Der Spieler – Polizeiruf 110 Episode 238 #Crimetime 1049 #Polizeiruf #Polizeiruf110 #Halle #Schmücke #Schneider #MDR #Spieler

Crimetime 1049 - Titelfoto © MDR

Herbert, der Spieler

Bei der Suche nach den Daten zu diesem Film ist mir zunächst ein Foto ins Auge gesprungen, auf dem es aussieht, als sei ein Typ, der aussieht wie Kommissar Herbert Schneider, mit Zigarre und im Smoking und in einer luxuriösen Umgebung zu sehen, neben ihm eine schillernde Frau, mit welcher er sich angeregt u nterhält. Da ich wusste, dass der Titel des 238. Polizeirufs „der Spieler“ lautet, dachte ich: Mon Dieu – jetzt hat es ihn erwischt. Hat es ihn erwischt? Darüber und über andere Aspekte des Films ist mehr zu lesen in der -> Rezension.

Handlung

Ein Passant ruft nachts die Polizei, nachdem er angeblich einen Toten auf der Straße gefunden hat. Aber nachdem die Ermittler Schmücke und Schneider eingetroffen sind, ist außer einem Blutfleck nichts mehr zu sehen. Da der Tote neben einem Auto der Juwelierfirma „Silberstreif“ gelegen haben soll, erkundigen sich die Ermittler bei dem Inhaber Dieter Grossmann. Von ihm erfahren sie, dass das Auto von seinem Partner Christian Dietzel gefahren wurde, der auf Dienstreise sein sollte, aber nun offensichtlich verschwunden ist. Tags darauf wird festgestellt, dass in der Juwelierfirma „Silberstreif“ eingebrochen und der Tresor ausgeräumt wurde. Obwohl es so aussieht, als ob sich der oder die Täter von Dietzel die Schlüssel zum Geschäft besorgt haben, um dort einzubrechen, finden sich auch Hinweise auf Unstimmigkeiten zwischen Dietzel und seinem Partner Grossmann. Aufgrund eines Fotos vermuten die Ermittler sogar ein Verhältnis zwischen diesem und Dietzels Frau.

Ein mögliches Motiv für Dietzels Verschwinden findet sich, als sich Schmücke und Schneider mit dessen Spielsucht beschäftigen. Am Abend seines Verschwindens hatte er 40.000 Euro gewonnen, was der Musikproduzent Kurt Seifert mitbekommen hat, der unmittelbar nach Dietzel die Spielbank verlassen hatte. Schmücke überprüft ihn und findet heraus, dass er seinen eigenen privaten Spielclub eingerichtet hat, bei dem um recht hohe Einsätze gespielt wird. Seifert gibt zu, dass Dietzel ihm seinen Gewinn zur Tilgung seiner Schulden übergeben hatte, aber mit Dietzels Verschwinden hätte er nichts zu tun. So konzentriert sich Schmücke weiter auf Thea Dietzel, die zwischenzeitlich eine SMS präsentiert, die sie angeblich von ihrem Mann erhalten hätte. Dietzel hatte durch seine Spielsucht nicht nur seine Familie um aller Ersparnisse gebracht, sondern auch in der Firma Geld unterschlagen, was die Unstimmigkeiten mit Grossmann erklärt. Für Schmücke wäre das Grund genug, den unliebsamen Spieler aus dem Weg zu räumen. Er findet jedoch noch eine weitere Erklärung. Die Überprüfung von Dietzels Konten ergibt, dass vor vier Tagen das Sparbuch seines Sohnes Daniel fast leergeräumt wurde. Er will Daniel dazu befragen, doch trifft er ihn nicht an. Dagegen beobachten Schmücke und Schneider, wie Thea Dietzel andächtig einen Strauß Blumen in die Saale wirft. Daraufhin lassen sie den Fluss an dieser Stelle mit Tauchern absuchen und finden tatsächlich den Firmenwagen samt der Leiche von Christian Dietzel. Ebenso findet sich dort der Schmuck aus dem Firmentresor, den er selber gestohlen hatte, um auch diesen zu verspielen.

