Der Rosenkrieg (The War of the Roses, USA 1989) #Filmfest 704

Filmfest 704 Cinema

Im Namen der Rose, Teil 2

Der Rosenkrieg ist eine US-amerikanische Tragikomödie aus dem Jahr 1989 von Danny DeVito nach dem gleichnamigen Roman von Warren Adler.

Ob nach diesem Film die Scheidungen zurückgegangen sind oder eher die Eheschließungen, weiß ich nicht, aber im Familienrecht hat man seitdem einige Neuerungen eingeführt, die dafür sorgen sollen, dass alles etwas friedlicher abläuft als in „Der Rosenkrieg“. Zumindest ist das bei uns so und Trennungen sind seitdem noch einmal selbstverständlicher geworden. Und manchmal auch besser, als es darauf ankommen zu lassen, und sei es nur eines Hauses wegen. Die Rolle der Scheidungsanwälte, die zur Eskalation beitragen wie auch der Materialismus der Reagan-Jahre werden mitbedacht, aber welchem Genre gehört der Film nun an? Wir werden in der –> Rezension etwas mehr dazu schreiben.

Handlung (1)

In der Rahmenhandlung erzählt Anwalt Gavin D’Amato einem Mandanten die Geschichte der tragisch verlaufenden Scheidung des Ehepaares Oliver und Barbara Rose. Der Anwalt will dem Mandanten damit deutlich machen, dass eine Ehescheidung geregelt ablaufen sollte.

Die Binnenhandlung erstreckt sich über Jahre, in denen der Konflikt des Ehepaares immer weiter eskaliert. Barbara Rose will die Scheidung, eine gütliche Einigung bezüglich des gemeinsamen Hauses scheint jedoch unmöglich. Es kommt zu absurden Handlungen wie dem Zerstören der Einrichtung oder einer Verfolgungsjagd im eigenen Haus. Am Ende liegen Barbara und Oliver Rose sterbend in der Eingangshalle ihres Hauses, nachdem sie bei dem vorausgegangenen Kampf im Treppenhaus mit dem Kronleuchter abgestürzt sind. Noch im Moment des Todes stößt Barbara die ausgestreckte Hand ihres Ehemannes weg.

Rezension

Der Film war nicht nur ein großer kommerzieller Erfolg; in Deutschland hatte er vier Millionen Besucher und das Gesamteinspielergebnis betrug weltweit ca. 160 Millionen Dollar.[4] Die Produktionskosten beliefen sich auf 26 Millionen Dollar. Sein Titel hielt als Redewendung für konfliktstarke Scheidungsauseinandersetzungen Einzug in die deutsche Umgangssprache. Er nimmt Bezug auf die sogenannten englischen Rosenkriege, die Thronfolgekämpfe zwischen den Adelshäusern York (weiße Wappen-Rose) und Lancaster (rote Rose) im 15. Jahrhundert, die als Wars of the Roses bekannt geworden sind. Der englische Titel des Films The War of the Roses ist also ein Wortspiel mit diesen Ereignissen.[5]

Aktuell erhält der Film von den Nutzer:innen der IMDb nur noch eine Durchschnittsbewertung von 6,8/10, aber der Metascore der zeitgenössischen Kritiker:innen lag bei 79/100 und die Userwertung auf dem zugehörigen Portal Metacritic erreicht sogar 8,5/10. Ich bin mir ein wenig unschlüssig, in welche Richtung ich tendieren soll. Keine Frage, die Leistungen von Michael Douglas und Kathleen Turner als Ehepaar Rose sind erstklassig, das durfte man auch erwarten. Die Regie von Dany DeVito wirkt erstaunlich versiert für jemanden, der zuvor in erster Linie Schauspieler war, aber solche Wechsel in den Regiestuhl und dabei weiterhin auf der Leinwand auftreten, das gab es mehrfach in der Hollywood-Geschichte, zum Beispiel mit großem Erfolg bei Clint Eastwood.

