Spion in Spitzenhöschen (The Glass Bottom Boat, USA 1966) #Filmfest 634

Filmfest 634 Cinema

Spion in Spitzenhöschen ist eine romantische Filmkomödie des Regisseurs Frank Tashlin aus dem Jahr 1966 mit den Hauptdarstellern Doris Day und Rod Taylor.

Ein sogenanntes Spätwerk von Doris Day, zwei Jahre später hat sie ihre Schauspielarbeit in Hollywood beendet. Riecht es in dem Film schon nach Abschied? Dies und mehr klären wir in der –> Rezension.

Handlung (1)

Bei einer Angeltour an der kalifornischen Küste macht der Weltraumforscher und Hobbyangler Bruce Templeton einen seltsamen Fang. Er hat plötzlich eine Meerjungfrau an der Angel. Bruce verliebt sich sofort in Jennifer, die in diesem Kostüm herumschwimmt, um die Touristen zu beeindrucken, die ihr Vater in seinem Glasbodenboot umherfährt. Da er nun ihr Kostüm ruiniert hat, ist Jennifer außer sich vor Zorn.

Am nächsten Tag treffen sich die beiden bei der NASA wieder, wo Jennifer sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert und Bruce der Leiter eines Projekts mit dem Namen GISMO zur Erforschung und Überwindung der Schwerkraft ist. Um sie in seiner Nähe zu haben, macht Bruce Jennifer zu seiner Biografin und erfindet ein Projekt mit dem Namen Venus.

Während Bruce und Jennifer einander näherkommen und miteinander flirten, vermutet der amerikanische Geheimdienst unter der Leitung von General Bleecker, dass Jenny eine Ostspionin ist. Begünstigt wird der Verdacht dadurch, dass Jennifer immer wieder von Wladimir spricht, was allerdings der Name ihres Hundes ist.

Nachdem Jennifer bei einer Party durch zufälliges Anhören eines Telefongesprächs mitbekommen hat, dass sie von Bruce getäuscht wurde, unternimmt sie aus Rache alles, um so zu tun, als wäre sie tatsächlich eine Spionin. Die Handlung gewinnt damit nochmals an Geschwindigkeit, besonders als sich der vermeintliche FBI-Agent Edgar Hill als tatsächlicher Spion entpuppt und wichtige Papiere aus dem Tresor stiehlt.

Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd kommt es zum Happy End: Bruce heiratet Jennifer (angedeutet durch den Hochzeitsmarsch) und fährt mit ihr im Schnellboot davon. 

Rezension

Wenn es in einem Film nach Abschied riechen würde, wäre er vermutlich gar nicht erst gedreht worden. Zumindest nicht, wenn man sich, wie Doris Day, entscheidet, keine Altersrollen mehr zu spielen, sondern auf dem Höhepunkt oder kurz danach abzutreten und als Amerikas Darling in Erinnerung zu bleiben.  Die Frage ist also, ob man von heute aus konstatieren kann, dass der Höhepunkt wirklich überschritten war, den sie zunächst im Jahr 1959 mit dem berühmten „Bettgeflüster“  als Komödien-Superstar erreichte. In der Folge war sie mehrere Jahre lang in der Tat der beliebteste weibliche Star der Amerikaner und ihre Filme wiederholten die Erfolgsformel von „Pillow Talk“ mehrmals. Im Grunde, wenn auch mit viel mehr technisch-visuellen Gags, tut das auch „Glass Bottom Boat“, wie der Film im Original heißt. Nur, dass an der Stelle von Rock Hudson, James Garner oder gar Cary Grant, die in den frühen 1960ern ihre Partner waren, der sympathische, aber nicht so glamouröse Rod Taylor ihr männlicher Co-Star ist. Darin liegt aber nicht der Hauptunterschied zu den Filmen, die ein paar Jahre zuvor entstanden sind.

