Die Pandemie und das liebe Vieh – Der Corona-Haustierboom | #Newsroom Stadt:Leben | #Haustier #Hund #Katze #Covid19 #Corona #Fisch #Vogel #Echse

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Die „Zeit“ hat einen Newsletter aufgelegt, der sich „nur Gutes und Inspirierendes zum Wochenende“ nennt und ich habe mir vorgenommen, künftig häufiger da reinzuschauen. Dann wirde ich hoffentlich auch häufiger auf Artikel wie diesen stoßen:

Tierisch viele – während der Pandemie sind in Deutschland noch mehr Menschen auf den Hund gekommen. Oder auf die Katze.

Dabei stieß ich auf manchen überraschenden Fakt und auf einiges zum Nachdenken.

  • Nicht nur während Corona, schon seit Längerem herrscht ein Haustierboom und er nimmt kein Ende. Die Zahl der Katzen und Hunde in Deutschland hat seit 2012 um jeweils mehr als drei Millionen zugenommen.
  • Ich hatte, es muss wohl länger her sein, die Schlagzeile gelesen, Hunde hätten nun zahlenmäßig Katzen überholt, die Zahl der Hunde sei auf etwa 7 Millionen gestiegen. Doch die betreffende Grafik der „Zeit“ spricht eine andere Sprache. Zwar stimmt die Zahl der Hunde in etwa, die ich im Kopf hatte für das Jahr 2012, aber mittlerweile sind es fast 11 Millionen.
  • Die Katzen liegen immer noch weit vorne und haben nicht prozentual, aber stückzahlmäßig sogar noch etwas mehr zugelegt, von 12,3 auf sagenhafte 15,7 Millionen. Es ist wohl doch einfacher, mehrere Katzen zu halten als mehrere Hunde, zumindest in der Stadt, und es müssen mittlerweile viele Haushalte existieren, die eine Mehrzahl von behaarten, säugenden Vierbeinern beherbergen, denn es ist nach meiner Wahrnehmung nicht so, dass in über 23 Millionen Haushalten, also der Hälfte aller Haushalte, Katzen oder Hunde herumlaufen oder herumliegen.
  • Einige inklusiv denkende Menschen versuchen es sogar mit einer Kombination aus beiden Arten. Das Sozialleben ist prinzipiell gut für die Vierbeiner, aber langsam könnte es eng werden in vielen etwas klein geratenen Wohnungen.
  • Reittiere wie Pferde und Kamele sind nicht berücksichtigt. Warum? Weil sie Stall- und Weidetiere sind, keine Haustiere. In der Regel jedenfalls. Eigentlich müsste das aber auch für sehr wohl aufgeführten Gartenteiche gelten, denn sie sind Ställe oder Weiden für Wassertiere. Außerdem wird nur die (abnehmende) Zahl von Gartenteichen berücksichtigt, nicht deren Größe und Bestückung, die mehr als ein Tier umfassen sollte. Andererseits kann man auf deren Bewohner:innen nicht reiten. Unsere Katze hatte mal versucht, auf einem Koi zu reiten. Das Föhnen, Kämmen, Pudern war ein Drama in drei Akten. Das Herrichten der Katze, nicht des Fischs (1).
  • Die Zahl der Hunde ist bekannt, wegen der Hundesteuer. Die anderer aufgelisteter Tierarten nicht. Warum gibt es eine Hundesteuer und keine Katzensteuer? Weil die Hundesteuer falsch ist, nicht die Nicht-Katzensteuer. Für Kinder gibt es sogar zusätzlich Geld, obwohl sie die Umwelt wesentlich mehr belasten und die öffentliche Infrastruktur um ein Vielfaches mehr beanspruchen als ein durchschnittlicher Hund. Das heißt aber auch, die Zahl der Katzen und anderer Haustiere, die ebenfalls nicht steuerpflichtig sind, kann nur geschätzt oder per Umfrage ermittelt werden, mit den üblichen Abweichungen.
  • Aus diesen Schätzungen ersieht man, dass Nager und andere Kleintiere, Vögel etc. relativ oder sogar absolut an Beliebtheit verloren haben. „Der / die hat einen Vogel“ scheint sich doch eher festgesetzt zu haben als die ebenfalls abschätzig klingende Bemerkung „Auf den Hund gekommen“.
