die tricktechnische Pionierleistung und das Zeugnis aus einer Zeit, die genauso panisch war wie die heutige, das der Film ablegt. Unser Titelbild zeigt eine typische Dreier-Kampfgruppe von Marsianer-Raumschiffen auf Feindflug. Ganz links kann mean einen grünen Vernichtungsstrahl erkennen, es gibt aber noch die funkensprühende rot-rosane Variante.

63/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursive Textteile: Wikipedia

Regie Byron Haskin
Drehbuch Barré Lyndon
Produktion George Pal
Musik Leith Stevens
Kamera George Barnes
Schnitt Everett Douglas
Besetzung

 

 

 

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