„Schwungvoller Doris-Day-Film mit bewährten komödiantischen Mitteln.“ – Lexikon des internationalen Films[1]

„[…] routiniertes Lustspiel mit zahlreichen typischen Tashlin-Slapsticks.“ – Adolf Heinzlmeier und Berndt SchulzLexikon „Filme im Fernsehen“[2]

„Dieser amerikanische Farbbreitwandfilm ist typisch für die Gattung (sehr bemühter Humor), hat aber durch Regisseur Frank Tashlin auch Neues (Klamaukelemente) aufzuweisen.“ – Evangelischer Filmbeobachter[3]

Die Wiederholung des Musters ist allzu deutlich. Frank Tashlin, der dieses Mal Regie führte, hat dem Werk zwar mehr Action-Komik mitgegeben als in den früheren Filmen zu beobachten war, aber er hat auch eine chaotische Art der Handlungsführung zu verantworten, die auf andere Komiker eindeutig besser zugeschnitten ist als auf die doch eher brave Doris Day. Immerhin darf sie auch ein wenig singen, sogar ihren Signature Song „Que Sera, Sera“, den sie erstmals zehn Jahre zuvor in Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ vorgetragen hatte. Tashlin hat einige recht ansprechende Filme mit Bob Hope gemacht und ist für die nach meiner Ansicht besten beiden Jerry Lewis & Dean Martin-Werke verantwortlich, „Alles um Anita“ („Hollywood or Bust, 1956, deren letzte gemeinsame Arbeit) und „Artists and Models“ aus dem Vorjahr, der nach meiner Ansicht heute unterbewertet ist, wenn ich nach dem IMDb-Durchschnitt gehe (6,7/10; nur noch 6,6/10 im Jahr 2021 bei Veröffentlichung der Rezension im Rahmen des Filmfests).

Wie steht „Spion in Spitzenhöschen“ im Vergleich? Die IMDb sagt 6,5/10, so dicht ist er aber nicht an „Artists and Models“ und die Bewertung liegt auch etwas oberhalb meiner eigenen Einschätzung. Insbesondere ist die ewig lange Party-Schlusssequenz eher nervig als komisch und der Film hat keinen guten Rhythmus. Das trifft ja auf viele Komödien zu, die sehr auf Gags zugeschnitten sind, die Dramaturgie wird einer wilden Lachparade geopfert. Wenn es denn funktioniert und man sich ständig auf dem Sofa kringelt, ist das okay. Die Filme der Marx Brothers oder anderer Spitzenkomiker sind keine Meisterwerke der Handlungsführung und oft sehr einfach gestrickt, aber zum Ausgleich müssen die Gags zünden. Das tun sie in „Spion in Spitzenhöschen“ zu selten. Schon der deutsche Titel ist albern, Day tritt kein einziges Mal in Spitzenhöschen auf. Im Original wird lediglich auf ihren Nebenjob als Nixe von Catalina Bay angespielt, den sie am Wochenende in Zusammenarbeit mit ihrem liebenswürdigen Touristenführer-Vater ausübt und der keinerlei Rückschlüsse auf die Handlung zulässt (der englische Alternativtitel lautet aber ebenso).

Passt der Film noch in die Zeit (1966)? Das ist sicher ein Hauptproblem. Erfolgreich war er noch, im Gegensatz zum direkten Doris-Day-Nachfolger „Caprice“. Leider war es mit den schwungvollen, verspielten Komödien nach der Kennedy-Ermordung Ende 1963 nicht mehr so einfach. Allerdings haben viele Regisseure und Filmstudios das nicht bemerkt und rannten den großen Erfolgen der sonnigen Kennedy-Ära in einer anderen Zeit weiterhin nach. Fairerweise muss man sagen, so schnell war die Tendenz nicht zu erkennen und nicht die sich stark verändernde Stimmung der nächsten Jahre. Große Ensemblefilme wurden um 1964-65 gedreht, in denen Hollywood noch einmal alles auffuhr, was es an Spektakel zu bieten hatte, sowohl in epischen Filmen als auch in Komödien, die beinahe episches Ausmaß erreichten. Auch „Spion in Spitzenhöschen“ ist deutlich weniger intim und hat einen viel größeren Cast als frühere Day-Komödien und – er wirkt wesentlich länger als die 110 Minuten, die er tatsächlich aufweist. Ich hatte das Gefühl, er dauert deutlich länger als zwei Stunden.

