Chance auf Wohneigentum schrumpft (stark), Halbierung innerhalb von 11 Jahren | #Frontpage #Mieten #Wohnen | #Eigentum #Oben #Unten #Mietenbewegung #Mietende #Statista #Grafik #Wohneigentum

Frontpage | Mieten, Wohnen, Eigentum | Immer weniger Mietende haben Chance auf Eigentum

Finden Sie auch, dass der gestern geschlossene Ampel-Koalitionsvertrag bezüglich des Schutzes der Mietenden sehr schwach ausgefallen ist? Wir finden, es wird Zeit, dass wir uns wieder an der Diskussion beteiligen.

Zugegeben, wir wollten erst einmal abwarten, was bezüglich der Sozial- und Wohnungspolitik bei der neuen Koalition herauskommen wird. Diejenigen, die schon vor der Wahl der Ansicht waren, von einer Ampel sei allenfalls ein wenig Klimapolitik auf Kosten der Ärmeren zu erwarten, lagen leider richtig. So ist das, wenn die FDP das Ergebnis dominiert und die anderen sich einseifen lassen und angeblich unverrückbare rote Linien geradezu erleichtert aufgeben. Wir werden also eine Fortsetzung der massiv negativen Tendenz sehen, die in der folgenden Grafik dargestellt ist. Sie ist vor allem der Immobilienblase zu verdanken, die Eigentum viel schneller teurer werden lässt, als die Gehälter der Menschen steigen. Glauben Sie deshalb auch nicht der sogenannten Volkspartei CDU und den Immobilienlobbyisten in dieser Partei:

Nichts, was gegen die Mieter:innen von dieser Setie inszeniert wird, ist dazu gedacht, Selbstwohnen zu fördern, sondern dient dem Großkapital. Lassen wir uns also nicht in solche spalten, die mehr oder weniger dicht an einer Eigentumswohnung oder einem kleinen Haus dran sind, sondern bedenken wir, wie die letzten zehn Jahre unter der GroKo gelaufen sind und dass geldpolitisch nicht einmal in Ansätzen etwas sichtbar ist, was diese Tendenz bremsen oder gar umkehren könnte. Die Jüngern im Mittelstand verliert genauso an Boden wie die Armen immer mehr um ihre Existenz kämpfen müssen. Es sei denn, ein größeres Erbe ist zu erwarten, das ist natürlich ein Gamechanger. Trotzdem nimmt die Kaufkraft für Immobilien über alle derzeitigen Mieter:innen-Haushalte gerechnet stark ab.

Hier geht’s zur Statista-Grafik und zum nachstehenden Begleittext

In Deutschland haben immer weniger jüngere Haushalte die Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis einer Berechnung von empirica, veröffentlicht im jüngsten LBS-Marktbericht (PDF-Download) über Wohnimmobilien. Hierfür wurden die regionalen Kaufpreise den regionalen Einkommen und Ersparnissen gegenübergestellt. Demnach hatten im Jahr 2020 nur noch 241.000 Mieterhaushalte im Alter zwischen 30 und 44 Jahren die Chance, Wohneigentum zu erwerben. Vor zehn Jahren hingegen waren es noch rund doppelt so viele. Der entsprechende Anteil an allen 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalten in Deutschland ist im selben Zeitraum von 8,7 Prozent auf 4,8 Prozent gesunken. Die meisten Interessenten scheitern laut LBS-Bericht nicht am Einkommen, sondern an der Eigenkapital-Hürde.

Besonders in den Großstädten Deutschlands wie München oder Stuttgart sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zu den Städten mit den höchsten Kaufpreisen für Eigentumswohnungen gehören regelmäßig München, Freiburg im Breisgau sowie Stuttgart. Ähnlich sieht es bei den Kaufpreisen für Ein- und Zweifamilienhäuser aus. In München kostet ein Quadratmeter Wohnfläche aktuell ca. 6.200 Euro. Weitere Informationen finden Sie im Statista Dossier Wohnimmobilien. Im Fokus der Datenerhebung stehen Kaufpreise, Mieten sowie Kennzahlen zum Neubau/Leerstand auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt.

Wir stehen der extremen Ausprägung der Eigentumsideologie in Deutschland, die sich in sehr vielen Normen und auch in der Rechtsprechung niederschlägt, ohnehin skeptisch gegenüber. Sie verleitet unter anderem viele Kleinbesitzfetischisten dazu, das Eigentumsrecht über andere Grundrechte zu stellen, was so nicht vorgesehen war und jederzeit geändert werden könnte, ohne die Prinzipien des Grundgesetzes zu verletzen. Die neue Ampel möchte tatsächlich 100.000 Sozialwohnungen pro Jahr bauen lassen, also am anderen Ende etwas tun, aber ohne die Wiedereinrichtung der Gemeinnützigkeit ist das nur eine Art Durchlauferhitzer, der per Saldo weitere Wohnungen „kapitalmarktverwertbar“ macht, gegenwärtig gegen 70.000 bis 80.000 gebundene Wohnungen in Deutschland verloren. Der Mieterschutz kommt ebenfalls nicht voran, es wird keinen Mietenstopp geben, nur eine Verschärfung der ohnehin wirkungslosen, weil nirgends bisher durchgesetzten Mietpreisbremse und eine stärkere Kappung, die in Berlin jedoch ohnehin schon beinahe in der zu erwartenden Form umgesetzt ist (Bestandsmieten: Erhöhung von bis zu 11 Prozent innerhalb von drei Jahren, abhängig vom Mietspiegel, bisher 15 Prozent).

