#Corona Update 17: Impfpflicht für alle? + Sorgen wegen Omikron? (Umfragen) + weitere Inzidenzrekorde | #Frontpage #Civey #Covid19 #Lage | #Omicron

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Impfpflicht, weitere Rekordinzidenzen

Die brennendste Frage dürfte im Moment nicht mehr sein, ob wir noch halbwegs durch den Winter kommen werden. Wer gestern Abend Anne Will gesehen hat, weiß, es ist hoffnungslos. Beleg: Der eingebettete Tweet. Deswegen konzentrieren wir uns zum einen auf Infos zur neuen Omikron-Variante, zum anderen auf die üblichen Fakten und möchten Ihnen außerdem eine Umfrage empfehlen, die Civey gestern gestellt hat und die von Tag zu Tag wichtiger wird:

Sollte es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Deutschland geben?

Über 73 Prozent derer, die bisher abgestimmt haben, sagen gegenwärtig: auf jeden Fall oder eher ja. Trotz unseres großen Ärgers über die ca. 19 Prozent, die aktuell strikt dagegen sind, haben wir nur mit „eher ja“ abgestimmt. Wir sind das niemandem schuldig, aber es war schon bei den Nazis so, dass diejenigen, die nicht für die Nazis waren, sich nicht entziehen konnten, an die Front mussten, gestorben sind, also trifft es uns wieder alle mehr oder weniger, in diesem Land der Spinner. Sie erinnern sich, wir haben im vorletzten Update unter anderem über Kriegsrhetorik nachgedacht. Den Begleittext von Civey wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

Lange war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen eine Impfpflicht, nun schließt er sie nicht mehr aus. Mit über 75.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag wurde diese Woche ein neuer Rekordwert erreicht. Mehrere Intensivpatienten mussten in andere Bundesländer gebracht werden, da Krankenhäuser überlastet sind. Zudem bereitet der Regierung eine in Südafrika grassierende Virusvariante Sorge, die Freitag offiziell Europa erreicht hat.

CSU-Chef Markus Söder fordert eine Corona-Impfpflicht ab dem 1. Januar 2022. Nur so könne eine „Komplettüberlastung“ der Gesundheits-Systeme verhindert werden. Zusammen mit Winfried Kretschmann (Grüne) argumentierte er zuvor in der FAZ, eine Impfpflicht sei „kein Verstoß gegen die Freiheitsrechte“, sondern „die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Freiheit zurückgewinnen.“ In Österreich soll die Impfpflicht ab Februar 2022 gelten.

Der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht einer allgemeinen Impfpflicht skeptisch gegenüber. „Sie löst unser akutes aktuelles Problem nicht“, sagte er jüngst im Deutschlandfunk. Die Wirkung der Pflicht käme zu spät, um die aktuelle Welle zu brechen. Auch RKI-Präsident Lothar Wieler bezeichnet eine Impfpflicht als letztes Mittel. Was ihm zufolge sofort helfen würde, wäre eine radikale Kontaktreduzierung.

Wir dachten immer, Impfungen entfalten nach etwa zwei Wochen ihre volle Wirkung, und glaubt jemand ernsthaft, nur Kontaktbeschränkungen führen ab Januar zum Ende der vierten Welle, zumal sie wieder aufgehoben werden müssen, wenn die Lage sich zu beruhigen scheint? Hingegen würde eine sofortige Impfpflicht ab Mitte Dezember erste und dann nachhaltige Erfolge zeigen. Sagen Sie es nicht weiter, aber die Politik hat schlicht Schiss vor den Covidioten, deshalb ist die Lage weiterhin konfus.

Alles, was bis gestern über die Omikron-Variante bekannt war, lässt sich z. B. hier nachlesen. Tun Sie das bitte, denn die Lage ist ernst und deshalb fassen wir hier nicht zusammen, sondern verlinken lieber etwas ausführlichere Beiträge. Wenn Sie dort weiterklicken, kommen Sie zum Corona-Ticker, der unter anderem ausweist:

  • Die Inzidenz ist weiter angestiegen, auf ca. 455 am Sonntag, es kam zu knapp 30.000 Neuinfektionen, das sind erstmals an einem Tag in den letzten Wochen etwas weniger als am gleichen Wochentag der Vorwoche,
  • wie schon vorgestern erreichten gestern 31 Landkreise eine Inzidenz von mehr als 1.000,
  • Spitzenreiter ist weiterhin der sächsische Erzgebirgskreis, und zwar mit einer neuen Rekord-Inzidenz von 2074. In ganz Sachsen gibt es seit mehreren Tagen keinen Landkreis mehr mit einer Inzidenz von unter 700.
  • In Berlin stieg die Inzidenz gestern auf einen Rekordwert von 372. Vier Bezirke, darunter auch unser Wohnbezirk, weisen Inzidenzwerte von mehr als 400 auf.

