Der dünne Mann / Der Unauffindbare / Mordsache „dünner Mann“ (The Thin Man, USA 1934) #Filmfest 591 #Top250

Filmfest 591 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (71)

Der dünne Mann (Originaltitel: The Thin Man; alternative Titel auch: Der Unauffindbare und Mordsache „dünner Mann“) ist eine US-amerikanische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1934 nach dem gleichnamigen Roman von Dashiell Hammett. Der Film war so erfolgreich, dass bis 1947 fünf Fortsetzungen folgten.

Wir müssen wieder ein wenig vorankommen mit dem Konzept, alle Filme zu besprechen, die je in der Top-250-Liste der Internet Movie Database enthalten waren, daher gestern der Griff zum Ausleihen für Geld, denn „Der dünne Mann“ ist weder in vernünftiger Qualität „for free“ im Netz zu finden, noch wiederholt ihn mal gnädigerweise ein privater oder öffentlich-rechtlicher Sender. Dieser gestrige Entschluss könnte nun also vier weitere Ausleihen nach sich ziehen, womit sich ein Amazon-Prime-Abo lohnen würde, falls es nur für einen Monat möglich wäre, eines abzuschließen. Selbstverständlich haben wir auch ein paar Sätze über den Film zu verlieren, sie alle stehen in der –> Rezension.

Handlung (1)

Nick Charles hat das sprichwörtliche große Los gezogen: Der erfolgreiche Detektiv ehelicht die elegante Millionenerbin Nora, um seine Zeit fortan primär dem Trinken, den ironischen Wortgefechten mit seiner Frau und dem gemeinsamen Hund Mr. Asta zu widmen. Seit vier Jahren hat er im entfernten San Francisco keinen einzigen Fall mehr gelöst, doch bei einem Besuch in New York wird Noras Neugier durch einen mysteriösen Fall geweckt.

Der Wissenschaftler Clyde Wynant wollte sich auf eine Reise begeben, hat jedoch niemandem das Ziel verraten. Auch sein Anwalt Herbert MacCauley fragt ihn vergeblich nach dem Reiseziel. Zu Weihnachten wollte er wieder in der Stadt sein, um der Hochzeit seiner Tochter Dorothy beizuwohnen. Kurz vor seiner Abreise kommt es zum Streit mit seiner Sekretärin und Geliebten Julia Wolf, die Wertpapiere, die er seiner Tochter Dorothy zur Hochzeit schenken wollte, aus Clydes Safe entwendet und „für ihn“ verkauft hat. Von den erhofften 50.000 Dollar könne sie ihm jedoch nur die Hälfte geben, da sie angeblich für die Papiere nicht mehr erhalten hat. Nur mit Julia bleibt Clyde während seiner Reise in Kontakt und fordert über sie benötigtes Geld an.

Kurze Zeit später will Wynants geschiedenen Frau Mimi, die inzwischen mit dem undurchsichtigen Chris Jorgenson verheiratet ist, Julia Wolf aufsuchen. Doch sie findet Julia ermordet vor. In ihrer Hand hält sie eine Kette von Clyde, die Mimi an sich nimmt; denn sie will ihren Ex-Mann schützen. Während Nick vorgibt, an dem Fall kein Interesse zu haben, drängt ihn nicht nur Nora zur Übernahme des Falls, sondern bald auch Clydes Familie und die Polizei. Als auch noch der Polizeispitzel Nunheim ermordet wird, gibt Nick dem Drängen nach. Er glaubt nicht, dass Clyde die Morde begangen hat, und begibt sich in die geschlossene Fabrik des Wissenschaftlers. Hier macht sein Hund Asta ihn auf frisch gegossenen Beton aufmerksam und kurze Zeit später findet die Polizei eine weitere Leiche. Während Kleidungsreste auf einen früheren Feind von Clyde hindeuten, ist sich Nick aufgrund eines Splitters im Bein sicher, dass er Clydes Leiche gefunden hat.

Er lädt alle Verdächtigen zu einem großen Abendessen ein. Es erscheinen: der Gangster Morelli, Clydes Tochter Dorothy mit ihrem Verlobtem Tommy, Clydes Sohn Gilbert, Clydes Ex-Frau Mimi, der Polizeiinspektor, Nunheims Freundin, Mimis neuer Mann Chris mit seiner ihr unbekannten Ehefrau und weitere Herren, darunter auch Clydes Anwalt MacCaulay. Als Nick erzählt, am Vortag Clyde gesehen zu haben (wobei er verschweigt, dass es nur seine Leiche war), gibt Mimi an, ihren Ex-Mann ebenfalls getroffen zu haben. Diese Falschaussage bringt Nick zu einer gewagten Herleitung der Umstände.

