Die Kalten und die Toten – Tatort 1178 #Crimetime Vorschau 14.11.2021, Das Erste, 20:15 Uhr #Tatort #Berlin #Rubin #Karow #RBB #kalt #tot

Crimetime Vorschau 14.11.2021 Titelfoto © RBB / ARD Degeto, Aki Pfeiffer

Im neuen Berliner Tatort mit dem Titel „Die Kalten und die Toten“ müssen die Hauptkommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) den brutalen Mord an einer Studentin aufklären und geraten dabei an eine Familie, in der Betrug, Lügen, Vertuschung und Empathielosigkeit zum Alltag gehören.

Dass Meret Becker beim Berliner Tatort aufhört und in niemand Geringerem als Corinna Harfouch eine Nachfolgerin gefunden hat, dürfte der Tatort-Gemeinde mittlerweile bekannt sein. Dass Tote auch kalt sind, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt nach dem Eintritt des Todes, ist ebenfalls kein Geheimnis. Aber sind die Kalten hier auch die Toten? Die obige Einleitung von Tatort-Fans lässt darauf schließen, dass diese Personenkreise nicht identisch sind. Und hier die Einschätzung der Redaktion dieser Tatort-Spezialseite:

Die Handlung zieht sich zäh hin, und dank der einfallslosen Dramaturgie überträgt sich die durchgängig depressive Stimmung Nina Rubins sofort auf die Zuschauenden. Da kann auch Tan Caglar in seiner Rolle als neuer Assistent der Kommissare nicht mehr viel retten, auch wenn er in seinen wenigen Szenen erfrischend spielt (…) Dennoch bleibt diese Folge weit hinter dem Anspruch an einen Hauptstadt-Tatort zurück, deshalb nur zwei Sterne.

Bemängelt wird auch, dass Mördern ja generell die Empathie fehlt. Das stimmt natürlich so nicht ganz, wir denken dabei an schräge Situationen und Typen, aber auch an Todesfälle, die nicht gewollt waren. Überschlägig ist in heutigen Tatorten die Tötung jedoch eine absichtliche, oft auch geplante Handlung. Die Sendetermine werden nicht nach aktueller Corona-Lage vergeben, es sei denn, Filme können wegen ebenjener Lage nur mit Verspätung gedreht werden und der Plan gerät durcheinander. Deswegen können wir der Versuchung nicht nachgeben, zu schreiben: Was für eine Lage haben wir bloß, und dann noch Nina Rubin depressiv? Oh je. Stattdessen forschen wir nach weiteren Stimmen zum Film. Zum Beispiel beim SWR-Krimicheck:

Sein großes Thema aber verpackt der Tatort aus Berlin in einen mäßig spannenden Krimi, den man von mir aus als gelungene Milieu-Studie beklatschen kann. Im Großen und Ganzen ist das auch unterhaltsam. Dafür ist die Stimmung aber extrem kalt und unnahbar. Genauso wie in der Sprache, da wird gebumst, gefickt, gevögelt und Arsch und Alter fliegen quer durch den Krimi. Das wirkt auf mich übertrieben großstädtisch. Ein interessanter Fall mit viel Sex und wenig Wärme – und zu wenig Krimi-Spannung.

Immerhin gibt es noch drei von fünf Elchen dafür, aber vielleicht ist in diesen Zeiten die Spannung auch gar nicht so wichtig? Das Leben (oder Überleben) ist derzeit spannend genug, da darf ein Tatort sich auch mal aufs Emotionale konzentrieren. Weiter geht es mit Jürgen Buß vom Spiegel:

Sex on Ice. Rubin und Karow teilen sich die gleiche Geschlechtskrankheit. Eine Studentin liegt nach einem Sexdate tot an einem vereisten Gewässer: Der Hauptstadt-»Tatort« ist ein weiterer Kälteschock-Krimi geworden.

Die Bewertungen werden indes immer wärmer, denn Buß kommt auf 7/10, Martina Kallweit von Tittelbach-TV auf 4 von 6 Sternen:

Ein Date zu dritt war das letzte Abenteuer der Medizinstudentin Sophia Bader. Nach der Identifizierung ihrer Leiche führt die Spur zu Dennis und Julia. Ein junges Paar, das sich wenig zu sagen hat. Rubin (Meret Becker in ihrem vorletzten Berlin-Tatort) und Karow (Mark Waschke) staunen nicht schlecht: Der Aktenberg von Dennis Ziegler verzeichnet mehrere Sexualdelikte, Brandstiftung und Körperverletzung. Kann es so einfach sein? Nein. Auch dieser „Tatort“ dauert 90 Minuten. In dieser Zeit pflegt „Tatort – Die Kalten und die Toten“ (Schiwago Film) das Klischee von Berlin als Babylon der Trieb-Getriebenen. Kein Platz für Wärme, Gefühl und Verbindlichkeit. Der verlässlichste Kompass für die Suche nach einem Rest von Normalität sind Rubin und Karow. Ausgerechnet Mark Waschke, sonst eher in der Rolle des kalten Kombinierers geübt, fungiert in der wendungsarmen, aber sehenswerten Psychostudie als Seismograf für kaputte Seelen. Schwieriger Part, fein gespielt. 