Nun haben wir eine weitere, ganz aktuelle Umfrage von Civey entdeckt, sie lautet:

Sind Sie wegen der neuen Coronavirus-Variante „Omikron“ besorgt?

Bitte lesen Sie erst den Begleittext und stimmen Sie dann ab.

Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Coronavirus-Variante nachgewiesen. Die Mutante B.1.1.529 hat den 15. Buchstaben des griechischen Alphabetes „Omikron“ als Bezeichnung erhalten, da es sich bereits um die 15. bekannte Variante des Virus handelt. Am vergangenen Freitag stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Omikron als „besorgniserregend“ ein und sorgte so für ein rasches Bekanntwerden der mutierten Coronavirus-Variante.

Aktuellen Daten zufolge ist Omikron bereits auf der ganzen Welt verbreitet. Südafrikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Variante wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sei als die derzeit grassierende Delta-Variante. Außerdem seien die Impfstoffe gegen sie möglicherweise weniger wirksam.

Hoffnung macht hingegen, dass die bisher festgestellten Fälle in Südafrika nicht schwerwiegend seien. Infizierte in einer Praxis in Pretoria hätten unter extremer Müdigkeit gelitten, sonst aber keine Symptome gezeigt. Die Virologin Sandra Ciesek twitterte unterdessen, dass Antigentests auch bei der neuen Mutante anschlagen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb: „Es wäre wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn Omikron leichter verliefe. Bei so vielen Mutationen wäre es aber denkbar.“

Wir sind besorgt, wie auch nicht? 22,5 Prozent sehen das derzeit komplett anders. Die Identität mit jenen ca. 19 Prozent, die sich strikt gegen eine Impfpflicht aussprechen, dürfte fast vollständig sein, zuzüglich einiger, die vermutlich glauben, sie seien geboostert, also kaum gefährdet. Diesbezüglich weiß man aber nichts Genaues und Christian Drosten hat die Omikron-Variante heute als möglicherweise erste echte „Immunflucht-Variante“ bezeichnet. Das heißt, auch ohne, dass die Verläufe schwerer sein müssen als bei Delta, dass viele, die bereits von einer Covid-Erkrankung genesen oder schon geimpft sind, sich mit Omikron erneut anstecken können. Möglicherweise reicht der Schutz der Impfungen aber aus, um Verläufe abzuschwächen, das ist noch nicht geklärt, gilt unter Experten aber nach aktuellen Aussagen als wahrscheinlich.

Wir könnten Sie noch ein wenig mehr belasten mit Themen wie der Triage, die wieder intensiv diskutiert wird, dazu haben wir einen guten Erklär-Artikel gefunden. Aber für heute ist Schluss, falls nicht eine BREAKING News uns zu einer Ergänzung auffordert.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Fakten des Tages, Impfgeschichte

Wir steigen gleich mit der neuen Omikron-Variante ins heutige Update ein und kommen dann zu den allgemeinen Daten, auch zur Geschichte des Impfens gibt es heute ein paar Anmerkungen.

Aus Südafrika, wo die fünfte wichtige Corona-Variante namens Omikron nun schon untersucht wird, kommt heute ausnahmsweise eine positive Nachricht, auch diese wollen wir nach den gestrigen Katastrophenszenarien nicht verschweigen:

Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Unter diesen Umständen ist es natürlich schwierig, das Verhalten der neuen Variante gegenüber Geimpften festzustellen. Sollten aber allgemein mildere Verläufe zu beobachten sein, würde das für eine schon zu Beginn der Herausbildung von Varianten geäußerte Ansicht sprechen: Dass das Virus letztlich, um weitere Verbreitung zu finden, eine Art Kompromiss eingeht: Es wird harmloser. Bei Delta war das allerdings nicht so, deswegen betonen wir an dieser Stelle: Es handelt sich nicht um Erkenntnisse, die bezüglich Omikron gesichert vorhanden sind, sondern um Möglichkeiten und letztlich um die Hoffnung, dass es nicht immer schlimmer wird, egal, ob wir die Pandemie ernst nehmen oder nicht.

