MASH (USA 1970) #Filmfest 536

Filmfest 536 Cinema – Concept IMDb Top 250 Movies of All Time (69)

MASH (abweichende Schreibweise auf Plakaten: M*A*S*H) ist eine satirische amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1970. Der Film, gedreht unter der Regie von Robert Altman, basiert auf dem Roman MASH (Originaltitel: MASH – A Novel About Three Army Doctors) von Richard Hooker (Pseudonym von H. Richard Hornberger) und dreht sich um das Personal eines Mobile Army Surgical Hospital im Koreakrieg.

Die IMDb-Nutzer:innen bewerten MASH oder auch M*A*S*H aktuell mit 7,5/10. Das ist zwar sehr ansehnlich, aber wenn man bedenkt, dass er von 1996 bis 2004 in der Liste der Top 250 aller Zeiten und Länder stand, die jenes Portal führt, ist es auch einer der steilsten Abstiege, die ich bisher beobachtet habe, denn damals wie heute waren ca. 8,1/10 die Grenze für den Einstieg. Manche Filme sind ewig oder legen mit der Zeit sogar an Reputation zu, aber hier kann von einem Wandel des Publikumsgeschmack sprechen. Wir versuchen, diesem in der –> Rezension nachzuspüren.

Handlung (1)

Der Film spielt größtenteils 1951 in einem mobilen Feldlazarett, wenige Kilometer von der koreanischen Front entfernt. Der Chirurg Captain „Hawkeye“ Pierce leistet sich gleich zu Beginn einen Fauxpas. Der Fahrer, der ihn ins Lazarett bringen soll, lässt ihn stehen, und als Captain „Duke“ Forrest auftaucht und glaubt, Hawkeye sei sein Fahrer, lässt dieser das unerwidert, nimmt sich einen Jeep und fährt davon, worauf beide wegen Diebstahls eines Militärfahrzeugs von der Militärpolizei verfolgt werden.

Im Feldlazarett angekommen, geraten sie mit ihrem Zeltkameraden, Major Frank Burns, in Streit, da dieser die Dienstvorschriften sehr ernst nimmt, seine Religiosität zur Schau stellt und Abstinenzler ist. Hawkeye und Duke beschweren sich beim Kommandanten der Einheit, Colonel Henry Blake, er möge Burns aus ihrem Zelt entfernen und mindestens noch einen Chirurgen für sie anfordern.

Der neu eingetroffene Chirurg, Captain „Trapper“ John McIntyre, ist nach dem Geschmack von Hawkeye und Duke und zudem ein hervorragender Chirurg. Gleichzeitig mit ihm kommt auch eine neue Chefkrankenschwester, Major Margaret O’Houlihan, an, die sich ihrerseits mit Burns sehr gut versteht. O’Houlihan und Burns wollen nun dem Trio der Chirurgen das Leben zunehmend schwer machen, indem sie gemeinsam einen Beschwerdebrief an das Oberkommando über die Zustände im Lazarett verfassen. Sie werden jedoch rasch gebremst: Bei einem Techtelmechtel der beiden schiebt jemand ein Mikrofon unter die Zeltplane, und Trapper schließt es an die Beschallungsanlage des Lagers an, sodass alle die Liebesgeräusche der beiden hören können, unter anderem „… meine Lippen sind so heiß!“ Am nächsten Tag werden O’Houlihan und Burns wegen der Affäre gewaltig auf die Schippe genommen, O’Houlihan trägt von nun an den wenig schmeichelhaften Spitznamen „hot lips“. Burns lässt sich sogar zu einer körperlichen Attacke auf Hawkeye hinreißen und wird von der MP in einer Zwangsjacke aus dem Lazarett abgeführt.

