Sag niemals nie (Never Say Never Again, USA / GB 1983) #Filmfest 607

Fimfest 607 Cinema

Mach’s nochmal, Sean!

Sag niemals nie, auch James Bond 007 – Sag niemals nie (Originaltitel: Never Say Never Again) ist ein James-Bond-Film, der nicht von Eon Productions produziert wurde, aber ein letztes Mal mit Sean Connery als Agent 007 aufwartete. Es handelt sich um eine Neuverfilmung des 1965 erschienenen Bond-Films Feuerball. Filmstart in den bundesdeutschen Kinos war am 20. Januar 1984.

Im Jahr seines Erscheinens war der 7. James-Bond-Film mit Sean Connery ein direktes Konkurrenzprodukt zu „Octopussy“ mit dem damals „offiziellen “ Bond-Darsteller Roger Moore. Beide Filme liefen im Kino sehr gut, der Moore-Film noch etwas besser als „Sag niemals nie“.

Die Vorlage „Feuerball“ ist hierzulande nicht so bekannt wie sein Vorgänger „Goldfinger“ oder der Nachfolger „Man lebt nur zweimal“ und ich habe „Feuerball“ erst vor wenigen Jahren erstmals angeschaut. Demnach konnte die Handlung von „Never Say Never Again“ bei mir kein Déjàvu auslösen. Nun ist leider auch Sean Connery verstorben, der in „Sag niemals nie“ so verdammt gut gealtert war. Auch das Toupet hätte man weglassen können, denn mit seiner unverfälschten Erscheinung wurde Sean Connery noch Jahre später zum Sexiest Man Alive gewählt.

Seinen ersten Auftritt als James Bond hatte der damals noch kaum bekannte Connery in „James Bond jagt Dr. No“ im Jahr 1962. Konnte man absehen, dass diese Agentenfilmreihe das legendärste und dauerhafteste Franchise aller bisherigen  Kinozeiten werden würde? Auf jeden Fall steckte schon alles drin, was der Reihe bis heute zum Erfolg verhilft: der Womanizer, der größenwahnsinnige Gegenspieler, das unfassbar attraktive Bondgirl, viel technischer Schnickschnack, wenn auch nicht mit einem heutigen Aufwand vergleichbar, exotische Locations und viele geschüttelte, nicht gerührte Martinis. Oder gab es das Spirituoselle im Auftaktfilm noch gar nicht? Ist auch schon wieder einige Jahre her.

Die deutlichste Wandlung innerhalb von nun beinahe 60 Jahren vollzog sich bei der Ausgestaltung der Geschlechterrollen, daher unser obiger Vorschlag. Die Grundkonstellation, nämlich eine Bedrohung der Welt durch ein „Superhirn“, ist hingegen immer noch gleich und rekurriert offenbar auf eine Grunddisposition und auf unsere Weltwahrnehmung: Das Gefühl von Bedrohung durch eine Macht, die mächtiger ist, als man selbst je werden kann, grausamer als jeder Mensch, den man sich vorstellen kann, einflussreicher als die Politik und mit mehr Ressourcen ausgestattet als das Großkapital, sie ist und böse und unheimlich und wird durch eine Person verkörpert, die so richtig fies sein muss, um zu wirken. Von den Nazis bis zur heutigen Terrorismusbedrohung covert diese Person alles, was unbedingt besiegt werden muss, damit die Welt weiterexistieren kann. So gesehen, sollte man nicht nur über eine weibliche Besetzung der Hauptrolle, sondern auch über einen fundamental antikapitalistischen Bond-Film nachdenken. 

Die James-Bond-Filme werden wir in einem Special aufbereiten. Gerade wurde die 25. Produktion des Franchises, „Eine gute Zeit zu sterben“ auf den Weg gebracht. Wer war nun der beste James-Bond-Darsteller? Ich glaube, es ist noch immer der erste, auch wenn sein Nachfolger Roger Moore eine unverwechselbare, elegant-ironische Note eingebracht hat und am anderen Ende des Spektrums Daniel Craig der ernsthafteste, physisch präsenteste und modernste Bond bisher ist. Zeit für eine vorzugsweise dunkelhäutige oder asiatische Miss Bond? Verheiratet sein oder gar Kinder haben darf sie natürlich nicht, so weit wollen wir es mit der Diversität nicht treiben.

Sag niemals nie wird rückblickend von manchen als ein durchschnittlicher bis unterdurchschnittlicher James-Bond-Film angesehen, was sich auch in Platzierungen in Ranglisten der letzten Jahre niederschlägt. Im Jahr 2012 wurden alle Bond-Filme durch die Leser des 007 Magazine bewertet, wobei Sag niemals nie lediglich den 22. von 24 Plätzen belegte. Schlechter schnitten nur Stirb an einem anderen Tag und die Parodie Casino Royale aus dem Jahr 1967 ab.[11] In einer ebenfalls 2012 veröffentlichten Liste des Rolling Stone nimmt Sag niemals nie Platz 13 von 24 James-Bond-Filmen ein.[12] In dem Sonderheft 50 Jahre James Bond des Stern aus demselben Jahr wird der Film mit 3 von 5 Sternen („solide“) bewertet.[13]

Nun ja, wir haben nach oben auch noch etwas Raum gelassen, obwohl 7/10 für die Verhältnisse des „IVZ Nr. 8“ aus dem Jahr 1989, dessen Kurzrezensionen wir hier schrittweise vorstellen, eine deutlich über dem Durchschnitt liegende Bewertung war. Es wird auch zu einer umfangreicheren Rezension kommen, da ich den Film in letzten Jahren noch einmal angeschaut habe. Allerdings haben wir hier schon den ganz seltenen Fall, dass eine der frühen Rezensionen bereits auf zwei Sichtungen fußt und man sieht, dass wir den Film gegenüber der Premiere im Kino nach nochmaligem Anschauen bereits um einen Punkt zurückgestuft hatten. Daher resultiert auch die verpixelte Stelle, obwohl in der Zeile darunter das ZDF als ausstrahlende Quelle angegeben ist, denn wir hatten in diesen alten Filmverzeichnissen noch angegeben, mit wem wir im Kino waren. Es ist immer noch so, dass bei mir die Rezeption eines Films anders ausfällt, wenn ich ihn mit jemandem zusammen angeschaut, vielleicht schon mit der Person darüber diskutiert habe, jedenfalls ihre Meinung kenne oder ihre Reaktion erspüren konnte.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Irvin Kershner
Drehbuch Lorenzo Semple, Jr.
Produktion Jack Schwartzman
Musik Michel Legrand
Titelsong: Lani Hall
Kamera Douglas Slocombe
Schnitt Ian Crafford
Besetzung

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