Die Gewaltigen (The War Wagon, USA 1967) #Filmfest 640

Filmfest 640 Cinema

Gewaltige Stars, lahme Logik

Die Gewaltigen (Originaltitel: The War Wagon) ist ein Western aus dem Jahre 1967 mit John Wayne und Kirk Douglas in den Hauptrollen. Produziert wurde der Film von Marvin Schwartz für Batjac Productions. Regisseur war Burt Kennedy. Das Buch schrieb Clair Huffaker nach seinem Roman The War Wagon.

Der Plot in einem Satz: John Wayne soll von Kirk Douglas umgebracht werden, macht diesem aber klar, dass es besser ist, gemeinsam den Auftraggeber von Douglas auszurauben und das Zehnfache zu verdienen, am Ende ist es nur in etwa das Doppelte, weil der Plan, eine Art Panzerwagen oder Geldtransporter zu knacken, der noch von Pferden durch den von Indianern wimmelnden Wilden Westen gezogen wird, ursprünglich funktioniert, dann aber etwas aus dem Ruder läuft.

Handlung (1)

Um das Jahr 1870 gelangt in New Mexico der korrupte Geschäftsmann Frank Pierce an ein Stück Land, auf dem Gold gefunden wurde, indem er den rechtmäßigen Besitzer Taw Jackson durch Meineide und Bestechungsgelder ins Gefängnis bringt. Nach drei Jahren Haft kommt Jackson unerwartet wegen guter Führung auf Bewährung frei und erscheint wieder in der Stadt. Der inzwischen durch die Goldfunde reich gewordene Pierce ist um seine Sicherheit besorgt und will Jackson tot sehen. Hierfür versucht er den Revolverheld Lomax zu engagieren, der einst ebenfalls als Mitarbeiter von Pierce daran beteiligt war, Jackson hinter Gitter zu bringen. Doch Lomax wurde inzwischen von Jackson angeworben: Dieser plant einen Überfall auf einen wichtigen Goldtransport von Pierce. Hierzu benötigt er die Fähigkeiten von Lomax als Revolverheld und vor allem als Safeknacker. Lomax unterstützt Jackson, obwohl er Zweifel an dem Gelingen des Überfalls hat, denn Pierce hat viele Männer zur Bewachung des Transportes angeworben und hat sich jüngst einen gut gepanzerten Wagen mit einem Gatling-Repetiergeschütz angeschafft.

Zu Jacksons Bande gehören außerdem der erfahrene Indianer Levi Walking Bear, der junge Sprengstoffexperte Billy Hyatt sowie Pierces Mitarbeiter Wes Fletcher. Von dem transportierten Gold im Wert von rund einer halben Million US-Dollar soll jeder ein Fünftel bekommen. Unterstützung bei dem Überfall erhalten sie gegen die Bezahlung auch von einer Gruppe Kiowa-Indianern, die durch Pierce von ihren Ländereien vertrieben wurden. In den folgenden Tagen plant die Gruppe den Überfall durch, allerdings gibt es immer wieder Turbulenzen. Da Pierce weiterhin Lomax anwerben will, muss dieser ihn hinhalten und zugleich nicht auf die Spur des geplanten Überfalls kommen lassen. Billy Hyatt hat trotz seines jungen Alters ein Alkoholproblem und erscheint unzuverlässig. Zudem verliebt er sich in Kate, die junge Ehefrau des alten und mürrischen Fletcher, was für Spannungen sorgt.

Der Überfall gelingt: Durch das Auftreten der Indianer und das Sprengen einer Brücke werden die zahlreichen von Pierce engagierten Wachmänner von diesem abgeschnitten. Anschließend springen Jackson und Lomax auf den Wagen und können diesen unter Kontrolle bringen. Pierce tötet mit seinem Repetiergeschütz viele Indianer, wird aber schließlich selbst erschossen. Die fünf Initiatoren des Überfalls sind scheinbar am Ziel, doch die Kiowa-Indianer wollen plötzlich das Gold für sich und erschießen Fletcher. Billy wirft einen letzten Rest Sprengstoff auf die Indianer und vor Schreck machen sich die Pferde mit dem Wagen los, auf dem das Gold in Tonnen mit Mehl versteckt ist. Die Tonnen mit Gold fallen vom Wagen und werden von den Indianern eingesammelt. Ein kleiner, aber immer noch finanziell großzügiger Teil der Beute kann aber von Jackson an einer sicheren Stelle versteckt werden. Den will er mit seinen Kameraden teilen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist. Lomax bleibt solange nichts anderes übrig, als weiterhin auf die Sicherheit Jacksons aufzupassen.

