Fette Katzen, ängstliche Mäuse, Elefanten im Raum – kaum hat das neue Jahr begonnen, ist schon wieder etwas ziemlich schiefgelaufen

Frontpage | Wirtschaft | Fat Cat Day | Titelfoto Pixabay

Wir möchten im neuen Jahr eine Tradition wieder aufnehmen, die zuletzt ein wenig ins Hintertreffen geraten ist, auch weil sie im Zuge unserer forcierten Corona-Berichterstattung wenig Sinn ergeben hätte.

Wir schauen uns um, was Kolleg:innen geschrieben haben, deren Beiträge wir immer wieder gerne lesen und leiten das eine oder andere an Sie weiter, liebe Leser:innen.

Überläufer:in in hatte sich gestern mit den sogenannten Fetten Katzen befasst. Nein, es ist nicht das Wesen, das vor Ihnen sitzt und das schon wieder miaut, weil es unablässig Hunger hat. Nicht diese:r vierbeinige Begleiter:in, die / der kaum noch auf das Katzenklo passt, weil sie an Weihnachten alles an dieses Wesen verfüttert haben, was in Sie selbst nicht mehr reingepasst hat.

Es handelt sich um niemand anderes als um Ihren Chef oder Ihre Chefin, zumindest, wenn Sie in einem großen, börsennotierten Unternehmen arbeiten.

Am 4. Januar um 10:40 Uhr haben Topmanager der CEO-Klasse schon mehr verdient als Sie im ganzen Jahr, heißt es in der „Welt“ in dem Ausgangsartikel, den Überläuferi:n u. a. zitiert hat.

Soweit erst einmal zu den deutschen Verhältnissen, die Berechnung folgt im Verlauf dieses Artikels. Überläuferin hat sich u. a. darüber Gedanken gemacht, wie es passieren kann, dass bestimmte Menschen offenbar so viel mehr arbeiten als andere, als Sie z. B., der oder die jenen Laden, der sich Stadt, Gesellschaft oder wie immer nennt, am Laufen halten. Lesen Sie mal rein und überlegen Sie sich dann, ob es mit rechten Dingen zugeht in unserer Arbeitswelt.

Die Fetten Katzen stammen ursprünglich aus dem Katzenliebhaber:innenland Großbritannien, wo die Idee entstand, das Gehalt der Top-Manager mit dem eigenen zu vergleichen. Großbritannien ist auch ein besonders nach Klassen geteiltes Land und außerdem haben die Menschen dort immer schon einen Hang zu pointierter Darstellung gehabt. Die Normalmenschen, die sich aus guten Gründen von den nasal quäkenden Snobs abgrenzen sollten, haben diesen Humor entwickelt. In Großbritannien war auch der Sozialroman bereits in Mode, als man in Deutschland noch naiv vor sich hin romantisiert hat.

In Großbritannien kommt der Moment der fetten Katzen, bereits am 3. Januar, um 17 Uhr. Wir brauchen gar nicht nachzuschauen, in den USA dürfte er noch früher liegen, denn in keinem anderen westlichen Land ist die soziale Ungleichheit so groß wie dort.

Und auch in Deutschland wäre er spätestens am 3. Januar, wenn nicht nach dem britischen Modell die Arbeitszeiten der Manage bis zum Exzess hochgerechnet werden, was ironischerweise doch wieder das übliche neoliberale Narrativ bedient, wer viel arbeitet, verdient auch viel. Damit kommt man auf fast 3300 Arbeitsstunden pro Jahr. Das ist mehr als das Doppelte von dem, was ein durchschnittlicher Arbeitnehmer oder eine durchschnittliche Arbeitnehmerin in Vollzeit arbeitet. Selbst wenn man die gesamte Dienstzeit so hoch ansetzen würde, Flugzeiten, schöne Veranstaltungen zum Repräsentieren und Netzwerken und alles, was ein normaler Mensch nie als Arbeit ansehen würde, einrechnet, ist das mental eine andere Sache: Falls es dabei überhaupt zu Stress kommt, dann ist es sogenannter Eustress, und für die vielen Narzissten unter den Topmanagern eine Pflege ihres Ego, die genau das Gegenteil von stress darstellt.

Sie kennen vermutlich eher den Tag, an dem der Bund der Steuerzahler immer sagt, ab jetzt können Sie endlich für sich selbst arbeiten, bisher haben sie nur für den Staat geschuftet.

Selbstverständlich schafft der Bund der Steuerzahler ist, diesen Zeitpunkt immer weiter nach hinten zu verlegen. Auch das ist Teil des neoliberalen Märchens.

Denn dieser Tag, gilt nur dann,wenn man alle Abgaben zusammenrechnet, die Sie leisten, auch jene, mit denen Sie selbst abgesichert werden. Zweitens profitieren Sie in erheblichem Maße von der Infrastruktur die von diesen Steuern erstellt wird, vermutlich viel mehr, als Sie dafür an Steuern einzahlen, wenn man die Nutzung dieser Infrastruktur, seien es Straßen, öffentliche Gebäude oder subventionierte Kulturangebote, in Geld umrechnet.

