Jason und die Argonauten (Jason and the Argonauts, USA 1963) #Filmfest 572

Filmfest 572 Cinema

Jason und die Argonauten ist ein Fantasyfilm aus dem Jahr 1963, der die Argonautensage der griechischen Mythologie recht frei interpretiert.

Die Abenteuerfilme, die bei der Filmgesellschaft Columbia um 1960 entstanden, werden geklammert durch die Person Ray Harryhausen, der für die Spezialeffekte zuständig war und teilweise auch als Mitproduzent fungierte. Daher die Idee, sich auch „Jason und die Argonauten“ anzuschauen? Mehr darüber steht in der -> Rezension.

Handlung

Pelias missinterpretiert eine Prophezeiung des Zeus und bemächtigt sich des Throns Thessaliens, indem er König Aristo und zahlreiche Mitglieder dessen Familie tötet. Damit zieht er den Zorn Hermes‚ und Heras auf sich, die von nun an seinen Neffen Jason beschützen. Jason, aufgestachelt von Pelias, macht sich auf die Suche nach dem Goldenen Vlies, um seine Herrschaft über Iolkos zu sichern. Pelias hofft, dass Jason die Reise nicht überlebt. Der Reise Jasons haben sich viele Helden angeschlossen, die nach Jasons Schiff, Argo, Argonauten genannt werden. Auf einer Insel müssen die Argonauten gegen einen Bronzetitanen (Talos) bestehen.

Der von den Göttern geblendete König Phineus berät die Argonauten in Phrygien, wo ihnen auch die Gefangennahme von zwei Harpyien gelingt. Bei der Durchquerung der Meerenge zum Schwarzen Meer entkommen sie nur knapp einem Felssturz durch ein glückbringendes Amulett von Phineus. In Kolchis besiegt Jason die Hydra und muss mit den aus ihren Zähnen entstandenen Skelettkriegern kämpfen, wobei es ihm gelingt zu fliehen. Jason verliert mehrere Gefährten und schafft mit Medea und den überlebenden Argonauten die Heimreise nach Thessalien. Auf dem Olymp teilt Zeus Hera mit, dass er Jason bald wieder zu neuen Taten berufen wird.

Rezension

Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass der Film aus 1963 ist, ich hätte ihn klar vor anderen Arbeiten der Columbia in dieser Fantasy-Abenteuerserie eingeordnet, vielleicht um 1959. Vier Jahre machen aktuell bei der Anmutung von Filmen kaum einen Unterschied, aber in den 1950ern war das anders, und die Tricktechnik schritt in jener Zeit durchaus voran. Auch, wenn sie auch ihre heutige Ausformung erst viel später durch die CGI erhielt.

Was ich ursprünglich zu dem Film schreiben wollte, muss ich nun drehen, denn der Tenor, bezogen auf ein Entstehungsjahr um 1959, hätte lauten sollen: später lernte das Team um Harryhausen, wie wichtig es ist, von Beginn an starke emotionale Bande in Form einer Liebesbeziehung zu installieren, um die oft träge Regie zu überspielen und die nach heutigen Maßstäben knuffigen Filmeffekte in den richtigen Bezug zu setzen. So aber muss es heißen: Offenbar haben sie das, was sie längst konnten, in diesem Film nicht mehr berücksichtigt.

Dass „Jason und die Argonauten“ in der IMDb eine Wertung von 7,4/10 erhält und damit nicht nur eine in der Gesamtrelation sehr beachtliche Wertung erzielt, sondern auch „Sindbads siebente Reise“ und „The 3 Worlds of Gulliver“ sowie „Die geheimnisvolle Insel“ schlägt, ist erstaunlich. „Jason“ fehlt es an dem Herz, das vor allem „Sindbad“ und „Gulliver“ aufweisen und dass die Griechen den Kolchern einfach das Goldene Vlies klauen, ohne dass irgendwo ausgesagt wäre, dass die Kolcher dieses zu Unrecht besitzen, setzt die ganze Abenteuerfahrt in ein schräges moralisches Licht. Denn letztlich braucht kein Mensch in Griechenland dieses Ding zum Überleben, sondern nur, um Machtansprüche zu sichern. Soviel zu den Sagen des Altertums, zumindest in deren Interpretation seitens des Columbia-Studios.

Alle diese Filme sind klassische Heldenreisen, auf „Jason und die Argonauten“ trifft das sogar in besonderen Maße zu, weil die Argonauten-Sage zu den Werken gehört, die das Genre, zu dem auch Odysseus‘ Abenteuer zählen, erst geformt haben. Die Sache sieht immer so aus, dass ein Häuflein wackerer Männer gegen übermächtige Titanen, Ungeheuer, Harpyien, Wesen aus Pappmaché aller Art, wenn es sich um einen Harryhausen-Film handelt, zu kämpfen haben. Apropos: Die Skelett-Kampfszene gehört wirklich zu seinen besten, das muss man dem Film schon lassen. Die Bewegungen sind weitaus flüssiger und quirliger als bei den meisten anderen dieser Animationen.