Am Ende zeigt sich, dass MacCaulay Clydes Mörder ist. Er hat sie zusammen mit Julia um Geld betrogen, worauf Clyde mit der Suche nach Julias Komplizen begonnen hat. MacCaulay, der fürchtete, ins Gefängnis zu kommen, hat Clyde erschossen und dann selbst versucht, über die unwissende Julia mit gefälschten Briefen, die angeblich von Clyde stammen, mehr Geld abzukassieren. Als Mimi ihren Besuch bei Julia ankündigt, um mit ihr über Clyde zu reden, erschießt MacCaulay aus Angst vor Verrat auch Julia. Nunheim wiederum, der sich zu dem Zeitpunkt vor der Hoteltür befindet, sieht MacCaulay fortgehen und erpresst ihn fortan mit seinem Wissen. Bei der zweiten Geldübergabe erschießt MacCaulay auch ihn. Er will die Spur endgültig auf Clyde lenken und wendet sich schließlich an Mimi, die mit einer Falschaussage, für die sie Geld erhält, bezeugen soll, Clyde gesehen zu haben. Als Nick dann von seinem „Treffen“ mit Clyde erzählt, hält sich Mimi an MacCaulays Instruktionen und überführt ihn damit. Und als MacCaulay am Tisch mit einer Waffe feuern will, wird er von Nick niedergeschlagen.

Wenig später fahren Nick und Nora vom hektischen New York zurück nach San Francisco, gemeinsam mit den Frischvermählten Dorothy und Tommy.

Rezension

Es ist gut, dass die Wikipedia die Handlung so minutiös erklärt, denn, ganz ehrlich, wären Sie darauf gekommen, wer der Mörder ist? Nick Charles tut ebenfalls, als wüsste er nicht Bescheid, aber seine Mischung aus Schlauheit und Naivität, grandios gespielt von William Powell, lässt auch den Schluss zu, dass er lediglich gute Gründe hat, nicht zu viel preiszugeben, um den weiteren Verlauf der Dinge nicht zu stören: Dass nämlich der Mörder sich selbst enttarnt. Es ist ein klassisches Agatha-Christie-Ende, das wir sehen. Die Verdächtigen werden zu einem Dinner versammelt und der Meisterdetektiv zieht so lange am Gras der Lösung, bis es doch schneller wächst und jemand die Nerven verliert. Eine echte Aufdeckung ist es in diesem Fall aber auch, denn unweigerlich ergibt sich die Lösung daraus, dass eine Person nicht durchblickt, was sie mit einer bestimmten, vorher abgestimmten Aussage anrichtet. Das ist sehr durchtrieben, wirkt aber nicht so, weil Nick Charles kein Sherlock Holmes ist und keinen Fez um seine besonderen Skills gestaltet. Im Gegenteil. Die Lässigkeit, mit welcher er und seine Frau Nora, gespielt von Myrna Loy, das glatte gesellschaftliche Parkett ebenso wie die zerklüfteten Gemäuer des Verbrechens bespielen, sind stilprägend gewesen, und das macht den Film bis heute so beliebt. Dass die beiden „nach jeder regulären Definition Alkoholiker sind“, wie Roger Ebert nicht ohne eine gewisse Bewunderung schreibt, weil sie trotzdem niemals aus der Rolle fallen oder ihren scharfen Verstand verlieren, setzt dem Ganzen eher noch eine charmante Krone auf, weil es so unglaublich souverän wirkt. Schade, dass dies der am weitesten von der Realität entfernte Part des Films ist. Aber das Setting steht ihm nicht wesentlich nach. Wenn man von einigen komplett in Art Déco gestalteten Filmen jener Zeit absieht, ist dieses MGM-Produkt in etwa das Mondänste, was man sich damals vorstellen konnte und damit eben auch ein typischer Film dieses großen Studios. Vielleicht hat man die Dekors anderer Produktionen verwendet, denn der Film war eigentlich ein B-Movie mit A-Stars wie Myrna Loy und William Powell und wurde recht günstig in nur zwei Wochen gedreht. Tatorte brauchen drei Wochen, immer noch, obwohl man versucht, immer wieder mal den einen oder anderen Tag zu kürzen.

