UPDATE 13 #Corona: 74.000, 450 und andere Horrorzahlen, EMA lässt BionTech-#Impfung für Kinder ab 5 Jahren zu | #Frontpage Corona #Lage | Zwei Landkreise mit Inzidenz von mehr als 1.500

Frontpage | Corona Lage | Weitere Höchstmarken in Deutschland

Gestern ist der Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung vorgestellt worden. Auch über dieses antisoziale und in Teilen unrealistische Werk müssen wir noch sprechen, aber erst einmal muss diese Ampel des sozialen Grauens, die inhaltlich von der FDP dominiert wird, Corona in den Griff kriegen. Da Corona auch ein soziales Problem geworden ist, sind wir sehr gespannt, wie das funktionieren wird. Derweil wieder die neuesten Kernzahlen:

  • vorgestern wurde mit über 73.000 Neuinfektionen (Nachmeldung Donnerstag, 25.11.2021: noch einmal ein Anstieg auf 75.900 am gestrigen Tag) der bisher mit Abstand höchste Level an Neuinfektionen in Deutschland einem einzigen Tag erreicht, demgemäß stieg die Inzidenz bundesweit auf ca. 450,
  • erstmals während der vierten Welle kam es zu mehr als 300 Todesfällen an einem Tag,
  • die Zahl der Intensivpatienten mit Corona in Deutschland überschritt gestern die 4.000er-Marke,
  • die Zahl der Corona-Toten in Deutschland liegt nun bei über 100.000. Das Bild des Tages ist ein schlichter Kiefernsarg, der in ein Krematorium geschoben wird.
  • Mittlerweile gibt es 29 Landkreise mit einer Inzidenz von über 1.000, als wir diese Zahl zuletzt thematisiert haben, das ist erst wenige Tage her, waren es 14, zwei Kreise in Sachsen liegen jetzt über 1.500, vier weitere im Südosten der Republik dicht darunter.
  • Berlin könnte das erste Bundesland mit sinkender Inzidenz werden, ohne zuvor ein absoluter Hotspot gewesen zu sein, sie stieg in den letzten sieben Tagen nur noch um 4 Prozent. Also hoffen wir für unsere Stadt das Beste, ein Bezirk hat sogar wieder eine Inzidenz von unter 200. Warum jedoch unser eigener Wohnbezirk ständig zu jenen in Berlin mit der höchsten Inzidenz zählt (die höchste Todesfallzahl innerhalb von Berlin hat er schon lange), ist ein Gegenstand, der untersucht werden sollte.
  • Soeben erreichte uns die Eilmeldung, dass die EMA die Impfung von Kindern ab fünf Jahren mit BionTech zugelassen hat.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht gegeben für die Zulassung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer/Biontech für Kinder ab fünf Jahren in Europa. Das teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Es wird der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen wird. Kurz darauf trendete bereits #KinderdurchseuchungStoppen bei Twitter.

Kurz zuvor hatten sich die deutschen Intensivmediziner:innen bzw. das Präsidium von deren Verband Divi in einer einstimmigen Erklärung für die Impfpflicht für Erwachsene ausgesprochen, obwohl damit die vierte Welle nicht mehr zu brechen sein wird, dafür käme die Pflicht viel zu spät. Offenbar rechnet man aber mit weiteren Wellen oder einem sehr viel längeren Auslaufen der vierten Welle, wenn sich diesbezüglich nichts tut. Derweil warnt Christian Drosten vor weiteren 100.000 Toten.

Die Zahl für Deutschland weicht von der RKI-Zählung (ca. 73.500 Fälle) leicht nach oben ab)

Deutschland könnte endlich bald wieder Weltmeister sein, der Abstand zu den USA bezüglich der absoluten Zahl an Neuinfektionen wird immer kleiner, aber die USA haben viermal mehr Einwohnende als Deutschland. Applaus an die Politik und an die Covidioten? Sicher nicht. Wir sind nach der gestrigen Testung froh, dass es uns noch nicht erwischt zu haben scheint.

Wir denken nur noch von Tag zu Tag und begegnen im öffentlichen Raum immer mehr Menschen, die auffällige Verhaltensweisen zeigen, welche man nur mit psychischer Überlastung erklären kann. Die Spätfolgen des fatalen Corona-Managements und eines sehr großen Anteils an Spinnern in diesem Land werden uns noch beschäftigen, selbst dann, wenn tatsächlich im nächsten Frühjahr die letzte große Welle zu Ende gehen sollte und nicht eine neue Corona-Variante alles wieder auf Anfang setzt. Erinnern Sie sich noch an Aussagen wie „Eine Pandemie dauert 18 Monate“?

Das kam von sogenannten Wissenschaftlern, wir dachten damals schon: Ist nicht jeder Jeck und ist nicht jedes Virus anders? Wieso haben manche „Wissenschaftler“ eine Glaskugel und viele Kolleg:innen nicht? Ach ja, es wurde so viel Blödsinn erzählt, das lässt sich gar nicht mehr auf angemessenem Raum zusammenfassen. Angesichts der beinahe ungehinderten Verbreitung des Virus hierzulande könnte eine neue, noch ansteckendere Variante gut ihren Ursprung hier haben und wir werden froh sein, dass sie Epsilon- und nicht Germany-Variante genannt werden wird (falls es sie nicht schon gibt, dann weiter im griechischen Alphabet), denn das, was abläuft, hat auch jetzt schon gigantisches Fremdschäm-Potenzial und verursacht unendliches Leid, das zu weiteren Traumen in einem seit Langem und nun auf sehr offensichtliche Weise hochgradig traumatisierten Land führen wird.

Weil die DACH-Staaten mit dem Dachschaden solch ein interessantes Untersuchungsthema in Bezug auf die Pandemie sind, hier weiteres Futter für die Meinungsbildung darüber, warum Deutschland, Austria und die Chweiz in West- und Mitteleuropa so negativ herausragen. Schwierig zeigt sich dabei allerdings der Vergleich dann doch, weil zwischen Deutschland und Österreich einerseits und der Schweiz auf der anderen Seite auch erhebliche gesellschaftsstrukturelle Unterschiede bestehen. Auf der genau anderen Seite steht Gibraltar mit einer Impfquote von nicht weniger als 100 Prozent (aller Menschen oder nur derjenigen ab 18 Jahren?). Anhand der Zahlen aus diesem Mini-Dominion innerhalb des Vereinigten Königreichs haben die Schwurbler einmal mehr bewiesen, dass sie Zahlen nicht richtig interpretieren können. Deswegen haben wir auch Probleme mit der „Basel-Studie“ insofern, als behauptet wird, dass vor allem der akademische Mittelstand, meinungsstark wie er ist, die Leugner-und-Verweigerer-Szene dominiert. Es sei denn, der Begriff akademisch sei als das zu definieren, was man bei uns heutzutage unter Studium versteht: Eine verlängerte Schulzeit, die aber nichts mit einer gezielten Weiterentwicklung des Denkens in Zusammenhängen und der Analysefähigkeit einhergeht. So gesehen, kann man das aktive Wahlrecht ruhig auf das Lebensalter von 16 Jahren absenken oder noch weiter, viel ändern wird das an der Qualität der politischen Meinungsbildung der Wahlberechtigten nicht.

TH

Frontpage | Corona Lage | 74.000 Neuinfektionen, Inzidenz 450

Unser zwölftes „Nach-Sommer-“ oder „Vierte-Welle-Update“, also unser 13. Artikel seit September 2021 wird das bisher faktenreichste werden. Gestern haben wir uns über die Totengräber des Gesundheitssystems geäußert, heute liegt der Akzent auf den üblichen, aber auch auf einigen weniger häufig behandelten Tatsachen zum Tage.

