Uneinigkeit bei der Verkehrswende – autofreie Innenstädte oder nicht? | #Frontpage #Umwelt #Klima | #Mobilität #Innenstadt

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Neben dem Bundestagswahlkampf müssen wir auch hin und wieder den Blick auf Themen wenden, die uns auf jeden Fall beschäftigen werden, gleich, wer am 26.09. gewinnt oder im Anschluss die neue Regierung bildet. Eines dieser Themen ist die Verkehrswende. Nur der Umstieg auf Elektroautos ist nicht die Lösung für die Zukunft, das dürfte wohl den meisten klar sein. A

bgesehen davon, dass die monströsesten dieser Vehikel bis zu 30 Kw/h verbrauchen und damit das Prinzip der Einsparung ad absurdum führen, sie schonen auch sonst die Ressourcen nicht. Sauberer wird es in den Innenstädten, wenn die Autos elektrisch fahren, daran besteht kein Zweifel. Aber Verkehr ist nicht nur Verbrauch oder Emission, sondern belastet den Stadtraum und verbraucht unendlich viele Ressourcen, gleich, ob die Autos stehen oder fahren, ob sie produziert, betrieben, repariert oder verschrottet werden und der Strom für sie muss auch produziert werden. Gegenwärtig ist das nicht CO²-neutral möglich. Ein weiteres Problem: Die gesamte Infrastruktur ist gegenwärtig ums Auto herumgebaut. Das müssen wir ändern. Und zwar nicht erst, wenn die Konservativen gegen Mitte des Jahrhunderts auch mal bereit sind, über eine sinnvolle Transformation der Wirtschaft nachzudenken. Oder gar nicht, dieser Typus kommt nicht selten vor. 

In Frankreich gibt es seit Mai 2021 konkrete Pläne für eine autofreie Pariser Innenstadt, in Deutschland tun sich Kommunen und Länder mit entsprechenden Entwürfen noch schwer. Auch in der deutschen Bevölkerung ist man sich uneins über Sinn und Unsinn von Innenstädten ohne Autoverkehr,

schreibt Statista zur Grafik links / unten.

Wie unsere Grafik zeigt, befürworten 45 Prozent der Teilnehmer:innen an einer gemeinsamen Umfrage von Statista und YouGov autofreie Innenstädte, 48 Prozent sind dagegen. Auch entlang der Geschlechtergrenzen sind die Pro- und Kontra-Stimmen gleichmäßig verteilt. Immerhin haben die meisten Befragten eine Meinung zum Thema: Nur sieben Prozent konnten sich nicht für Für oder Wider entscheiden.

Außerdem Teil der Umfrage: Wie häufig Deutsche Autos nutzen und wie die Bevölkerung zu autofreien Tagen steht.

Immerhin gibt es, anders als bezüglich der autofreien Städte, eine leichte Mehrheit für autofreie Tage und nicht jede:r nutzt jeden Tag das Auto. Dass Frauen gundsätzlich eher bereit sind, autofreie Tage zu akzeptieren, zeigt wieder einmal, dass das Auto auch ein Fetisch ist. Nichts gegen Fetische, solange sie Dritte nicht belasten oder belästigen oder gar in Gefahr bringen, aber das ist eben beim Auto anders.

Wir haben wieder mal ein Thema, bei dem sich zwei ziemlich grundsätzliche Meinungen gegenüberstehen – unversöhnlich? Na gut. Es kann nicht angehen, dass gewisse Menschen die Freuden des Landlebens genießen und gleichzeitig jede Bequemlichkeit haben wollen, wenn sie in unsere Städte einfallen. Damit das erst einmal klar ist. Selbstverständlich gibt es Gegenden, in denen man ohne Auto kaum auskommen kann, aber dazu gehört Berlin ganz sicher nicht. An der Stadtgrenze endet also die Rechtfertigung für den ungehemmten „Individualverkehr“. Wir haben höhere Lebenshaltungskosten, zahlen mehr Miete, nehmen mehr Trubel und Stress in Kauf, um in der Stadt wohnen zu dürfen, da müssen die anderen auch mal etwas solidarisch sein. Leider kommt in Berlin, ich kenne das aber auch aus anderen Städten, hinzu, dass „die aus dem Umland“ meinen, sie dürfen fahren wie die S*e. Vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer:innen, Radfahrer:innen, Fußgänger:innen müssen höllisch aufpassen, wenn sie eines der umländischen Dreibuchstaben-Kennzeichen erblicken, manchmal reichen auch schon welche mit zwei (vor allem Protzkisten aus PM, Potsdam-Mittelmark, fallen in Westberlin Berlin mit rüdem Verhalten auf), oder, im Fall von Potsdam, ein Kennzeichen mit einem Buchstaben. Wir sind hier kein Freiwild und wir werden darum kämpfen, dass es ruhiger und weniger gefährlich für uns als Einwohner wird, in Berlin, versprochen. 

Wirtschaftlich muss das gar kein Schaden sein, wie andere Städte beweisen, die längst viel weiter sind. Sicher, wenn eine Erzkonservative wie Franziska Giffey Bürgermeisterin wird, bekommen die Ritter des forcierten Rennfahrens noch eine Atempause, aber es wird sich etwas ändern. Kreuzberg wird vorangehen, die anderen müssen folgen, sonst verlieren die linksgrünen Parteien Wähler:innen. In vielen Berliner Bezirken, auch solchen, in denen Politiker:innen der Grünen für den Verkehr zuständig sind, aber auch auf Stadtebene, zählt die Verkehrspolitik von R2G ganz klar zu den Minuspunkten der letzten fünf Jahre. Wenn wir in dem Schneckentempo mit der Umgestaltung zur bewohner:innenfreundlichen Stadt weitermachen, werden unsere Urenkel:innen immer noch in einer zugeparkten Welt leben. Wir stellen uns, wenn wir in Berlin Fotos machen, immer wieder vor, wie schön die Straßenzüge wären, wenn nicht beidseitig alles mit parkenden und dazwischen mit fahrenden Autos verschandelt wäre. Bei einigen Seitenstraßen wäre es kein Problem, noch heute mit der Umgestaltung anzufangen. Falls die rot-rot-grüne Stadtregierung mit einem blauen Auge davonkommt und weitermachen darf, erwarten wir bei der Wohnungspolitik, der Bildungspolitik, aber auch der Verkehrspolitik deutlich mehr, als bisher für uns Wähler:innen, die diese Regierung im Jahr 2016 unterstützt haben, an Change Management sichtbar wurde. Noch einmal werden wir diese Unterstützung leisten, weil es nicht auch noch rückwärts gehen darf, mit Giffey, Wegner und Konsorten. Aber unsere Geduldreserve wird geringer, so, wie die Weltressourcen und die Chance, den Klimawandel noch einigermaßen im Griff zu behalten, geringer werden.

TH

 

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