Aber der Stil des Studios schimmert gut durch und entspricht, ebenfalls nach Roger Eberts Ansicht, dem, was die Tanzfilme von Fred Astaire und Ginger Rogers in ihrem Genre darstellten. Die beiden arbeiteten damals allerdings noch für RKO. Allerdings gibt es einen seltsamen Effekt, der gerade mit der Qualität des Films zu tun hat. DasBild ist in der gesehenen restaurierten Fassung komplett flimmerfrei, der hohe Kontrast, die äußerst elegante Ausleuchtung, sind eine Kombination aus dem „MGM-Style“, der sich damals entwickelte und dem, was die Restauration noch beigefügt hat. Weil die deutsche Synchronisierung neueren Datums ist, wird auch rauschfrei gesprochen und so entsteht der Eindruck, man hat einen viel neueren Film vor sich. Ein „Period Picture“ in der Dekoration der 1930er, das später entstand. Lediglich das Bildformat 4:3 weist auf die Original-Entstehungszeit hin. Gut, es gibt ein paar kleine optische Hinweise, dass der Film wirklich damals gedreht wurde, wie etwa die nicht allzu guten Zähne einiger Darsteller:innen, aber das führt nicht zur Reduktion einer sonderbaren Erwartung: Nämlich, dass der Film auch bezüglich seiner inhaltlichen Qualität heutigen Maßstäben entspricht. Formal tut er das auch, was die Flüssigkeit der Inszenierung angeht, das Schauspiel ist seiner Zeit voraus, aber nicht zeitlos, denn es formt bereits den Duktus der Screwball-Komödien der kommenden Jahre aus; der erste Film, der als eine solche gilt, wurde vielleicht nicht zufällig ebenfalls 1934 gedreht: „Es geschah in einer Nacht“ mit Claudette Colbert und Clark Gable. 

Gleichzeitig ist „Der dünne Mann“ aber auch die wohl beste Kriminalkomödie bis zum Zeitpunkt seines Drehs, getoppt erst durch Filme, die das Skurrile mehr hervorhoben, wie „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder „Ladykillers“. Das Verbrechen selbst wird in „Der dünne Mann“ nicht komödiantisch verarbeitet, Leichen werden nicht als Gags präsentiert. Das muss man dem Film vielleicht sogar hoch anrechnen, allerdings stammt er von Dashiell Hammett, wie eingangs nachzulesen ist, und der war einer der frühen Vertreter des Hardboiled-Crime-Genres. Auch sein statuarischer „Der Malteser Falke“ (1941 verfilmt) ist allerdings ironisch angehaucht, kann bei den Dialogen punkten und auch bei ihm ist es schwierig, der Handlung zu folgen. Allerdings hat man es sowohl im „dünnen Mann“ wie dort mit dem kryptischen Verlauf nicht so auf die Spitze getrieben wie in der Raymond-Chandler-Verfilmung „The Big Sleep“ (1946). Dieses Verzwickte ist allerdings auch ein typisches Versatzstück des Genres. Ein Whodunit, und zu dieser Gatttung zählt „Der dünne Mann“ geradezu exemplarisch, soll es dem Zuschauer ermöglichen, mitzurätseln, aber wenn die Menschen Finten anwenden, auf die normalerweise niemand kommt und der Handlungsverlauf Wendungen zeigt, die niemand vorhersehen kann, ist der Whodunit auch ein Spiel mit dieser Eigenschaft, in dem das Publikum ein wenig genasführt wird. Und wie gut das zu dem locker-humorvollen Ton von „Der dünne Mann“ passt. Man kann es auch ins Sarkastische treiben, was dann gerne genommen wird, wenn die Detektive eher als soziale Underdogs dargestellt werden und sich von ihrem schäbigen kleinen Büro aus im Verlauf des Plots dagegen wehren müssen, vom großen Verbrechen eliminiert zu werden, aber das ist nicht der Beritt von Nick Charles und seiner Frau. Sie reiten nämlich immer obenauf und haben außerdem niemals auch nur ansatzweise jene Geldsorgen, die typisch sind für die Motive von kleinen Detektiven, die Fälle annehmen, die bereits nach viel Ärger riechen, wenn die verführerischen Auftraggeberinnen erstmals im Türrahmen der Detektei sichtbar werden. So kommt es dazu, dass Nick seine Passion fürs Verbrechen hinter Gleichgültigkeit und einer vorgeblich snobistischen Haltung verstecken kann. 