Ich weiß nicht, ob ich den Film noch einmal anschauen müsste, um mehr Details zu entdecken, aber so kompliziert ist er ja im Grunde nicht. Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe, ist: Wie konnte es dazu kommen? Es werden immer wieder Schlaglichter auf die Ehe der Roses geworfen, die den typischen Zerfall der Gemeinsamkeit einfangen sollen, der so viele langjährige Verbindungen betrifft, ohne dass es so mörderisch wird wie am Ende von „Der Rosenkrieg“. Aber die Angel hat mir gefehlt, wo genau fingen die Probleme an und was passierte zwischen einigen wenig signifikanten Szenen, was das Zusammenleben immer mehr entkernt hat und die Fixierung auf den Erfolg immer mehr in den Mittelpunkt treten ließ? Das Dumme ist, dass es so wirkt, als ob alle Probleme mehr oder weniger vom weiblichen Teil ausgingen, denn die Diskriminierung durch den weltmännischeren, eloquenten Juristen gegenüber einer Kellnerin, die versucht, etwas aus sich zu machen, wird eher dezent behandelt. Bestimmt sie dennoch so den Ton der Ehe, dass sie sich immer mehr eingeengt fühlt, obwohl sie ein eigenes erfolgreiches Unternehmen aufbaut? Sicher hat der Kampf um das Haus eine Bedeutung, denn für sie ist es ein großer Teil ihrer Identität und für ihn offenbar ebenfalls. Sie hat es entdeckt, er gab das Geld für die Einrichtung, sie hat sich alles angeeignet, was man wissen musste, um es nach damaligen bürgerlich-amerikanischen Maßstäben perfekt aussehen zu lassen. Und dann diese Leere, als es fertig war. Manche Menschen finden immer wieder neue Ideen, andere haben ein bestimmtes Bild von etwas, und wenn dieses Bild realisiert wurde, geht es nicht mehr weiter. 

Intellektuell scheint diese Ehe ziemlich hohl gewesen zu sein, dafür angefüllt mit gesellschaftlichen Events, bei denen der Mann über viele Jahre hinweg im Vorteil war. Sie schließt innerlich mit der Ehe ab, er nicht. Was man deswegen von männlicher Seite lernen sollte: Es irgendwann aufzugeben und die Frau ziehen zu lassen. Aber wann? Bis wann lohnt es sich, um eine Beziehung zu kämpfen, wo ist der Point of no Return? Das wird auch nach dem Anschauen von „Der Rosenkrieg“ nicht besser zu beantworten sein als vorher, weil jede Beziehung anders verläuft. Aber es gibt natürlich Warnzeichen, die man beachten kann und unzählige Ratgeber dafür, wie man sie erkennt und was man tun kann, um eine Ehe immer so fit zu halten, wie Barbara Rose es ist, die ihrem Mann körperlich überlegen scheint. Aber beim fit halten einer Ehe geht es wohl eher um Augenhöhe, um gegenseitigen Respekt, um einen Alltag, der immer wieder neue Impulse nicht einfach so erhält, man muss sie manchmal gezielt setzen. 

Alles auf Äußerlichkeiten aufzubauen, das gab es selbstverständlich immer schon, aber in den 1980ern war das auch deshalb ein großes Thema, weil der „Yuppiesmus“ so weit verbreitet war, siehe auch Michal Douglas‘ Rolle zwei Jahre vor „Der Rosenkrieg“ in „Wall Street“, einem Film, der eigentlich die negativen Seiten der Börsenzockerei klarmachen soll, aber gerade von Yuppies oder solchen, die es werden wollten, geradezu hymnisch gefeiert wurde. Das amerikanische Kino kann gar nicht anders, als auch das Negative des Glanzes so zu beglänzen, dass ein solches Leben weiterhin erstrebenswert erscheint, man darf eben nicht die Fehler machen, die man in einem halbwegs kritischen Film zu sehen bekommt oder muss anders mit ihnen umgehen als die Figuren dort. In der Bankenkrise hat sich dann gezeigt wie es geht: Die Banker haben für ihre Fails die Allgemeinheit bezahlen lassen und blieben genauso arrogant und verzockt wie zuvor.