Außerdem wird das, was die Ampel macht, ebenso negative Auswirkungen auf die Möglichkeit der Vergesellschaftung haben wie das, was gerade in der Berliner Stadtkoalition läuft. Da wird auf den verschiedenen Ebenen von den kapitalnahen Parteien weitaus mehr zusammengearbeitet, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, wir werden die Effekte dieses abermaligen Schlags gegen Mieter:innen demnächst ausführlicher beschreiben. Aber eines unterschätzt die Politik: Die Macht der Mietenbewegung, die in Berlin die mit Abstand größte soziale Bewegung geworden ist. Denn je weniger Menschen sich Eigentum leisten können, desto mehr sind sie geneigt, auf die Seite dieser Bewegung zu treten, je mehr Träume zerplatzen, desto mehr wird sich der Frust des meinungsstarken Mittelstands auch auf der Straße zeigen.

Es kann sogar sein, dass u. a. aufgrund der in der Grafik dargestellte Entwicklung sogar die Eigentumsquote in Deutschland insgesamt aufgrund dieser Entwicklung abnehmen wird. Das ist eine Enteignung, die von oben nach unten organisiert wird.

Zeigt es sich bei den nächsten Wahlergebnissen, was die Menschen davon halten? Die rot-grün-rote Berliner Stadtkoalition kommt in Umfragen seit einigen Wochen und erstmals seit ihrem Start 2017 nicht mehr auf eine absolute Mehrheit. Das ist zu einem nicht geringen Teil der Kaltstellung von „Deutsche Wohnen enteignen“ geschuldet, die man sich zu genehmigen gedenkt. Vor allem die Linke und die SPD werden vom Ärger der Stadtgesellschaft betroffen sein. Die einen, weil sie DWenteignen zuerst unterstützten und dann nicht schützten, weil sie um jeden Preis weiterregieren wollten, die anderen, weil sie so weit wie möglich alles blockieren, was Mietenden hilft und traditionell gut Freund mit der privaten Bauwirtschaft sind. Dies unter anderem hat dazu geführt, dass die SPD schon bei der AGH-Wahl im September zum zweiten Mal hintereinander ein historisch schlechtes Ergebnis einfuhr.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage, dass die Mieten weiter steigen werden und die Mietenden immer seltener Aussicht auf Eigentum haben, werden wir vier heiße Jahre sehen. Dann wird wieder gewählt und die Mietenden werden nicht die einzigen sein, die bis dahin gemerkt haben werden, dass sie von der Ampel wie auch von der RGR-Regierung in Berlin an der Nase herumgeführt wurden. Formal progressive Identitätspolitik ist kein Ersatz für soziale Teilhabe, auch das werden immer mehr Menschen registrieren. Die Machtverhältnisse werden sich nicht zugunsten der Mehrheit ändern, die Vermögensverhältnisse ebenfalls nicht. Das, was wir jetzt sehen, sit kein Aufbruch, sondern allenfalls wird das eine oder andere neu gelabelt.

Die FDP hat es sogar durchgekriegt, dass die Superreichen, die massiv von der Umverteilungspolitik nach oben profitieren, im wörtlichen Sinne nicht einen Cent mehr beisteuern müssen, um einen leistungsgerechten Ausgleich für die Kapitalmarktflutung sicherzustellen, die nun schon seit der Banenkrise anhält und vor allem konservative Branchen wie die private Immobilienwirtschaft zu immer neuen Höhenflügen treibt.

Die Entwicklung, die wir in der obigen Grafik sehen, wird sich fortsetzen, wenn sich nicht ohne größeres Zutun der Ampel makroökonomisch massiv etwas ändert. Oder, wenn die Menschen nicht endlich zusammenfinden und massiv ihren Protest organisieren. „DWenteignen“ hat vorgemacht, wie es geht. Darauf kann nun weiter aufgebaut werden, gleich, ob die Politik wieder einmal den Willen der Bevölkerung missachtet. Holen wir uns die Stadt endlich zurück? Freiwillig wird die Politik nichts tun, was über Symbolhandlungen hinausgeht. Falls der Klimaschutz wirklich funktioniert, wird er unter diesen Umständen komplett zulasten der Ärmeren gehen, die ohnehin einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck haben als die präpotente scheingrüne Wählerschicht, nach der offenbar alle drei Parteien gieren. Immerhin, Cannabis wird legal. Damit kann man sich dann jeden Tag gesetzestreu high machen, um die soziale Wirklichkeit nicht mehr so zu spüren. Passt schon. Auch die Tatsache, dass Corona derzeit wieder alle anderen Themen wieder überlagert, kommt den Wahlbetrügern des Jahres 2021 erst einmal zugute, so paradox das angesichts der Lage klingen mag, weil die Menschen erst einmal diese konkrete Situation überstehen wollen, aber diese lässt sich auch mit noch so augenfällig miesem Management nicht über die vier Jahre bis zur nächsten Wahl ziehen.

TH

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s