Auch da hat Roger Ebert Recht: Dieses Ehepaar wirkt dekadent und dandyhaft, aber in Wirklichkeit sind sie findig und mutig. Das hat den Kinozuschauer:innen in der Depressionszeit sicher gut gefallen und nicht umsonst wurden die Filme um 1933-1934 viel optimistischer und eleganter, noch bevor die reale Lage in den USA das gerechtfertigt hätte. Gleichwohl gab der Wechsel der Präsidentschaft zu F. D. Roosevelt, der die drängenden Probleme anpackte, offenbar den Weg frei für mehr Zuversicht und das alte Vertrauen in amerikanische Werte zurück. Gleichzeitig durften viele Dinge im Film nicht mehr dargestellt werden wie zuvor, denn 1934 trat auch der Production Code in Kraft, der allzu viel Sex ebenso verunmöglichte wie Verbrecher, die mit ihren Taten davonkamen und einige weitere Einschränkungen. Der Hochwertigkeit der Filme hat dieser Code sicher gutgetan, ihrem Realismus eher nicht. So ist „Der dünne Mann“ auch bereits ein wenig verklauselt, weil er die recht hemmungslose Lebensart der Eheleute Charles als gesellschaftlichen Comment verkleidet. Die Filmindustrie wusste sofort, wie sie den Zensoren, die strikt auf Moral achten wollten, durch Sublimierung von zuvor offen gezeigten Eigenschaften ein Schnippchen schlagen konnten. Im erwähnten Film noir tat man das dadurch, dass Menschen, die Verbrechen begingen, zwar dafür büßen mussten, das Publikum aber trotzdem durch die Perspektive dieser Menschen, die Filme einnahmen, mit ihnen leiden und ihr trauriges Ende traurig finden konnten. „Der dünne Mann“ ist ein früher codierter Filme, der aber schon andeutet, wie man in der Traumfabrik vorgehen würde, um sich selbst und dem Publikum den Spaß an der Arbeit bzw. am Ergebnis zu bewahren.

In seiner 100-Punkte-Kritik zu „Der dünne Mann“ erweist sich Roger Ebert insbesondere als Fan von William Powell und setzt ihn auch von Myrna Loy ab. Die heutige, eher auf feministische Aspekte achtende Filmkritik hebt gerade ihre gleichberechtigte Rolle nicht nur wegen dieser Ausprägung, sondern auch wegen Loys Spiel als Nora Charles hervor, die ihren Mann und seine Marotten nur in Maßen ernst. So können beide ihre Ehe jeden Tag feiern, was natürlich auch durch das beidseitige Hobby des Alkoholkonsums befördert wird. Manche Ehen sind auf dem Fels gemeinsamer Grundsätze gebaut, andere auf Sand, wenn diese fehlen, aber auch Ehen, die auf einem See aus Whisky und Martinis treiben, können offensichtich stabil sein. Wie geschrieben, das ist eine stark idealisierte Darstellung, aber auch eine, die im gegebenen Kontext funktioniert. Und der Humor der beiden ermöglicht auf eine geradezu geniale Art, nicht vor lauter Political Correctness in Langeweile oder ständiger Selbstzensur zu versinken, aber einander trotzdem nicht wehzutun, sondern auf eine eigene Art die Vorzüge des anderen wertzuschätzen. Das kommt auch dadurch zum Vorschein, dass Nor unbedingt will, dass Nick den Fall dünner Mann übernimmt, damit sie selbst an der Schnitzeljagd teilnehmen kann. Nur eine einzige Szene gibt es, in der es ein wenig körperlich zwischen den beiden wird, aber sie ist kurz und prägt nicht den Stil dieser überaus freudvollen Verbindung. 