  • Mit Hamstern und weißen Mäusen (kennen Sie den DEFA-Film „Geliebte weiße Maus“?) kann man nicht so kuscheln wie mit Stubentigern und Familienhunden und nicht so angeben wie mit Exemplaren der einen oder anderen angesagten Hunderasse, die man mehr oder weniger elegant aus dem SUV hüpfen lassen und in einem möglichst belebten Park ausführen kann. In Berlin ist in dem einen oder anderen Milieu auch die Kombination protziger, schwarz lackierter Stadtpanzer + wild dreinblickender Kampfhund anzutreffen (2).
  • Auch Terrarien als Modeartikel nehmen an Zahl und vermutlich auch an Größe zu und ich kann nicht sagen, dass mich das ruhiger schlafen lässt. Andererseits bin ich mit der lispelnden Schlange Ka aufgewachsen und werde mich nicht hypnotisieren lassen oder mein Zimmerpanther namens Baggi wird mich retten (3).
  • Prinzipiell finde ich Haustiere himmlisch. Auch, wenn sie mehr als vier Beine haben. Der seit vielen Jahren anhaltende Boom macht mir allerdings auch Sorgen. Der utilitaristische Umgang mancher Menschen mit anderen Menschen, aber auch mit Tieren sowie die unüberlegten Spontankäufe. Was ist nach Corona, wenn das Zeitschema wieder anders ist oder man das Ankuscheln nicht mehr so nötig zu haben glaubt? Wenn man auch abends wieder mehr außer Haus sein will und Tiere nicht mitnehmen kann oder möchte?
  • Der Boom hält allerdings, wie die Grafiken ausweisen, schon länger an und allzu viele Tiere werden ausgesetzt. Landen im Tierheim. Auf der Straße. Werden sogar umgebracht. Besonders in der Urlaubszeit ist das ein Problem und lässt wieder einmal allzu tief in den menschlichen Charakter blicken.
  • Wenn Sie daran denken, sich ein Tier zuzulegen, insbesondere Hund oder Katze, meine Bitte: Schauen Sie erst einmal im Tierheim nach, auch wenn dort vielleicht nicht viele solchermaßen fancy fellige Modeartikel zu betrachten sind wie bei den Züchter:innen. Manchmal ist es Liebe auf den ersten, manchmal auf den zweiten. Nehmen Sie sich also etwas Zeit für die Wahl Ihres künftigen Lieblings. Sie werden dankbare und anhängliche Mitbewohner:innen kriegen und haben auch noch etwas Gutes getan, indem Sie einer vernachlässigten, abgeschobenen Kreatur ein Wohlfühl-Zuhause bei Ihnen, einer / einem echten Tierliebhaber:in, geschenkt haben.

TH

(1) Es handelte sich um eine Perserkatze. Hätte man sie einfach so trocknen lassen oder nur mit einem Tuch abgerubbelt, hätte man sie anschließend kahl scheren müssen, denn ihr Fell wäre unrettbar verfilzt gewesen.

(2) In Berlin gelten nur noch drei Hunderassen als „Listenhunde“, deren Haltung und Führung an besondere Voraussetzungen geknüpft ist, die Mehrzahl der Kampfhunderassen und Kreuzungen aus diesen Rassen dürfen mittlerweile ohne Auflagen gehalten werden. Für Listenhunde ist übrigens eine Besteuerung richtig, auch wegen der genauen Erfassung des Bestands, die damit einhergeht.

(3) Bagheera ist in diesem Kontext leider eine Erfindung, Aber ich kann auf die Erfahrung mit insgesamt sechs Katzen + einige Hofkatzen an meinem früheren österreichischen Wohnort zurückgreifen und mein Vater hat zwei Hunde, einen Tibet-Terrier und einen Appenzeller Sennenhund, die bezüglich ihrer Größe, zumindest einzeln, auch für meine Berliner Stadtwohnung geeignet wären.

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