Nun zu den Fakten des Tages, Zahl der Neuinfektionen:

Deutschland hat es geschafft und ist Weltmeister. In keinem anderen Land gab es gestern mehr Neuinfektionen mit Corona. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass in den USA an Wochenenden immer deutlich weniger Fälle gemeldet werden als von Montag bis Freitag, aber es ist und bleibt eine Schande. Das gab es bei keiner der drei ersten Wellen. Erinnern Sie sich noch, wie gut Deutschland durch die erste Welle kam? Wir fanden das damals etwas seltsam und weisen auch heute wieder darauf hin, dass die Testungsrate in Deutschland erheblich niedriger ausfällt als in vergleichbaren Ländern. Mittlerweile hat Deutschland aber, so viel ist sicher, von Welle zu Welle schlechter abgeschnitten. Während man woanders aus den Erfahrungen der ersten Wellen gelernt hat, tritt bei uns genau das Gegenteil ein: Es wird immer konfuser vonseiten der Politik und schräger vonseiten der Coronaleugner / Impfgegner. Und damit nun wirklich zu den Fakten anhand der gestrigen Neuinfektionszahlen (die RKI-Zahl fällt mit 44.401 Neuinfektionen niedriger aus, würde aber immer noch dazu führen, dass Deutschland Platz eins in der Tabelle einnimmt, die Zeit mit ihrer eigenen Recherche kommt auf 50.384 Neuinfektionen):

Richtig ist auch, dass es einige Länder in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl noch stärker trifft, auf der Tafel mit den zehn Ländern mit den höchsten Neuinfektionszahlen am gestrigen Samstag sind das Belgien, die Niederlande und die Tschechei, Polen liegt bei der relativen Betrachtung etwa gleichauf mit Deutschland. Diese Perspektive weist wiederum auf etwas hin, das wir auf der Corona-Deutschlandkarte beobachten: Regionen mit Landgrenzen zu anderen Staaten sind stärker betroffen, und zwar im Süden und im Osten wie auch im Westen als Binnen- oder Küstenregionen.

Aus der Betrachtung der Relation zur Bevölkerungszahl ergibt sich des Weiteren, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien derzeit momentan etwa gleich liegen und dass Europa dadurch, dass es sich hier um dessen bevölkerungsreichste Länder handelt, wieder einmal ziemlich bescheiden im Vergleich zu anderen Weltregionen dasteht.

Inzidenzen

Die gesamtdeutsche Inzidenz ist heute auf 446,8 gestiegen. Der Anstieg vollzieht sich jetzt also deutlich langsamer als bisher, das war in den letzten Tagen schon zu beobachten (vorgestern: 438, gestern: 443), das darf man in diesen Zeiten schon als Erfolg werten. Die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von mehr als 1.000 hat sich gestern auf 31 reduziert (vor drei Tagen: 34). Der sächsische Landkreis Osterzgebirge liegt mit ca. 2.020 weiterhin an der Spitze, die Zahl verharrt dort seit Tagen auf diesem Niveau.

Aus der Geschichte des Impfens

Damit das Ganze nicht so sachlich huntergeleiert wirkt, haben wir wieder einmal einen Tweet abgebildet, dieses Mal mit einem zitierten Gedicht von Kurt Tucholsky, damit auch heute klar ist, welche Meinung wir vertreten. Ob wir das mit dem Knast auch so sehen, lassen wir an der Stelle freilich offen.

Zur Pockenimpfung indes steht folgendes zu lesen: Welche Impfungen waren Pflicht? Bis 1976 war die Pockenimpfung in Westdeutschland Pflicht. Noch vor 150 Jahren ist die deutsche Bevölkerung solchen Versuchen gegenüber äußerst skeptisch. Es gibt Gerüchte, Impfstoffe könnten Menschen verwandeln, zum Beispiel in Kühe.

