MacLintock / McLintock – Ein liebenswertes Raubein (McLintock!, USA 1963) Filmfest 576

Filmfest 576 Cinema

 

Wenn man an das Filmpaar Maureen O’Hara und John Wayne denkt, hat man sicher zunächst „The Quiet Man“ („Der Sieger“) im Kopf, der elf Jahre vor „MacLintock“ entstand. Die beiden waren auch privat befreundet und arbeiteten mehrmals zusammen. 1963, als „MacLintock“ gedreht wurde, hatte Wayne bereits, wie einige andre Superstars, seine eigene Produktionsfirma gegründet und da er besonders wohlhabend war, auch eine relativ große Freiheit bei der Umsetzung der Stoffe. Zwei Millionen Dollar soll „MacLintock“ gekostet haben, das war  für einen so aufwendigen Film mit großer Statisterie in jener Zeit schon keine hohe Summe mehr. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass die Gagen sich in Grenzen hielten. Wir erinnern uns noch vage an „Der Sieger“ und fanden, er sei einer der besten Wayne-Filme. Wie er heute auf uns wirken würde, werden wir hoffentlich noch ermitteln können, wenn er doch mal wieder im Fernsehen läuft oder auf einem der tausend Medienkanäle günstig zu bestaunen ist. Unser Eindruck von MacLintock ist in der –> Rezension nachzulesen.

Handlung (1)

Die Rancher der Kleinstadt McLintock wollen eine Gruppe neuer Siedler von ihren Ländereien fernhalten. Der Namensgeber der Stadt, der Viehbaron George McLintock, entdeckt unter den Siedlern eine attraktive Witwe, Louise Warren, die er als Köchin einstellt. Zu Louise gehören ihre kleine Tochter Alice und ihr stattlicher Sohn Dev.

McLintocks Ehefrau Katherine lebt von ihm getrennt im Osten. Sie kehrt zur Ranch zurück, um die Scheidung voranzutreiben und das Sorgerecht für ihre Tochter Becky, die von der Universität zurückkehrt, zu erhalten. Auch Becky erreicht die Ranch, sie ist in Begleitung des Studenten Matt Douglas, dessen Vater einer von McLintocks Gegnern ist. Zwischen Matt und Dev, der sich in Becky verliebt, kommt es zu einer Schlägerei. Auch Katherine und George geraten in Streit.

Zur gleichen Zeit erreicht eine aus dem Gefängnis entlassene Gruppe Indianer vom Stamm der Comanche die Stadt. Da sie nach Fort Sill gebracht werden sollen, überfallen sie den Ort, werden jedoch von der Army vertrieben. Dev und Becky erklären, dass sie heiraten wollen. Der von der Eifersucht und Sturheit seiner Frau genervte George verfolgt Katherine durch die Stadt. Als er sie einfängt, legt er sie wütend übers Knie, was die Zuschauer sehr amüsiert. Als er ihr sagt, sie solle verschwinden und die Scheidung durchziehen, wirft sie sich ihm in die Arme. Das Ehepaar versöhnt sich.

Rezension

Zu MacLintock hingegen, der eine Art Remake von „Der Sieger“ sein soll, der wiederum vage auf „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare fußt, haben wir schon eine klare Meinung. Die ist unterlegt von der Frage, ob dieses Stück von William Shakespeare nicht vielleicht sein problematischstes ist, das Geschlechterverhältnis betreffend.

Oder ist das alles Quatsch und wir wünschen uns auch manchmal eine Kohlenschaufel oder was immer da in „MacLintock“ zweimal verwendet wurde, um die widerspenstigen Weiber von Wuppertal zur Einsicht zu bringen? Wir werden es vermutlich noch erleben, dass die Annahme, eine weiblichere Welt sei auch eine friedlichere ist, sich als fehlerhaft herausstellt. Nämlich dann, wenn sie weiblicher geworden ist und trotzdem nicht friedlicher. Diese Tendenz ist bereits zu beobachten. Wie Männer und Frauen aufeinander reagieren, ist aber ein höchst komplexes Thema, das zu sehr einer lauten Minderheit überlassen wird und anhand eines Films wie „MacLintock“ kann man das kaum exemplarisch abhandeln, weil der Film dafür zu sehr mit Klischees operiert.

Wenn ein so erzkonservativer Mensch wie John Wayne einen Typ repräsentiert, der ihm selbst sehr nah kommt, inklusive der Sauftouren, einen Typ, wie er in weiten Teilen der ländlichen USA heute wieder trumpistisch geschätzt wird, kann dabei kein subtiler oder gar progressiver Film herauskommen.