Finale

Was es in „Der Fall dünner Mann“ rein gar nicht gibt, ist die soziale Realität. Geldgier allerdings wird sehr wohl als Motiv, als Antrieb, als Auslöser des Geschehens benannt. Das ist ebenso ein geschätztes wie unverbindliches Muster von Hollywoodfilmen, weil man es ja nicht ernst meint. Oder würde jemand dem Ehepaar Charles sein unbeschwertes Leben neiden wollen und auf die schräge Idee kommen zu sagen: Weil die anderen es nicht so leicht haben, geraten sie eher in Schwierigkeiten. Wer immer auf dicke Hose machen kann, ohne sich dabei allzu sehr anzustrengen, ist auch leichter freundlich, jovial, kumpelhaft allen anderen, der ganzen Welt gegenüber. Hollywood hat dieses Muster bis zum Exzess durchgespielt, weil es in Wirklichkeit hochgradig affirmativ gegenüber dem Kapitalismus ist. Gerade, dass die Ehrlichen letztlich gewinnen, selbst wenn sie nur ins Geld eingeheiratet haben, dass die Moral und natürlich auch die Aufklärung und gerechte Strafe siegen, anders als im Gangsterfilm der frühen 1930er, das war lange Zeit State of the Art bzw. gängiges Mindset. Erst in den 1960ern wurde wieder mehr über den Hintergrund des Ganzen nachgedacht. „Der dünne Mann“ ist gerade deshalb auch ein typischer Klassen-Versöhnungsfilm der 1930er, ist bereits Teil des New Deals, der jedem eine positive Rolle beim nationalen Gemeinschaftswerk zumisst, sofern die betreffende Person gerne eine solche Rolle hätte. Oder man ist wie die Charles‘, man kümmert sich zwar um nichts, man ärgert aber auch niemanden und diskriminiert niemanden. Deswegen werden die beiden, und das finde ich richtig klug, auch nicht mit Personal, schon gar nicht mit dunkelhäutigem, gezeigt. Dadurch wirken sie beinahe klassenlos und so, wie sich die Durchschnittsamerikaner ihr Leben nach der Depression möglicherweise vorstellten. Oder doch beinahe, so unrealistisch werden die meisten in jenen schweren Zeiten nicht gewesen sein, American Dream hin oder her. Wenn Nick Charles ein Selfmademan gewesen wäre, hätte aber der bestimmte Slang des Films nicht funktioniert. 

Leider hat die deutsche Synchronisierung einen weiteren Nachteil, neben dem Effekt, dass der Film durch sie und die Restauration ein wenig aseptisch wirkt: Die Tonlage der Originaldarsteller wird offenbar, wenn man den Beschreibungen in Kritiken glauben darf, nicht wirklich gut wiedergegeben. So soll William Powell eine besonders sonore Stimme gehabt haben, im Deutschen wird er eher zurückhaltend und etwas flach gesprochen. Da ich mich in letzter Zeit immer mehr ans Anschauen von Originalen mit und ohne Untertitel gewöhne, wäre es eine Option, den Film noch einmal in ebenjener Originalversion anzuschauen, die vermutlich den Witz der Dialoge besser zur Geltung bringt. Denn umformuliert wurde das eine oder andere offenbar auch, das wiederum belegen Zitate, die in der IMDb unter der Rubrik „Quotes“ gelistet sind.

Zum Brüllen komisch ist „Der dünne Mann“ nicht, zumindest empfand ich es nicht so, aber er ist sehr schwungvoll, gelungen gespielt, für damalige Zeiten äußert sicher inszeniert und geschnitten, es mangelt ihm nicht an technischen Skills und das macht es angenehm, ihn heute zu schauen. Eine kleine Warnung sein angebracht: Der Hund Asta spielt erst einmal nicht die herausragende Rolle, die man ihm aufgrund der Legende dieser ersten großen Tonfilm-Krimikomödie zutrauen würde, ich glaube, eine Szene wurde sogar zweimal verwendet, aber er hat seine Minute, als er seinen Mensch Nick Charles darauf aufmerksam macht, dass in der Fabrik des ersten Ermordeten mit frischem Beton gearbeitet wurde. Und er kann die Pfote vor das Gesicht schlagen, wenn er die Lage zu schräg findet, in der sich die Menshen befinden, die ihn füttern. Ist nun „Der dünne Mann“ nach heutigen Maßstäben noch herausragend, ein Meisterwerk? Das kommt ein wenig auf die Defintion an. Er war jedenfalls nicht als Meisterwerk gedacht, sondern eher als kleine Prouktion. In Relation dazu ist er wirklich gelungen. Diese Bewertung wird sich wohl so rasch nicht ändern.

84/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Deutscher Titel Der dünne Mann
Originaltitel The Thin Man
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1934
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie W. S. Van Dyke
Drehbuch Albert Hackett,
Frances Goodrich
Produktion Hunt Stromberg
Musik William Axt
Kamera James Wong Howe
Schnitt Robert Kern
Besetzung

 

 

 

 

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