Wir beginnen die Vertiefung mit einer interessanten Grafik, die Statista soeben erstellt hat, nämlich derjenigen der Bundesländer mit den meisten Intensivfällen. So überraschend ist es zwar nicht, dass die Bundesländer mit der höchsten Inzidenz auch die meisten dieser Fälle aufweisen, aber es erklärt, warum gerade z. B. im bevölkerungsreichen Bayern die medizinische Versorgung bereits an die Grenzen gestoßen ist: Der Anteil an Intensivpatient:innen liegt noch einmal erheblich höher als der Bevölkerungsanteil.

 

Hier geht’s zur Infografik und zum folgenden Begleittext

Die fünf Bundesländer mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz liegen laut Angaben des Robert Koch-Instituts allesamt im Südosten der Republik. Am höchsten ist sie aktuell mit fast 1.000 in Sachsen. Entsprechend sind dort auch die Intensivstationen besonders voll. Der Freistaat stellt laut Intensivregister zwölf Prozent (Stand: 23.11.2021, 08:05 Uhr) der deutschlandweiten Corona-Intensivfälle – dabei leben dort nur 4,9 Prozent der Bundesbürger:innen. Ähnlich ausgeprägt ist dieses Ungleichgewicht in Bayern, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt.

Wir bleiben noch ein wenig bei den Intensivfällen. Die Zahl ist zwar derzeit (Stand 19.11.2021) noch geringer als auf dem Peak der dritten Welle, aber wir erinnern uns an dieser Stelle bitte daran, dass aufgrund Personalmangels mittlerweile weniger Intensivbetten zur Verfügung stehen als damals:

Frontpage | Corona Lage | Gesundheitsökonomie und Corona, Kliniken, Mitarbeitende, Gesundheitsminister der Ampelkoalition

Unser heutiges Corona-Update beschäftigt sich im Wesentlichen nicht mit den aktuellsten Fakten, die sind sowieso beschissen. Die Inzidenz in Deutschland kratzt an der 400er-Marke, in Sachsen liegt sie bei fast 1.100, die Steigerung der Inzidenz in den einzelnen Bundesländern betrug in den vergangenen sieben Tagen (14.11. bis 21.11.) zwischen 14 (Berlin) und 66 Prozent.

Update im Update, weil wir den Artikel einen Tag später posten als geplant: In Berlin stagniert die Inzidenz jetzt erstmals, das ist natürlich gut, aber die Gesamtlage in Deutschland ändert sich dadurch nur unwesentlich, außerdem könnte dieses Verharren auf die relativ warme Witterung der letzten Tage zurückzuführen sein.

Weiteres In-Update: Hier gibt es eine Petition, mit der man dagegen unterschreiben kann, dass die FDP in der Ampel das Gesundheitsministerium übernimmt. Viele wollen derzeit stattdessen dezidiert Karl Lauterbach, aber dazu unten noch eine kleine Anmerkung.

Bereits vor Tagen war uns ein Artikel bei unserem Mailpostfachanbieter aufgefallen, der auch ein Nachrichtenportal hat (wie die meisten Mailprovider) und darin wurde ein Gesundheitsökonom namens Reinhard Busse interviewt. Sie wissen nicht, was ein Gesundheitsökonom ist? Sehen Sie, das fängt’s schon an. Dann kennen sie einen der einflussreichsten neuen Berufsstände in diesem wunderlichen Land nicht. Diese Menschen durchleuchten das Gesundheitssystem danach, wie man es am besten ökonomisieren kann. Implizit: Nicht vorrangig danach, wie man die Versorgung verbessern kann.

In diesem Artikel fordert Herr Busse, die Zahl der Kliniken in Deutschland von derzeit 1.900 auf lediglich 500 Großkrankenhäuser zu verringern. 160.000 Einwohner = 1 Krankenhaus, so ist die Rechnung. Für unsere sehr flächige Heimatstadt würde das ein einziges Großklinikum bedeuten; die Stadt hat zwar nur 5 Prozent der Einwohner von Berlin, aber ein Viertel von dessen Fläche. Einen Notfall vom einen Ende der Stadt zum anderen zu bringen, ist je nach Tageszeit, auch wegen der schwierigen Verkehrssituation mit vielen engen Nadelöhren, in nur wenig kürzerer Zeit möglich als innerhalb von Berlin.

Heute trenden „KeinliberalerGM“ (Gesundheitsminister) und der Name „Kubicki“ auf Twitter. FDP-„Urgestein“ Wolfgang Kubicki hat sich gegen Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery gestellt und es könnte passieren, dass die Liberalen in der neuen Ampel das Gesundheitsministerium besetzen.

Was hat das mit Gesundheitsökonomie zu tun.

Die Liberalen sind genau diejenigen, die solche Einflüsterer mögen, die dafür sorgen, dass das System in der Fläche immer mehr zerstört wird. Das wirklich tolle Argument: Nur Super-Kliniken haben das technische Gerät für eine erstklassige Versorgung. Für viele Behandlungen braucht man dieses Gerät aber nicht und wenn doch, kann eine Verlegung erfolgen. Es dürfte klar sein, dass die Zahl der Betten bei einer Beinahe-Viertelung des Krankenhausbestands ebenfalls zurückgehen dürfte, gerade im Moment sieht man, wohin das führen kann.

Das Argument ist aber auch, dass zeitweilig zu viel, zu lange stationär behandelt wird.

Ich schwöre, in dem gesamten Artikel kam nicht einmal der Grund dafür vor. Dies ist das Ergebnis davon, dass Interviewer die falschen Fragen stellen und Lobbyisten sich darüber freuen, dass sie die Wahrheit kaschieren dürfen. Der Begriff der Fallpauschale fällt tatsächlich nicht ein einziges Mal. Niemand zweifelt mittlerweile noch daran, dass für Fehlbelegung vor allem diese neoliberale Idee der Ökonomisierung verantwortlich ist. Es wird nicht mehr nach bester Möglichkeit behandelt, sondern danach, wie eine Klinik eine möglichst hohe Zahl von Fallpauschalen einfahren kann, denn sie muss ja heutzutage nachweisen, dass sie „ökonomisch funktioniert“, also mit Patient:innen auch noch Gewinn machen kann, als seien Krankenhäuser nicht Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Auf diese Weise korrumpiert man die Ärzteschaft auf eine bisher nie gekannte Weise. Es war ein liberaler, etwas nerdig und daher nicht so gefährlich aussehender Gesundheitsminister namens Philipp Rösler, der die vier Jahre Mitregierung der FDP von 2009 bis 2013 genutzt hat, um diese Ökonomisierung wesentlich voranzutreiben, die Anfänge gehen aber auf das Jahr 1996 zurück und wurden unter der sozialfeindlichen rot-grünen Koalition weitergeführt. Auch nach dem schwarz-gelben Intermezzo wurde sie nicht zurückgenommen, sondern durch Politiker wie Jens Spahn weiter gefördert.

Auch Karl Lauterbach war nicht immer so besorgt um die Gesundheit aller, wie es jetzt wirkt, sondern ebenfalls ein Verfechter der „Komprimierung“ des Systems. Das vergessen diejenigen gerne, die jetzt Angst vor einem neoliberalen Gesundheitsminister (bzw. einer Ministerin) haben. Damit das nicht vergessen wird, posten wir mal einen Tweet von Lauterbach aus dem Jahr 2019, also gar nicht so lange vor Corona.

Als er sich seinerzeit um den SPD-Vorsitz bewarb, der dann an Esken und Walter-Borjans ging und wir das Team Lauterbach / Scheer für eine gute Idee hielten, hatten wir das nicht im Blick, dass auch Karl, der nunmehr Polarisierende, damals das neoliberale Lied sang. Vor allem dieses „jeder weiß“ ist ein typischer rhetorischer Kniff, den wir nicht sehr schätzen, wenn es um derlei umstrittene Themen geht wie die Ausdünnung der Krankenhaus-Infrastruktur zugunsten einer kleinen Ansammlung von hochgradig finanzialisierbaren Großkliniken.