Selbst wenn Wayne versucht hätte, die fortschrittliche Kennedy-Ära zu berücksichtigen, es hätte unecht gewirkt. Dort, wo er es tut, wirkt es unecht, zum Beispiel, wenn er versucht, die Probleme der Comanchen darzustellen, die von freien Menschen zu kasernierten Reservatsbewohnern werden sollen. Wie für alle setzt sich der gutmütige MacLintock zwar für sie ein, aber die Zeiten, wo sie mehr als Staffage waren und in Western wenigstens noch als gefährlich dargestellt wurden, die waren 1963 vorüber und der allgemeine Aufbruch in eine hoffnungsvolle, weniger rassistische Zukunft brachte manchen falschen Ton hervor oder manches falsche Bild, wie eben in „MacLintock“.

Solche Nebengeräusche gab es im Vorbildfilm „Der Sieger“ mit ganz vielen Iren darin sicher nicht. Dass kurz nach der Premiere von „MacLintock“ John F. Kennedy ermordet wurde, war furchtbar und eine neue Zeit zog herauf, die bald auch den Hollywoodfilm verändern sollte. Zum Glück gab es diese nun als Zwischenphase einzustufende Stilrichtung namens „New Holllywood“ in den späten 1960ern, muss man aus heutiger Sicht sagen, sonst hätte man nie erfahren, dass zwischen einer betulichen und betagten Traummaschine und dem heutigen kommerziellen Overkill mit kindischer Grundtendenz versucht wurde, etwas Raues, Eigenständiges und Direktes zu machen, ähnlich wie in der frühen Tonfilmzeit. Aber „MacLintock“ ist kein New Hollywood, nicht mal ein Ansatz davon, wie er etwa in Filmen jener Zeit schon indieweise zu sehen war.

Die Spielzeit beträgt 127 Minuten, die deutsche Fassung ist wohl ungekürzt. Auf uns hat der Film gewirkt, als dauere er mindestens zweieinhalb Stunden. Er hat kaum eine nennenswerte Dramaturgie, ist mehr eine Art Kaleidoskop typischer Westernszenen und –motive und die Dialoge sind ebenso überlang wie hölzern, zumindest in der deutschen Übersetzung. Rundum: Ein typisches Werk seiner Zeit, als im klassischen Hollywoodfilm zwar unglaublich viel geredet, aber wenig ausgesagt wurde. Gleich ob Drama oder Komödie, das Bedürfnis, zu quasseln, muss damals ungeheuer ausgeprägt gewesen sein. Ob das besser oder schlechter ist als die heutige Actionlastigkeit mit zusätzlicher Klugscheißerei, hängt vom Betrachter ab. Wir finden, jede übertriebene Ausprägung eines Elements stört das Gleichgewicht eines Mediums, das mehr bieten kann als jedes andere und wenn man bedenkt, dass seine Stärke nun einmal das Visuelle ist. Damit meinen wir nicht unbedingt, wer macht die beste CGI, sondern wer liefert starke Bilder für starke Emotionen. Davon ist in Filmen wie „MacLintoc“ nichts zu sehen, es wird konventionell gefilmt, wenn auch mit damals schon im Wesentlichen erreichter Perfektion.

Für John-Wayne-Fans mag „MacLintock“ ein Fest sein, aber der Film ist auch sehr auf ihn angewiesen, weil es neben seiner Person kein Zentrum gibt, das ihn ankern könnte und das Drehbuch sich zu viele Handlungselemente erlaubt, die mehr oder weniger zufällig aneinander gereiht wirken. Sicher ist die Story des Ranchers und seiner Frau der wichtigste Handlungsfaden, aber er wird begleitet von viel Schnickschnack und obwohl dieser Film eine Komödie darstellen soll, konnten wir höchstens mal sachte schmunzeln.

