Corona Update 35: 2021-Finale mit Neuinfektionsrekord + Pandemie vs. Endemie + ein paar Gedanken über den Zustand von Politik und Gesellschaft zum Jahresausklang | #Frontpage #Covid19 #Lage | Trotzdem: auf ein gutes Neues!

Frontpage | Corona Lage |Knapp 1,9 Millionen neue Fälle weltweit am gestrigen Tag

Unser letztere Corona-Artikel des Jahres ist gleichzeitig der erste einer neuen Serie, denn der lange Schwanz von Updates muss von Zeit zu Zeit abgetrennt werden, daher: Bis zum Update 34 von gestern können Sie unsere Berichterstattung hier nachlesen.

Ebenfalls kommen ab heute unsere auf Screenshots basierenden Grafiken in besserer Qualität zu Ihnen, beginnend mit der aktuellen Darstellung der am meisten betroffenen Länder, Stand 30.12.2021.

Inhaltlich geht es heute weiter, wie es gestern aufgehört hat: Mit neuen Höchstständen bei den weltweit gemeldeten Neuinfektionen. Vorgestern wurden ca. 1,615 Millionen, gestern 1,891 Millionen. Das klingt gigantisch, ist es auch und man denkt: Wo soll das noch hinführen? Zur Erinnerung: Während der dritten Welle lagen die Höchstfallzahlen weltweit täglich unter 800.000. Aber die Todesfallzahlen, so hoch sie noch immer sind und so traurig das ist, steigen nicht in dem Maße wie die Infektionzahlen, sie sinken derzeit sogar leicht ab.  Die Gründe lassen sich unter zwei Gruppen zusammenfassen:

  • Bei der Variante Delta (vierte Welle) hat sicher Impfschutz weiter Teile der Bevölkerung besonders dahingehend bemerkbar gemacht, dass die Verläufe im Durchschnitt weniger schwer waren als während der drei ersten Wellen. Während der dritten Welle Ende 2020 / Anfang 2021 hatte die globale Impfkampagne gerade erst begonnen.
  • Omikron breitet sich zwar sehr schnell aus und sorgt für den exorbitanten Anstieg der weltweiten Fallzahlen, jedenfalls überwiegend, aber es scheint bereits per se weniger oft zu schweren Verläufen zu führen als die Vorgängervarainten. Auch, wenn der Impfschutz mit den bisherigen Vakzinen daran nicht optimal angepasst ist, hat die Kampagne vielleicht den Erfolg, dass der Selektionsdruck zu jener Variante geführt hat, die weniger gravierend auf ihre Wirte einwirkt als die bisherigen und das wäre ein großer Erfolg.

Deswegen steht für uns auch in Rede, ob die Statistiken überhaupt wie bisher weitergeführt werden sollten. Wenn die Letalitätsrate des Virus bei weiteren Varianten weiter sinken sollte, gleichzeitig die Impfstoffe angepasst werden, wird uns Corona zwar nicht Goodbye forever sagen, aber es könnte beherrschbar werden.



Dann würde 2022 endlich doch das Meiste gut und wir können endlich aus der Phase der Atemlosigkeit in die Erholung übergehen und die dringend notwendige Trauerarbeit bezüglich der Corona-Todesfälle mehr in den Blick nehmen, ebenso wie wir uns Gedanken über das, was sich in dieser Krise gesellschaftlich gezeigt hat, machen müssen. Eines hat sich leider unabweisbar herausgestellt: Krisenfest ist diese hypertrophe Gesellschaft nicht und es reicht, wenn es einmal zu einer noch größeren Katastrophe kommen sollte, nicht, dass 70 Prozent der Menschen sich mehr oder weniger vernünftig verhalten. 30 Prozent, die das nicht tun, sind viel zu viele, können eine apokalyptische Situation versuchen, weil sie alle anderen mit in den Abgrund reißen.

