Finsternis – Tatort 1198 #Crimetime Vorschau 18.04.2022, 20:15 Uhr, Das Erste #Frankfurt #Janneke #Brix #HR #Finsternis

Crimetime Vorschau – Titelfoto HR / Degeto, Bettina Müller

Es gab einmal einen Tatort namens „Morde ohne Leichen“. Der wurde 1997 in Wien gedreht und stand am Ende einer Ära, in welcher der ORF nicht so recht wusste, wie er mit dem Format weitermachen soll. Danach kam Moritz Eisner, der bis heute ermittelt. 

„Wo keine Leiche, da kein Mord? So einfach ist es leider nicht. Das müssen die beiden Frankfurter Tatort-Kommissare Anna Jannecke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) erkennen, die es in ihrem mittlerweile 15. gemeinsamen Fall mit dem Verschwinden einer Ehefrau und Mutter zu tun haben, die ziemlich sicher einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, deren Leiche aber partout nicht gefunden werden kann. Dabei offenbaren sich dem Ermittlerteam aus der Mainmetropole nach und nach immer tiefere familiäre Abgründe.“ – Redaktion Tatort-Fans

„Morde ohne Leichen“ aus Wien war der 360. Tatort, mittlerweile stehen wir fast bei 1.200. Situationen, in denen Sender nicht so recht wissen, was sie machen sollen, gibt es immer noch. Zum Beispiel den HR, der Brix und Janneke schon 15 Mal hat zusammen ermitteln lassen, ohne dass man den Eindruck hat, die beiden seien ein Konzeptteam, wie die Vorgänger Steier und Mey oder deren Vorgänger Sänger und Dellwo. Demgemäß schaffen sie es auch nicht, sonderlich beliebt zu werden. „Sie sind zu normal für heutige Verhältnisse“ könnte eine Erklärung sein, aber ich glaube, das stimmt so nicht. Man kann auch normal und trotzdem eine interessante Persönlichkeit sein, deshalb trifft es „farblos“ für mich besser. Damit die Frankfurt-Krimis trotzdem etwas Besonderes darstellen oder eine Art Alleinstellungsmerkmal gewinnen, experimentiert man mit allen möglichen schrägen Dingen, auch mit Horrorelementen. 

Gemäß Ermittler:innenwertung nehmen Brix / Janneke derzeit Rang 18 von 23 Tatort-Teams ein. Nach ihnen kommen nur noch solche, die als gescheitert gelten. Für eine Crew, die schon 15 Fälle gelöst hat, ist das ein herausragend schlechtes Ergebnis, denn normalerweise reagieren die Sender irgendwann und ändern das Konzept oder fangen mit einem neuen Team an. Manchmal wird auch justiert, indem einzelne Teammitglieder ausgetauscht, aus dem Spiel genommen oder neu hinzugefügt werden. Bei Janneke und Brix bisher: nichts davon. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der HR vor allem auf die Quote schaut, und die lieg mit durchschnittlich 9,04 Millionen Zuschauern seit 2015 nicht ganz schlecht, während die zweite hessische Tatortschiene mit den extravaganten Murot-Krimis offenbar weitaus weniger Zuschauer:innen anlockt. Allerdings gibt es in der Wikipedia-Tabelle zu den Tatort-Quoten Ungereimtheiten, weil sie offenbar nicht konsequent gepflegt wird.

Was haben wir am morgigen Abend zu erwarten. Der Film feiert, wie üblich an Ostern, nicht an einem Sonntag, sondern am Montag Premiere, damit er vor dem ersten folgenden Arbeitstag das Licht der Welt erblickt, die Zuschauer:innen also etwas Entspannendes wie einen hoffentlich gelösten Mord mit in die stressige Werktagsphase mitnehmen können. Die Idee dahinter ist klar: Wenn diese patenten Cops einen Mord in 90 Minuten aufgeklärt kriegen, werde ich patentes Kerlchen / Mädel / div. doch wohl alsbald die liegengebliebenen Jobprobleme der letzten Woche gelöst kriegen. Schade, dass es zumeist gravierende Unterschiede zwischen Film und Leben gibt. Nun zu den Stimmen, die wir nicht gehört haben, aber im Laufe des weiteren Textes lesen und auszugsweise wiedergeben werden. Die Redaktion von Tatort-Fans meint:

„Brix und Jannecke ermitteln in diesem Frankfurt-Tatort wie gewohnt erfreulich unaufgeregt und ohne persönliche Allüren. Dass sich hinter der nur scheinbar normalen Fassade der Gombrechts wahre familiäre Abgründe auftun, erschließt sich dem Zuschauer erst allmählich. (…) Das macht einerseits die künstlerische Qualität dieses Tatorts aus. Andererseits wirkt die Handlung dadurch stellenweise sehr langatmig, denn es passiert schlicht nichts, oder es folgen Szenen aufeinander, deren innerer Zusammenhang sich erst im Nachhinein erschließt. Dennoch: Wie hier die Normalität nach und nach als Täuschung entlarvt wird, ist beeindruckend authentisch inszeniert und gespielt. Drei Sterne mit Tendenz nach oben aufgrund der ambitionierten Umsetzung des Stoffes.“

Es handelt sich also um eine mittelplusgute Wertung und siehe, man kann die Art von Brix und Janneke auch positiv sehen, nämlich als Beispiel von Unaufgeregtheit. Vielleicht stehe ich auf Menschen, die sich gerne aufregen, kriege es deshalb auch immer wieder mit ihnen zu tun, das will ich an dieser Stelle nicht komplett ausschließen. Meine bisherige Biografie bietet dafür in der Tat Anhaltspunkte. Weiter mit dem Kanon unserer Lieblingskritiker:innenstimmen:

„Finsternis“, die vollkommene Dunkelheit und Synonym für das Böse. Im neuen Tatort mit eben diesem Titel ermitteln die Frankfurter Kommissare Janneke und Brix zwischen Psycho-Thriller und Familientragödie. Und das ist hochspannend! (…) Und auch wenn die meisten nach dem zweiten Drittel wahrscheinlich ahnen, wer es sein könnte – durch die Thriller Schock Momente ist der Tatort bis zum Schluss spannend. Deshalb gibt’s 4 von 5 Elchen von mir. – Carola Knape, SWR3-Check

Jessas, spannend ist der Film jetzt plötzlich auch noch. Wir treten also aus der Finsternis des Krimis in Moll und ohne Höhepunkte hinaus ins grelle Licht der Hochspannung. Jetzt bin ich richtig gespannt, was die folgenden Rezensent:innen schreiben. Wenn sie auch positiv tendieren, würde das bedeuten, das Team ist ein „Kritiker-Team“, so, wie es „Kritikerfilme“ gibt, die vom allgemeinen Publikum weitaus weniger gemocht werden als von den Profis. Lesen wir nun, was Christian Buß vom Spiegel meint. Leider meint er gar nichts, zumindest habe ich von ihm beim Googeln nichts gefunden. Wenn er in Ferien ist, was über Ostern naheliegt, gibt es offenbar auch keine Vertretung, und das erstaunt mich doch etwas, obwohl ich, wie jede:r, weiß, dass der Spiegel nicht mehr das ist, was er mal war. Also erst einmal weiter mit Tittelbach-TV:

Der 15. Fall für das Frankfurter Kommissariatsduo Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) trägt zu Recht den Episodentitel „Finsternis“ (Hessischer Rundfunk, Degeto). Die Leiche einer Frau wird nachts im Wald entdeckt, verschwindet aber mitsamt ihres in der Nähe gesehenen Autos, ehe die Polizei eintrifft. Was wissen ihr Mann und die beiden Töchter, die die Frau bei einer mehrtägigen Fastenwanderung wähnen? Petra Lüschow (Drehbuch & Regie) erzählt psychologisch überzeugend von Familie, Macht, Kontrollverlust und Gewalt. Starke Figuren in einem mit Horror- und Thriller-Elementen angereicherten Drama, dessen Spannungskurve im letzten Drittel noch mal ansteigt. Jan Veltens Kamera erzeugt Sogwirkung. Herausragend: Uwe Preuss als unscheinbarer Berufsschullehrer. – Thomas Gehringer, Tittelbach-TV 

Uwe Preuss spielt unter anderem den Chef von Bukow und König im Rostock-Polizeiruf und bildet dort den ruhenden Pol, der die am meisten aufgeregten von allen Ermittler:innen immer zu erden versucht. Klappt oft nicht, wirkt aber sympathisch. Habe ich schon erwähnt, dass ich die HB-Menschen aus Rostock mag? War eh klar. Fünf von sechs Punkten gab es schon letzte Woche für den Borowski-Tatort „B. und der Schatten des Mondes“, wie auch vier von fünf Elchen vom Tatort-Check. Tittelbach-TV hält sich bei Tatorten allerdings in einem engen Spektrum von 4,5 bis 5,5/6, selten gibt es auch mal nur 4 Punkte. So, nun haben wir die Zahl unserer Kritikerstimmen ohnehin reduziert, trotzdem gibt es wieder eine Vakanz. Drei Meinungen sind uns nun doch etwas zu wenig.