Vielleicht hätte man die vielen Impfpflichten aus der DDR, von denen in diesem historischen Abriss unter anderem die Rede ist, übernehmen sollen, damit niemand auf die Idee kommt, seine individuellen Freiheitsrechte seien während einer Pandemie wichtiger als der Schutz der gesamten Bevölkerung, aber in Westdeutschland wurden auch auf freiwilliger Basis große Erfolge erzielt und die Impfpflicht gegen Pocken bis 1976 hatte nun einmal dazu geführt, dass Pocken, abgesehen von Windpocken, kein Thema mehr waren. Hier kann man die Geschichte des Impfens in Deutschland nachlesen und sich auch Gedanken darüber machen, warum die Impfbereitschaft in Deutschland so unterschiedlich stark ausgeprägt ist, wo manche Spins von der Gefährlichkeit des Impfens bzw. Geimpftseins ihren Ursprung haben und wie sie über das Impfen hinaus gedeutet werden können.

TH

Frontpage | Corona Lage | Die Omicron-Variante naht, während Delta Deutschland noch in Atem hält

Eilmeldung vom 27.11.2021, 18:50 Uhr:

In München sind die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. (Nachricht)

Zur Omikron-Variante siehe das folgende Update 15:

Mit dem 15. Update, dem insgesamt 16. Vierte-Welle-Artikel unserer Corona-Berichterstattung beginnen wir eine neu Serie, die Updates bis 14 finden Sie hier. Denn heute beginnt eine neue Epoche im Zeitalter der Pandemie: Die Omicron- oder Omikron-Variante wurde erstmals in Deutschland gesichtet.*

Sie haben unser vermutetes Epsilon also Omikron genannt, ein paar Buchstaben übersprungen. Vermutlich, um dem Virus ein Schnippchen zu schlagen, die Zahl noch möglicher Mutationen betreffend, denn bei Omega ist bekanntlich Schluss.

Die SARS-CoV-2-Variante Omikron (englischOmicron), nach der PANGO-Nomenklatur auch als B.1.1.529 bezeichnet, ist eine Untervariante der Variante B.1.1 des Betacoronavirus SARS-CoV-2.[1] Die Variante wurde am 9. November 2021 erstmals in SüdafrikaBotswana und Hongkong identifiziert und erhielt am 24. November 2021 im Pango-Nomenklatursystem für SARS-CoV-2-Varianten die Bezeichnung B.1.1.529.[2] Sie wurde am 26. November 2021 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregende Variante (englisch: Variant of Concern) eingestuft und nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabetsbenannt.[3][4] (Wikipedia)

Ende November 2021 lag das Verbreitungsgebiet von Omikron hauptsächlich in Südafrika.[7] Anhand von Genomsequenzierungen wird vermutet, dass es sich in der südafrikanischen Provinz Gauteng ausgebreitet hat. Eine Infektion konnte bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika in Hongkong festgestellt werden,[6] eine weitere bei einem Rückkehrer aus Malawi nach Israel.[11]

Kurz darauf bestätigte Belgien als erstes europäisches Land eine Infektion mit der Variante Omikron bei einem Rückreisenden aus Ägypten.[12]. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Verdachtsfall bei einem am 26. November 2021 über Frankfurter Flughafen eingereist Reiserückkehrer aus Südafrika.[13]

Zwischen den oberen und den unteren beiden Absätzen, die wir aus der Wikipedia kopiert haben, liegt ein ganzer Horrorladen, dessen Auslage sich so zusammenfassen lasst: Es handelt sich bei der Variante Omicron um die gefährlichste, die bisher entdeckt wurde. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann es in Deutschland die Delta-Variante als Hauptquelle der Infektionen ablösen wird. Denn raushalten lässt es sich nicht, dazu ist die Welt zu sehr vernetzt. Vor allem gilt dies dann, wenn es bezüglich seines Infektionsverhaltens noch aggressiver ist als die bislang schärfste Variante Delta. Ein paar erste Eindrücke davon gefälltig, was uns erwartet?

Was wir vor ein paar Tagen noch als theoretische Möglichkeit beschrieben haben, wird also kommen und wir sind nicht einmal mit der vierten Welle gut fertig geworden.