Rezension 

In der IMDb (International Movie Database), dem führenden Kinoportal, wird der Film zwar nicht überragend, aber von US-Usern etwas besser als von Nicht-Amerikanern bewertet (Durchschnitt 6,9/10, Stand März 2017). Da wird ein Nostalgiefaktor der Einheimischen für zwei der größten Stars des alten Hollywood dabei sein. Die professionellen Kritiken, die wir uns angeschaut haben, waren freundlich, nicht euphorisch. 

Der Film zitiert beinahe über die ganze Spielzeit hinweg sein eigenes Genre. Jedes Handlungselement ist ein Versatzstück mit Erinerungswert, weil es aus früheren Filmen übernommen wurde. Abgesehen von dem seltsamen Goldtransporter, der technisch mehr als fragwürdig ist. Wie schwer muss ein solch gepanzertes Fahrzeug sein! Kann es von sechs Pferden, also mit 6 PS, dermaßen schnell bewegt werden, wie im Film zu sehen? Und was nützt ein solches Vehikel im Fall eines Überfalls, wenn der Motor, sprich, die Pferde, nicht auch geschützt sind, sondern frei vor der Fuhre herlaufen, wie bei jeder banalen Postkutsche?

Das wollten wir mal geschrieben haben. Denn so richtig ernst nimmt der Film sich selbst ja auch nicht, wie man weniger an der Handlung als an den sie begleitenden Dialogen feststellen kann. Aber auch die Handlungselemente, wie etwa der Auftritt einer mexikanischen Bande oder eines ganzen Indianerstammes sind nicht durch Blaupausen für realistisches und ernsthaftes Western-Filming unterlegt.

Die Stars – der dritte ist Howard Keel, der in Deutschland weniger bekannt ist –  sind schon Ikonen gewesen, als der Film entstand. Das heißt, sie können ihre früheren Paraderollen, John Wayne als der Rächer in eigener Sache, Kirk Douglas als Gun for hire, ausspielen, ohne zum Beispiel aufeinander schießen zu müssen. Man kann sich denken, die Sache wäre knapp ausgegangen. Der vierte Klassiker an Bord ist Dimitri Tiomikin als Komponist – er hatte in den 50ern seine große Zeit, als die gewaltigen Dramen wie geschaffen für seine sinfonischen Blechbläser-Orgien waren.

„Die Gewaltigen“ oder „The War Wagon“ („Der Kriegswagen“) im Original ist vergnüglich, ohne dass man Highlights erkennen kann. Die Action ist die für Western übliche, die Musik ist schon mehr im Stil der 60er instrumentiert, vom Rhythmus allerdings ein echter Tiomkin, was heißt, immer wenn es Aktion gibt, wird ordentlich auf die Tube gedrückt – zehn Jahre vorher wären die Hörner geblasen worden. Heute würden die Streicher im Vordergrund stehen. So viel hat sich gar nicht geändert, nachdem man die Experimente der 60er und 70er hinter sich gelassen hat und zu den sinfonischen Filmmusiken zurückgekehrt ist.

Der Film wird aber nicht von der sehr präsenten Musik dominiert, das wäre denn doch übertrieben, sondern, wie es gedacht ist, von seinen Stars. John Wayne hat uns durchgehend irritiert, weil er von Hans W. Hamacher synchronisiert wird, was darauf hindeutet, dass die gezeigte Version eine DDR-Kopie gewesen sein könnte, falls diese Filme dort überhaupt gezeigt wurden, oder nach 1990 entstand – jedenfalls haben wir die tiefere Stimme anderer Synchronsprecher, die vielleicht nicht besser Waynes Originalstimme, aber gut zu seiner Statur passt und uns vertraut ist, vermisst.

Der Plot des Films ist trotz einer Nitroglyzerin-Sprengung und des erwähnten frühen Panzerwagens und ungeachtet seiner relativ kurzen Spielzeit nur in Maßen dynamisch. Regisseur Burt Kennedy ist kein John Ford und auch kein Howard Hawks, die mit Wayne Filmgeschichte geschrieben haben. Es gibt kein stilistisches Merkmal, das den Film herausheben würde und gewiss profitiert er davon, dass die beiden Granden, die hier zum dritten und letzten Mal (nach „In Harm’s Way“ und „Cast A Giant Shadow“) zusammenspielen, für sich eine Show sind und nicht viel Anleitung für die Interpretation ihrer Rollen brauchten.

