„So viel verdienen Pflegekräfte in Deutschland“ + Kommentar | #Frontpage #Corona #Pflege | #Statista #Infos #Pflegenotstand #Altenpflege #Krankenpflege

Frontpage | Wirtschaftsdaten, Pflege | Corona, Klatschen und besser bezahlen

Als die Corona-Krise ausgebrochen war, standen im Bundestag die Politiker:innen auf und applaudierten den Menschen in systemrelevanten Berufen, den Ärzt:innen und Pfleger:innen. Doch deren Situation hat sich seitdem kaum verbessert. Ein paar Boni, die nur kurzfristig etwas bewirken und diese müssen, so sieht es gerade aus, entgegen anderslautenden Versprechungen der Politik sogar versteuert werden.

Die Gehälter (Stand 2019) in der Pflege hat Statista in dieser Infografik aufbereitet:

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Im Begleittext von Statista heißt es zur Erklärung: Zur Definition der in der Grafik aufgeführten Qualifikationsniveaus: Experten haben eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung absolviert oder verfügen über eine vergleichbare Qualifikation. Spezialisten haben eine Meister– oder Technikerausbildung absolviert oder verfügen über einen Fach- / Hochschulabschluss. Fachkräfte haben eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert. Helfer umfassen u.a. Personen ohne Berufsausbildung.

Ich hatte mich damals gefragt: Wäre ich MdB, was hätte ich getan? Hätte ich mich erhoben und mitgeklatscht? Ode wäre ich sitzen geblieben, weil ich diese Gesten- und Symbolpolitik albern finde, solange sie nicht von realen Verbesserungen für die Betroffenen begleitet wird? Hätte ich also ein Zeichen gesetzt, das bei einer öffentlichen Person sofort und absichtlich falsch interpretiert worden wäre? Deshalb an dieser Stelle ein gewisses Verständnis für viele, die da mitgemacht haben, obwohl ihnen innerlich unwohl dabei gewesen sein dürfte.

Auf den ersten Blick sehen die Gehälter in der Pflege nicht so furchtbar gering aus, aber alles ist relativ. Man darf sie nicht mit prekärer Arbeit vergleichen, aber sehr wohl muss man sie vergleichen mit dem, was Pflegekräfte in anderen reichen Ländern verdienen (in der Schweiz fast das Doppelte, allerdings bei extrem hohen Lebenshaltungskosten) und natürlich, welche Berufe wie vergütet werden. In Relation zu ihrer Relevanz nämlich sind Pfleger:innen unterbezahlt. Und es kommt noch etwas hinzu: Die oft beinahe mörderischen Arbeitsbedingungen, denen sie ausgesetzt sind. Viele Menschen, die für diese wichtigen Aufgaben ausgebildet wurden, verlassen daher diese Berufe und suchen sich etwas, das nicht einmal besser bezahlt werden muss, wo man sich aber nicht so kaputtmacht wie in der neoliberal unterpersonalisierten und durchrationaliserten Pflege, in der für den Kontakt mit den Patienten viel zu wenig Zeit bleibt. Pflege ist auch ein Beruf von Menschen für Menschen, dem wird in diesem Profitsystem kaum Rechnung getragen. Das gilt in Kliniken ebenso wie bei privaten Pflegediensten. Alles ist darauf ausgerechnet, so wenig wie möglich zu kosten und so unpersönlich wie möglich abgewickelt zu werden.

Wenn nun aber viele hier ausgebildete Fachkräfte den Beruf wechseln, was wird dann aus den Patienten? Eine Zeit lang konnte man die Lücken mit Werktätigen aus Osteuropa füllen, aber die Grenze dieser Form von Ausbeutung ärmerer Länder, die dann wiederum den Fachkräftemangel haben, scheint erreicht zu sein. In Asien jedoch wird man nun fündig und setzt auf diese Weise eine inakzeptable Verlagerung der Kosten fort, denn dort ausgebildet und hier billig eingesetzt ist ein antisolidarisches Modell, das die Neoliberalen schlimmstenfalls sogar als Weltoffenheit verkaufen. Doch das Problem ist nicht von heute auf morgen zu beseitigen. Das einzige, was man hier kurzfristig tun kann, ist, keine Unterschiede zu machen, sondern alle nach Tarif zu bezahlen, die hierzulande in der Pflege tätig sind. Keine Ausbeutung nach Herkunft oder Aufenthaltsstatus und eine Anhebung der Bezahlung durch alle. Zu Recht wird umgehend von Politiker:innen darauf hingewiesen, dass die durch das anstehende Pflegereformgesetz entstehenden Mehrkosten auf die Patient:innen und deren Angehörige abgewälzt werden. Ja, das steht zu befürchten und die Zahl derer, die um Staatshilfe bitten müssen, um sich oder Angehörige pflegen zu lassen, wird steigen.

Wieder einmal kommen wir dadurch auf ein Thema, das auch die Krankenversicherung und die Rentenversicherung betrifft: Es muss endlich dazu kommen, dass alle in die Sozialversicherungen einzahlen, wie das in anderen Ländern ganz selbstverständlich der Fall ist. Dass bestimmte soziale Gruppen sich hier nicht solidarisch verhalten müssen, können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten. Auch dieser neoliberale Spin, der vor allem wieder auf das Mindset „Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren“ hinausläuft, darf nicht mehr die Überlegung zur künftigen Finanzierung der Sozialversicherungen bestimmen.

TH

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