Cat Ballou – hängen sollst du in Wyoming (Cat Ballou, USA 1965) #Filmfest 608

Filmfest 608 Cinema

Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming ist eine US-amerikanische Westernkomödie aus dem Jahre 1965. Regisseur Elliot Silverstein inszenierte den Film nach einem Roman von Roy Chanslor. Im Stil von Moritaten erzählen zwei fahrende Musikanten, Nat King Cole und Stubby Kaye, die Geschichte von Catherine Ballou, die sich von einer in einem Mädchenpensionat erzogenen jungen Dame in eine Gesetzlose verwandelt. Cat Ballou will die Mörder ihres Vaters und deren Hintermänner finden und überführen. Dazu übertritt sie mit ihren Helfern nicht nur zahlreiche Gesetze, sondern heuert auch einen abgehalfterten Revolverhelden an.

Irgendwo zwischen den ernsten oder ernst gemeinten dramatischen Western des klassischen Hollywood-Zeitalters und den gewalttätigen Neo-Western gab es eine kurze Phase, in denen echte Westerkomödien gedreht wurden, die sich auch deutlich von den Starwestern mit Comic Relief wie „Rio Bravo“ (1959) oder „Die glorreichen Sieben“ (1960) unterscheiden und die parallel, teilweise auch etwas verspätet dem Aufschwung der leichten Komödie in den frühen 1960ern folgten. Der aufwendige „40 Wagen westwärts“ (1964) ist neben „Cat Ballou“ ebenfalls ein bekanntes Beispiel für diese kurze Blüte der Westernkomödie. Die singenden Frauen aus „40 Wagen westwärts“ hat man für „Cat Ballou“ adaptiert und etwas satirischer aus den Abstinenzlerinnen Moralistinnen mit Stimme gemacht, die der bevorstehenden Hinrichtung von Cat Ballou auf ihre uramerikanische, pathetisch-gewalttätige Weise applaudieren. Und wie wirkt das alles heute auf uns? Dazu mehr in der –> Rezension.

Handlung (1)

Catherine „Cat“ Ballou hat gerade ihre Ausbildung zur Lehrerin abgeschlossen. Im Zug in ihre Heimatstadt Wolf City begegnet sie dem in Polizeigewahrsam reisenden Viehdieb Clay Boone und dessen Onkel und Komplizen Jed, der als Pfarrer verkleidet Clay befreit. Auf der Flucht versteckt sich Clay in Cats Schlafwagenkabine und kommt ihr dabei nicht nur näher, sondern hinterlässt auch einen bleibenden Eindruck auf die junge Frau.

Auf der Farm ihres alten Vaters Frankie angekommen, erfährt Cat von dessen indianischem Knecht Jackson von den Problemen ihres Vaters: Die mächtige Developing Company möchte in Wolf City investieren und hat es auf Frankie Ballous Farm abgesehen. Da der alte Mann sich weigert, sein Land zu verkaufen, wird er von der ganzen Stadt ausgegrenzt und unter Druck gesetzt. Schließlich taucht der angeheuerte Killer Tim Strawn auf, um Frankie einzuschüchtern. Als Cat zufällig Clay und Jed wiedertrifft, erhofft sie sich von den beiden gesuchten Verbrechern Beistand gegen Strawn, doch die beiden stellen sich als eher konfliktscheue Pazifisten heraus. Schließlich schreibt Cat auf Jacksons Anregung einen Brief an den legendären Revolverhelden Kid Shelleen, den Helden vieler Wild-West-Romane, und bittet um seine Hilfe.

Doch als Kid Shelleen eintrifft, müssen Cat und ihre Freunde erkennen, dass er inzwischen ein altersmüder Alkoholiker ist, der nur betrunken halbwegs brauchbar ist. Kid Shelleen schläft seinen Rausch aus, als Strawn auf der Farm auftaucht und Cats Vater ermordet. Doch der Sheriff von Wolf City, der wie die ganze Stadt von der Developing Company gekauft worden ist, deckt Strawn gegen Cats Anschuldigungen, und die Farm wird enteignet. Cat schwört Rache und zieht sich mit ihren Freunden Clay, Jed, Jackson und Shelleen nach Poker Village zurück, einem heruntergekommenen Schlupfwinkel für abgehalfterte Halunken. (…) 

