American Graffiti (USA 1973) #Filmfest 544 #Top250

Filmfest 544 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (69)

Zu einer Bewertung oberhalb der Obergrenze könnte es heute nicht mehr kommen, die wilden 1980er sind vorbei. Schade, dass eine Rezension keine Grinser zulässt. Aber es ist ganz eindeutig, dass mich der Film damals mitgerissen. Wegen der Musik, wegen der Autos und weil es ganz natürlich ist, sich Figuren nahe zu fühlen, die im eigenen Alter sind aber doch anders, als wir hierzulande jemals waren oder sein konnten. Dass man von einem solchen Land träumt, ergibt sich beinahe von selbst und es kann sich erhalten, wenn man jung im Herzen geblieben ist. Ich schreibe „es kann“, weil meine Ansichten über die USA sich seit damals sehr verändert haben; doch die Faszination für die Filme von dort ist geblieben, daran besteht kein Zweifel und sie ist möglich, weil die Fähigkeit zur Differenzierung eine Form von Weiterentwicklung ist, die durchaus parallel zur Herausbildung eines eindeutigeren politischen Mindsets laufen kann.

Was mich erstaunt hat, war, dass der Film einmal in der Liste der Top 250 aller Zeiten der IMDb enthalten war, wenn auch nur kurz (von 1998 bis 1999). Ist es Zufall, dass mit der veränderten Welt nach 9/11 auch die Rezeption dieses Films nicht mehr so positiv ist? Die aktuellen 7,4/10 sind an der Untergrenze dessen, was ich als verständlich empfinde und eine Neurezension bei uns würde immer noch einiges mehr an Punkten bringen, selbstverständlich innerhalb des Rahmens der möglichen 100, die wir in bisher 544 Kritiken bisher nie vollständig vergeben haben.

Mit dem kritischen Kino von New Hollywood in den 1970ern traten auch diejenigen erstmals auf den Plan, die es kaputtgemacht haben, so sehen es zumindest Freund:innen anspruchsvoller Filme: Steven Spielberg und George Lucas, der „American Graffiti“ gemacht hat und mit dem Star-Wars-Franchise sämtlichen bisherigen Bombast Hollywoods alsbald übertreffen würde. Ob die eher reservierte Haltung gegenüber American Graffti auch damit zu tun hat? Ich glaube das nicht, denn er ist anders als die Nachfolgefilme mit ihrer maximal kalkulierten Manipulation, die deswegen als ein Wendepunkt gesehen wird, weil ihr weite Teile des Blockbuster-Kinos umgehend gefolgt sind und es bis heute tun. „American Graffiti“ hat aber einen einzigartigen Sound, der ihn jenseits der Problemfilme über Jugendliche, die es seit den 1950ern gab, jenseits der Teenie-Komödien, die in den 1980ern stark aufkamen und der heutigen allgemeinen Gigantomanie ansiedelt.

Eher müsste man der Frage nachgehen, warum die Identifikation mit dieser offenbar einmal als authentisch empfundenen Welt doch etwas nachgelassen hat. Vielleicht, weil diese Welt schon ein Jahr später mit dem Kennedy-Mord erstmals Spuren der Vergänglichkeit zeigte. Der Effekt müsste dann aber alle schönen Filme aus dieser Zeit oder über sie betreffen. Demnächst wird „American Graffiti“ wieder ausgestrahlt. Zu schade, dass ich im Moment keine Zeit habe, mir Filme zum dritten oder vierten Mal anzuschauen.

© 1989, 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie George Lucas
Drehbuch George Lucas,
Gloria Katz,
Willard Huyck
Produktion Francis Ford Coppola
Kamera Jan D’Alquen,
Ron Eveslage
Schnitt Verna Fields,
Marcia Lucas,
George Lucas
Besetzung

 

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