Er ist aber auch sehr traditionell gefilmt, echtes altes Hollywood, keinerlei Einflüsse neuer, frecherer Strömungen, wie andere Komödien sie mit mehr satirischen Ansätzen und mehr Freizügigkeit schon aufwiesen. Sicher, es ist ein Day-Film, das heißt auch, er muss im Großen und Ganzen struktur- und wertkonservativ sein.

Wegen der Spionagesache? Da waren die in der Zeit aufkommenden James Bond-Filme viel progressiver. Während dort ein Weltbösewicht versuchte, die Supermächte gegeneinander auszuspielen, sind in „Spion in Spitzenhöschen“ offenbar wirklich die Russen hinter der amerikanischen Formel fürs unbeschwerte Leben in der Schwerelosigkeit her. Sicher entsprach das in gewisser Weise der Tatsache, dass die USA etwa zu der Zeit endgültig die Führungsposition in der Weltraumforschung übenahmen, und zudem wird das alles ja sehr komödienhaft verarbeitet, aber es ist eben auch ein allzu bewährtes Muster. Die Idee, Day überhaupt in Spionageverdacht zu bringen, darf man aber getrost dem Erfolg der neuen Bond-Reihe zuschreiben. Die Anzahl der Film aus den MItte-Sechzigern, die sich sogar explizit auf Bond beziehen, ist so zahlreich, dass man merkt, wie massiv in der Filmbranche das erstaunliche Phänomen diskutiert wurde, dass man mit einem wirklich profunden Mangel an Realismus und Logik so gut Kasse machen konnte. Dass die Reihe bis heute erfolgreich fortgeführt wurde, belegt, dass damit ein Nerv getroffen wurde, etwas angesprochen wurde, das im Maßen unabhängig vom Zeitgeist, auch die Bond-Reihe wurde ja diesem immer wieder angepasst, Rückschlüsse auf unsere Mentalität ermöglicht.  Zum Beispiel, dass wir nicht wirklich an realistischen Sachzusammenhängen interessiert sind. Den vorherigen Satz haben wir, anders als jenen, den Sie gerade lesen, nicht erst anlässlich der Corona-Pandemie und im Rahmen der Veröffentlichung im Oktober 2021 hinzugefügt, wie man vielleicht annehmen könnte.

Finale

Es gibt Doris Day-Filme, die durchaus Charme haben, vor allem aus ihrer frühen Zeit, als sie noch mehr sang und weniger als Komödienstar in Erscheinung trat. Aber ihre Art zu schauspielern liegt mir persönlich nicht besonders. Auch das Image, das sie verkörpert, ist allzu repressiv. Meist wird sie zwar als werktätig dargestellt, aber in einer Welt, in der die Männer mit großem Augenzwinkern als die ewigen Dominatoren dargestellt werden; man hat immer das Gefühl, sie ist am Ende froh, sich einem Mann ergeben zu dürfen, der im besten Fall so mondän-freakig ist wie Bruce Templeton, oft aber auch ein Arschloch darstellt, das plötzlich die romantische Seite an sich entdeckt: Dieses Schema wurde in ihren Filmen mit Rock Hudson auf die Spitze getrieben. Der wirtschaftliche Erfolg ist dem Mann nach Day-Lesart einfach mehr eigen, und es gibt in ihren Filmen nichts, was dieses Schema infrage stellt. Selbst, wenn die Frau die besseren Ideen hat, wie etwa in „Lover Come Back“ (1961), verliert sie ihre ökonomische Reputation, um den Mann zu gewinnen. Da war Hollywood in den 1940ern schon wesentlich weiter. Der konservative Zeitgeist der 1950er war es, der Day zum Star machte und ihre Rollen 1966 schon etwas antiquiert wirken ließ. 

Stylisch war allerdings die Set-Dekoration, dazu haben wir hier etwas gefunden. Die Seite betrachtet Filme von einer sehr speziellen Seite: Im Zentrum steht, wie sie ausgestattet sind.

60/100

© 2021 (Entwurf 2017) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Frank Tashlin
Drehbuch Everett Freeman
Produktion Everett Freeman
Martin Melcher
Musik Frank De Vol
Kamera Leon Shamroy
Schnitt John McSweeney junior
Besetzung

 

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