Eine der Fragen, die ein gewisses Gefühl der Unsicherheit bei mir hinterlassen haben, ist, ob es sich  lohnt, tiefer in die Analyse der Ehe der Roses einzusteigen. Ist der Film sehr hintergründig? Manche Momente könnten darauf hinweisen, andere lassen eher darauf schließen, dass es doch vor allem um den Effekt geht und darauf, dass der Konflikt auf die grandios gefilmte, ikonische Schlussszene mit den Roses auf dem Kronleuchter hinausläuft, der dank Barbaras Präpaierung tatsächlich von der Decke fällt und beid sterben an den Folgen des Sturzes. Aber nicht umgehen, vielmehr ist für eine letzte böse Geste noch Raum: Sie stößt seine Hand weg, mit welcher er ihre Nähe gesucht hat. War diese Ehe auf falschen Voraussetzungen aufgebaut? Sicher ist die Idee, sie auf einer Versteigerung beginnen zu lassen, in der es darauf hnausläuft, dass Barbara ein Schnäppchen gemacht hat, weil Oliver ihr eine kleine Figur überlassen hat, obwohl er sie sicher hätte überbieten können, schon ein Hinweis darauf, dass es um das Ansammeln von materiellen Dingen geht, es hätte sich bei anderem Verlauf der Handlung aber auch als nette Geste und die kleine Figur sich als Erinnerungsstück deuten lassen, das immer wieder darauf hinweist, wie nah man sich einmal war. Deswegen ist auch der Moment, in dem dieser erste gemeinsame Erwerb im Krieg eingesetzt wird, nicht unwichtig. 

Immer wieder stoßen wir auf Vorgänge in der Ehe, bei denen sie eigentlich die Probleme setzt, wie dem hässlichen Weihnachtsstern für die Tannenbaumspitze, mit ihrer Idee, dass Kinder besser fahren, wenn man sie ungehemmt mit Süßigkeit vollstopft, was bei den beiden Sprösslingen der Roses zwischenzeitlich zu  unkontrolliertem Breitenwachstum führt, während er auf seine juristisch-unantastbare Weise beinahe perfekt funktioniert und sich keine Ausfälle erlaubt. Trotzdem bleibt für mich eine Distanz, die mich davon abhält, ihm die Schuld an dem Ganzen alleine oder auch nur überwiegend zu geben. 

Finale 

Dem Film, obwohl gerade das Drehbuch gerühmt wurde, fehlt ein wenig die gnadenlose, zwingende Dramaturgie, die bei Top-Kinostücken alles, was passiert, nicht nur als denkbar, sondern beinahe als unweigerlich erscheinen lässt. Deswegen ist für mich „Der Rosenkrieg“ auch kein Quasi-Film-noir, weil das Schicksalhafte, die Vorbestimmung ihm fehlt und das Verbrechen sozusagen intern verursacht wird. Sicher kann man sagen, die Rahmenhandlung mit Danny DeVito als Erzähler, der nachträglich berichtet oder von dem Punkt aus, als Barbara ihn verführen will, also der Krieg noch nicht zu Ende ist schafft schon eine gewisse Distanz und nimmt vorweg, dass offenbar etwas ziemlich schiefgegangen sein muss, sonst würde der Anwalt nicht einen neuen Klienten mit dieser umfangreichen Geschichte vorwarnen wollen. Sicher muss man über manche Wendung und den schwarzen Humor darin lachen, aber schon als Katzenliebhaber fand ich das Ende von Barbaras Pet, wiewohl es nicht von Oliver beabsichtigt war, nicht witzig und auch die Demolierung seines Oldtimers eher schade und ein Fan von überdimensionierten Pickups oder Pickups mit überdimensionierten Reifen bin ich auch nicht. 

So richtig ist mir wohl die Form der Emanzipation, die in dem großen Zerstörungswerk liegen soll, nicht klargeworden, denn eine Befreiung ist damit keineswegs verbunden, wie man am Ende sieht, andererseit war die Ehe nicht von Beginn an ersichtlich als mit großen Fehlern behaftet ersichtlich, es hätte also auch alles ganz anders kommen können. Aber nach diesem Film war Michael Douglas wohl endgültig reif für die männliche Hauptrolle in einer weiteren schattigen Ikone jener Filmepoche: „Basic Instinct“. Nach heutigen Maßstäben ist „Der Rosenkrieg“ nicht mehr so überzogen, wie er auf  manche Kritiker:innen 1989 gewirkt haben mag, der Filmstil hat sich in diese Richtung entwickelt, ordentlich in die Kacke zu hauen, aber was ihm gerade heute feht, ist vielleicht die Präzision, die ihn zu einer wirklich guten Abhandlung über ein möglicherweise vermeidbares Ehedrama und und zu einer innovativen Darstellung von Beziehungszerfallsprozessen hätte werden lassen können, die über einige starke Akzente und Momente hinausgeht.

72/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Danny DeVito
Drehbuch Warren Adler
Michael Leeson
Produktion James L. Brooks
Arnon Milchan
Musik David Newman
Kamera Stephen H. Burum
Schnitt Lynzee Klingman
Besetzung

 

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