Erdbeben (Earthquake, USA 1974) #Filmfest 547

Filmfest 547 Cinema

Erdbeben (Originaltitel: Earthquake) ist ein Katastrophenfilm aus dem Jahr 1974. Unter der Regie von Mark Robson spielten Charlton Heston, Ava Gardner, George Kennedy, Lorne Greene, Geneviève Bujold und Richard Roundtree die Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb Mario Puzo.

Der Film war der erste überhaupt, der im so genannten Sensurround-Tonsystem in die Kinos kam. Durch den Einsatz mehrerer Verstärker und zehn speziell angepasster Subwoofer wurde ein Schalldruck erzeugt, der die Sitze und Wände im Kinosaal zum Vibrieren brachte. So entstand der Eindruck eines echten Erdbebens; das ging so weit, dass manche Kinobesucher fluchtartig den Saal verließen.

Diese Beschreibung hat mich spontan an Orson Welles‘ Radiospiel „Krieg der Welten“ von 1938 erinnert, das viele Menschen für eine Reportage hielten und das ihm im sprichwörtlichen und im wörtlichen Sinne über Nacht berühmt machte. Es gibt über das Beben von San Francisco den Film von 1936, der durchaus ansehnlich geraten ist und Mitte der 1970er war ohnehin ein Höhepunkt für Katastrophenfilme, siehe auch „Flammendes Inferno“ oder „Airport 75“. Natürlich haben die Amerikaner darin den Vietnamkrieg verarbeitet, ohne ihn zu benennen, das war erstmals 1978 mit „The Deer Hunter“ möglich. Katastrophenfilme jener Jahre entstanden allerdings unter der Prämisse, dass die wichtigsten Charaktere gerettet werden, anders als der gleichzeitig aufkommende „Die-Natur-wehrt-sich-Film“, der durchaus zuließ, dass z. B. Spinnen die Herrschaft über ein Gebiet übernahmen oder die in den 1950ern noch abgewehrten Bodysnatcher sich unbekümmert auf der Erde festsetzen.

Wenn man sich das Verhalten vieler Menschen heutzutage anschaut, die Corona-Pandemie hat das noch einmal deutlicher werden lassen, dann hält man mindestens zwei Varianten der Apokalypse für möglich: Angesichts menschlicher Unfähigkeit übernehmen Mikroorganismen das Zepter auf diesem Planeten oder eben Außerirdische, die sich in vielen menschlichen Körpern verstecken und dort nur Blödsinn anrichten. Erdbeben oder die gerade in Deutschland zu sehende Flutkatastrophe sind im Verhältnis dazu eher regional begrenzte Episoden und der Klimawandel, der Naturkatastrophen befördert, lässt sich ohnehin nicht mehr aufhalten. Kein Wunder, dass anstatt normaler Menschen, die sich in halbwegs normalen Katastrophen bewähren, nur noch Superhelden ins Kino kommen, die in der Lage sind, die Welt vor uns Menschen zu retten.

Die IMDb-Nutzer:innen von heute sind nicht mehr so hingerissen von den technischen Spezialeffekten wie dem „Sensurround“-Verfahren, das so realistisch war, dass in einigen Kinos Deckenteile einstürzten, als es getestet wurde. Vermutlich ist die Rezeption heute eher bescheiden, weil das Werk eher am Fernseher betrachtet wird, und bei allem, was das Heimkino heute bietet, ein Soundsystem, das Bauschäden verursachen kann, ist zumindest generell sicher nicht erlaubt. Was die Liebhaber wandgroßer Fernseher selbst basteln, um sich beim Anschauen von Gebäudetrümmern die Ohren zu zertrümmern, ist eine andere Sache. Die Durchschnittswertung von 5,9/10 in der IMDb entspricht beinahe exakt meiner Bewertung aus dem Jahr 1989. Eine hochkarätige Besetzung mit Altstars, wie sie hier zu sehen ist, kann sich in Filmen wie diesem immer nur begrenzt als wirksam erweisen, weil die Action und die Materialschlacht im Vordergrund steht und in sie nicht ein einzelner Actionheld so integriert ist, dass er das Szenario dominiert. Das sollte sich in den 1980ern ebenfalls ändern und ein Problem älterer Filme dieser Art ist, dass sie mit den heutigen CGI-unterstützten Werken des Action- und Abenteuerkinos bezüglich der optischen (Über-) Reizung nicht mithalten können.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Kursiv: Wikipedia

Regie Mark Robson
Drehbuch George Fox
Mario Puzo
Produktion Jennings Lang
Mark Robson
Musik John Williams
Kamera Philip H. Lathrop
Schnitt Dorothy Spencer
Besetzung

 

 

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