Saras Geständnis – Tatort 1189 #Crimetime Vorschau Das Erste, 13.02.2022, 20:15 Uhr | #Schwarzwald #Tobler #Berg #SWR #Sara #Geständnis

Crimetime Vorschau – Titelfoto © SWR, Benoit Linder

„Saras Geständnis“ ist der achte Schwarzwald-Tatort mit dem Ermittlerduo Franziska Tobler und Friedemann Berg. Geständnis: Den siebten, „Was wir erben“, kenne ich noch nicht, weil wir seit einiger Zeit nicht direkt auf neue Tatorte eingehen. Aber aus den sechs vorausgehenden Filmen, besonders aus „Ich hab im Traum geweinet“ kann man auch einige Rückschüsse ziehen. 

Aber ruhig soll es zugehen, am Tatort, bei den Ermittlungen. Es geht um eine Frau, die aus dem Gefängnis entlassen wird, einen Neustart versuchen möchte und dabei gleich wieder in Verdacht gerät, ein Tötungsdelikt begangen zu haben. Die Redaktion von Tatort-Fans meint zum 1189. Tatort:

„Ein ruhig erzählter und unspektakulär inszenierter Kriminalfilm, bei dem (…) auch das persönliche Schicksal der Protagonistin [im Vordergrund steht]: die Schwierigkeit, nach langer Zeit im gesellschaftlichen Abseits nochmal neu anzufangen, während man von der Vergangenheit doch wieder eingeholt wird; der Versuch, an alte Beziehungen anzuknüpfen, während die neuen nicht immer halten, was sie versprechen; und schließlich die Wunden in der Psyche, die längst noch nicht ausgeheilt sind – das alles wird an der Figur Sara Manzer eindrücklich sichtbar. Das Duo Tobler/Berg führt seine Ermittlungen mit der gewohnten Solidität und Bodenständigkeit und steigert mit einer Prise wohldosierten Humors den Unterhaltungswert des Sonntagskrimis. Die Auflösung wirkt zwar etwas wie aus dem Hut gezaubert, was aber zu verschmerzen ist. Insgesamt vier Sterne.“

Ruhig, aber invensiv. Das war schon das Motto der meisten Bodensee-Tatorte mit Klara Blum als Ermittlerin, die von der Schwarzwald-Schiene abgelöst worden sind. Dabei sind einige sehr gute Filme gelungen, mit denen Berg-und-Tobler-Fälle noch nicht ganz mithalten können. Auch mir kommen jetzt zu dem Team, dessen Kommissariat in Freiburg angesiedelt zu sein scheint, nicht haufenweise Assoziationen, die elegante Übergänge zwischen den Kritiker:innenstimmen ermöglichen, daher machen wir’s unelegant und fahren einfach fort mit dem SWR3-Check, in dem über einen gewissen Mangel an Spannung und warum das so ist, nachgedacht wird, sowie:

„Dazu kommt noch das ganze Klein-Klein der Drehorte, das Grau der Winterdreh-Tage, das Provinzielle, und auch eine seltsame Verfolgungsjagd zu Fuß auf eisglattem Kopfsteinpflaster, wo der Gesuchte aber wieder flieht, als er schon gefasst war, damit die Verfolgung dann wieder neu losgeht? Hab‘ ich nicht verstanden. Oder war das nur, um ein paar Ecken mehr von Freiburg zu zeigen? Man weiß es nicht. Ganz groß hingegen war die schauspielerische Leistung von Johanna Wokalek, die die im Knast geläuterte und seither sehr zurückgenommene Sara wunderbar authentisch und wahrhaftig spielt.“

Trotzdem nur zwei Elche, da ist der Film wohl mindestens kurz vor dem Umkippen gewesen. Trotz seiner guten Haupt-Episodenfigur. Wir müssen nun unbedingt bei weiteren Profis umschauen, denn diese können sich an einer einzigen gut gespielten Figur so sehr hochziehen, dass der Rest nicht mehr so erheblich ist. „Die Frau, die unsere Fantasien entfacht“, titelt Jürgen Buß im Spiegel und fährt fort:

„Die Macht des Gerüchts: Johanna Wokalek spielt eine Verlegertochter, die den Vater erstochen haben soll und nach der Haft wilden Spekulationen ausgesetzt ist. Dieser »Tatort« gibt zu viele Rätsel auf.“

Kann ein Krimi zu viele Rätsel aufgeben? Klar, man nennt das „überfrachtet“ oder „überladen“, was beinahe das Gleiche bedeutet. Einen Verriss schreibt Buß aber nicht, sondern lässt am Ende immerhin 6 von 10 Punkten springen. Wir sagen ja: das Spiel! Thomas Gehringer von Tittelbach-TV findet schließlich:

Eine Frau, die angeblich ihren Vater getötet hat, wird nach der Zeit im Gefängnis von der Vergangenheit eingeholt und gerät wieder in Mordverdacht. Johanna Wokalek spielt im Schwarzwald-„Tatort – Saras Geständnis“ (SWR) eine tief gefallene Verlagserbin. Der siebte Fall mit Kommissarin Tobler und Kommissar Berg ist ein solider Krimi mit einer recht konventionellen Geschichte, aber einer interessanten, von Wokalek herausragend gespielten Hauptfigur. Drehbuch-Autorin Astrid Ströher spinnt ein feines Beziehungs-Netz um Sara, Regisseur Kai Wessel inszeniert mit psychologischem Gespür. Für schwäbische Bodenständigkeit sorgen Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner mit ihrem unprätentiösen Spiel, wobei das Buch Kommissar Berg einiges – eher überflüssiges – Ungemach zumutet.

Das ist im Rahmen des Schemas dieser Publikation eine etwa durchschnittliche Bewertung, ähnlich wie im Spiegel. Wenn wir uns richtig orientiert haben: Eine Begeisterungswelle vermag dieser Film nicht auszulösen, aber Freund:innen der ruhigen und auf die Figuren konzentrierten Gangart kann er durchaus etwas bieten. Ich schätze das prinzipiell und war deshalb auch ein Fan der Bodensee-Schiene, die der SWR von 2002 bis 2017 im Programm hatte. Klara Blum, Sie wissen schon, und ihr Perlmann und Beckchen. Sie fehlen mir ein wenig, wenn ich die heutigen Schwarzwald-Krimis anschaue. Aber man kommt auch irgendwann in das Alter, in dem man nicht mehr alles, was neu ist, umarmt, nur, weil es neu ist. Ach du Schreck.

TH

Handlung

Nach vier Jahren Haft wegen Totschlags an ihrem Vater will Sara Manzer nach vorne schauen. Sie hat Unterstützung für ihr neues Leben – in erster Linie von ihrer Freundin Marlene, die sie bei sich in der Wohnung aufnimmt. Sara, durch die Haftzeit vom Partygirl zu einer zurückhaltenden Frau geworden, will Erinnerungen abschütteln und sich neu orientieren.

Doch dann steht die Polizei vor ihrer Tür. Ein ehemaliger Kollege wurde erstochen, alte Akten ihres Falles wurden bei ihm gefunden. Zögernd gibt sie zu, mit Benno Rose vor dessen Tod gesprochen zu haben. Er habe neue Erkenntnisse zu ihrem alten Fall gehabt, die sie entlasten sollten. Sara beharrt darauf, dass sie mit Roses Tod nichts zu tun hat. Was die Kommissare nicht davon abhält, nachzuforschen.  

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Friedemann „Frieda“ Berg – Hans-Jochen Wagner
Hauptkommissarin Franziska Tobler – Eva Löbau
Sara Manzer – Johanna Wokalek
Marlene Hopp, Saras Freundin – Sophie Lutz
Jakob Wolburg – Stefan Wilkening
Werner Bauder – Werner Wölbern
Ines Kaiser, Saras Gefängnisgenossin – Annette Strasser
Derek, Saras Ex-Mann – Michael Klammer
Evi, Saras Tochter – Samirah Breuer 

Drehbuch – Astrid Ströher
Regie – Kai Wessel
Kamera – Andreas Schäfauer
Musik – Manu Kurz 

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