Letzte Prognosen vor der Wahl (Statista) + Kurzkommentar: Wann jede Stimme zählt | #Frontpage #Bundestagswahl21 | #Politik #btw21 #Prognosen #Umfrage #Ergebnis

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Übermorgen ist Superwahltag, zumindest in Berlin. Nicht weniger als vier Entscheidungen haben die Wähler:innen in der Stadt dann zu treffen, woanders in Deutschland mindestens eine, wofür sie zwei Stimmen haben. Viele haben es bereits per Brief getan. Wir nicht, wir erklären dieses Mal auch, warum nicht. Gestern kam noch einmal eine neue Umfrage von Kantar (Emnid) heraus, die Bundestagswahl betreffend. Dazu folgende Grafik:

hier geht’s zur Grafik von Statista und zum folgenden Begleittext

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Wenn an diesem Sonntag Bundestagswahl ist … SONNTAGSFRAGE

In den aktuellen Wahlumfragen zur Bundestagswahl liegt die SPD weiterhin bei allen Instituten vor der Union. Letztere konnte den Abstand zur SPD jedoch verringern: Der Vorsprung der SPD beträgt in den aktuellsten Erhebungen nur noch zwei bis vier Prozentpunkte. Zuvor war die Union bei Forsa kurzzeitig unter die 20-Prozent-Marke gefallen. Der Abstand zur SPD betrug dabei 6 Prozentpunkte. Ein weiterer Punkt macht es denkbar, dass die Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet doch noch stärkste politische Kraft werden kann: Die Prognosen zur letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 haben allerdings insgesamt gezeigt, dass insbesondere die Daten für die Union mit Unsicherheiten behaftet sind: So lagen 2017 im Vorfeld der Wahl alle Institute mit ihrer Prognose für die CDU/CSU deutlich daneben, wie diese Statista-Grafik zeigt. Ein möglicher Grund dafür: Laut Wahlforschern neigen konservative Wähler dazu, ihre politischen Ansichten und Präferenzen nicht preiszugeben. Das macht es für die Institute mutmaßlich schwierig, verlässliche Zahlen zu ermitteln.

Die Grünen um Annalena Baerbock erreichen nur noch 14 bis 17 Prozent der Stimmenanteile, wie die Statista-Grafik zeigt. Die FDP liegt bei 11 bis 12 Prozent, die Linke kommt in den aktuellen Umfragen auf sechs bis sieben Prozent und die AfD erreicht 10 bis 12 Prozent der Stimmen.

Die Sonntagsfrage bildet den aktuellen Wahl-Trend in der Bundesrepublik ab und wird regelmäßig von den Meinungsforschungsinstituten erhoben.

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Wir habe noch etwas für Sie. Die gerade abgerufenen Zahlen von Civey:

SPD 24,6 Prozent, CDU 23,2 Prozent, Grüne 16,2 Prozent, FDP 11,5 Prozent, AfD 10,3 Prozent, Die Linke 5,9 Prozent, andere Parteien 8,3 Prozent. 

Aus den von Statista gezeigten Umfragen lässt sich nicht erkennen, dass die Union in den letzten Tagen zugelegt oder gar die Trendwende geschafft hat. Bei Civey liegt sie allerdings nur 1,4 Prozent hinter der SPD, das ist der kleinste Abstand seit Wochen. Aber sonst weisen die letzten Tage trotz der großen Kandidat:innentour durchs Fernsehen wenig Veränderung aus. Und hier komme ich zur Briefwahl. Ich bin mir zwar im Klaren darüber, wen ich zu wählen habe, aber grundsätzlich möchte ich mir die Entscheidung bis zum letzten Tag offen halten. Es war dieses Mal nämlich recht knapp bei mir, bis ich mich entschieden hatte, überhaupt wieder eine der im Bundestag vertretenen Parteien zu unterstützen.

Aber, wie man sieht, es ist sehr, sehr eng und das gab den Ausschlag dafür, meine Stimme(n) nicht „zu verschenken“.  Das gilt auch für die Abgeordnetenhauswahl von Berlin. Ich ärgere mich richtig darüber, dass ich aus taktischen Gründen gezwungen bin, das kleinere Übel zu wählen, um nicht mit einer Rechtskoalition aufzuwachen und das Gefühl zu haben, zu einem, wenn auch kleinen Teil bin ich daran schuld, dass es so kam. Aber ich werde schön zur Wahlurne pilgern wie zu einem Canossagang, und sollte es stürmen, Katzen und Hunde regnen oder Straußeneier hageln. Das ist die selbstgewählte, sehr geringe Strafe dafür, dass ich, wie fast alle in diesem politisch recht verpeilten Land, zu wenig dafür getan habe, eine progressive Politik nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern. Deswegen bekommt eine der nicht-rechten Parteien im Bundestag noch einmal eine Chance von mir.