Lohnt sich das Einschalten? Ja. Nach einem Horrorfilm-artigen Einstieg wird eine spannende Whodunit-Geschichte mit einem leider tragischen realen Hintergrund serviert – letzteren erzählt eine Anwältin im Film eher beiläufig. Drehbuchautorin und Regisseurin Petra Lüschow (geb. 1966, „Tatort: Schmutziger Donnerstag“) erklärt zu den unheimlichen Elementen im Krimi: „Der Film beginnt fast wie ein Horrorfilm, um dann den Horror im Normalen zu suchen – das Licht leuchtet nicht aus, die Figuren verschwinden durchaus auch mal im Schwarz, zum Ende kehren wir für das Finale in die Finsternis zurück.“ – Stern

Die Darstellung von Uwe Preuss wird ebenfalls sehr gelobt, das war auch in Tittelbach-TV zu lesen. Ich habe bisher also keine negative Meinung zu dem Film gefunden, die Spannung bleibt aber erhalten, denn die Nutzer:innen des Tatort-Fundus reagieren z. B. oft ganz anders auf einen Film als die etatmäßigen Vorab-Gucker:innen. Bei den großen Klassikern ist man sich dann allerdings wieder weitgehend einig. Einigkeit herrscht auch bei uns: Morgen Abend wird der 1198. Tatort aufgezeichnet, günstigenfalls sogar direkt geschaut, und in den Tagen darauf kommt eine Rezension.

TH

Handlung

Mitten in der Nacht alarmiert ein junges Paar die Polizei. In einem Waldstück am Frankfurter Stadtrand haben die beiden eine Frauenleiche entdeckt. Doch als die Hauptkommissare Anna Janneke und Paul Brix dort eintreffen, ist die Leiche verschwunden. In der Nähe des vermuteten Tatorts wurde ein Auto beobachtet, das auf Maria Gombrecht zugelassen ist.

Zwar ist auch das Auto verschwunden, doch deuten massive Blutspuren darauf hin, dass Maria einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Mit dieser Tatsache konfrontiert, klammern sich der Ehemann Ulrich Gombrecht und die beiden Töchter Kristina und Judith weiter daran, dass Maria zum Fastenwandern in Frankreich ist und wieder auftauchen wird. Gombrecht ist schwer krank, Kristina hochschwanger, und Judith steckt als Theaterregisseurin in schwierigen Proben.

Für die Ermittler sieht es zunächst nach einem Raubmord aus, doch dann führen die Spuren mitten hinein in die Familie. Schon bald entdecken Janneke und Brix, dass hier alle Geheimnisse voreinander haben. Und am Ende ist die Wahrheit noch weitaus grausamer als erwartet.

Besetzung, Stab

Anna Janneke Margarita Broich
Paul Brix Wolfram Koch
Ulrich Gombrecht Uwe Preuss
Maria Gombrecht Victoria Trauttmansdorff
Judith Gombrecht Julia Riedler
Kristina Gombrecht Odine Johne
Freder Caspar Kaeser
Lucia Varya Popovkina
Fanny Zazie de Paris
Jonas Hauck Isaak Dentler
Linda Maibach Pinar Erincin
Dr. Ipek Aldemir Siir Eloglu
Frau Krumme Eva Weißenborn
Dr. Hilde Vorschneider Almut Zilcher
Lenny Jablonski Frank Casali
Eberhard Eisenhauer Heinrich Giskes
KTU Beamter Fred Yung Ngo
John Thompson Jürgen Hartmann
Student Anton Oscar Brose
Studentin Elli Samirah Breuer
Philipp Gombrecht Elias Grünthal
Hassim Mervan Ürkmez
Musik: Patrick Reising
  Francesco Wilking
  Moritz Krämer
Kamera: Jan Velten
Buch: Petra Lüschow
Regie: Petra Lüschow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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