Dass die von ihm zitierte Bertelsmann-Stiftung vor allem neoliberales Gedankengut in die Welt trägt und ihre Studien entsprechend anlegt, ist auch kein Geheimnis. Die Gefahr, dass jemand Experte ist, wie Lauterbach in Sachen Pandemie, ist, dass nicht mehr wahrgenommen wird, was er sonst noch auf der Agenda hat.

Das ändert nichts daran, dass Lauterbach jetzt überwiegend richtig liegt mit seinen Mahnungen, aber man muss immer sehen, warum herrscht so viel Panik im Gesundheitssystem? Eine der Antworten ist der enorme Druck, den die Politik auf die Beschäftigten dort ausübt und das wird schön unter den Tisch gekehrt, wenn eine Sonderlage wie die derzeitige entsteht.

Besser ist es auf jeden Fall, geimpft zu sein, da haben Lauterbach & Co. recht, aber wenn es denn zur Hospitalisierung kommt, dann ist der über Jahrzehnte geschaffene Notstand auch das Werk vieler Politiker:innen, die meinten, das Gesundheitssystem sei doch eine prima weitere Einnahmequelle für das Finanzkapital. Ein gut gemanagtes System, das nur kostendeckend arbeiten, aber keine Gewinne abwerfen muss, kann nicht schlechter im Service sein oder gar teurer als eines, aus dem zusätzlich die Profite für Kapitalanleger:innen herausgepresst werden müssen.

Zurück zum Interview.

Krass fand ich auch Busses Aussage, Kliniken „verschwänden“ durch Zusammenfassung zu Konzernen. Die übe 80 Standorte des größten deutschen Krankenhauskonzerns namens Helios, von denen auch welche in Berlin angesiedelt sind, werden also jetzt alle zu einem zusammengefasst, wenn man das pointiert zusammenfassen soll, dadurch würde ein Kliniksterben lediglich suggeriert. Was für ein Blödsinn. So etwas kann man nur zum Besten geben, wenn man davon ausgeht, dass das lesende Publikum sich weder mit der Wirtschaft, noch mit dem Gesundheitswesen auskennt. Außerdem widerspricht er sich mit dem 500-Häuser-Argument in dieser Hinsicht selbst, denn demgemäß müssten auch die Einheiten der Privatkonzerne konsequent gestrippt werden. Doch entspricht das dem Drang zur Erschließung neuer Finanzquellen für das Kapital?

Was ist die offenbar umstrittene Fallpauschale?

Für jede genau definierte Erkrankung und ihre Behandlung im Rahmen stationärer Klinikaufenthalte sind bestimmte pauschale Beträge festgelegt, die die Klinik erstattet bekommt: die Fallpauschalen. Sie werden unabhängig von der Verweildauer der Patienten in der Klinik gezahlt.

Kalkuliert werden diese Fallpauschalen, indem die Bandbreite an Verweildauern bei der entsprechenden Erkrankung in verschiedenen Krankenhäusern ermittelt wird. Zur Kostenerstattung wird dann die mittlere Verweildauer aus dieser Bandbreite herangezogen.

Dass damit der individuellen Fallgestalt nicht Rechnung getragen werden kann, ergibt sich schon aus dieser einfachen Beschreibung, aber das System hat unzählige Probleme und die wurden mittlerweile auch gut aufbereitet. Unter anderem geht es darum, dass dem Pflegenotstand damit nicht wirksam begegnet werden kann, dass die erwähnten Privatkliniken gefördert werden, die auch noch Gewinn für Aktionär:innen oder Betreiber-Gesellschafter:innen abwerfen müssen, ganz der übliche Weg, Menschen so zu finanzialisieren, dass noch Rendite für „Investor:innen“ herausgequetscht werden kann, selbst dann noch, wenn Ärzt:innen um deren Leben ringen.

Daher nochmal zum Mitlesen und Einprägen: Die Versorgung kann auf diese Weise nicht besser sein kann als mit der früheren Selbstkostendeckung, in der nach realer Verweilzeit und Einzelleistungen abgerechnet wurde und die eben nicht auf Gewinn ausgerichtet war, sondern auf eine Sicherung der vollen Funktionsfähigkeit von Krankenhäusern. Ausnahme: Reiche, die sich jede teure Behandlung individuell erkaufen können, ganz im Sinne des FDP-Klassismus. Es ist das gleiche unmenschliche Prinzip, das hier findet, das auch andere Bereiche der Daseinsvorsorge immer dysfunktionaler werden lässt: öffentliche Verkehrsmittel, die Wohnungsbewirtschaftung, die Versorgung mit Energie usw., selbst das Bildungswesen wird mittlerweile (wie etwa in Berlin) mithilfe von öffentlich-privaten Partnerschaften, die den Staat auf lange Sicht mit horrenden Mehrkosten konfrontieren und sachfremden Einflüssen Tür und Tor öffnen, für den Kapitalmarkt konfektioniert. Kurioserweise unter einer rot-grün-roten Stadtregierung und natürlich denkt man sich: Wie wird das erst mit einer Bundes-Ampel, bei der anstelle der Linken noch die FDP mitmacht?

Überlegen wir, wie bei einem so neuen Bild wie der mit Hospitalisierung verbundenen Corona-Infektion eine nach Mittelwerten abgerechnete Fallkostenpauschale funktionieren soll. Die Erfahrungswerte reichen noch gar nicht aus, um eine sachgerechte Einschätzung zu ermöglichen, deswegen sind ja für die Kliniken auch Sondermittel zur Verfügung gestellt worden. Doch auch diese konnten bisher nicht dafür sorgen, dass der Stress am Arbeitsplatz in den Kliniken abnahm.

Das Beste an dem Interview aber ist die Verortung des Herrn Busse. Ich musste richtiggehend lachen, als ich diese Pflichtangabe gelesen habe.

Worum geht es dabei? Um die Charité?

Die Berliner Forschungslandschaft und Medizin sind schon gut, aber was ist die Charité? Ich habe nichts gegen sie, wurde selbst schon dort behandelt, aber sie ist natürlich auch ein Großklinikum, das auf jeden Fall von der Umstrukturierung auf riesige Versorgungszentren profitieren wird. Und dort ist Busse Mitglied im Fakultätsrat, also nicht etwa neutral. Das muss heutzutage sowieso immer geprüft werden, wenn Menschen sich öffentlich äußern, auch und gerade Wissenschaftler: Welche Verbindungen haben sie zur Wirtschaft? Welche Interessen sind im Spiel? Diese Einwirkung und diese Abhängigkeiten sind ebenfalls von den Neoliberalen so gewollt, damit die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre verloren geht und damit die Kritik seitens der Wissenschaftler:innen an Politik und Wirtschaft verstummt.

Ist die Konzentration nicht wenigstens besser für die Ausbildung der Ärzt:innen, wie Busse ebenfalls erklärt?

Das sagt Busse zwar, aber die Ausdünnung des Angebots wird auf jeden Fall auch zu weiteren Personalrückgängen führen, neben der weiteren Verödung des ländlichen Raums, einem weiteren Zuzug in die Großstädte natürlich, der wiederum die Gentrifizierung fördert, während weiter draußen die Lichter endgültig ausgehen, aber diese isolierte Betrachtungsweise ist typisch für Ökonomen aller Art, die nicht die Auswirkungen ihrer Ideen über einen eng begrenzten „Fach“-Bereich hinaus im Blick haben. Das Thema ist mit diesem Artikel nicht abschließend zu behandeln. Wir müssen hier jedoch aus Zeitgründen stoppen. Nur so viel: Ärzt:innen, die Fachausbildungen abschließen wollen, sind gut genug aufgestellt, um dafür auch die geeigneten Orte zu finden. Busse tut so, als ob mittelgroße Kliniken in kleineren Städten Hospitäler auf dem Stand des 19. Jahrhunderts wären und malt, um seine Erzählung zu stützen, ein überaus düsteres Bild von der Ausstattung und auch von der Qualifikation der Mitarbeitenden.