Noch ist eine daraus folgende Dystopie nicht abzusehen, aber wenn nicht über eine neue gesellschaftliche Vereinbarung verhandelt wird, die solidarischer ist und weniger Aggressionen und geistiges Abdriften verursacht, werden wir beim nächsten Mal wieder genauso bei Null anfangen wie Anfang 2020. Leider ist das, was sich derzeit politisch zeigt, alles andere als geeignet dafür, eine solche Vereinbarung wahrscheinlicher zu machen. Im Gegenteil, es wird weiter gespalten, was das Zeug hält und fast jedes Thema, das ein Zusammenrücken und gegenseitiges Verständnis benötigt, um bewältigt zu werden, wird auf die gegenteilige Weise angegangen. Von nicht wenigen Analytiker:innen wurde es prognostiziert: Die Grünen tun sich dabei besonders negativ hervor. Bei uns löst das, was sich da gerade zeigt, angesichts der Tatsache, dass viele Menschen, die keine sicheren Staatsjobs haben, aber den Laden am Laufen halten, in der Krise auch finanziell Federn lassen mussten, nur noch Kopfschütteln aus. Es läuft zu vieles auf zu vielen Ebenen falsch, als dass man beruhigt in die Zukunft sehen könnte.

Wir haben vor einigen Tagen auch persönliche Konsequenzen daraus gezogen, dass es in Deutschland keine im Bundestag vertretene Partei gibt, die sowohl willens als auch in der Lage ist, sich kraftvoll für die weniger Privilegierten und für den Zusammenhalt der Gesellschaft einzutreten. Mindestens an einem von beiden fehlt es bei allen. Corona hat uns leider klargemacht, wie sehr wir auf uns selbst gesellt sind, das gilt sogar über die Parteipolitik hinaus für zivilgesellschaftliche Initiativen. Unsere Gedanken gelten heute vor allem jenen, die keine Mögilchkeiten, keine Ressourcen haben, aus dieser bitteren Erkenntnis ein: Jetzt erst recht! zu schöpfen. Dieser letzte Tag des Jahres ist nicht der Moment, alles auseinanderzuklamüsern, was sich zu diesem Gesamteindruck verdichtet hat, wir werden aber, befreit von der einen oder anderen Fessel, die sich durch unsere politische Gebundenheit ergeben hat, im nächsten Jahr sicher noch kritischer schreiben als bisher. Man kann auch sagen, wir haben bisher bezüglich unserer Einlassungen zum Mitte-Links-Spektrum zahmer geschrieben, als uns manchmal zumute war, aber von dieser einseitigen Form der Solidarität müssen wir uns jetzt nicht mehr bremsen lassen.

Das heißt auch, wenn jemand bei den Linken bezüglich Corona schwurbelt, werden wir das mit derselben Deutlichkeit kritisieren, wie beim rechten Teil des Spektrums. Vielleicht sogar noch deutlicher, denn wir erwarten von links mehr, das wird sich nicht ändern. Die Konturen unserer politischen Haltung haben sich durch Corona eher weiter geschärft: Es tritt so klar hervor, wo es hierzulande hakt, aber die Politik kann oder will mit diesen Erkenntnissen nichts anfangen und daher auch gefährliche Tendenzen nicht  abschwächen oder gar eine Strategie entwickeln, um diese umkehren zu können. Manchmal kommt uns ein böses „D-Wort“ in den Sinn, das wir bei der Vorgängerregierung nach Möglichkeit vermieden haben, weil wir den Grund für Fehler eher in Auswüchsen des Systems und nicht in persönlicher D***heit gesucht haben. Wenn jetzt aber beides zusammenkommt, wird es wirklich eng mit der Contenance und die eine oder andere verbale Grenze, die wir bisher in der Regel eingehalten haben, könnte noch fallen. Vor allem, falls wir uns entschließen sollten, in den sozialen Netzwerken mehr auf den heißen Scheiß des Tages zu reagieren als bisher. Diesbezüglich sind wir es aber, die bisher keine klare Strategie haben, weil es zu viele Fürs und Widers gibt, den Versuch des Influencens aus persönlicher Sicht betreffend.