Pfarrer Mulcahy, der Feldkaplan, erzählt Hawkeye, dass ihm der Zahnarzt des Lazaretts Waldowski, auch genannt der „schmerzlose Bohrer“, ein sehr schwerwiegendes Problem in der Beichte anvertraut habe. Wegen des Beichtgeheimnisses könne er nur sagen, dass Waldowski neulich geäußert habe: „Poker ist ja auch nur ein Spiel“, daran sei zu erkennen, wie schlimm es um Waldowski stehe. Der dadurch alarmierte Hawkeye befragt Waldowski, der ihm erklärt, er habe bei einer Krankenschwester sexuell versagt. Er habe daraufhin über Donjuanismus gelesen: eigentlich sei er homosexuell. Daher werde er sich umbringen. Darauf erklären Hawkeye, Duke und Trapper, ihm bei seinem Unterfangen helfen zu wollen und eine „schwarze Kapsel“ herzustellen, die ihn töten werde. Nach einem Abschiedsessen, das szenarisch Leonardo da Vincis Gemälde Das Abendmahl nachempfunden ist, legt sich Waldowski in einen offenen Sarg und schluckt die schwarze Kapsel. Alle nehmen von ihm Abschied, und er schläft ein, da die schwarze Kapsel keine tödliche Substanz, sondern lediglich ein Schlafmittel enthält. Kurz darauf überredet Hawkeye die Krankenschwester Lieutenant Maria „Dish“ Schneider, die gerade den letzten Abend vor ihrer Heimreise in die USA verbringt, während der Nacht den Zahnarzt von seinem „Leiden“ zu kurieren. Das gelingt offensichtlich, denn am nächsten Tag begrüßen sich der „kurierte“ Zahnarzt und Hawkeye, als ob nichts gewesen wäre. (…)

Rezension

Der Filmhistoriker Ulrich Gregor sah den Film als „eine Art gehobene Militärklamotte. Auch der Respekt für Altmans späteres Werk führt nicht an der Feststellung vorbei, daß M.A.S.H. ein Film der plumpen Effekte und der Spekulation mit Zweideutigkeiten war, der den Krieg nur als Folie für das lockere Treiben seiner Protagonisten benutzte.“[3]

„Altmans umstrittener Film versteht sich als eine grausig-zynische Satire gegen den Krieg, die den Zuschauer auf schockierende Weise zugleich abstößt und unterhält.“ – Lexikon des internationalen Films[4]

„Trotz guter Absichten und ansprechender Gestaltung reicht der Film über das Niveau einer Militärklamotte nicht hinaus, wodurch die Chance, eine Antikriegssatire zu schaffen, restlos vertan wird.“ – Evangelischer Filmbeobachter[5]

Wer hatte zu dem Zeitpunkt schon eine Antikriegssatiere geschaffen? Charles Chapllin, im ersten Teil von „The Great Dictator“. Viel mehr fällt mir dazu nicht ein. Auch nachfolgende Filme wie „Apocalypse Now“ waren entweder keine echten Antikriegsfilme oder nicht durchgängig satirisch angelegt. Der Humor in „MASH“, wenn man ihn einordnen will, kommt am dichtesten an die Monty Pythons heran oder an die Marx Brothers, aber Letztere hatten auch nie eine Antikriegssatire gemacht, die sich direkt an den Schauplätzen eines Krieges zuträgt und die Monty Pythons ebenfalls nicht. „MASH“ ist in der Tat frivol und derb und wäre zu dem Zeitpunkt, als der Koreakrieg stattfand, unmöglich gewesen. Auch 1970, auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges werden ihn nicht wenige eher als „Zersetzungsfilm“ denn als Satire angesehen haben.

Ausgerechnet aus dem Kampf um das Leben von verletzten Soldaten in einem Lazarett eine Satire zu machen, ist aber auch äußerst heikel. Man sieht in „MASH“ einiges an Blut und eine lakonische Truppe von Zynikern, die trotzdem ihr Bestes tut, um denen zu helfen, denen noch zu helfen ist. Das sieht man u. a. besonders deutlich in der „japanischen Episode“, die ein wenig wie ein Fremdkörper wirkt und neben der zu ausgedehnten American-Football-Schlacht das Drehbuch etwas unkonzentriert wirken lässt. Immerhin siegt in Japan die Humanität und auf dem Sportschlachtfeld die medizinische Kenntnis, denn der beste Spieler der gegnerischen Einheit wird schachmatt gespritzt. Angesichts unserer aktuellen Lage reizt allerdings auch dieser Moment nicht maximal zum Lachen, mich hat er leider am meisten an die beiden Corona-Schutzimpfungen erinnert, die ich kürzlich erhielt, als an irgendetwas Witziges. Außerdem sehe ich Blut nicht gerne und schon gar nicht, wenn jemandem eine Injektion verabreicht wird. Das war auch vor Corona schon so.