Schmücke und Schneider konfrontieren Thea Dietzel mit ihren Ermittlungsergebnissen und sie gesteht, ihrem Mann aufgelauert und ihn erschlagen zu haben. Doch den Ermittlern ist klar, dass sie nur ihren Sohn schützen will, denn Daniel hatte seinen Vater aus Wut niedergeschlagen, nachdem er bemerkt hatte, dass der sein mühsam erspartes Geld heimlich vom Sparbuch abgehoben hatte. Er erzählte seiner Mutter davon, und da sie annahm, dass ihr Mann tot war, zog sie ihn in den Wagen und versenkte ihn im Fluss.Bl

Rezension (1)

Handlungsverläufe etc. eiter schaue ich mir vorher in der Regel nicht an, um mir die Spannung nicht kaputtzumachen und mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Genauer gesagt: Es war ebenjenes Bild, das ich vor mir hatte, sonst nichts. Deshalb können wir erst einmal beruhigt sein: Der bravste aller Polizisten mit Schnurrbart ist zwar tatsächlich am Roulettetisch der berüchtigten Spielbank von Halle zu sehen, er setzt auch. Dies jedoch auf dienstliche Anweisung. Der Namensvetter Herbert Schmücke wäre sowas der geeignetere der beiden Hallenser Polizisten, das weiß jeder. Doch der ist bei einigen Verdächtigen schon bekannt und kann daher nicht undercover gegen Verdächtige ermitteln, die in der Spielbank ihr Unwesen treiben.

So kann die komische Seite dieses Films ihren Lauf nehmen. Es ist mindestens das dritte Mal, dass Schneider ein neues Outfit verpasst bekommt, in dem er sich keineswegs wohlfühlt, weil er nun einmal ein unkomplizierter und bodenständiger Mann ist und am liebsten Pullover und Windjacke anzieht. In „Blutiges Eis“ blieb er mit einem neuen Mantel an einem Geländer hängen – ratsch! Und in „Der Spieler“ wird er sogar mit einem Smoking ausstaffiert. Und Zigarre rauchen gehört auch dazu, wenn man als Vertreter (für was noch mal, Damenunterwäsche ist es jedenfalls nicht) in fremde Städte kommt und daher natürlich auch dem lokalen Publikum nicht bekannt ist.

Es versteht sich von selbst, dass Schneider keinerlei Ahnung vom Roulette und vom Spielen überhaupt hat, ein Mensch, der in einem VW-Bus lebt (einem T3), lebt, der ein rudimentäres Wohnmobil darstellt, muss es ihm erst beibringen und verzweifelt beinahe daran. So enden übrigens alle Spieler, als wohnungslos, mehr oder weniger. Immerhin fällt Schneider danach nicht mehr negativ auf und geht als Profi durch oder doch als Gewohnheitsspieler. Alle Achtung. Es geschehen noch Wunder. Davon hätte es im Osten viel mehr geben müssen. Diese Unterrichtung findet aber nicht im Verschwiegenen statt, sondern auf der Polizeiwache, wo alle es sehen können, z. B. Kriminaltechnikerein Weigand. Natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit. In einer alten Spielesammlung hatten wir auch einen ausrollbaren Roulette-Tisch, ich erinnere mich gut. Das Roulette nahm in der Sammlung inklusive Rad den meisten Platz ein, aber es ist ja auch ein faszinierendes, reines Glücksspiel. Dass es Menschen gibt, die auch dafür „Systeme“ haben, überrascht jedoch nicht und wie ihre Funktionstüchtigkeit einzuschätzen ist, sieht man daran, dass die Zocker unser Gesamtsystem immer mehr beherrschen.

Kritik

Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm vergaben eine mittlere Wertung (Daumen zur Seite) und befanden: „Soll erfüllt – aber kein bisschen originell“.[1]

Rezension (2)

Dieser Vorgang kann nicht ohne Humor bleiben und anders als die oben abgebildete Kritk finde ich den Film gar nicht so unoriginell. Natürlich, es ist nicht der erste, in dem Schneider vom immer gut angezogenen Kollegen genötigt wird, Kleidung gegen seinen Typ und gegen seine Mentalität zu tragen.

