Mörderspinnen (Kingdom of the Spiders, USA 1977) #Filmfest 557

Filmfest 557 Cinema

Gemäß meinem heutigen Kenntnisstand war „Mörderspinnen“ nicht der erste Film, in dem die Menschheit nicht mehr siegt, sondern reiht sich in den „kritischen SF“ der 1970er Jahre ein, der 1968 mit „2001“ begann.

Auch die Neuverfilmung von „Body Snatchers“ aus dem Jahr 1975 zeigte am Ende eine Übernahme durch die Aliens, ebenfalls erfuhr der Weltraum-SF in den frühen 1970ern schon eine pessimistische Wendung. Immerhin schrieb ich 1989 von einem gerechten Sieg der Natur, vermutlich beeinflusst vom Aufstieg der Grünen. Bisher haben die massiven Eingriffe des Menschen allerdings keine wilden Mutationen bei Spinnen, Insekten und anderen Tieren hervorgebracht, sondern beschleunigen lediglich das Artensterben immer mehr. Deswegen versucht man nun ernsthaft, als Ersatz für ausgefallene Tierarten, die wichtig für den Naturkreislauf sind, Drohnen zu entwickeln. Darüber sollte alsbald ein kritischer SF gefertigt werden, denn Drohnen kann man nicht essen. Deswegen noch etwas zur Handlung:

„Die (…) aufgestellte Theorie besagt, dass die natürlichen Nahrungsquellen der Spinnen, die Insekten, durch den rücksichtslosen Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln versiegt seien, wodurch die Tiere gezwungen seien, anderweitige Nahrung zu finden. Da die Spinnen inzwischen auch einen Hund und einen Bullen getötet haben, entscheiden sich Hansen und Ashley dafür, den Spinnenhügel auf Colbys Farm abzubrennen, bevor die Situation eskaliert. Tatsächlich jedoch entkommen die Spinnen durch einen unterirdischen Gang.“

Habe ich schon erwähnt, dass ich noch nie so wenige Insekten in Berlin wahrgenommen haben wie dieses Jahr? Die Spinnen schauen schon recht verzweifelt aus. Selbstverständlich steht der Film auch in der Tradition von „Tarantula“ (1955), als gezielte Züchtung von Größenwachstum einen unvorhersehbaren Schub in Richtung gigantisch auslöste, etwas über 20 Jahre später ist es die rasche Vermehrung, die für eine Veränderung des Gleichgewichts sorgt. Aktuell ist der Mensch die einzige Spezies, die sich unkontrolliert immer weiter vermehrt und welche Folgen das haben wird, ist absehbar. Als Allegorie darauf, was dies mit der Erde macht, kann man den Film durchaus sehen, wenn man will.

Im Jahr 1988 war ich von dem dystopischen Potenzial des Films wohl recht angetan, die Nutzer:innen der IMDb vergeben aktuell hingegen nur durchschnittlich 5,8/10. Vermutlich ist der Film doch eher ein Reißer oder es gibt zu viele Menschen, die behaarte Achtbeiner:innen einfach nicht mögen. Aus Rücksicht auf die Arachnophoben ist auf dem Titelfoto keine einzige Spinne zu sehen. Fragen Sie die Achtbeiner mal, was sie von uns halten. Sie werden staunen, wie ungünstig deren Urteil ausfällt.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie John „Bud“ Cardos
Drehbuch Alan Caillou,
Stephen Lodge
Produktion Henry Fownes,
Igo Kantor,
Jeffrey M. Sneller
Musik Dorsey Burnette
Kamera John Arthur Morrill
Schnitt Steven Zaillian
Besetzung

 

 

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