Rezension

Ergänzend können wir sechs Jahre nach dem Verfassen des Entwurfs schreiben: Weitere Filme dieser Art wurden bis in den frühen 1970er gedreht, etwa die beiden James-Garner-Westernkomödien „Support Your Local Sheriff“ (1969) und „Support Your Local Gunfigther“ (1970), die im Grunde gegen den Trend der Zeit inszeniert wurden, aber dadurch, dass sie die Westernmythen nicht mehr ernst nahmen, doch das Publikum ansprachen, das es mitten in der Hölle des Vietnamkriegs leid geworden war, immer dasselbe Pathos vorgesetzt zu bekommen. 

„Cat Ballou“ ist heute gemäß Zuspruch der IMDb-Nutzer:innen weniger beliebt als die oben erwähnten beiden Filme, aber er ist auch beinahe experimentell, es gibt z. B. die beiden – im Deutschen würde man sie Bänkelsänger nennen – Musiker, welche die Ballade von Cat Ballou als Narratoren begleiten, was vor allem zu Beginn wichtig ist, die als Narratoren auftreten, denn der Film beginnt mit damit, dass Cat im Gefängnis sitzt und dann wird die Geschichte, wie es dazu kam, in einer Rückblende erzählt, die von jenen Sängern eingeleitet wird.

Ein weiteres  Zitat ist die Bemerkung von Jackson Two-Bears zu dem Gunfighter mit der Silbernase, den er gerne als Schutzperson für Cat hätte. Cats Vater Frankie antwortet daraufhin, dass er lieber den Mann hätte, der ihm die Nase abgeschossen hat. Das rekurriert fast Eins zu Eins auf die betreffende Bemerkung über den Mann mit den Narben, als nach Mitstreitern in „Die glorreichen Sieben“  (1960) gesucht wird.

Der Film ist kurz und die Handlungselemente folgen ohne Umschweife aufeinander, das wiederum unterscheidet „Cat Ballou“ nicht nur von „40 Wagen westwärts“, der stellenweise sehr gedehnt wirkt und mehr als eine Stunde länger dauert, es sondert ihn auch ab von der allzu dialoglastigen und umständlichen Inszenierungsweise, mit der Hollywood Mitte der 1960er geradezu um Erneuerung bettelte. Dass „Cat Ballou“ flott und gut pointiert daherkommt, mag daran liegen, dass sein Regisseur Elliot Silverstein vom Fernsehen kam und hier erstmalig für die große Leinwand gearbeitet hatte. Manchmal konnten frühe Fernsehregisseure die Vorzüge des Kinos, vor allem in visueller Hinsicht, nicht recht ausnutzen, aber wie man das Publikum unterhält und seine Aufmerksamkeit im Gewirr der medialen Angebote und mit wenig Sendezeit bindet, das hatten sie in der Regel gut gelernt. Demgemäß ist „Cat Ballou“ auch kein visuelles Meisterwerk und wirkt stellenweise etwas roh, aber brilliert mit einer kritischen Handlung, die zielsicher im Komödienfach platziert wird – und natürlich mit den Schauspielleistungen von Lee Marvin und Jane Fonda.