Statista hat im Begleittext erwähnt, dass die Union doch noch stärkste Kraft werden kann, wenn wir nicht sehr aufpassen und dafür das Beispiel Bundestagswahl 2017 herangezogen. Aber nicht nur sie, sondern auch die AfD wurde bei Umfragen lange Zeit unterschätzt, weil für AfD-Wähler:innen noch mehr galt, dass sie sich nicht gerne outen. Diese Zeiten könnten vorbei sein, seit es kein Problem mehr darstellt, sich in der Öffentlichkeit als Nazi zu zeigen und zu empfehlen, die Mitglieder oder Politiker:innen anderer Parteien zu erhängen. Wer das nicht will und es nicht tolerieren will, muss dieses Mal die A*backen zusammenkneifen und trotz innerer Protesthaltung und dem Eindruck, kleine / kleinste Parteien haben etliche Vorzüge, die Linke oder wenigstens die Grünen wählen. Bei Letzteren besteht freilich die Gefahr, dass sie uns eine schwarz-grün-gelbe Koalition bescheren, ohne mit der Wimper zu zucken. Fragen Sie mich mal, ob ich glaube, dass diese Koalition, die auf eine diskriminierende Weise gerne als „Jamaika“ bezeichnet wird, eine gute Idee für den Fortschritt, das Klima und das Soziale ist und überhaupt für die weit überwiegende Mehrheit von uns ist. Ähnliches würde übrigens für eine Ampelkoalition gelten und für Schwarz-Rot-Grün.

Für die Berliner:innen: Dass Sie als Person, die politisch informiert ist, nicht AfD, FDP, CDU wählen dürfen, ist Ihnen sowieso klar. Aber bitte wählen Sie auch nicht die SPD, sonst kriegen Sie ein ähnliches Ergebnis wie im Bund, falls es rechnerisch dazu reicht. Für die meisten hier wäre das, was im Bund leider schon  lange einkalkuliert ist, in Berlin eine böse Überraschung. Nämlich, dass eine rechtslastige SPD-Kandidatin gegen den Willen der Mehrheit in der Stadt und gegen den Willen der meisten Anhänger:innen ihrer Partei ein dem Stillstand verpflichtetes, um nicht zu schreiben reaktionäres Bündnis gegen ebenjene Mehrheit bastelt, indem sie mit der CDU und der FDP zusammengeht. Gerne mit Tolerierung durch die AfD, mit deren Hilfe bei Einzelentscheidungen, falls es rechnerisch nicht für eine solche Mehrheit reicht. Eine andere Möglichkeit für eine politische Rolle rückwärts in Berlin zeichnet sich derzeit nicht ab. Noch reicht es nicht für eine rot-schwarz-gelbe „Deutschland“-Koalition, aber es ist auch hier sehr knapp geworden, weil die Linke und die Grünen nicht vom Fleck kommen und die SPD dank günstigem Bundestrend zulegt. Deshalb auch hier: Bitte wählen Sie so, wie ich es eben für die Bundestagswahl empfohlen habe.

Hier die aktuellen Civey-Zahlen für die AGH-Wahl in Berlin.

Nicht weniger als 13,1 Prozent aller an der Civey-Umfrage Teilnehmenden geben an, eine „andere Partei“ wählen zu wollen. Vermutlich wird aber keine dieser Parteien die Fünf-Prozent-Hürde nehmen und deshalb ist es absurd, Berlin in die politische Steinzeit zurückzuschießen, indem man sich daran delektiert, eine Minipartei zu wählen, gleich, welcher Richtung sie angehört. Hier geht es nicht nur um Überzeugungen, sondern ums Ganze. Wenn R2G sich berappelt, bis 2026 gut performt und dann auf der sicheren Seite ist, kann man bei der Wahl in fünf Jahren Experimente wagen und für die Stärkung linksökologischer Korrektive sorgen, sowohl auf parteipolitischer wie auf zivilgesellschaftlicher Ebene.

Jede Stimme zählt. Aber nur dann, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird.

TH

 

 

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