Dass der Regisseur nach eigener Aussage auf die Hälfte seines Honorars verzichtet hatte, damit Kirk Douglas engagiert werden konnte, war sicher gut für den Film, wenn es auch ein Schlaglicht auf die Verhältnisse der Produktion wirft.

Da wir uns bekanntermaßen gerne mit den politisch-sozialen Hintergründen Hollywoods und seiner Protagonisten und der Rolle von Filmen in ihrer Zeit befassen, können wir uns gut vorstellen, dass der Parade-Republikaner Wayne und der erklärte Demokrat und Liberale Douglas am Set die ausdauernd Politik diskutierten, wenn nicht gerade gedreht wurde. Die beiden sind im Film Kontrahenten, nicht zuletzt bezüglich der besseren Darstellung, da vermittelt diese Background-Kontroverse sicher einen zusätzlichen Reiz.

Andererseits sind hier zwei Profis am Werk, von denen wir Kirk Douglas den Vorzug geben, weil er seine Rolle erkennbar mehr persifliert als Wayne, der sich in den meisten seiner Filme von zu großen Abweichungen seiner Rollenstandards fernhielt, während Douglas auch in den 1950ern schon Filme machte, in denen er humorvoll mit den Westernstandards umgeht. Es verwundert daher nicht, dass John Wayne in einem der Western-Handlungsversatzstücke, der Salonschälägerei, nach eigenen Angaben ein großes Jubiläum feierte: seinen 500. Faustkampf in einem Western.

Die Szene, in der Wayne und Douglas ihre Colts samt Gürtel auf der Unterwäsche tragen, wäre witziger gewesen, hätte man sie so gelassen, wie sie bei der Uraufführung war: Da setzt Douglas eins drauf und erscheint nackt (von hinten, so ist zu vermuten) bzw. nur mit Schießeisen und Gurt bekleidet.

Aber da hatte man sich bei der Universal, die den Film produzierte, in 1967 noch mal gerade zurückgenommen. Schade, denn es ist im Film deutlich zu erkennen, dass das bei John Waynes damals schon etwas schwerer Figur keine gute Idee gewesen wäre, wohl aber konnte Kirk Douglas sich mit seiner immer noch drahtigen Erscheinung gut im FKK-Modus sehen lassen.

Kirk Douglas, der Vater von Michael Douglas, ist ein Phänomen und wird hoffentlich dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. Er hat einen Hubschrauberabsturz, mehrere schwere Krankheiten überstanden und offenbar dieses Gen, das Legenden nicht so schnell sterben lässt. Der als Issur Danilowitsch Demsky 1916 geborene Sohn russisch-jüdischer Einwanderer ist mittlerweile 97 Jahre alt und damit der älteste noch lebende Superstar, der in den 1940ern die große Leinwand betrat.

Finale

Trotz des Glamours und der natürlichen Spannung, welche durch die beiden Hauptdarsteller hervorgerufen wird, ist „Die Gewaltigen“ kein Thriller geworden. Ironie ist zwar vorhanden, wird aber nicht genutzt, um dem Genre neue Impulse zu geben, wie es der zu jener Zeit bereits stark konkurrierende Italo-Western tat.

„The War Wagon“ ist sehr traditionell, was durch die Handlungselemente, die alle schon ganz ähnlich in anderen Western zu sehen waren, gut belegt wird. Natürlich hat der Western mehr als andere Genres das Problem, auf ebensolche archetypischen Szenen festgelegt zu sein, aber man kann die Inszenierung ändern, wie es in jenen Jahren zunehmend geschah. Huldigungspunkte für die großen Stars haben wir dieses Mal nicht vergeben, daher die Wertung

62/100

© 2021, 2017, 2014, 2013 Der Wahlberliner, Thomas Hocke 

Regie Burt Kennedy
Drehbuch Clair Huffaker
Produktion Marvin Schwartz
Musik Dimitri Tiomkin
Kamera William H. Clothier
Schnitt Harry W. Gerstad
Besetzung

 

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