Propheteus – Tatort 1192 #Crimetime Vorschau Das Erste, 06.03.20215, 20:15 Uhr #Tatort #Münster #Thiel #Boerne #WDR #Propheten #Verschwörungstheorien

Crimetime Vorschau – Titelfoto © WDR / Bavaria Fiction GmbH, Thomas Kost

Sie sind da!

Nein, nicht die Münsteraner. Sie sind natürlich auch da, zum 41. Mal in 20 Jahren und bereits zum zweiten Mal im Jahr 2022. Aber die Außerirdischen! Um sie, um Verschwörungstheorien und um den Verfassungsschutz geht es im 1192. Tatort und mittendrin Boerne und Thiel. Wieder einmal geraten sie selbst ins Fadenkreuz und das erste, was mir dazu einfällt: Man sollte das jetzt nicht zum Standard machen, in Münster, obwohl es ein paar Mal recht gut funktioniert hat. Trotzdem, Boerne müsste man sein. Dieses Mal darf er sogar ein klassisches Fahrzeug aus der Sportwagenschmiede von Maranello (in Weiß!) fahren, es handelt sich dabei um einen 308 GTB / GTS aus den späten 1970ern / frühen 1980ern. Damit steigen wir auch schon in die Meinungen zum neuesten Werk aus der Tatortschmiede ein.

„Von der Machart her mal wieder ein typischer Münster-Tatort mit der bewährten Mischung aus Situationskomik, Krimispannung und den mal mehr, mal weniger scharfzüngigen Wortgefechten zwischen Thiel und Boerne. Den eingefleischten Fans wird’s gefallen. Dass ein kleines Häuflein geistig Ver(w)irrter eine ganze Großstadt in Atem hält, hätte man vor ein paar Jahren noch als reichlich absurd abgetan. In Zeiten von spazierenden Querdenkern (…) mutet die Krimihandlung jedoch höchst aktuell an. Die Münsteraner bieten zur Abwechslung mal nicht nur seichten Stoff mit Schenkelklopfer-Garantie, sondern gesellschaftliche Relevanz, obwohl beim Thema Verschwörungstheorien doch sehr an der Oberfläche gekratzt wird. Aber gute Unterhaltung mit einer Prise Gesellschaftskritik tut’s ja auch, und die bietet dieser Tatort allemal.“ – Redaktion Tatort-Fans

Die Porträts der Münsteraner Society, der Karl-Friedrich Boerne angehört, sind auch ein wenig gesellschaftskritisch, aber der Spaß stand natürlich im Vordergrund. So offenbar auch beim neuesten Werk aus der Hauptstadt des nach Westfalen exportierten und dort zur Ruhe gekommenen rheinischen  Katholizismus. „Den eingefleischten Fans wird’s gefallen“ deutet für uns an, dass dieser Tatort nicht jedem gefallen muss, dass man sich aber zu negative Formulierungen verkneifen wollte. Sehen wir das richtig? Wir machen jetzt auch mal den Propheteus: Die Einschaltquote wird anlässlich der heutigen Premiere des Films wieder enorm hoch sein, egal, was Kritiker:innen sagen. Und was sagen sie noch?

„Es dreht sich also um ein durchaus aktuelles Thema und natürlich gibt’s auch in diesem Fall, was es in Münster-Tatorten eben gibt: Frotzeleien zwischen Thiel und Boerne, sensationell witzige Dialoge und viel Ironie. Und trotzdem, mir war das selbst als eingefleischter Münster-Fan einfach oft too much an Überzeichnung und Klamauk. Beispiel: Da tauchen zwei Men-In-Black-Parodien auf, die nicht Männlein und nicht Weiblein sind, für den Verfassungsschutz arbeiten, selbst wie Aliens sprechen und dann noch „Muster“ und „Mann“ heißen. Sorry, Leute, ich war da raus. Es wird mit Sicherheit einige geben, für die das großes Tatort-Kino ist, für mich war es das eben nicht. Leider. Deshalb nur 2 von 5 Elchen.“ – Simone Sarnow, SWR3-Check.