Im Grunde finden wir auch, Corona ist kein Gegenstand, der sich zu platter Stimmungsmache eignet, wiewohl er von vielen genau dafür benutzt wird, was wiederum unsere Laune nicht verbessert und uns überdies daran erinnert, dass wir in unsren Artikeln ebenfalls keine neutrale Position einnehmen. Ob wir uns nächstes Jahr weiterhin so sehr auf dieses Thema konzentrieren werden, wie es seit der vierten Welle wieder der Fall ist, wird davon abhängen, wie sich die Lage weiterentwickeln wird. Das Prinzip, besondere Ereignisse und Eckdaten zu melden, werden wir beibehalten. In den letzten Tagen waren dies die bisher weltweit höchsten Neuinfektionszahlen.

So, wir wir sind, wie Menschen gestrickt sind, benötigen wir immer auch die Gnade und Hilfe von außen, auch von Viren, deren Wirkung sich mit weiteren Mutationen abschwächen könnte, deshalb möchten den Bericht und das Corona-Update-Jahr mit einer Hoffnung ausklingen lassen, die nicht überwiegend in unserem Verhalten liegt, sondern in dem der Coronaviren:

Prominente Virologen sehen Anlass für vorsichtigen Optimismus bei der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland. (…)

„In gewisser Weise kann uns das beruhigen. Südafrika ist sicher ein Blick in eine Zukunft, in eine endemische Situation, die sich dort gerade einstellt“, sagte [Christian] Drosten am Donnerstagabend im ZDF-„heute journal“. „Nur sind wir leider noch ein ganzes Stück davon entfernt.“

Der Übergang von einer pandemischen zu einer endemischen Situation bedeutet, dass das Virus sich zwar weiterhin verbreitet, aber weniger gefährlich ist – vergleichbar etwa den typischen Erkältungsviren, zu denen auch andere Coronaviren zählen.

Zudem hält Drosten inzwischen mildere Krankheitsverläufe bei der neuen Corona-Variante Omikron für „sehr wahrscheinlich“. (…)

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich in der Nacht vorsichtig über die Daten aus Südafrika: „Sehr interessante Studie zu Omicron in SA im @TheLancet. Zeigt, dass Omicron sich zwar 4 mal so schnell wie Delta verbreitete, aber deutlich weniger schwere Fälle verursachte. (…)

So, wie Menschen sind, wie sie gestrickt und gewirkt sind, wie sie an Mythen, auch über sich selbst, stricken und damit auf die gesellschaftliche Atmosphäre einwirken, wird das einige von ihnen veranlassen, zu resümieren: Hab ich doch immer gesagt, höchstenfalls eine Grippe, dieses Corona. Und dafür so ein Tamtam! Das werden wir nicht ändern können und es ertragen müssen, ebenso wie eine plötzliche Mutation in eine ganz andere Richtung, die aber wohl nicht die wahrscheinlichste Weiterentwicklung der Pandemie darstellt.

An dieser Stelle möchten wir allen danken, die uns trotz der wenig schönen Nachrichten, die zu vermelden waren, gelesen haben. Und jenen in unserem Umfeld, die sich vernünftig verhalten und die Krise ernst genommen haben. Bis auf einen oder zwei Fälle haben wir keinen Grund, Freundschaften wegen Corona zu überdenken oder zu beenden. Der eine oder andere Austausch hat sich sogar intensiviert, weil neue Gemeinsamkeiten festzustellen waren. Das ist mit das Beste, was sich aus persönlicher Sicht zum nunmehr zu Ende gehenden Jahr sagen lässt.

Und damit wünschen wir Ihnen allen, liebe Leser:innen, einen guten Start ins neue Jahr, ins am Ende hoffentlich endemische und nicht mehr pandemische 2022!

TH

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