Gemäß Umfragen erwartet die Mehrheit der Menschen hierzulande einen weiteren Lockdown, spricht sich aber tapfer für stärkere Maßnahmen aus. Es wird wohl auch nicht anders möglich sein, Delta endlich in den Griff zu bekommen und Omikron nicht zu einer Apokalypse werden zu lassen. Heute Morgen sprach sogar der nicht für seine Corona-Zurückhaltung bekannte Karl Lauterbach noch im Theorie-Modus darüber, dass es drei Monate dauern wird, bis die Impfstoffe an Omikron angepasst sein werden, falls es sich erweisen sollte, dass es die bisherigen Vakzine umgehen kann. Das finden wir sehr kurz, deshalb formulieren wir „anpassen“ und schreiben nicht von „neuen Impfstoffen“, wie Lauterbach es getan hat.

Die Inzidenz in Deutschland stieg von gestern auf heute noch einmal auf einen neuen Rekordwert (443 anstatt 438 gestern). Dies ist schon beinahe ein kleiner Sieg, denn die Steigerungsraten waren in den letzten Tagen noch viel stärker (44 Prozent von Freitag vergangener Woche bis gestern). Nun könnte man natürlich sagen, das Spiel geht von vorne los, wenn Omikron kommt, denn dann stehen andere Länder nicht mehr viel besser da als wir, die zuletzt mit großer Disziplin die Delta-Variante fast besiegt haben. Das ist leider komplett falsch, und um das zu verstehen, muss man kein Virologe sein: Aufgrund der anhaltend hohen Delta-Fallzahlen in Deutschland, die eine Nachverfolgung der Infektionswege nicht mehr durchgehend möglich machen, wird die neue Variante sich viel unbemerkter einschleichen als anderswo, zumal Tests bisher die neue Variante nicht identifizieren. Die niedrige Impfquote hierzulande wird auch bei der offensichtlich aggressiven Omikron-Variante wieder eine negative Rolle spielen, denn wer sich bisher verweigerte, wird sich auch bei Omikron erst einmal ähnlich verhalten und erst dann, wenn die Menschen wirklich sterben wie die Fliegen, wird ein Umdenken einsetzen. Dann ist es aber für viele Menschen zu spät.

Falls dieser Bericht Sie an einen der guten alten Apokalypse-Filme erinnert, dann liegen Sie nicht falsch. Nur, dass der Angriff eben nicht spektakulär auf einen Schlag stattfinden, sondern in Varianten. Für die Dramaturgie eines Untergangsfilms ist dieses Angreifen in immer stärkeren Wellen übrigens perfekt, darauf ist man bisher wohl noch gar nicht gekommen, obwohl es exakt dem Muster entspricht, das auch manche Kriege gezeigt haben. Ist es deshalb erlaubt, von einem Krieg gegen Corona zu sprechen? Wir meinen, es hilft bei der Imagination dessen, was uns bevorstehen kann. Wir können dann auch ohne rhetorisch einigermaßen kohärent feststellen, dass die Einschläge immer dichter kommen und die Politik bisher nicht in der Lage war, ausreichend Abfangjäger in die Luft zu bringen und Flak-Stellungen zu errichten und zu besetzen. Und obwohl es dieses Mal um einen Kampf für eine gute Sache geht, gibt es Deserteur:innen in hoher Zahl, die sich dem Feind geradezu in die Arme werfen und die übrigen Menschen im Stich lassen.

Und wie sieht es in der alten Frontstadt Berlin aus?

Corona-in-Zahlen

Man hat den Kampf also immerhin angenommen, zumindest statistisch gesehen, und es steht unentschieden. Was wir vor einigen Tagen schon angedeutet haben: Berlin könnte das erste Bundesland sein, in dem die Zahlen zurückgehen, ohne dass es zuvor ein Hotspot war. Um offen zu sein: richtig erklären können wir das derzeit nicht, denn auch in Berlin ist die Politik sehr maßnahmenzögerlich. Sollten die Menschen von selbst vernünftig sein, anders als bisher während dieser Pandemie? Abwarten. Die Messe ist noch nicht gelesen und der Krieg beginnt vielleicht erst richtig.

Die neuen Corona-Truppen, die bisher wohl am besten ausgerüstete Armee namens Omikron, ist noch gar nicht eingetroffen. Wir können es weiterhin schaffen, das Virus zu besiegen. Aber nicht, wenn wir so luschig weiterwurschteln wie bisher.

*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels handelt es sich um einen Verdachtsfall, aber siehe die weiteren Ausführungen dazu, was sich daraus ableiten lässt.

TH

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