#Berlin #Love #Hate #Present #Past #Remember #November

Kultur Stadtleben | Berlin | Locations | Remember November

Finden Sie diese Tage auch wieder so seltsam, die Lage stressig, die Menschen sonderbar, das Leben merkwürdig?

Aber wir, die Menschen, können so vieles. Wir können schöne Sachen machen und Stadtlandschaften gestalten. Zum Beispiel.

Gestern Abend entstand das hier gezeigte Foto in meinem „Hauspark“. Kurz zuvor hatte ich eine nette Unterhaltung mit ein paar Allwetter-Tischtennisspieler:innen, die mich baten, ein Gruppenfoto von ihnen zu machen und mich einluden, doch mal mitzutun.

Ich dachte an die Zeit, in der ich tatsächlich immer mal wieder hinter der Platte stand. Vielleicht. Mal sehen. Es ist lange her. Ich hätte ja gerne auch noch die Jungs & Mädels in Aktion fotografiert, aber Sie wissen schon: die DSGVO. Ich bin kein Pressefotograf und hätte mir von jeder auf den Bildern zu erkennenden Person einzeln eine schriftliche Einwilligung besorgen müssen. Datenschutz. Quatsch, in diesem Fall. Es geht um Marginalisierung. Wieder einmal.

Wenige Minuten nach dem gezeigten Foto: Jagdszene. Pitbull mit krass blau leuchtendem Halsband jagt Kaninchen. Beide haben ein irrwitziges Tempo drauf. Der Hund brettert zwischen den Säulen durch, das Kaninchen schlägt Haken. Der Besitzer des Hundes und ich treffen aufeinander. Ich gucke kritisch. Besitzer: „Der kann dem Kaninchen nichts tun, er hat einen Maulkorb an.“ Ich: „Und wenn das Kaninchen einen Herzinfarkt bekommt?“ Was hätten wir einander noch sagen sollen, ohne mögliche Konfrontation? Aber ich verspürte ein Defizit und verspüre es immer noch. Mit einer Profi-Kamera hätte ich die Szene einfangen, sie vielleicht sogar bei einem Wettbewerb mit hintersinnigem Thema oder als hintersinniges Bild zu einem scheinbar profanen Thema einreichen können. Gut, dass ich keine Profi-Kamera, sondern nur das Handy dabei habe, wenn ich abends im Park bin. Gut, dass ich schon lange nicht mehr mit solchem Gerät fotografiere. Digital oder analog, 35-mm-Kleinbild oder mehr, Sie wissen schon.

Berlin hat ohnehin hunderttausende von Seiten. Bei Verwendung entsprechenden Equipments wären es Abermillionen von Ansichten. Von den Ohnehin-Seiten habe ich bisher nur einen Bruchteil gesehen, einen noch kleineren Bruchteil abgelichtet. Können Kaninchen, wenn sie gejagt werden, traumatisiert werden oder an Herzschwäche sterben? Ich erinnere mich an einen meiner ersten Schulaufsätze: Hasenjagd bei Hochwasser. Ich glaube, es ging für den Hasen gut aus, wegen des Hochwassers. Es muss so gewesen sein.

Rückweg. Vor dem Gerichtsgebäude hat jemand eine weiße Tulpe abgelegt, neben vier Stolpersteinen. Und eine Friedhofskerze leuchtet dazu. Vor drei Tagen war der 9. November. Ich zeige die kleinen Betonsteine mit Messingtafeln hier nicht. Das grelle Blitzlicht ist falsch und anders konnte ich sie nicht lesbar machen. Das wäre nur mit Profigerät möglich gewesen. Alle vier Personen, deren Namen auf den Steinen festgehalten wurden, haben an diesem Gericht gearbeitet. Wurden deportiert. 1942 oder 1943 in KZs ermordet. Einer der Steine ist zerkratzt worden, habe ich gerade gesehen. Ich konnte den darauf abgebildeten Namen auch bei hoher Vergrößerung nicht identifizieren. Am helllichten Tag gehe ich nochmal hin.

TH

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