Die Geier warten schon (Showdown, USA 1973) #Filmfest 780

Filmfest 780 Cinema

Da können die Geier lange warten

Die Geier warten schon (Originaltitel: Showdown) ist ein US-amerikanischer Western von George Seaton für die Produktionsgesellschaft Universal Pictures aus dem Jahr 1973 mit Rock Hudson und Dean Martin in den Hauptrollen. Der Film basiert auf einer Geschichte von Hank Fine.

Der berühmteste Film von George Seaton ist wohl „Das Wunder von Manhattan“ („Miracle on 34th. Street) aus dem Jahr 1947, er hatte auch Grace Kelly zum Hauptdarstellerinnen-Oscar dirigiert („The Country Girl“, 1954) und hierzulande besonders bekannt ist „Airport“ (1970), in dem Seaton ebenfalls mit Dean Martin als einem Hauptdarsteller innerhalb eines großen Ensembles gearbeitet hatte. „Showdown“, wie „Die Geier warten schon“ im Original heißt, war Seatons letzter Film und Dean Martins letzter Western, auch Rock Hudson stieg hier zum letzten Mail in den Sattel, um als Sheriff jenen Dean Martin zu fangen. Mehr zu diesem-Quasi-Abschiedsfilm steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

Billy Massey und Chuck Jarvis sind seit ihrer Jugend gut befreundet, haben sich jedoch vor zwei Jahren zuletzt gesehen, als Billy die Farm verlassen hat, die Chuck zusammen mit seiner Frau Kate in der Nähe des Städtchens Cumbres betreibt.

Der Film beginnt, als vier Banditen einen raffinierten Überfall auf einen Zug nach Cumbres machen. Billy spielt dabei einen Sheriff, der einen der Banditen im Zug in Handschellen dabei hat. Der Überfall gelingt, ohne das jemand verletzt wird und die Banditen können mit reichlich Beute entkommen, jedoch haben mehrere Passagiere Billy erkannt. Chuck, der inzwischen Sheriff in Cumbres geworden ist, nimmt nur mit indianischen Fährtenlesern die Verfolgung der Banditen auf.

Als die Banditen die Beute teilen, soll Billy nur mit einem kleinen Teil bedacht werden. Es kommt zum Streit, wobei Billy einen der Kumpane erschießt und mit der ganzen Beute flieht. Nun wird er auch noch von den zwei übrig gebliebenen Zugräubern verfolgt, die er jedoch mit einer falschen Spur Richtung Mexiko erst einmal loswird. Da er glaubt, auch den Sheriff mit einem vorgetäuschten Absturz in eine Schlucht für zwei Tage aufzuhalten, wendet er sich zur Farm seines Freundes Chuck, wo er sich erst einmal sicher glaubt. Von dessen Frau Kate erfährt er jedoch, dass Chuck der Sheriff ist, der ihn verfolgt. Chuck trifft auch schon wenig später ein und als die beiden sich mit gezogenen Revolvern gegenüber stehen, geht Kate dazwischen und bringt Billy dazu aufzugeben. Zusammen ersinnen sie eine vermeintlich glaubhafte Geschichte, die Billy mildernde Umstände bei einer Verurteilung verschaffen soll.

Als Billy in Haft sitzt und auf seinen Prozess wartet, fährt Chuck mit seiner Frau zur Erholung nach Santa Fe. Während seiner Abwesenheit ändert sich die Lage, da der Staatsanwalt nun Billy am Galgen hängen sehen will und das Billy auch sagt. Daraufhin befreit Billy sich und flüchtet abermals mit der Beute des Überfalls. Wieder setzt sich Sheriff Jarvis, diesmal allein, auf seine Fährte. Aber auch eine Gruppe Männer, die der Staatsanwalt angeheuert hat, versucht Billy zu fangen. Darunter sind auch seine beiden ehemaligen Kumpane, die immer noch die Beute aus dem Zugüberfall haben wollen.

Nachdem Billy sein Pferd verloren hat, wird er vom Sheriff Jarvis gestellt. Zusammen wehren sie einen Angriff der Verfolger ab, bei dem diese getötet werden. Aber auch Billy hat es tödlich erwischt. Sheriff Chuck Jarvis bestattet ihn daraufhin im Fluss. 