Dazu sollte es eine Untermauerung mit Zahlen geben, die belegen, dass diese Häuser tatsächlich so miserabel arbeiten, wie Busse behauptet, inklusive erhöhter Todesfallzahlen bei Patient:innen. Dieses Zahlenwerk wird aber zumindest in diesem lobbygeneigt wirkenden Interview nicht angeboten und selbstverständlich drücken Zahlen über Technik und Personalstand nicht aus, wie es um die Arbeitsatmosphäre, die Führungskultur, die Motivation, den wichtigen Zusammenhalt der Mitarbeitenden in einer Klinik bestellt ist. Es ist überall so, dass qualitätsrelevante Kausalitäten bestehen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, wenn man sich Eckdaten eines Unternehmens anschaut, aber dort, wo das Arbeitsethos eine besonders wichtige Rolle spielt, in der Medizin, ist eine Einflussgröße, ob Menschen, die täglich Leben retten und andere heilen, sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, konzentriert und motiviert zu Werke gehen können, besonders wichtig und kann über Leben und Tod von Patient:innen entscheiden. Mehr Wertschätzung seitens der Politik und Menschen nicht überwiegend als Pauschalfälle betrachten würde dabei ungemein helfen.

Es ist hingegen eine Binsenweisheit, dass die beste Technik nichts nützt, wenn das Personal frustriert ist und den Hut nimmt, das sehen wir ja gerade. Dies wiederum liegt daran, wie in den letzten Jahrzehnten das Gesundheitssystem „ökonomisiert“ wurde, zulasten der Patient:innen und der Mitarbeitenden. Der Pflegenotstand, die Ausdünnung des medizinischen Angebots auf dem Land, die ständige Überlastung der Menschen, die in Kliniken tätig sind, das alles ist ein Phänomen, das Neoliberale und „Gesundheitsökonomen“ nach Kräften fördern. Wenn es so weitergeht, wird Deutschland das letzte Land sein, das noch dieser menschenfeindlichen Philosophie folgt, die woanders längst erfolgreich hinterfragt wurde. Nicht verwunderlich, bei dem Mangel an Empathie, der in diesem Land herrscht und der auch zu einer Fehleinschätzung der tatsächlichen Folgen der Kahlschlag- und ausschließlichen Politik für Kapitalinteressen führt.

TH

Frontpage | Corona Lage | Neue Höchstwerte, Rekordinzidenz, Österreich, Niederlande

Haben Sie etwas gemerkt? Wir haben unsere Corona-Berichterstattung gestreckt, der letzte Lagebericht ist nun drei Tage alt. Der Grund ist nicht, dass es nichts zu erzählen gäbe, sondern, dass wir Sie und uns etwas schonen wollten. Denn die Lage ist nicht nur weiterhin kritisch, sie wird immer schwieriger, und um das zu verdeutlichen, zitieren wir dieses Mal direkt:

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut auf einen Höchststand gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 362,2 an (Vorwoche: 277,4, Vormonat: 80,4). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 63.924 Corona-Neuinfektionen, 18.843 mehr als eine Woche zuvor. Zudem wurden 248 Todesfälle verzeichnet, 20 mehr als am Freitag der Vorwoche.

Vor drei Tagen hielten wir ca. 53.000 Neuinfektionen an einem Tag als Spitzenwert fest. Nie hätten wir für möglich gehalten, dass es bei uns zu solchen Ansteckungszahlen kommen kann, sie liegen um mehr als 50 Prozent höher als auf dem Höchststand der 3. Welle im Dezember 2020. Dass Deutschland nicht weltweit die höchsten Zahlen hat, liegt nur daran, dass in den USA die Ansteckungsrate auch wieder zunimmt. In Relation zur Bevölkerungszahl ist sie aber deutlich niedriger als hierzulande, gestern kam es zu 111.000 Neuinfektionen. Derweil ist klar geworden, dass es auch in den Niederlanden viele gewalttätige Covidioten gibt, obwohl das Land eine Inzidenz von 735 hat. Inzwischen wurde es zu einem der berüchtigten „Hochrisikogebiete“ erklärt. (Erklärt ein Risikogebiet ein anderes Risikogebiet zum Hochrisikogebiet … über den Witz kann man kaum noch lachen). Österreich toppt derweil mit einer 7-Tage-Inzidenz von 1.050 alle anderen. Es gibt derlei hohe Werte aber auch in Deutschland, und zwar im Süden und Südosten:

In unserem letzten Bericht haben wir die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von über 1.000 in Deutschland mit 8 beziffert, jetzt sind es 14, dabei wechseln sich bayerische und sächsische Kreise an der Spitze ab. Nachdem es zwischenzeitlich nach einer Beruhigung aussah, wissen wir nun auch, dass es sich lediglich um eine Verschnaufpause handelte: Zwei Landkreise, einer in Bayern und einer in Sachsen, erreichen bereits Inzidenzwerte von über 1.500.

Aber in Österreich gibt es Hoffnung, wie der nebenstehend (bei Handys: obenstehend) abgebildete Tweet zeigt. Die Impfungen springen an. Warum wohl? Weil man nicht mehr nur auf guten Willen setzt. Ein Lockdown für Ungeimpfte ist eine tolle Motivation, um es endlich anzugehen und das Maulheldentum aufzugeben.

Dafür soll Wien heute eine große Querdenker-Demo bekommen. Es ist ein wenig wie bei uns in Berlin, wer was zu melden hat, sucht die Hauptstadt heim, und seien es Covidioten und Nazis. Nur ist es bei uns wohl häufiger und es nervt nur noch.

Hohe Inzidenzwerte führen nicht mehr zu so vielen Todesfällen wie in der dritten Welle vor einem Jahr, dank des tragfähigen Impfstatus der Bevölkerungsmehrheit. Aber 248 Tote pro Tag, wie gestern, sind zu viel und die Intensivstationen sind in manchen Gegenden überlastet. Haben Sie gestern das spektakuläre Foto von einer Klinik in Bayern gesehen, vor der Krankenwagen dicht an dicht standen, um Patientenverlegungen durchzuführen?

Das ist ein unhaltbarer Zustand, und, nein, die Intensivbetten wurden während Corona nicht „abgebaut“, sondern die Mitarbeitenden verabschieden sich in großer Zahl aufgrund von Erschöpfung. Es gibt zwei hauptsächliche Schuldige an der katastrophalen Lage. Wenn wir das so schreiben, müssen wir sie der Klarheit wegen benennen: Politiker, die kein Krisenmanagement können und Covidioten, die die Lage absichtlich verschärfen. Ein Lockdown wird kommen, das ist absehbar, und wir sind nicht dafür, dass er alle gleichermaßen betrifft. Wir sind nicht dafür, dass Geimpfte die Last der anderen wieder einmal vollständig mittragen müssen.

