Tod im Strandhaus (The Rental, USA 2021) | 5 Empfehlungen | #Filmfest 539

Filmfest 539 Empfehlungen

Tod im Strandhaus (Originaltitel The Rental) ist ein Horror-Thriller von Dave Franco, der am 24. Juli 2020 in den USA in ausgewählten Autokinos und als Video-on-Demand veröffentlicht wurde.

Auf den Film wurde ich erstmals durch diese Kritik aufmerksam, die anlässlich des Heimkino-Starts in Deutschland am 15. Mai 2021 veröffentlicht wurde. Darin heißt es:

Zugegeben – von der reinen Handlungsbeschreibung her drängt sich die Frage auf, ob es wirklich noch einen Film dieser Art braucht. Zu oft schon wurde hat der Zuschauer mit austauschbaren Charakteren in einem sich streng schematisch entwickelnden Schreckensszenario konfrontiert, welches am Ende trotz einer Menge Blut seltsam blutleer wirkte. 

Das würde ich grundsätzlich nicht so sehen, denn es geht um ein Strandhaus! Und einige, die hier lesen, wissen, dass ein Leben ohne Strandhaus möglich, aber nur begrenzt sinnvoll ist. Im weiteren Verlauf der Kritik kommt der Rezensent aber auch zu der Feststellung, dass der Film gar nicht schlecht ist und zu einer Bewertung von 78/100. Allerdings fängt der Text mit einer allgemeinen Feststellung an, auf die noch kurz eingehen möchte:

Wenn die Schauspielkunst nicht mehr ausreicht um persönliche (oder finanzielle) Erfüllung zu erlangen, suchen viele Akteure den Weg auf die andere Seite, genauer gesagt auf den Regiestuhl. Brad Pitt, George Clooney oder Clint Eastwood sind nur ein paar der namhaften Beispiele, zu denen sich nun auch Dave Franco gesellen will. Anfangs verkörperte der US-Amerikaner vergleichsweise leichtfüßige Rollen, bewies aber in den letzten Jahren, dass er auch ernsteres Terrain zu bespielen weiß.

Gut, dass ich von Dave Franco bisher wenig wusste, sonst hätte ich ihn gleich als Loser identifiziert, der sich in den Regiestuhl verdrückt hat, weil das grelle Licht der Kamera ihm nicht mehr schmeichelt, sondern schadet. Aber von Clint Eastwood habe ich mir zuletzt einiges angeschaut, weil wir uns in der Hauptchronologie („Filmfest Cinema“) mittlerweile in der Zeit befinden, in der Eastwood zum Start wurde. Wenn jemand wie Eastwood sich selbst inszeniert und dabei Oscars gewinnt, ist er dann schauspielerisch nicht mehr gut genug, sich von jemand anderem führen zu lassen oder so versiert, dass er auch seinen eigenen Anweisungen als Regisseur diszipliniert folgen kann? Bei Eastwood möchte ich eindeutig Letzteres bejahen. Seine eigenen Filme, seine Autorenwerke, sind besser als das Meiste, was er unter fremder Regie gemacht hat, wenn man von Sergio Leones und Don Siegels Arbeiten absieht. Es gibt auch weniger gute Regieprodukte von Eastwood, er musste diesen Job auch erst lernen, außerdem riskiert er immer auch mal gerne etwas, das schiefgehen kann, aber auf die Spitzenprodukte kommt es bei solchen Bewertungen an. Gut, Dave Franco steht ein wenig im Schatten seines älteren Bruders James Franco, der ebenfalls vor und hinter der Kamera arbeitet und spielt noch nicht in der Eastwood-Klasse, aber das widerspricht keinesfalls dem eben Ausgeführten. Und Dave Franco hat hier nicht vor und hinter der Kamera gestanden, sondern nur dahinter. Auch deswegen ist der Vergleich mit Eastwood und Co. in Teilen schief.