Merken Sie etwas? Ein ähnlicher Grundtenor, nur etwas deutlicher und selbstvertändlich gibt es Menschen, die grundsätzlich jeden Münster-Tatort gigantisch finden. Ich gehöre nicht dazu und ich stoße mich durchaus an zu viel Blödelei, wenn das Niveau dabei zu sehr verloren geht und wenn die Handlungen so grottig sind, dass festzuhalten ist: Alles auf eine Karte gesetzt, nämlich das Team, es muss alles andere ausbügeln. Diese Karte sticht in solchen Fällen bei mir nicht, deswegen kommt es auch immer mal wieder zu niedrigen Bewertungen für Münster-Tatorte. Neben guten natürlich, sie haben es, wenn sie anständige Drehbücher kriegen, nach wie vor drauf. Aber es wird heute Abend spannend werden, denn was ist spannender, als wenn sich nicht alle vor einem Film mit Thiel, Boerne & Co. verneigen? Eines an dieser Stelle aber doch: Der Film wurde sowohl in einer  Corona-Phase mit abklingenden Infektionsgeschehen gedreht als auch vor dem Hochkochen der Spannungen in der Ukraine, die nun zu einem Angriffskrieg führten. Vielleicht ist im Moment nicht der perfekte Zeitpunkt für eine „MiB“-und Fake-News-Parodie aus dem All oder von überall her. Wer derzeit noch unbeschwert über Klamauk lachen kann, ist wirklich ein Glückskind. Oder ein echter Nerd ohne Bezug zur Realität.

„Die große Weltverschwörungsblödelei. Der Münster-»Tatort« erzählt von Aluhüten und »Querdenkern« – und blendet alle politischen und pandemischen Implikationen aus. Ein kompletter Reinfall, auch in humoristischer Hinsicht.“ – Christian Buß, Der Spiegel

Hat Buß auch schon 0/10 vergeben? Ich kann mich nicht erinnern, aber die 1/10, die am Ende seiner Kritik stehen, sind eine Ansage, zumal er in jüngerer Zeit einige Tatorte als gut bis sehr gut eingestuft hatte. So ist das, wenn ein Film zum falschen Zeitpunkt in den falschen Hals gerät. Andererseits ist dieser Rezensent nach unserer Ansicht zu professionell, um sich komplett von der Reizstimmung dieser Tage dominieren zu lassen. Er findet eher, dass der Film dem Schwurbel-Thema nicht gerecht wird. Es ist auch schwierig, ihm gerecht zu werden und zu Kontroversen führt seine Behandlung immer, denn auch unter den Tatortgucker:innen dürfte es eine ganze Reihe von quer denkenden Menschen geben.

„Der überaus vergnügliche und auch optisch anspruchsvolle zweite Jubiläums-„Tatort“ aus Münster nimmt eine seit vielen Jahren kursierende Verschwörungserzählung aufs Korn: Die Titelfigur von „Propheteus“ (…) warnt ihre Gefolgschaft vor außerirdischen Echsenwesen, die die Weltherrschaft übernehmen wollen. Die Geschichte beginnt mit einem ganz gewöhnlichen Mord und zieht dann immer irrwitzigere Kreise. Regisseur Sven Halfar hat gemeinsam mit Kameramann Timo Moritz genau die richtige Bildsprache für das originelle Drehbuch von Astrid Ströher gefunden, weil die Optik den satirischen Gehalt nur gelegentlich moderat erhöht. Die Entscheidung, die originelle Geschichte nicht auch noch komödiantisch zu inszenieren, tut dem Film sehr gut, zumal auch die witzigen Figuren ernst genommen werden. Am verblüffendsten ist ein Pärchen vom Verfassungsschutz, das wie eine Leihgabe aus den „Men in Black“-Filmen wirkt.“ – Tilmann Gangloff, Tittelbach-TV