Trotz seiner derben Art ist „MASH“ aber kein krudes Spektakel und hält einige emotional anrührende Moment bereit, in denen das Menschliche klar über das „Klamottenhafte“ siegt, das dem Film durchaus anhaftet. Die  Balance war sicher nicht so einfach hinzubekommen, zumal es kaum Vorbildfilme für die Art von Humor gab, die wir hier sehen. Vielleicht wurde „MASH“ auch deswegen“ von der zeitgenössischen Kritik, wenn man von jenen Stimmen absieht, die generell einen sehr moralisierenden Duktus pflegten, nicht so gewürdigt, wie man es bei der Vergabe von Filmpreisen sehr wohl tat. Man erkannte diese in der Tat auch heute seltsam anmutende Mischform aus Komödie und Kriegsfilm nicht an oder stellte nicht ihr humanistisches Potenzial in den Vordergrund. Dass der Film in den letzten Jahren ebenfalls wieder an Zuspruch verliert, wird hingegen wohl darin liegen, dass etwa mit 9/11 die sonnigen 1990er nicht nur kalendarisch vorbei waren, sondern auch bezüglich der allgemeinen und sexuelle Moral die zweite reaktionäre Phase nach den frühen 1970ern einsetzte, die erste war die Reagan-Ära.

Die Frage ist also, ob der Film für seine Entstehungszeit nicht etwas zu speziell war und heute nicht mehr den Ton trifft und wieso er trotzdem ein Kultfilm ist. Vermutlich ist Letzteres der Fall, weil er ein Einzelstück blieb. Schauspielerisch ragt Donald Sutherland deutlich heraus und nun ist „MASH“ der älteste Film mit ihm, den ich bisher gesehen habe. Bisher hatte diese Position „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ inne, in dem er einen komplett anderen Charakter spielt als den ewig klugscheißenden und charakterlisch sehr robsuten „Hawkeye“. Donald Sutherland hatte das Wandlungsfähigkeits-Gen vielleicht von Alec Guiness geerbt, das es ihm ermöglicht, einen Typen wie Hawkeye und wenige Jahre später einen Familienvater zu spielen, der den tragischen Tod seiner Tochter verwinden muss und in Venedig mit den Schatten der Vergangenheit konfrontiert wird.

Finale

Den großen philosophischen oder politischen Bogen mag ich bei „MASH“ nicht schlagen, dafür ist er nicht eindeutig genug. Sicher wird der Wahnsinn des Krieges anhand des Lazaretts, in dem alle wichtigen Figuren arbeiten, plastisch herausgestellt und ad absurdum geführt und die frühen 1970er, in denen man sehr frei mit fast allem umging, waren nicht die Zeit für einen großen Anti-Vietnam-Kriegsfilm, während die Kämpfe dort andauerten, man konnte also nur ein wenig rückwärts greifen, um das aktuelle Geschehen zu kommentieren. Das war insofern auch logisch, als die Buchvorlage tatsächlich im Koreakrieg angesiedelt war und zwischen den Kriegen veröffentlicht wurde. Ich glaube, es ist in weiten Teilen Geschmacksache, ob man diesen Film mag.

Das trifft selbstredend auf fast alles zu, aber in diesem Fall muss man mit der Mischung aus Humanismus und Zynismus in Abwesenheit von Patriotismus mitgehen können und dafür bedarf es entweder der Fähigkeit, sich auf eine Tonart festzulegen, die man besonders mag, oder man muss das Ganze in den Blick nehmen und tolerant sein, aber nicht zu tief einsteigen in Themen, die hier mehr oder weniger gestreift werden, wie z. B. Homosexualität und Religiosität. Vielleicht ist die Darstellung der Verhältnisse realistischer als in Kinostücken, in denen das Heldentum immer sehr ernst genommen wurde und heute wieder ernst genommen wird.

Sicher jedoch hat die Tendenz zum Superheldenkino etwas mit der nachlassenden Zustimmung zu „MASH“ zu tun, denn eines kann man nicht sagen: Dass jene Alltagshelden, die wir hier sehen, heldenhaft wirken und sich außerdem zurechnen, die ganze Welt retten zu können, indem sie die Folgen einer verfehlten, kriegerischen Politik so gut wie möglich zu reparieren versuchen, wo es noch geht. Der Film hatte übrigens eine sehr bekannte und beliebte Fernsehserie nach sich gezogen. Klar, der medizinische Dauereinsatz ist ein hervorragender Hintergrund für immer neue mehr oder weniger gelungene Plotideen, wie wir auch hierzulande teilweise leidvoll erfahren mussten.

78/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Robert Altman
Drehbuch Ring Lardner Jr.
nach dem Roman von Richard Hooker
Produktion Ingo Preminger
Musik Johnny Mandel
Kamera Harold E. Stine
Schnitt Danford B. Greene
Besetzung

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