Der Moment der fetten Katzen Anfang Januar jedoch ist eher großzügig gerechnet, den fetten Katzen gegenüber. Aber damit ist es nicht getan. Denn die Superreichen mit ihren Milliardeneinkommen sind dabei gar nicht berücksichtigt. Jene Elefanten im Raum der sozialen Gerechtigkeit, die gar nicht erst arbeiten müssen, um Unsummen einzunehmen.

Jetzt werden sie wohl Ihre eigene Katze und alle Katzen, die Ihnen begegnen, mit anderen Augen ansehen. Falls die Visualisierung schwierig ist: Sie ist etwa hundertmal so fett wie Sie selbst, wenn Sie sich als Katze wahrnehmen. Sie passt durch keine Tür, in kein öffentliches Verkehrsmittel, sondern braucht ein eigenes Geschäftsflugzeug (der sogenannte Merz-Mittelstand) und scheißt jeden Tag hunderte von Katzenklos voll und Sie dürfen den Dreck wegtun. Das ist Ihre Arbeit, im Wesentlichen. Ob man es sich so vorstellt oder auf die gigantischen ökologischen Fußabdrücke der fetten Katzen überträgt, ist gleichgültig, Sie wissen jedenfalls, was wir meinen und Sie müssen immer im Hinterkopf behalten: Die fetten Katzen sind ihrerseits in der Regel das Dienstpersonal der Großkapitalisten, jener mit den Milliardenvermögen und Milliardeneinkommen. Sie zahlen das alles, selbst dann, wenn Sie Kleinaktionär:in sind.

Stellen Sie sich einfach vor, wie günstig Sie wohnen würden und Produkte erweben könnten, wenn nicht die Elefanten und die fetten Katzen Ihnen das Geld regelrecht aus der Tasche saugen würden. Wenn Sie z. B. selbst an den Produktionsmitteln beteiligt wären, mit denen Sie diesen unglaublichen Reichtum weniger erarbeiten. Lassen Sie sich bloß nicht einreden, das geht nicht, aus welchem Grund auch immer. Das ist alles Humbug, denn es funktioniert überall dort, wo kooperativ zusammengearbeitet wird und nicht auf dem Ständesystem basierend die Mehrheit ausgebeutet wird. Solche Modelle gibt es sogar im Kapitalismus und was die Kapitalisten und ihre politischen Handlanger davor eine Scheißangst haben, dass sich diese Modelle mehr durchsetzen könnten, das sehen Sie anhand von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ in der Berlin, das so umkämpft ist wie lange kein sozial- und wirtschaftspolitisches Thema mehr.

Seien Sie doch mal mutig. Seien Sie nicht dumm und singen Sie nicht die Musik der fetten Katzen mit, deren gruselige Melodie nicht einmal von den Katzen selbst stammt, sondern von jenen Elefanten im sozialen Raum, die sich der fetten Katzen bedienen, um Sie oder fast uns alle so gut wie möglich auszunutzen. Wie wär’s denn mal damit, 2022 den fetten Katzen so richtig auf den Schwanz zu treten, wenn sie uns wieder mal erzählen wollen, unsere paar Kröten seien noch zu viel und sie, die fetten Katzen, stünden kurz vor dem Hungertod, weil wir, die Mehrheit, so anspruchsvoll sind? Diese Katzenmusik ist einer der verlogensten Songs überhaupt, deshalb klingt er so schrecklich. Aber das Kreischen der Katzen beim kräftigen und wohlberechtigten Tritt auf ihren fetten Schwanz, das kann befreiend wirken. Zum Beispiel als Anstoß zum Abhnehmen. Das tut übrigens auch Katzen gut. Oder glauben Sie, die Katze auf unserem Titelbild sei wirklich leistungsfähiger als Sie, sogar um das Hundertfache?

Selbstverständlich ist dieser Artikel nicht gegen Haustiere und ihre Besitzer:innen gerichtet, wir sind selbst Katzenfans.

Die Darstellung ist vielmehr Teil einer Fabel mit realem Hintergrund, einer unendlichen Geschichte, deren Verlauf sich seit Jahrzehnten immer mehr gegen uns, die Mehrheit, entwickelt und wenn wir uns als Mäuse sehen, die entweder voller Angst vor den Katzen schlottern oder uns aber wie die Maus Jerry gegenüber Tom, dem Kater verhalten, uns wehren und endlich verstehen, um was es geht, ergibt sich ein durchaus realistisches Bild von den Zuständen in einer Welt, in der die fetten Katzen und auch die Elefanten jedes Maß verloren haben, wenn es um die persönliche Bereicherung auf Kosten der Mehrheit geht.

TH

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