Die Farbe Lila (The Color Purple, USA 1985) #Filmfest 641

Filmfest 641 Cinema

Bis zu „Schindlers Liste“ war es für Steven Spielberg schwierig, auch künstlerisch anerkannt zu werden und selbstverständlich gilt dieser hoch prämierte Film heute als sein „Opus major“. Zuvor hatte war es ihm nicht gelungen, einen Oscar zu gewinnen, obwohl z. B. „Die Farbe Lila“ elfmal nominiert war. Die Kritik an „Die Farbe Lila“ bezieht sich auch vor allem auf die stark melodramatische Ausrichtung des Films und die Klischees, die damit verbunden sind. Spielberg eben, könnte man sagen, obwohl er ganz anders angefangen hat. Es geht aber auch um das „farbige Thema“, wie wir es wohl nicht wegen der Erwähnung einer Farbe im Titel genannt hat. Warum hat man den Film in Deutschland nicht „Die Farbe purpur“ genannt?

Celie und Shug laufen durch ein Feld mit lila Blumen und sinnieren darüber, ob Gott eitel ist oder nicht. Shug glaubt, Gott wäre „ziemlich sauer“, wenn er an der lila Wiese vorbeigehen würde, ohne sie zu bemerken. In dem Film, in dem sich eine junge Schwarze selbst befreit, spielt der Glaube eine große Rolle – die Farbe Lila entspringt der christlichen Symbolik und ist nicht zufällig gewählt.

Es könnte aber auch sein, dass sich das Lila gleichermaßen mit etwas verbindet, das in der Romanvorlage weitaus stärker hervortritt, aber in dem ohnehin schwierigen Film 1985 noch nicht in voller Breite ausgespielt werden konnte: Lesbische Liebe, dazu zwischen zwei Afroamerikanerinnen, die beide auf dem gewählten Titelbild zu sehen sind. Vielleicht also nicht des Soundings wegen, obwohl wir es schöner gefunden hätten. Ein afroamerikanisches Kino gab es in den 1980ern noch nicht, also nahmen sich Weiße der Rassenfrage an und meinten es sicher besser als wenige Jahrzehnte zuvor, indem sie People of Color in den Mittelpunkt rückten und überwiegend positiv darstellten. Das Publikum mag den Film immer noch und schenkt ihm 7,8/10. Whoopi Goldberg wurde durch dieses Werk zu einem der Stars der folgenden 1990er. Was mich wundert: Dass „Die Farbe lila“ nie in der IMDb-Top-250-Liste vertreten war. Das lässt darauf schließen, dass sich seine Rezeption im Lauf der Jahre eher verbessert, zumindest aber nicht verschlechtert hat. Eine neuere Sichtung des Films liegt vor und damit vermutlich auch ein Rezensionsentwurf, den wir als „Filmfest 641.1“ nachreichen werden. 90/100 würden es wohl nicht mehr werden, aber sicher über 80/100. Diese großen Filme ihrer Zeit im Kino mit entsprechender Begleitung anzuschauen, hatte etwas Magisches, das die Bewertungen nicht selten nach oben drückte und selbstverständlich suchten wir uns die Filme entsprechend aus.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Steven Spielberg
Drehbuch Menno Meyjes
Produktion Steven Spielberg,
Kathleen Kennedy,
Frank Marshall,
Quincy Jones
Musik Quincy Jones
Kamera Allen Daviau
Schnitt Michael Kahn
Besetzung

 

 

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