Wir kommen uns auch schon fast vor wie Papageien, aber wir wollen uns nicht mit RKI-Chef Lothar Wieler oder Christian Drosten vergleichen, deren Worte als Fachleute Gewicht haben sollten. Kritisch sehen wir, dass so eine Art Mahner-Riege aufgestellt wird, in die sich auch Gesundheitsminister Jens Spahn einreihen darf, als sei er nicht mitverantwortlich für die verpeilte Coronapolitik in Deutschland. Und bezüglich der Impfpflicht, und gelte sie nur für Mitarbeitende im Gesundheitsbereich, schiebt er die Verantwortung auf eine wirklich einmalig sackige Weise an die Ampel weiter: Falls die Ampel sie beschließe, werde er sich nicht entgegenstellen, auch wenn sie noch unter seiner Ägide normiert werden müsste. Das idiotische Anfangsversprechen, es werde nie zu einer Impfpflicht kommen, ist ihm immer noch wichtiger, als einzugestehen, dass er und so viele in der Politik die Lage völlig falsch eingeschätzt haben, während das RKI schon im Juli, „als noch kaum jemand den Begriff kannte“, eine Vorbereitung auf Booster-Impfungen forderte.

Der Buhmann für die Querdenker:innen wäre bei einer Impfpflicht die neue Regierung, während sich die Union als nunmehr Opposition scheinheilig von deren Notmaßnahmen absetzen kann, die nur ergriffen werden müssen, weil die bisherige Regierung nicht konsequent genug gegen die Pandemie vorgegangen ist. Andererseits hätte besonders die FDP mit ihrem falschen Freiheitsverständnis genau diese Volte verdient, denn aus der Oppositionsrolle heraus lässt sich leicht gegen das Front machen, was man, wenn man einen Regierungsauftrag für sich definiert, bald darauf selbst umsetzen muss.

Das Gefühl, dass die Lage sich etwas beruhigen könnte, war leider trügerisch, aber wie auch, es wurden bislang keine wirksamen Maßnahmen getroffen und wenn es draußen noch kälter wird, was die Verbreitung des Virus bekanntlich fördert, werden auch die Zahlen weiter steigen. Es sei denn, man macht es doch: Alle, bei denen es gesundheitlich vertretbar ist, müssen zum Impfen antreten oder alle werden wieder mal eingesperrt.

TH

Frontpage | Corona Lage | Booster und steigende Zahlen

Gestern hatten wir Sie mal in Ruhe gelassen und kein Corona-Update geschrieben. Heute sitzen wir mit einem Erkältungstee neben uns zu Hause. Nein, es war keine Corona-Infektion, der Test war negativ, nur der jährliche Hustenschnupfen, aber wir wollten niemanden anstecken, deswegen früher als sonst mittwochs Nachdenken über uns und die Pandemie, an einem mega-grauen Novembertag und angesichts wieder einmal neuen Rekordzahlen.

  • 52.896 ist der neue Höchstpegel der Corona-Flut.
  • Die bundesweite Inzidenz liegt bei 320.
  • Die Zahl der Bezirke, die eine Inzidenz von weniger als 300 gemeldet haben, liegt in Berlin nur n och bei 3, gestern waren es 4, vorgestern 5.
  • Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Der Rekordhalter, jetzt eine andere Gegend in Sachsen, liegt „nur“ bei 1.300, gestern waren es noch 1.360 für einen anderen Landkreis.

Es sieht aus, als könnte die STIKO nun bald Booster-Impfungen für alle über 18 empfehlen. Wie nicht anders zu erwarten, geht nun eine weitere Diskussion oder Subdiskussion zu Corona in die Startlöcher: Ist es ethisch vertretbar, hier schon die dritte Impfung anzubieten, während anderswo in der Welt viele Menschen noch auf die Erstimpfung warten?

„Es gibt immer noch zu viele Menschen, die noch nicht einmal die erste Impfung bekommen haben, vor allem in Ländern, wo der Zugang zu Impfstoffen begrenzt ist. Natürlich kann man sagen, dass es deshalb sinnvoll wäre, zunächst diese Menschen zu impfen, anstatt hier bereits Drittimpfung durchzuführen. Nichtsdestotrotz haben wir eine vierte Welle in Deutschland und gerade ältere Menschen und vulnerable Gruppen müssen weiter geschützt werden,“ sagt Professor Luka Cicin-Sain, Leiter der Abteilung Virale Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

Wir schrieben vor nicht allzu langer Zeit, dass uns Christian Drosten mit seinem „Mein Booster geht erst einmal nach Afrika“ nachdenklich gemacht hat. Mittlerweile steigen die Zahlen in Deutschland immer weiter und irgendwer muss die Verantwortung für die Impfneurotiker:innen übernehmen, die sich gar nicht impfen lassen wollen. Das könnten zum Beispiel diejenigen sein, die sich boostern lassen, um sich und andere noch besser zu schützen. Außerdem ergibt das ethische Argument gegen das Boostern nur dann einen Sinn, wenn die überzähligen Dosen tatsächlich und so früh wie möglich nach Afrika gehen und nicht hier vernichtet werden müssen, was bekanntlich bereits vorkam, als ihre Haltbarkeit ablief. Ein weiteres Problem ist, dass afrikanische Staaten extrem wenige Neuinfektionen melden. Wir ahnen, dass es an einer schlechten Erfassungsquote liegt aber wissen tun wir’s nicht und können daher auch nicht entscheiden, wo zuerst geholfen werden müsste. Nur in Europa steigen die offiziellen Fallzahlen und auch die Todesfallzahlen derlei weiter an, und wo besonders stark?

Kein Wunder, dass die Frage aufkommt, ob die DACH-Staaten einen Dachschaden haben. Liegt es an Rudolf Steiner und den nach seinen Prinzipien verfahrenden Waldorfschulen, den Anthroposophen, wie heute im Spiegel gemutmaßt wird, oder an den Spätfolgen der deutschen Romantik, oder an den kollektiven Traumata des 20. Jahrhunderts, die auf jede Fall bleibende Spuren hinterlassen haben? Letzteres war eine Überlegung von uns, die wir in einigen Beiträgen bereits angesprochen haben. Allerdings erklärt diese Zuschreibung nicht die noch niedrigere Impfquote in der Schweiz, die davon nur am Rande betroffen ist, das müssen wir zugeben, obwohl uns noch niemand auf diese mögliche Schwäche in unserer Argumentation hingewiesen hat. Zwischendurch haben wir gelesen, dass die gute Impfkampagne in Portugal von einem Armeeoffizier geplant und durchgeführt wurde, der sich auch für die Rhetorik „Krieg gegen das Virus“ nicht zu schade war. Vielleicht ist das doch die Sprache, die auch hierzulande immer noch am besten verstanden würde, würde man sie einsetzen? Nicht, wenn auch nur einer der oben angedeuteten Gründe die tatsächliche Ursache für die horrende Zahl von Impfgegner:innen ist. Der Effekt einer solchen Herangehensweise könnte sogar negativ sein, außerdem hat Kanzlerin Merkel bis an die Grenzen ihrer zurückhaltenden Rhetorik immer wieder auf die Gefahren aufmerksam gemacht und für besseren Schutz und starke Maßnahmen gegen Corona geworben.

Vielleicht wird es nicht ohne Zwang gehen, und das würde eine weitere schwere Zukunftshypothek bedeuten, selbst, wenn kaum jemand ernsthafte Nebenwirkungen durch die zwangsweise verabreichten Impfungen haben wird. Schwere Krankheiten, die früher so viel Leid verursachten, wurden durch Pflichtimpfungen komplett in den Griff genommen. Für Corona würde das vorerst nicht vollständig gelten und wie bei der Grippe müsste immer wieder nachgeimpft werden, vermutlich mit an neue Varianten angepassten Impfstoffen. Aber wollen wir weiterhin 300 Todesfälle pro Tag riskieren, wie aktuell wieder? Es ist nun einmal so, dass diese Gesellschaft es nicht von alleine schafft und die logische Folgerung kann nur sein, dass dies auch auf anderen Gebieten gilt: Freiwilligkeit in Sachen Umweltschutz und auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet ist Quatsch, hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.