Doppelrollen, wie Marvin hier sie als zwei Pistolenschützen spielt, sind prädestiniert für höhere Weihen, wenn die unterschiedlichen Persönlichkeiten dabei gut rüberkommen. Das Meisterwerk der Mehrfachrollenbesetzung mit einer Person ist und bleibt sicher „Adel verpflichtet“ (1949) mit Alec Guiness, der darin nicht weniger als sieben Charaktere verkörpert, darunter weibliche. In Deutschland hat Heinz Erhardt in „Drillinge an Bord“ (1961) drei unterschiedliche, aber doch nicht nur optisch einander ähnliche Brüder gut rübergebracht. Ganz solch eine Tour de Force sind die Anforderungen an Lee Marvin nicht, außerdem zieht er den schwarzen und den besoffenen Schützen als Typen so weit auseinander, dass es Grenzen für die Wirksamkeit des in der Doppelrolle angelegten Humors gibt. Das liegt vor allem daran, dass die Optik der beiden Figuren sehr unterschiedlich gestaltet wird. Außerdem  finden wir den Säufer ein wenig übertrieben dargestellt. Sicher soll das komisch sein, aber wir haben 50 Jahre nach Entstehen des Films eben eine etwas andere Einstellung zur Alkoholsucht und ihren auch im Film sichtbaren Folgen wie dem Händezittern und vielleicht spielt bei unserer persönlichen Bewertung auch eine Rolle, dass wir mittlerweile zu viele derlei menschliche Wracks gesehen haben, die aber, anders als Sheleen, gewiss nicht  mehr in der Lage sind, kurzfristig den Hebel umzulegen und  mit einem simplen Revolver wieder jeden kleinen Gegenstand zu treffen, der in die Luft geschmissen wird. Nach der Abfassung des Entwurfs sind zudem drei Jahre Befassung mit der Krimireihe „Polizeiruf 110“ hinzugekommen, die sehr schonungslos die Schattenseiten es weitverbreiteten Alkoholismus zeigt.

Dass Marvin mit der Rolle einen Oscar gewann,  steht auch nicht in der Tradition von „The Lost Weekend“ (1945), dem vielleicht bis heute besten Säuferporträt der Filmgeschichte, in dem Ray Milland seine Karriere mit der Porträtierung eines Schwerst-Trinkers aufs Spiel setzte und dafür mit dem Hauptdarsteller-Oscar honoriert wurde. Aber, siehe oben, ein Musterbeispiel an Subtilität ist „Cat Ballou“ nun einmal nicht. Ob man ihm das innerhalb der Verortung in gleich zwei eher robusten Genres, der Komödie und dem Western, generell vorwerfen kann, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Subtilität und Pointiertheit müssen einander jedenfalls nicht im Wege stehen.

Unseren Geschmack trifft eher Jane Fondas natürliche und charmante Spielweise, die es schafft, den Film mit einem emotionalen Zentrum auszustatten und die als Identifikationsfigur schlicht perfekt ist. Ihr Vater wurde von der landgierigen Bevölkerung ihrer Heimatstadt mit dem treffenden Namen Wolf City bzw. von einem von diesem Mob gedungenen Killer ermordet, der bei Frauen allerdings nicht so recht nachlegen mag, weshalb Cat in der Lage ist, in das Nest der alternden Outlaws zu entfliehen. Die Tatsache, dass die Ballou-Ranch von den Dörflern geklaut wird,, das reicht uns als Zuschauern aus, um bei jedem Streich, den Cat und ihre Freunde anstellen, um zu Geld für den Rückkauf der Ranch zu kommen, begeistert mitzugehen. Das gilt auch für den Zugüberfall, dessen Inszenierung so sehr auf eine ganze Legion älterer Filme verweist, dass wir dieses Mal kein einzelnes Vorbild herausheben konnten. Die übrigen Schauspielleistungen sind okay, aber nicht überragend.

Fazit

Wir haben uns mit dem Film wirklich amüsiert, obwohl einiges von dem Humor fragwürdig ist, obwohl die Tatsache, dass der große Nat King Cole, der einen der Bänkelsänger spielt, die Premiere aufgrund seines frühen Todes nicht mehr miterleben konnte, nicht so witzig ist, und obwohl die deutsche Synchronisation nach Meinung von Kritikern den überwiegenden Teil des Dialogwitzes zielsicher zu zerstören wusste. Der Film war mit 20 Millionen Dollar Einspielergebnis sehr erfolgreich und stand eine Woche lang auf Platz eins der Zuschauereinnahmen in den USA – interessanterweise nicht, wie meist üblich, direkt nach seiner Premiere, sondern erst drei Wochen später. Das lässt darauf schließen, dass er ein Überraschungserfolg war, ein Film, an den man nicht im Sinne einer heutigen Blockbuster-Produktion, bereits vorab hohe Erwartungen knüpfte.

75/100

© 2021 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1), kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Elliot Silverstein
Drehbuch Walter Newman
Frank Pierson
Roy Chanslor
Produktion Harold Hecht
Musik Frank De Vol
Mack David
Jerry Livingston
Kamera Jack A. Marta
Schnitt Charles Nelson
Besetzung

 

 

 

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