Aber dass die Komik tatsächlich mit dem Fall zu tun hat und in die Handlung integriert wird, ist eher ungewöhnlich, meist läuft das neben den Ermittlungen her. Es gibt auch ein paar kleinere Plotschwächen,  Schwächen, aber als dramatisch habe ich eigentlich nur eine davon empfunden: Dass die Frau, die glaubte, ihr Mann sei tot, sich tatsächlich an den Fluss stellt (die Saale) und Blumen ins Wasser wirft. Das ist ja mal ein Herzchen. Ganz offensichtlich hatte sich das Drehbuch an der Stelle festgefahren, und immer wenn das bei Schmücke und Schneider so ist, kommen sie zufällig in eine Beobachterposition, die sie weiterbringt, manchmal müssen sie sich dafür auch anstrengen, laufen oder kraxeln.

In diesem Fall findet das ziemlich zum Schluss statt, und endlich wird dann auch das Gesuchte Auto gefunden. Der Vermisste ist drin. Das die Frau nicht gemerkt haben soll, dass ihr Mann nicht tot ist, hängt mit diesem Handlungselement zusammen, das einen nicht schlüssigen Verlauf der Tatnacht zeigt. Ebenfalls tricky: Die Mutter hat ihrem Sohn geholfen, nachdem dieser den Vater niedergeschlagen hat, dessen Körper beiseite zu bringen. Auch nicht ganz durchdacht: Dass der Mann mit dem heruntergekommenen Ex-Spieler eine Art Deal gemacht hat, der beinhaltet, dass es so aussehen soll, als hätte Letzterer Ersteren wegen eines halbwegs nachvollziehbaren Grundes niedergeschlagen und habe dann die Polizei gerufen. Das Blut am Tatort war echt und eine solche gefährliche Kopfwunde fingiert man ja nicht bzw. führt sie nicht absichtlich herbei. Das könnte tödlich ausgehen

Finale

Mit Filmen wie „Der Spieler“ steuern Schmöker und Schneider schon auf die Phase zu , Mitte der 2000er, in denen die Filme einander wirklich sehr ähnelten und nicht sehr originell waren. Damit in jenen elegischen Jahren etwas Thrill reinkommt, bringt man Edith dazu, Schmücke aus ihrer Wohnung zu schmeißen. Das ist aber im Polizeiruf Nr. 238 noch nicht abzusehen. Die Familientragödie um den Spieler ist zwar in Person seiner Frau recht glaubwürdig dargestellt, aber so richtig reingezogen hat es mich nicht, weil z. B. nicht der Spieler selbst wirklich porträtiert und nachvollzogen wird, wie es dazu kam, dass er immer mehr Geld verbraucht usw. Es will mir beinahe scheinen, als ob die Idee tatsächlich gewesen war, dass man einen der Kommissare dazu bringt, undercover als Spieler zu agieren. Und natürlich die Idee mit dem Volksmusik Produzenten, der eine illegale Spielhölle betreibt. Das hat schon etwas Satirisches, ebenso wie die Figur der Dame, die den Kontakt zu dieser Spielhöhle herstellt, die also bei dem netten Herrn Winkler anbeißt, vermutlich wegen des ähnlichen Körperumfangs der beiden. Ich halte fest:  Die verborgenen Talente sind oft die wertvollsten. Dummerweise sind die rollenprofile in diesen Filmen so angelegt, dass daraus sich nicht weiterentwickeln kann. Schmücke wird immer derjenige bleiben der dem Winkler ein bisschen diskriminieren darf. Weil der Film wirklich witzige Momente hat und insgesamt nicht langweilig ist, knapp

 7/10.

© 2021 (Entwurf 2020) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1), kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Jürgen Brauer
Drehbuch Peter Kahane
Produktion Emmo Lempert,
Susanne Wolfram (Producerin)
Musik Stefan Warmuth
Kamera Wolfram Beyer
Schnitt Haike Brauer,
Viet Geister
Besetzung

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