Es gibt immer eine Minderheit, die sämtliche Anstrengungen der Mehrheit, ein besseres Leben für alle betreffend, so gut wie möglich zunichtemachen wird. Es geht nur mit Regeln. Mit Regeln, an die sich alle halten müssen. Davon gibt es bisher schon unzählige und es sind immer wieder dieselben Leute, derselbe Typ, der sie durchbricht, wie gerade wieder der seltsame CDU-Jungpolitiker Philipp Amthor mit seiner Raserei und anschließend auch noch Lügnerei. Wir haben heute deshalb mal ein Nicht-Corona-Thema als Tweet abgebildet.

Die Parteien, denen diese Politiker angehören, tragen eine große Mitschuld daran, dass die Gesellschaft auseinanderfällt und natürlich und ausschließlich daran, dass das Vertrauen in die Politik immer stärker nachlässt. Haben wir darüber schon im Zusammenhang mit Corona gesprochen? Dann tun wir es hier: Abnehmendes Vertrauen in die Politik schwächt die Kraft von Appellen seitens der Politik und macht mehr Zwang notwendig. Ist das so gewollt? Mindestens ist es ein Nebeneffekt der zahlreichen Fails, die sich die Politik seit vielen Jahren leistet und des ganz offensichtlichen Mangels an Ethik in der Politik. Damit haben wir nun schon vier Gründe zusammen, warum es bei uns so blöd läuft. Suchen Sie sich einen aus, sagen Sie, es ist eine Kombination aus mehreren, aber die Relevanz des bewussten Gegeneinander-Ausspielens durch die Politik und die Wirtschaft als Ursache für viele Probleme ist nicht wegzudenken.

Gleichzeitig resignieren Fachpolitiker der Linken, wir haben nicht zufällig einen Amthor-Link von Fabio De Masi abgebildet, weil die (Lage der) eigene(n) Partei und das gesamte Umfeld es nicht mehr ermöglichen, im Bundestag gute Arbeit zu machen. Und alle müssen es aushalten, dass die Schwurbelei weitere Spaltungen erzeugt und Gräben in der Gesellschaft vertieft.

Fast jeden Tag, der an diesen dummen grauen Novemberhimmel kommt, gibt es einen Polittalk zu Corona und äußern sich Menschen in den Medien, immer wieder kommen Querdenker:innen mit längst widerlegten Argumenten daher. Eigentlich macht das alles nur noch müde, und da wir eh gerade nicht Topform sind, fangen wir auch nicht an, alles zu rekapitulieren, was sich in den letzten Tagen diesbezüglich wieder ereignet hat. Es kostet ja auch Kraft.

Aber einen bisher nicht behandelten Gegenstand wollen wir noch kurz anreißen, ohne ihn heute ausführlich behandeln zu können, wir schreiben nicht einmal eine eindeutige Meinung auf: Ist es richtig, dass die Medien diesen Alternative-Fakten-Menschen immer wieder eine Bühne geben oder sollte das künftig vermieden werden? Können sie sich darauf berufen, dass sie ebenso vertreten sein müssen wie diejenigen, die sich für Gesundheitsschutz aussprechen? Wenn man von der aktuellen Impfquote (70,2 Prozent der Menschen in Deutschland haben mindestens einen Pieks bekommen) ausgeht, wäre fast jede dritte Stelle bei Podiumsdiskussionen mit Impfgegner:innen zu besetzen. Aber dürfen die Medien zulassen, dass auf diese Weise immer weiter jene verunsichert werden, die sich nicht schlüssig sind und dürfen die Todesfallzahlen wegen der anhaltenden Schwurbeleien immer weiter steigen? Hier geht es nicht mehr nur um Meinungen und die Freiheit, sie zu äußern, sondern auch um Verantwortung einerseits, um Irreführung und Manipulation andererseits. Bisher haben wir uns nur zur allgemeinen Handlungsfreiheit geäußert, zur Rechtsgüterabwägung zwischen ihr und dem Leben.

Wir sind noch dabei, darüber nachzudenken, was dies nun auch für den Medienbetrieb bedeuten könnte Ja, es ist anstrengend, immer wieder dagegenzuhalten. Wir können sagen, es verbessert auch unsere eigene Argumentationstechnik. Aber wie ist es mit jenen, die nur auf solchen Quatsch warten, von dem sie sich bestätigt fühlen und kein noch so vertrauenswürdiger Hausarzt, der Impfungen anbietet, kann etwas dagegen tun? Schreiben Sie uns, wenn Sie dazu schon eine klare Meinung haben oder, wie wir, am Grübeln sind, wir werden das auf jeden Fall aufgreifen.

TH

Frontpage | Corona Lage | Die Freiheit und ihre Grenzen

Heute machen wir’s aus Zeitgründen etwas kürzer, aber wir stellen einen kurzen Filmausschnitt voran, der heute auf Twitter für Furore gesorgt hat. Darin kommt im Prinzip nichts Neues vor, aber weil die Person nicht aus Deutschland ist, die dort spricht und so authentisch wirkt, hat das, was sie sagt, vielleicht noch einmal einen anderen Impact, als wenn hierzulande Politiker:innen, die sich bereits in der Krise unglaubwürdig gemacht haben, die x-te Corona-Warnung ausgeben.

Die Zusammenfassung ist in Wirklichkeit schon sehr alt und auch einige Linke könnten sich in der aktuellen Lage daran erinnern, dass es ihre wohl größte Politikerin war, die vor über 100 Jahren gesagt hat: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit der anderen beginnt“. Das heißt, Freiheit muss ausgemittelt werden uns ist ein Kompromiss, kann niemals absolut sein, sonst haben wir das leider viel zu weit gediehene Modell, dass z. B. die wirtschaftlich Stärkeren, für welche die heutige FDP existiert, gnadenlos auf anderen herumtrampeln können.

Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Verfassungsrecht hat oder auch bloß ein Gefühl dafür, was Demokratie wirklich ist, was Zusammenleben bedeutet (das Wort Solidarität nehmen wir schon gar nicht mehr), weiß, es ist genau so, wie es in dem eingebetteten Statement gesagt wird: Freiheit muss zwangsläufig auch Rechtsgüterabwägung sein, sonst kommt es permanent zu Kollisionen, es muss Prioritäten geben und selbstverständlich können sich diese in einer so dramatischen Lage wie jetzt ändern.

Wie es aussieht, wenn einige dies nicht verstanden haben, sieht man bei uns, es wird immer konfrontativer, denn die Mehrheit hat es schlicht satt, sich weiter von einer A*********-Minderheit am Nasenring durch die Pandemie-Manege ziehen zu lassen. Unser Corona-Test ist heute zum Glück negativ verlaufen, aber wir haben nicht vor, dieses Prozedere jeden Tag zu wiederholen, nur, weil zu viele Spinner noch immer in der Öffentlichkeit herumrennen, die einfach nicht kapieren, worum es geht. Zum Beispiel dies:

  • Die Gesamtinzidenz in Deutschland liegt jetzt über 300, vor einer Woche lag sie noch bei 200.
  • Einzelne Landkreise brechen jeden Tag neue Rekorde, der Spitzenwert steht jetzt bei 1.300 im sächsischen Erzgebirge, auch in Bayern liegen mehrere Landkreise über 1.000.
  • In Berlin reicht die Inzidenz von 439 bis 241, nur zwei von zwölf Bezirken haben heute leicht sinkende Zahlen ausgewiesen, in den übrigen steigen sie teilweise rapide.
  • Sowohl betrieblich wie politisch haben wir den Eindruck, die Lage wird immer noch nicht ganz verstanden, jedenfalls, ist das, was hier als „faktischer Lockdown für Ungeimpfte“ beschrieben wird, eben genau das nicht, seit Schnelltests wieder kostenfrei sind. 3G ist kein Lockdown, wie man es auch dreht und wendet und außerdem angesichts der miserablen Organisation und allfälligen Personalmangels nicht kontrollierbar. Wer soll das z. B. in den überfüllten Berliner U-Bahnen tun?