Immer, wenn uns das passiert, haben wir am Ende eher Probleme mit uns als mit dem angeschauten Werk, weil wir befürchten, wir können vielleicht gar nicht mehr lachen, und wer will schon, die eigene Person betreffend, mit einer solchen Feststellung konfrontiert sein? Denkbar ist eine solche Entwicklung bei Menschen durchaus. Wir schauen ja auch gerade wieder ganz frühe Slapstick-Komödien, aus filmhistorischen Gründen und finden es eher interessant, wie damals der Kientopp war, als dass wir uns grölend auf die Schenkel klopfen würden. April, April, trotz Februar. Das ist es nicht. Filme wie MacLintock hätten uns in einem naiveren Stadium der Kinorezeption ganz sicher besser gefallen, wegen der romantischen Komponenten, dem weiten Land, den tollen, erfolgreichen Menschen, die aus jeder Pore ihrer Haut amerikanischen Pioniergeist schwitzen, aber es ist nicht nur die wesentlich kritischere Einstellung den Werten gegenüber, die in solchen Filmen verkörpert werden  und von Typen wie John Wayne auch gelebt wurden, die das Ganze schwierig macht und nicht nur dieses ständige Hinterfragen von Amerikanismen, die uns heute etwas hirnlos vorkommen, sondern, dass wir den Film einfach – langweilig fanden.

Sicher gab es mit der Zeit eine Verschiebung hin zur dunklen Seite, deswegen hat der Film noir für uns soK eine große Anziehungskraft und wir betrachten die Charaktere darin als viel interessanter als jene immer gleichen und zudem hinterlistigen Aussagen über das, was erfolgreich macht (harte Arbeit,  nicht etwa wer am aggressivsten ist, gewinnt) oder nicht (studieren anstatt ein von Kultur unbeleckter Redneck bleiben), weshalb ja auch gewählte Sprache eine so herrlich negative Rolle in diesem Film spielt.

Doch John Wayne alias MacLintock versteht alles, übersetzt es für die echten Schwachköpfe auch mal, aber natürlich wendet der diesen Ostküstenquatsch nicht selbst an. Passenderweise gibt es auch eine Schlacht am Schlammloch, bei der Frauen, wenn auch nicht absichtlich, mitmachen und jeder, der die USA ein wenig kennt, weiß, wie gerne in gewissen Gegenden heute riesige Schlammfestivals stattfinden, deren Hauptzweck es ist, mit Trucks, welche mit überdimensionierten Rädern ausgestattet sind, durch den Matsch zu fahren. Nun ja. Der Verdacht liegt nah, dass das bei uns nur deshalb keine jener aus den USA übernommenen Volkssportarten geworden ist, weil nicht genug freies und schlammiges Land zur Verfügung steht und diese Trucks mit den Monsterrädern in Klein-Deutschland kaum irgendwo vernünftig gefahren und geparkt werden können. Anders als auf den Farmen im Mittleren Westen der USA. Der Trend zum Pickup, nach dem Trend zum eh schon überdimensionierten SUV, der wird sich bei uns, wenn’s schlecht läuft, aber noch durchsetzen.

Fazit

Die IMDb-User mögen den Film ganz gerne, statten ihn mit 7,3/10 aus. Das ist nicht überragend, aber auch alles andere als Ausdruck der Erkenntnis, dass dieses Werk veraltet und überdehnt sein könnte. Auf un wirkt alles ein wenig aufgequollen. Das war ein paar Jahre zuvor in „Rio Bravo“ noch nicht so, der zwar auch schon recht wortreich war, aber ein konzentriertes Drehbuch hatte und bei allem Humor auch eine Pferdeoper darstellte. John Wayne hatte nach „MacLintock“ noch ein paar schöne Altersrollen, in denen er seine Persona noch mehr ironisierte und „MacLintock“ war an der Kinokasse sehr erfolgreich, ist also insofern kein Ausdruck der Hollywoodkrise, die neue Stilmittel hervorbrachte, weil sich das Traditionelle nicht mehr so gut verkaufen ließ. Und die Moralvorstellungen darin sind ja heute nicht so furchtbar fremd, diesen konservativen Teil der USA gab es immer, den man hier feiern sieht – aber wir sind nun mal emotional nicht mit diesem Kinostück warm geworden und fanden es – genau, langweilig. Trotzdem schwierig, solchen Filmen ganz schwache Bewertungen zu verpassen – als sei es ein Übergriff gegenüber den verblichenen Stars und der Nostalgie, die sich mit ihnen verknüpft. Hm. Anlässlich der Überarbeitung des Textes zwecks Veröffentlichung auf dem Filmfest beschlich uns der Gedanke, dass sich der Stil der Rezension dem des Films etwas angepasst hat.

60/100

© 2021 (Entwurf 2019) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Andrew V. McLaglen
Drehbuch James Edward Grant
Produktion Michael Wayne
Musik Frank De Vol
Kamera William H. Clothier
Schnitt Bill Lewis,
Otho Lovering
Besetzung

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s