Für die Verstärkung des seltsamen Gefühls, das der Film auslöst, sorgt der Score von Bernhard Herrman, der alle diese Columbia-Abenteuerflicks mit Musik versehen hat. In keinem anderen zitiert er so oft sich selbst, besonders „Der unsichtbare Dritte“ und „Vertigo“ habe ich deshalb gut herausgehört, weil ich die Hitchcock-Filme einigermaßen gut kenne, die das Glück hatten, die „Originalmusik“ zu erhalten, wohingegen Herrman für „Jason“ klar seine eigenen früheren Ideen verwertet hat. Aber das sind ja auch andere Kategorien, auch wenn die Columbia „Jason und die Argonauten“ erstmalig in dieser Reihe als überwiegenden A-Film lancieren konnte. Warum gerade diesen, das schrieb ich bereits, verstehe ich allerdings nicht so recht. Der Erfolg der Vorgänger wird es wohl bewirkt haben. Trotzdem findet sich auf der Besetzungsliste nur ein einziger bekannter Name: Honor Blackman, die im Jahr darauf einen legendären Auftritt in „Goldfinger“ haben sollte und von diesem legendärsten aller Bond-Filme an häufiger auf der Leinwand zu sehen war.

Schade, dass die Regie bei diesen fantasievollen, märchenhaften, herrlich künstlich wirkenden Kinostücken so wenig inspiriert ist. Ich finde sie aber bei „Sindbad“ und „Gulliver“, mit Abstrichen auch bei „Die geheimnisvolle Insel“ nicht so auffällig hölzern wie bei „Jason“. Leider hat meine Haltung zu dem Film einen besonderen Hintergrund.

Es gibt nämlich kein zweites Zelluloidprodukt, das ich bisher für den Wahlberliner beschrieben habe, das mich so zum Verzweifeln gebracht hat. Es war ein antiker Titanenkampf, diesen Film bis zum Ende durchzuhalten. Vier Mal musste ich ansetzen, weil ich dreimal vorzeitig eingeschlafen war, beim vierten Mal gab es dann noch zwei Unterbrechungen, eine wiederum wegen Müdigkeit und eine weitere, für die der Film nichts konnte, weil ich einen wichtigen Anruf erhielt. Aber manch anderes Kinostück hätte ich dann von vorne begonnen, hier entschied ich mich fürs Restgucken der noch fehlenden zwanzig Minuten.

Die Handlung des Films ist so simpel, dass sie diese Vorgehensweise problemlos ermöglicht, weil zu der etwas uninspirierten Erzählweise es nun einmal auch gehört, die Handlungselemente herunterzuleiern und nichts unerklärt und nichts zuzulassen, was erhöhte Aufmerksamkeit erfordern würde. Dafür ist der Film nicht komplett, ich hätte schon gerne noch gesehen, wie Jason den Onkel Pelias wiedertrifft und das erbeutete Vlies zum Einsatz bringt, um diesen zu stürzen. Wenn man schon zu Beginn so viel Brimborium um die Figur dieses Herrschers macht, der sich ähnlich wie Herodes verhält, was den Umgang mit Neugeborenen betrifft, die ihm gefährlich werden könnten, dann gehört ihm am Ende auch noch ein wenig Spielzeit gewidmet.

Aber der Film hat es eben nicht so mit der steilen und konsequenten Dramatisierung, und leider sind auch die schauspielerischen Leistungen nicht so erwähnenswert, dass sie alles ersetzt hätten, was die übrigen Gestaltungselemente nicht erreichten. Der Charme, der „Sindbad“ und „Gulliver“ mit ihren Figuren und deren Darstellern noch eignet, verliert sich in „Jason und die Argonauten“.

Fazit

Viele heutige Kinofans sehen das offenbar anders, aber für mich war „Jason und die Argonauten“ geradezu eine Tortur. Sicher kann ich nicht alles nur dem Film überhäufen, was dazu geführt hat, dass ich ihn über ein Jahr mit einem Aufzeichnungsgerät gespeichert hatte, dessen Kapazität begrenzt ist und dringend für wichtigere Filme benötigt wird, bis ich ihn endlich fertigschauen konnte, aber so richtig ein Hammer war er nicht, sonst wäre meine Aufmerksamkeitsspanne nicht immer so kurz gewesen, was ich als dramatischer empfinde als den Film selbst.

Wer sich an den Mängeln nicht stört und ein Herz für Ray Harryhausens ruckelige Pappkameraden hat, oder wer das Ganze schon wieder kultig findet, der kommt hier sicher auf seine Kosten, mir hat der Zauber gefehlt, den einige andere Filme der Reihe aufweisen.

58/100

© 2021 (Entwurf 2016) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Don Chaffey
Drehbuch Beverley Cross,
Jan Read
Produktion Charles H. Schneer
Musik Bernard Herrmann
Kamera Wilkie Cooper
Schnitt Maurice Rootes
Besetzung

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