Die Freiheit hat Grenzen. Diejenigen, die glauben, sie befänden sich in einem Freiheitskampf, weil das persönliche Verhalten in Sachen Corona komplett disponibel sei, erschweren denjenigen den Kampf um die wirkliche Freiheit, die sich seit vielen Jahren dafür einsetzen, dass der Staat sich nicht immer weitere Durchgriffsrechte sichert. Damals hat man von den heutigen Covidioten überhaupt nichts zur Sache gehört, weil betrifft mich nicht, ist mir zu kompliziert, kann man nicht genug Wind damit machen, whatever. Aber sich jetzt als Speerspitze des Widerstands gerieren, das ist einfach nur gruselig. Denn es rechtfertigt, dass die Politiker so argumentieren: Freiwillig geht der Abwehrkampf gegen Corona nicht, er kann, er darf, er muss erzwungen werden.

Wir haben uns übrigens an dieser Stelle noch nicht für eine Impfpflicht ausgesprochen. Wir folgen aber den grundsätzlichen Erwägungen zur Freiheit, die einige Scheindemokraten nicht verstehen. Klar, dass darunter viele Rechte sind und viele Neoliberale. Aber vor allem Linke, die auf solche Spins einsteigen, sollten die Stimmigkeit ihrer Gedankengänge dringend und mit voller Ehrlichkeit überprüfen. Von ihnen erwarten wir in dieser Lage mehr als von Menschen, die sowieso als Generalegoisten bekannt sind.

TH

Frontpage | Corona Lage / Impfdebatte jetzt erst recht | weiter steigende Fallzahlen

Wir beginnen mit dem 7. Update Nach-Sommer-Update in Sachen Corona eine neue Artikel-Staffel, zu den Updates 1 bis 6 und zum Ausgangsartikel geht es hier.

Gestern erschien in der Berliner Zeitung ein für diese Publikation merkwürdiger Artikel, der „Schluss mit der Impfdebatte“ heißt. Vieles, was Corona-Leugner und Impfgegner seit eineinhalb Jahr verbreiten, ist darin enthalten, sogar auf den schusseligen Verkehrstote-vs.-Coronatote-Whataboutismus hat der Autor zurückgegriffen

Aber Beendigung der Impfdebatte als vernünftig zu bezeichnen, das regt uns eben doch auf, denn gerade dies ist unvernünftig, und zwar unabhängig vom Ausgang oder der Weiterentwicklung der Debatte. Das hätten die Impfverweigerer natürlich gerne, dass die Mehrheit endlich die Klappe hält, das wird aber nicht stattfinden. Sie gehen uns auf die Nerven, wir nerven jetzt zurück. Das war der Hauptgrund, warum wir die Corona-Berichterstattung in vorliegender Intensität wieder aufgenommen haben, dieses permanente Anderen-auch-noch-auf-den-Geist-gehen der Covidioten und von Prominenten, die sich nicht entblöden, ebenfalls immer profaner und rudimentärer zu werden, während ständig die Neuinfektions- und Todeszahlen steigen.

Empathielos sein oder wie bewusst manipulativ auch Journalisten teilweise in dieser ernsten Lage für die Bestätigung der freidrehenden Covidioten sorgen, darum scheint es einen Wettbewerb zu geben. Bringt es diesen Publikationen neue Leser:innen? Dieses Mal war der Beitrag immerhin für alle einsehbar, anders als Sahra Wagenknechts Einlassungen bei der Springerpresse das üblicherweise sind (siehe Update 6). Wir hatten schon überlegt, ob wir eine Punkt-für-Punkt-Widerlegung durchführen, denn die Argumente in der Berliner Zeitung sind teilweise so banal, dass es für eine Replik darauf kein virologisches Fachwissen braucht. Anders sieht es mit dem heutigen Video „Impfpflicht ist ok“ von Mai Thi („MaiLab“) aus, das wir nebenstehend eingebettet haben. Dazu haben wir auch eine Gegenargumentation fotografiert, weil es uns wichtig ist, dass der mittlerweile auf keiner Seite mehr neutrale Ton durch ein Darstellen von Gegenargumenten etwas mehr runtergefahren wird, von denen einige immerhin bedenkenswert sind. Es ist ein bisschen schwierig, wenn Vernunft so alarmistisch dargeboten wird, wie das derzeit auf allen Seiten zu beobachten ist. Dann sollte man sagen: Man kann Emotionen und Vernunft nicht gegeneinander stellen, sondern muss bei Entscheidungen Bauch, Herz und Verstand gleichermaßen berücksichtigen. Ja, schwierig, besonders in einem Land, in dem Menschen oft keinen Kompass für Empathie und den konstruktiven Einsatz von Gefühlen haben.

Es gibt natürlich nie ein komplettes „nur so oder so“, aber wir sind weiterhin der Ansicht, dass Impfen besser ist als nicht.

Klar ist die Aussicht nicht witzig, alle paar Monate einen Booster zu brauchen, wir erinnern uns noch gut an die Nebenwirkungen der ersten Impfung und gleich, wie man „Langfristwirkungen“ definiert, es kann heute noch gar nicht ausgeschlossen werden, dass es welche gibt, weil die Impfstoffe erst seit einem Jahr auf dem Markt sind. Das jetzt komplett abstreiten zu wollen, ist u. E. nicht hunderprozentig seriös. Doch eines ist ebenfalls richtig. Angesichts von Milliarden Impfungen weltweit mittlerweile sind auch Nebenwirkungen, die innerhalb eines Jahres eintreten können, mittlerweile sehr gut dokumentiert und wären nicht hinterm Berg zu halten, wenn sie exorbitante Ausmaße annehmen würden.

Seit am Freitag haben wir Erkältungssymptome. Reaktion in Zeiten vor Corona: Mist, hoffentlich müssen wir nicht zu Hause bleiben, aber klar, mehrfach durch den strömenden Regen gelaufen, mit dem Rad durchgefahren, sich bei offenem Fenster einen Zug geholt, angesteckt, whatever, einmal pro Jahr muss das, oder auch zweimal. November 2021: Hoffentlich ist es nicht DAS. Am Montag wissen wir dann mehr, wenn wir vor Arbeitsantritt getestet wurden. Eine gewisse Unsicherheit eingeschlossen, die Genauigkeit der Schnelltests betreffend.

Die Lage verunsichert und treibt auch manche Menschen langsam in den Wahnsinn, das verstehen wir gut und sind auch im Moment nicht perfekt positiv drauf. Gerade deshalb haben wir heute didaktisch operiert, mit These und Antithese vielleicht nicht direkt, aber mit Einwänden. Wir waren bis vor kurzem auch gegen 2G, aus Solidarität mit den Ungeimpften, auch wenn sie diese nicht verdient haben. Doch mittlerweile würden wir sogar 2G-Plus bevorzugen. Wir sind noch nicht für eine generelle Impfpflicht, aber für eine solche bei Berufsgruppen, die mit anderen Menschen sehr eng zusammentreffen, besonders im Gesundheitswesen. Sollten wir uns jetzt bei einer ungeimpften Person angesteckt haben, werden wir vermutlich einigermaßen gut durchkommen, aber war es notwendig? War es nicht. Ärgern wir uns dann? Allerdings.

