1/3 sorgt sich um die finanzielle Zukunft (Statista) | Frontpage | Wirtschaft | Zukunft

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Liebe Leser:innen, wir steigen heute ganz sanft ein, der Krieg spielt dabei auf den ersten Blick keine Rolle. Die finanzielle Zukunft vieler Menschen ist tatsächlich nicht sicher, das ist nicht nur ein Gefühl einer Minderheit, die generell unsicher ist, und es gibt gute Gründe, sich über die aktuellen und möglichen künftigen Entwicklungen Sorgen zu machen. Wer sagt uns, dass das gegenwärtige Wirtschaftsmodell, das vor allem auf einem total freidrehenden Finanzsektor beruht und dadurch eine Riesenbubble produziert, noch lange funktionieren wird? Dass virtuelle Werte sich nicht binnen kurzer Zeit in Schall und Rauch auflösen werden? Das erste Mal wäre das nicht und keine Anlageklasse wäre im Falle eines Systemcrashs vor Wertverlust geschützt. Die einzigen, die sich relativ wenig Gedanken machen müssen, sind Staatsbedienstete, speziell in Deutschland, denn der Staat muss seiner Fürsorgepflicht nachkommen und z. B. im Ernstfall auch eine hohe Inflation halbwegs ausgleichen, damit seine Schützling:innen über die Runden kommen. Obwohl sie die sichersten Jobs der Welt haben, bekamen deutsche Staatsangestellte und -beamte ja auch während Corona die höchsten Zulagen. Für die Renten der Mehrheit gilt das aber nicht, sie wurden schon mehrfach abgesenkt. So gesehen ist es ein wenig naiv, dass sich in Deutschland nur 32 Prozent der Menschen Sorgen um die finanzielle Zukunft machen.

Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz  CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar:

Die Inflation treibt die Preise alltäglicher Bedarfsgüter in die Höhe und die Lebenshaltungskosten steigen weltweit. Die finanzielle Belastung der Haushalte wird spürbar größer. Viele sowieso schon durch die Pandemie gebeutelte Menschen blicken sorgenvoll in die Zukunft.

Laut Daten des Statista Global Consumer Surveys bejaht rund ein Drittel der in Deutschland befragten Personen die Frage, ob sie sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen. Noch größer ist der Anteil beispielsweise in Russland – hier machen sich mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer:innen Sorgen, dass ihr Geld bald nicht mehr zum Leben reicht. Auch in Südafrika und Spanien sind mit 46 beziehungsweise 44 Prozent überdurchschnittliche viele Menschen besorgt.

Finanziell deutlich stabiler schätzen sich die Befragten in den urbanen chinesischen Regionen ein. Nur ein Sechstel der Umfrageteilnehmer:innen haben angegeben, sich um ihre zukünftige finanzielle Situation zu sorgen.

Dass es in China nur 16 Prozent sind – nun ja, die meisten haben dort noch nicht viel, hatten früher noch weniger, empfinden ihre Lage demnach als Aufstieg, solange sie überhaupt in der Lage sind, z. B. Vermögen zu erwirtschaften, und ob Umfragen unter ähnlichen Bedingungen stattfinden können wie bei uns, ist eine weitere Frage, die man stellen darf.

Der nunmehr strategische Partner Chinas, Russland, steht auf der anderen Seite. Obwohl der Rubel gerade zulegt und damit Stabilität suggeriert, machen sich unter den in der Grafik ausgewiesenen Ländern die Menschen in Russland besonders häufig finanzielle Sorgen, die in die Zukunft reichen, während im Westen mehrheitlich ähnliche Quote zu beobachten sind, Deutschland liegt da mittendrin. Allerdings haben die Menschen in verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Ansprüche an die finanzielle Absicherung und unter gegenwärtigen Umständen unterschiedlich große Polster. Aber auch das höhere Medianvermögen in Ländern wie Frankreich gegenüber jenem in Deutschland würden im Falle tiefgreifender Systemschwierigkeiten nicht viel nützen, weil Wertverlust selbstverständlich nur diejenigen trifft, die Werte besitzen. Es geht aber nicht nur um die Absicherung der ferneren Zukunft, sondern um das konkrete Geschehen im Hier und Jetzt und in der nahen Zukunft: Wie lange noch wird es der Mehrheit überhaupt noch möglich sein, Werte aufzubauen, unabhängig davon, was mit ihnen bei einem Verglühen des aktuellen Wirtschaftsmodells mit den vorhandenen Anlagen passieren könnte?

Erinnern wir uns noch oder denken wir an Schilderungen von Großeltern, die Schwarzmarktzeit betreffend? Wo ehedem erhebliche Werte buchstäblich für’n Appel und ’n Ei verscherbelt werden mussten? Nur, um das nackte Überleben zu sichern? Niemand kann ernsthaft ausschließen, dass derlei wieder passieren wird und dass es weltweit Milliarden Menschen betreffen wird. Finanzielle Naivität ist in Deutschland trotz der Erfahrungen von 1923, 1945, in Teilen von 1990 weit verbreitet und das Vertrauen eher zu groß als zu gering. Kollektive Besitzstrukturen an Produktionsmitteln wären eine der Möglichkeiten, das Risiko eines Totalverlustes für die Mehrheit stark zu verringern, dies umso mehr, je essenzieller die Produktionsmittel für das Fortbestehen der Gesellschaft sind. Aber davon sind wir weit entfernt und die Indoktrinierung mit nicht nachhaltigen Ideologien funktioniert immer noch sehr gut, obwohl immer mehr Menschen reale Vermögens- und Einkommensverluste hinzunehmen haben, während andere immer mehr absahnen. Dass Ersteres sich fortsetzen wird, erscheint gegenwärtig fast sicher, ob Letzteres noch lange so weitergehen kann und darf, wird umso wichtiger.

TH

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