Jon Frosch von The Hollywood Reporter bemerkt, auch wenn die Besetzung von Dan Stevens und Jeremy Allen White als die Brüder Charlie und Josh zunächst die Glaubwürdigkeit belaste, Ersterer schlaksig und von feingliederiger Eleganz mit einer gelegentlichen Spur seines englischen Akzents, Letzterer mit stämmigerem Körperbau und einer gröberen Ausstrahlung, mache die Inkongruenz allmählich Sinn: der eine Goldjunge, der andere, der es vermasselt hat. Stevens sei gut darin, einen Schuft zu spielen.[21]

Bemerkenswert, dass ein Kritiker auf solche Unterschiede abhebt. Ich tendiere ebenfalls dazu, wenn es um die Plausibiltät von engen Verwandtschaftsverhältnissen geht, weiß aber, dass dies eine Ausnahmeposition ist, denn im Grunde ist es nicht politisch korrekt. Geschwister können sehr wohl recht unterschiedlich aussehen, aber es gibt Grenzen, auch bei der Besetzung von Eltern und Kindern, die leider oft überschritten werden, indem keinerlei Ähnlichkeit zwischen den Generationen festzustellen ist. Wenn man die Handlungslogik kritisieren darf, dann müsste das im Grunde auch für die optische Plausibilität der Besetzung gelten, beides zusammen bestimmt in nicht geringem Maße darüber, ob wir einen Film als realistisch ansehen. In Genres, in denen es auf den Realismus nicht ankommt, spielt das freilich weniger eine Rolle. Sowohl der Mystery-Thriller als auch das Slasher-Movie sind diesbezüglich eher auf der lockeren Seite, aus dem simplen Grund, dass das gesamte Konzept nicht auf realistischen Vorgaben beruhen kann.

Der Film wird von 75 Prozent aller bei Rotten Tomatoes erfassten Kritiker positiv bewertet.[16] Hierbei wurde immer wieder die gelungene Balance zwischen einem Beziehungsdrama, in dem das Vertrauen zwischen den Freunden zunehmend zu bröckeln beginnt[17], und der plötzlichen Wandelung in einen Slasher-Film positiv hervorgehoben, ein Griff, bei dem Dave Franco die beiden Genres überraschend mühelos mische und der nicht funktionieren sollte, es aber dennoch tut.[18][19]

Das ist doch eigentlich das Beste, was einem Film passieren kann. Dass er Erwartungen toppt. Jedenfalls viel angenehmer als ein Film, von dem man erwartet, dass er funktioniert, der diese Erwartungen aber nicht erfüllt. Dadurch entsteht für einen Kritiker viel mehr Arbeit: Er muss erklären, warum das Ding nach seiner Ansicht nicht matcht, während er sich im umgekehrten Fall mit der Bemerkung „Da schau her, passt!“ begnügen kann. Sollte er das tun? Nein. Sonst erfüllt er seinerseits die Erwartungen nicht, nämlich die seiner Leser:innen.

uch die Prämisse, den Film auf den Gefahren, die mit einer Buchung über Airbnb verbunden sind, aufzubauen, wurde von Kritikern vielfach als zwar einfach, aber einfallsreich beschrieben.[7][20] Das Gefühl von Angst, das der Film evoziere, beruhe auf einem realen Trend, der den Zuschauer dazu bringen werde, es sich zweimal zu überlegen, seine Unterkunft weiterhin über Airbnb zu buchen.[18] Chris Evangelista von SlashFilm findet, die Beziehungsprobleme funktionierten jedoch besser als die Horrorelemente.[19]

Die Gefahr, über AirBnB zu buchen, besteht in der Realität vor allem darin, dass man als gewissenloses Subjekt wahrgenommen wird, das zur Gentrifizierung in den Städten beiträgt. Aber das ist eine andere Geschichte bzw. wäre es, wenn nicht auch die Preise für Strandhäuser durch solcherlei Verwendung möglicherweise beeinflusst werden würden. Aber ich merke schon, ich muss mir den Film unbedingt anschauen, wenn er als Einzelmietobjekt zur Verfügung steht. Die Stichworte „Strandhaus“ und „AirBnB“ reichen vollkommen aus, um mein Interesse zu wecken und selbst der Ansicht nachzuspüren, ob „Tod im Strandhaus“ gut funktioniert.

TH

Regie Dave Franco
Drehbuch Dave Franco,
Joe Swanberg
Produktion Dave Franco,
Elizabeth Haggard,
Teddy Schwarzman,
Ben Stillman,
Christopher Storer,
Joe Swanberg
Musik Danny Bensi,
Saunder Jurriaans
Kamera Christian Sprenger
Schnitt Kyle Reiter
Besetzung

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