Rezension

Wie ein Abschiedsfilm fühlt sich dieses Westernwerk auch an. Recht müde. Während 1973 der sogenannte Spätwestern in Mode war, der härter und realistischer gefilmt wurde, ist „Die Geier warten schon“ sehr traditionell. Die Frage nach dem Sinn eines solchen Films ist möglich, aber nicht zielführend. Man verließ sich auf die Strahlkraft zweier Topstars und steckte sie in eine sehr klassische Story. Sie handelt von zwei alten Freunden, welche sich auf die gute und die böse Seite hinbewegten und nun einander gegenüberstehen – am Ende kämpfen sie noch einmal gemeinsam und der Gute überlebt, der gar nicht so Böse aber nicht.

Der Beginn des Filmes ist ganz witzig, wenn auch bereits unrealistisch. Dean Martin als sympathischer Gauner nimmt die Passagiere eines Zuges aus, indem er ihnen vorgaukelt, er sei Sheriff und wolle sie vor Banditen beschützen, die den Zug überfallen. Zunächst wirkt es, als käme eine gut abgestandene Westernkomödie langsam in Gang, doch spätere Momente wie die ungleiche Beuteverteilung sind zwar ebenso an den Haaren herbeigezogen, aber nicht mehr lustig. Wie die Beute dann insgesamt den Besitzer wechselt, ist auch zu sehr Western-Standard, ebenso wie die anschließende Verfolgungsjagd. Selbst jene Wendung, dass Martin bei seinem Freund unterkriecht und noch nicht weiß, dass dieser nun Sheriff ist, kam mir irgendwoher bekannt vor.

Die Fotografie ist schön im Sinne von ausgereift, wie bei Filmen aus dieser Zeit üblich, die nicht mit der Optik von „New Hollywood“ spielen und auf starke Teleaufnahmen, Durch-Büsche-Filmen, auf Grobkörnigkeit etc. verzichten. Die Handlung ist neben ihrem Mangel an Innovation und ihrem eher geringen Realitätsgrad leider von Beginn bis Ende in einem Tempo gefilmt, das wirkt, als wolle man die alternden Stars schonen. Eine gewisse Ruhe stört mich nicht unbedingt, hier aber schon, weil sie den Eindruck allgegenwärtiger Abgeschlagenheit unterstreicht. Solchermaßen traditionelle Filme, die es tatsächlich in die 1970er geschafft haben, müssen aber wohl so sein und haben natürlich dadurch einen eigenen Stil. Der schlichte amerikanische Titel wirkt wie eine Anspielung auf die Quintessenz des Genres, die deutsche Version wie ein Rückgriff auf die mittlerweile etablierten Italo-Western, in denen nicht selten Geier eine wichtige Rolle spielen. So nimmt man denn hier auch einen oder zwei umherfliegende Geier als Titelgeber für einen Film, der alles andere als den Italo-Western ähnlich ist.

Finale

Selbst der Nostalgiefaktor, den die beiden großen Stars auslösen, rettet den Film nicht vor der Mittelmäßigkeit und es erweist sich langsam als ein Problem, dass an Tagen wie dem „Wilde Western“-Special auf 3Sat, in dessen Rahmen der Film gezeigt wurde, mehr und mehr nur diejenigen Werke als noch zu sichten übrig bleiben, die filmhistorisch nicht so wichtig sind. Der Film hat heute auch eine schwache Rezeption, es gibt in der IMDb lediglich 6 Kritiken zu ihm (mit unserem im Feld der Kategorie „Filmfest“ vergleichsweise kurzen Beitrag werden es sieben sein) und zehn Nutzer-Rezensionen. Der Durchschnitt der Nutzer:innen-Bewertungen beträgt 5,9/10 (Stand Dezember 2022).

55/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017) 

Regie George Seaton
Drehbuch Theodore Taylor
Hank Fine
Produktion George Seaton
Musik David Shire
Kamera Ernest Laszlo
Schnitt John W. Holmes
Besetzung

 

 

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