Na bitte, geht doch, liebe Münster-Fans. Man muss nur die richtige Einstellung zu einem Film haben und sich nicht verdrießen lassen, durch was auch immer. Bei Tittelbach-TV fängt die Bewertungsebene für Tatorte sowieso erst bei 3/6 an, hier sind es 4,5/6, nach unserer Einschätzung eine durchschnittliche, nicht so herausragende Note, wie der zusammenfassende Text suggeriert, der eher nach 5 oder gar 5,5/6 Sternen klingt. Dies war also die Kritik für die Unerschrockenen, die sich schon Tage, wenn nicht Jahre vor der Ausstrahlung eines Münster-Tatorts für den Sonntagabend konsequent auf *lol* programmiert haben. Der fünfte Kritiker:innen-Platz in unserer Vorschau ist derzeit nicht fest vergeben, wir sind also frei darin, z. B. bei einem Urberliner Medium vorbeizuschauen.

„Tatort-Kritik: Haben die Aliens Münster übernommen? In diesem Tatort werden radikalisierte Spinner vorgeführt und kräftig veralbert. Das ist weder spannend noch lustig. – Thorsten Wahl, Berliner Zeitung

Es ist insbesondere dann nicht komisch, wenn man selbst immer wieder medialen Raum für Querdenker-Ansichten gibt, wie das bei der Berliner Zeitung der Fall ist. Eine Bewertung gibt es von der Seite nicht und damit sind wir am Ende der Vorschau angelangt, sozusagen vor Ort, auch wenn ich im Westen der Stadt wohne und die Berliner Zeitung im Osten residiert. Das Kritiker:innenbild ist wirklich sehr durchwachsen, es geht weit auseinander und was ist das? Ich wiederhole mich gerne: spannend. Wie es sich für einen Krimi gehört.

TH 

Handlung, Besetzung, Stab

Was wie eine ganz „normale“ Mordermittlung beginnt, zieht immer weitere Kreise: Der kaufsüchtige Magnus Rosponi wird in seiner Wohnung erschlagen aufgefunden.

Doch weder seine fröhlichen Bowlingfreunde noch Silke Haller, die in dem Toten einen Jugendschwarm erkennt, können sich erklären, wieso der beliebte Mann sterben musste. Dafür findet Professor Boerne einen merkwürdigen, kleinen Gegenstand in der Leiche. Thiel entdeckt parallel amouröse Verstrickungen. Und als dann noch der Verfassungsschutz in den zwielichtigen Gestalten Muster und Mann auftaucht, wird es absurd.

Scheinbar haben Thiel und Boerne in ein Wespennest gestochen und damit sogar einen Attentäter auf sich aufmerksam gemacht. Doch wie hängt das alles zusammen? Und was hat es mit dem kleinen Hund auf sich, der so gerne Bananen frisst?

Frank Thiel Axel Prahl
Prof. Karl-Friedrich Boerne Jan Josef Liefers
Silke Haller „Alberich“ ChrisTine Urspuch
Staatsanwältin Klemm Mechthild Großmann
Mirko Schrader Björn Meyer
Herbert Thiel Claus D. Clausnitzer
Udo Kayser Matthias Komm
Herr Muster Melanie Reichert
Frau Mann Daniela Reichert
Barbara Winter Katharina Schmalenberg
Jakob Winter Ismail Deniz
Saskia Georgij Nadia Migdal
Anton Georgij Mark Zak
Verkäufer Karl Drescher
Bowlingheld Raphael Westermeier
Pförtnerin Rosa Halina Dahm
Musik: Christian Biegai
  Kerim König
Kamera: Timo Moritz BVK
Buch: Astrid Ströher
Regie: Sven Halfar

 

 

 

 

 

 

 

 

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