In Berlin liegt die Inzidenz jetzt über 300, das trifft auf sieben von zwölf Bezirken zu und dazu gehört auch unser Wohnbezirk. Der Bezirk, in dem unsere Arbeitsstelle liegt, ist noch knapp unter 300. Wir können nicht einfach tun, als sei das alles nicht wahr. Wir können auch nicht ignorieren, dass die Inzidenz bei Ungeimpften wesentlich höher ist. Nun könnte man Mai Thi natürlich mit einer gewissen Böswilligkeit an mindestens einer Stelle antworten: Na und, wenn sich alle Ungeimpften anstecken, sind sie nachher bei den „2G“ und einige sterben: selbst schuld. Aber sie reißen eben auch andere mit, belegen Intensivbetten, die dann nicht mehr für Nicht-Corona-Fälle zur Verfügung stehen, fordern die gesamte Logistik aufs Äußerste. Das schreiben wir nicht erst seit heute. Das meiste aus dem Video wussten wir vor diesem aktuellen Appell, der es ja doch ist, welcher von der Stelle „MaiLab“ kam. Wir sind halt Freund:innen der Sonne. Selbstverständlich gibt es auch von uns heute Fakten zur Verdeutlichung.

Lassen Sie sich bei „Dr. Lockdown Viehler“ nicht von der roten Nase beirren und möglicherweise auch nicht von den vier Spritzen, auf Twitter ist manches doch immer noch etwas anders als im realen Leben. Das heißt aber nicht, dass dort nur Uninn verbreitet wird, denn auch die Leitmedien zeigen dort ihre Nachrichten und viele meinungsstarke Personen sind unterwegs, die manchmal richtig liegen.

Derweil macht man sich nicht nur Gedanken über die ohnehin beängstigend hohen Fallzahlen, sondern auch über die in Deutschland vermutlich sehr hohe Dunkelziffer. Warum die bei uns so hoch liegen könnte? Wir stehen weltweit auf Platz 80 bei der Durchtestung, die von den Coronaleugnern anfangs auch heftig kritisiert wurde. Davon hört man jetzt interessanterweise kaum noch etwas. Aber wo zu wenig getestet wird, laufen halt viele Menschen herum, die sich angesteckt haben, ohne schwere oder auch nur eindeutig zuzuordnende Symptome zu haben und niemand merkt etwas. Deshalb muss die Maskenpflicht leider bleiben.

Erinnern Sie sich noch an die Morgellons und ähnlichen Blödsinn? Sogar die Schutzmasken standen im Verdacht, Menschen umzubringen. Coronaleugner verteufeln schlicht alles, was uns schützen könnte, psychologisch haben wir versucht, das gestern (Update 6) anhand zweier bekannter Personen etwas mehr zu hinterfragen.

Nach diesem Artikel müsste Deutschland in Wirklichkeit ca. 10 Millionen Infizierte haben, nicht, wie offiziell angegeben, 5 Millionen, aber das sei nicht schlimm, solange sich die Undercover-Rate nicht grundsätzlich ändere, heißt es zunächst. Logisches Problem, gerade, weil auch mal wieder die Geimpften in Regress genommen werden: Durch das Impfen könnte sich die Nichtentdeckungs-Quote demnach negativ verändert haben. Im weiteren Verlauf des Artikels wird darauf auch hingewiesen.

Eine Einschränkung muss bei den Testzahlen sein: In manchen Ländern sind sie so hoch, dass möglicherweise auch Schnelltests erfasst wurden, vor allem in kleineren Ländern ist das besser dokumentierbar als bei uns. Hierzulande werden nur PCR-Tests in der Statistik berücksichtigt. In Berlin darf man übrigens für PCR-Tests ganz schön tief in die Tasche greifen, wie man hier sehen kann. Sicherlich gibt es Staaten, die im Sinne des Infektionsschutzes allen Bürger:innen kostenfrei PCR-Tests anbieten, zumindest in gewissen Abständen.

Was wir ebenfalls schon erwähnten:. Die 2G-Plus-Regel, sofern nicht ein Lockdown erfolgt. Sie soll jetzt offenbar Standard werden:

Die Bundesregierung verschärft nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ die bisher vorgesehenen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. So werde im überarbeiteten Infektionsschutzgesetz nun auch eine 2G-Plus-Regelung für Veranstaltungen aufgenommen, berichtete die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf die ihr vorliegenden Änderungsentwürfe. Damit könnten bestimmte Veranstaltungen nur noch von Geimpften und Genesenen mit einem zusätzlichen negativen Coronatest besucht werden.

So schnell ändern sich die Maßnahmen, wenn die Voraussetzungen sich ändern. Und immer noch nicht schnell genug. Positiv ist zu vermerken, dass die Impfzahlen wieder steigen. Auch in Österreich hat 2G dazu geführt, dass einige es sich doch noch einmal überlegt haben, ohne dass eine Impflicht ausgesprochen werden musste und wir ticken nun einmal ähnlich, ob es der einen oder anderen Seite gefällt oder nicht. So viele wie in den Sommerwochen 2021, in denen wir dachten, es könnte noch alles gut werden, weil die Menschen vernünftig sind, damals gab es bis zu 1,4 Millionen Impfdosen pro Tag, die verimpft wurden, werden es nie wieder sein, aber jeder Anstieg ist ein Erfolg. Aus der zweiten nebenstehenden Grafik erklärt sich, warum das so wichtig ist.

Auch wenn die ursprünglichen Zahlen von 94 oder 95 Prozent genereller Schutz bei den mRNA-Impfstoffen sich als zu hoch erwiesen haben, schwere Verläufe, Hospitalisierungen, gar Todesfälle können in der abgebildeten Altersgruppe, der wir angehören, wie wohl die meisten unser Leser:innen, beinahe vollständig bermieden werden. Bei Menschen ab 60 Jahren sind es immer noch 93 Prozent, wobei eine Rolle spielt, dass darin auch Hochbetagte eingeschlossen sind, die generell anfälliger sind, wenn sie erkranken.

Nun noch eine Nachricht, die uns daran erinnert, dass uns künftig tatsächlich alle paar Monate eine Corona-Impfung ins Haus stehen könnte, wenn die Lage sich nicht ändert oder der Impfschutz nicht verbessert wird. Boostern wirkt!

Die nachfolgende Grafik, ist sie historisch, für die Ewigkeit? Oder muss das Farbschema nochmal geändert werden, um auch Inzidenzen von über 1000, 1500, 2000 sichtbar zu machen? In Österreich gibt es Gegenden mit derlei hohen Inzidenzwerten. Dort wurde jetzt der Lockdown für Ungeimpfte beschlossen. Wäre interessant zu sehen, wem wir dann alles nicht mehr so häufig begegnen würden, falls das auch bei uns käme. Auf der Karte sieht man auch schön, wie dort, wo die Impfraten hoch sind, die Inzidenz sich noch einigermaßen in Grenzen hält. Das nun erweiterte Farbschema gibt die Unterschiede trotzdem unvollkommen wieder, sie betragen zwischen den Gegenden mit den niedrigsten Werten und denjenigen mit den höchsten mehr als 2.000 Prozent, das wäre am besten mit einer linearen Abstufung von Tiefgrün bis Tiefrot darzustellen, wie Excel sie für Tabellen anbietet.

Eine Spitze können wir uns nicht schenken: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ist hochgradig besorgt über die vielen Neuinfektionen in seinem Land und die vielen Todesfälle. Die AfD als Partei der Coronaleugner versucht indes, ihre dort so zahlreiche Wählerschaft selbst zu dezimieren, indem sie die Impfgegner hofiert, so, wie die FDP die Wirtschaft mit ihrer schaurigen Form der Zurückstellung des Gesundheitsschutzes hinter Wirtschaftsinteressen schädigt. Daran kann man sehen, wie zukunftsfähig dieses Land ist. Nicht sehr.

TH

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