Wo sind Häuser bei Starkregen besonders gefährdet? | #Frontpage #Flut #Flutkatastrophe #Umwelt #Hochwasser | Statista, Infografik #Hochwasser

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Zunächst möchten wir ausdrücken, dass wir an die Menschen in den Hochwasserkatastrophengebieten im Westen denken. Besonders fühlen wir mit den Angehörigen der mittlerweile 95 Todesopfer der Katastrophe.

Es gibt Gebiete in Deutschland, die aus verschiedenen Gründen besonders stark gefährdet sind, bei Starkregen mit hohen Schäden konfrontiert zu sein, dazu zählen auch jetzt betroffene Städte und Gemeinden:

Hier zur Originalgrafik

Als Erklärungstext ist der Grafik beigefügt:

Die derzeit stark von Überschwemmungen getroffene Stadt Wuppertal hat aufgrund ihrer geografischen Lage bundesweit die meisten Gebäude, die bei unwetterartigem Regen hoch gefährdet sind. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). In Wuppertal steht jedes siebte Haus in einem Tal oder in der Nähe eines kleineren Gewässers und ist deshalb in die höchste Starkregengefährdungsklasse 3 eingeordnet. Für das Ranking wurden alle Adressen der 50 einwohnerstärksten Städte in Deutschland in drei Starkregengefährdungsklassen eingeteilt.

Die Ermittlung der drei Starkregengefährdungsklassen bei Unwettern ist ein Ergebnis des Forschungsprojekts Starkregen, das der GDV gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem Ingenieurbüro IAWG durchgeführt hat. Dabei gilt: Je tiefer ein Gebäude liegt, je länger das Wasser darin steht, desto höher ist der Schaden. In die höchste Starkregengefährdungsklasse 3 fallen daher Gebäude, die in einem Tal liegen oder in der Nähe eines Bachs stehen.

Nach dem stundenlangen Starkregen der letzten Tage wurden aus kleinen Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz reißende Wassermassen. Der wirtschaftliche Schaden des Unwetters lässt sich noch nicht genau beziffern. Da eine ganze Reihe von Straßen und Brücken und auch Bahnlinien betroffen waren und zudem viele Häuser und Handwerksbetriebe zerstört wurden, dürften auch die wirtschaftlichen Auswirkungen massiv sein.

Ich habe ein sehr exaktes Bild davon, wie Hochwasser aussieht und von den Schäden, die dadurch entstehen können, denn auch meine Heimatstadt zählt zu den besonders flutgefährdeten Gebieten. Die Grafik zeigt sie auf Platz 5 als „Regionalverband“. Obwohl die Stadt insgesamt eine hügelige Topographie aufweist, gibt es eben die Innenstadt entlang des Flusses, der, so habe ich es in Erinnerung, regelmäßig alle ein bis zwei Jahre einmal über die Ufer tritt, dann sieht die „Stadtautobahn“, die direkt an ihm entlang gebaut wurde, so aus wie auf diesem Foto. Man wollte sie zu einem Tunnel umbauen, auch aus optischen Gründen, aber im Land des Stillstands ist für so etwas längst kein Geld mehr da.

Aktuell wird, das steht im oben verlinkten Artikel, offenbar diskutiert, ob es bald wieder so weit sein könnte. Es sieht aber dieses Mal recht entspannt aus. Anders, wenn die Lage ist wie auf dem oben verlinkten Bild: Von der Überflutung der Autobahn bis zum Volllaufen der Keller der Häuser in Flussnähe ist es nicht weit und es gab während meiner Lebenszeit ein Hochwasser, das die komplette Altstadt geflutet hatte. Der noch gültige Rekordpegel wurde allerdings schon in früheren Jahren erzielt, daran erinnert eine Hinweistafel an einem der betroffenen Gebäude. Die Altstadt ist in Teilen historisch und wurde in den 1970ern grundsaniert, seitdem ist ihr Kern mehr als nur ein Geheimtipp für Schlemmer und Bummler. Aber die Schäden sind enorm, wenn es zu Hochwasser kommt, denn die vielen kleinen Geschäfte dort haben teilweise keine andere Möglichkeit, als ihre Warenbestände in den Kellern einzulagern. Todesfälle hat es meines Wissens in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben, aber Hochwasser ist nicht gleich Hochwasser.

Das vergleichsweise langsame Ansteigen einer größeren Wasserstraße unterscheidet sich von den Sturzbachvorfällen mit Schlammlawinen, die kleiner Städte stark in Mitleidenschaft ziehen und wie sie jetzt wieder vorgekommen sind, diese wiederum von den in Berlin zuweilen zu beobachtenden Straßenplanschbecken, die auf ein überlastetes Abwassersystem bei Starkregen deuten. Zuletzt war der Effekt, dass überschüssiges Wasser aus den Kanälen hochdrückt und u. a. Kanaldeckel anhebt, 2017 zu beobachten. Ansonsten hatten wir hier in den letzten Jahren eher mit zu wenig Regen zu kämpfen und ich bin froh, dass es dieses Jahr etwas besser aussieht. Jedenfalls zeigt der Hofbaum, der vor dem Fenster dieses Zimmers steht, noch keine Anzeichen von Wassermangel, das war im Juli / August 2018 und 2020 anders. Zur Erinnerung:

Hofkastanie mit Wassermangel, Juli 2018

Wir wollen heute nicht detailliert darüber diskutieren, was uns diese Katastrophen sagen, die es noch vor wenigen Jahrzehnten nicht in dieser Häufigkeit und dem gerade zu beobachtenden Ausmaß gab und zu denen ich auch die „Berliner Dürre“ zähle, die wir innerhalb von drei Jahren zwei Mal zu beklagen hatten.

Ich bin dankbar für das Mehr an Regen in diesem Jahr und wenn die Zeit es erlaubt, mache ich immer, wenn der Regen einsetzt, einen Parkspaziergang und spüre das Aufatmen der Natur nach vielen Jahren mit zu wenig Wasser. Das wird diejenigen, denen gerade alles weggeschwemmt wurde, nicht besonders trösten, aber beide Phänomene haben gemeinsame Ursachen und Wetterlagen werden erratischer und bleiben außerdem stabiler, wenn sie erst einmal eingerichtet sind.

Die Zeichen dürften klar sein und wir müssen endlich verstehen, dass unsere eigenen Eingriffe in die Umwelt und unsere Wirtschaftsweise solche Katastrophen befördern und dass sie an Frequenz und Ausmaß weiter zunehmen werden, wenn wir nicht dringend ganz wichtige Parameter unseres Denkens ändern und entsprechend handeln. Siehe dazu auch unseren gestrigen Artikel.

Erschreckend genug, dass wir gar nicht mehr kurzfristig für Beruhigung sorgen können, aber bezüglich der langfristigen Entwicklung haben wir noch einiges in der Hand und bestimmen darüber mit, wie schwer wir und die nachfolgenden Generationen von den Ausmaßen unserer bisherigen umwelt- und klimaschädlichen Lebensführung betroffen sein werden.

TH

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