Die volle Begeisterung spricht aus keiner der Kritiken, aber sicher ist dies verständlich, bei einem Tatort, in dem es vor allem um Kalte und Tote geht. Meret Beckers zweitletzter Einsatz, heißt es hier, da waren wir uns nicht ganz sicher, deshalb haben wir eingangs nur geschrieben, dass ihr Ausstieg beschlossene Sache ist. Die Berliner Tatorte sind nach wie vor nicht ganz einfach, wenn auch lange nicht mehr so legendär schlecht wie vor Ritter und Stark und mit Ausnahme von Markowitz in den frühen 1990ern. Die Hauptstadt hat weiterhin mit der Suche nach ihrer Identität und einem Selbstverständnis jenseits der alten Gemütlichkeit und der Entwicklung hin zu einer – sic! – kalten Kommerzmetropole zu tun und das spiegelt sich auch in den Filmen.

Während die Faszination für den neuen Glanz in den Ritter/Stark-Tatorten manchmal recht banal und in ihrer Oberflächlichkeit auch sinnbildhaft war, versuchte man mit Rubin/Karow düsterer und härter zu werden und tiefer zu blicken, in den letzten Ritter/Stark-Fällen deutete sich das bereits an, deren U-Bahn-Fall „Gegen den Kopf“ gilt nach Ansicht der Nutzer:innen des Tatort-Fundus als bis heute bester Berlin-Tatort. Gegenwärtig steht er sogar auf Rang zwei aller jemals gedrehten Filme der Reihe. Die Entwicklung der letzten Jahre so zu gestalten, war durchaus sinnvoll, man soll sich in den Berlin-Krimis nicht wohl, nicht behaust fühlen, nicht mit Kommissar:innen kungeln oder kuscheln, sondern einen Wandel spüren, den im Wesentlichen das Großkapital und die OK gestalten, nicht aber die Normalbürger:innen und der auch dann allgegenwärtig ist, wenn die ausbeutenden Klassen nicht im Mittelpunkt der Handlung stehen. Zu Zeiten von Ritter und Stark haben wir gefordert, die Kieze kenntlicher zu machen, um diesem unpersönlichen Großstadtflair die Wirklichkeit vieler Menschen hier entgegenzustellen, aber aus heutiger Sicht ist die Meta-Ebene, die man jetzt erreicht hat (einer der Tatort von Rubin und Karow heißt auch „Meta“) eine akzeptable Weiterentwicklung.

Vielleicht sollte man künftig aber auch wieder die Gegenbewegung zeigen: Eine Zivilgesellschaft, die lebendig ist und sich zunehmend kämpferisch zeigt. Was man daraus alles an Verbrechen gegen ebenjene Zivilgesellschaft konstruieren könnte, das reicht für viele Jahre Berlin-Tatort. Das Knallige und Überbordende, das diese Stadt nach wie vor auszeichnet, kommt in den Tatorten generell zu kurz. Es wäre zumindest eine Abwechslung, eine Stilvariante.

TH

Handlung

Wochenende in Berlin: Auf der Suche nach einer unvergesslichen Nacht ziehen Partygänger und Feierlustige durch die winterlichen Straßen. Eine junge Frau findet über eine Dating-App in dem Paar Dennis Ziegler und Julia Hoff eine passende Verabredung. Am nächsten Morgen wird in der Nähe von Dennis‘ Wohnung eine Leiche gefunden. Ihr Gesicht ist entstellt, sodass eine Identifikation unmöglich erscheint.

Eine Vermisstenmeldung und ein anschließender DNA-Abgleich offenbaren den Kommissaren Nina Rubin und Robert Karow, dass es sich bei der Toten um die Medizinstudentin Sophia Bader handelt.

Als Rubin und Karow Marianne und Helmut Bader die Todesnachricht überbringen, bestreiten die Eltern, dass die Tote ihre Tochter ist und leugnen, dass sie Dating-Portale nutzte.

Zur Überraschung der Kommissare erscheinen Dennis Ziegler und Julia Hoff bei der Polizei. Sie erklären, dass sie sich nach einvernehmlichem Sex mit Sophia noch am selben Abend getrennt haben. Aber unschuldig scheint Dennis nicht zu sein. Eine dicke Polizeiakte bezeugt Vorwürfe von Brandstiftung, Körperverletzung und Vergewaltigung. Verurteilt wurde er aber nie.

Schnell steht der Verdacht im Raum, dass es seinen Eltern – der Streifenpolizistin Doris und dem Sicherheitsfachmann Claus Ziegler immer wieder gelungen ist, dem Sohn den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Und wieder scheinen die Finger der Eltern im Spiel, die Ermittler laufen gegen eine Wand. Rubin und Karow müssen drastische Methoden anwenden, um das Psychogramm der Zieglerschen Familie zu durchbrechen – und um zu verstehen, warum Sophias Eltern den Tod ihrer Tochter so vehement bestreiten.   

Besetzung und Stab

Rolle Darsteller
Nina Rubin Meret Becker
Robert Karow Mark Waschke
Doris Ziegler Jule Böwe
Claus Ziegler Andreas Döhler
Dennis Ziegler Vito Sack
Julia Hoff Milena Kaltenbach
Malik Aslan Tan Caglar
Hanne Schenkler Elisabeth Baulitz
Marianne Bader Andreja Schneider
Helmut Bader Rainer Reiners
Katrin Hoff Florentine Schara
Nam Chung-Hee „Jack“ Heinrich Berger
Dienststellenleiterin Susann Toni Wagner
Mutter Ellen Müller
Max Sebastian Freigang
Frank Thomas Bartholomäus
Junger Mann Florian Maria Sumerauer
Mann Fabian Stumm
KTU’ler Dario Neumann
Sophia Bader Laura Sophie Warachewicz
Musik: Warner Poland
  Wolfgang Glum
Kamera: Theo Bierkens
Buch: Markus Busch
Regie: Torsten C. Fischer

 

 

 

 

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