Wie vermeidbar sind Waldbrände / Rekordjahr 2021 | Wirtschaft, Wandel | Ökologie, Umwelt #ClimateChange

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Treuentrietzen, wie es richtig geschrieben wird, ist durch seinen 264-ha-Waldbrand in den letzten Tagen bundesweit bekannt geworden. Es liegt nicht weit weg von Berlin, daher hätten wir von diesem Brand auch erfahren, wenn er nicht über die Region hinaus für Schlagzeilen gesorgt hätte.

Die zunehmenden Waldbrände haben selbstverständlich klimatische Ursachen, es wird nun einmal heißer und trockener und in Südeuropa brennen die Wälder am häufigsten, freilich auch in Gegenden, die besonders waldreich sind, wirklich kühle Gebiete gibt es in Europa außerdem nicht mehr. Vor die heutige Statista-Grafik stellen wir eine aus derselben Quelle, die aus dem August des letzten Jahres stammt, als sich abzeichnete, dass 2021 ein neues Rekord-Waldbrandjahr werden wird. Geschrieben haben wir darüber hier.

Nun hat sich Statista darüber Gedanken gemacht, wie viele Waldbrände man mit etwas mehr Sorgfalt verhindern könnte. Die Grafik zeigt aber auch, dass die Betrachtung wichtiger ist, die sich textlich anschließt: Der Anteil an Fahrlässigkeit oder gar Waldbrandstiftung hat sich in den letzten Jahren nicht so signifikant erhöht, dass man sagen könnte, immer mehr Menschen gehen zum Zündeln in den Wald. Es gibt ja auch genug andere Gelegenheiten.

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC-BY-ND erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar

Der am Sonntagnachmittag nahe der brandenburgischen Orte Treuenbrietzen und Beelitz ausgebrochene Waldbrand ist seit Montag wieder unter Kontrolle. Insgesamt sollen laut des rbb 264 Hektar Wald betroffen gewesen sein. Trotz temporärer Entwarnung und der Rückkehr der evakuierten Bewohner:innen in ihre Häuser befänden sich stellenweise allerdings noch Glutnester mit Temperaturen von bis zu 500 Grad im Waldboden, die sich mehrere Wochen lang halten können. Obwohl der Brand durch die anhaltende Trockenheit und Rekordtemperaturen im östlichen Teil Deutschlands begünstigt wurde, ist die tatsächliche Ursache für den Ausbruch bislang unklar. Wie eine Auswertung der jährlichen Waldbrandstatistik zeigt, entfällt in Deutschland Jahr für Jahr rund jeder vierte Waldbrand auf fahrlässiges Verhalten.

2020 wurden etwa 23 Prozent aller Brände in Waldgebieten durch unsachgemäßes oder unachtsames Vorgehen verursacht. Seit 2011 liegt dieser Anteil über 20 Prozent, ein Großteil der durch Fehlverhalten oder Fahrlässigkeit ausgelösten Waldbrände geht auf das Konto der Allgemeinheit, also Camper:innen, Kindern oder Besucher:innen von Waldstücken, gefolgt von Brandereignissen bei der Holzernte und landwirtschaftlichen Maßnahmen. Der weitaus größte Anteil der Brandursachen bleibt allerdings Jahr für Jahr unbekannt, 2020 fielen 701 von 1.360 Bränden in diese Kategorie. Die Dürresituation, die sich in den vergangenen Sommern in Deutschland und weiteren Teilen von Europa drastisch zugespitzt hatte, schlägt sich auch auf die Menge der Waldbrände nieder. 2019 gab es beispielweise 1.523 Waldbrände, 2018 waren es über 1.700, die 2.711 respektive 2.349 Hektar betrafen.

Europaweit lag Deutschland hinsichtlich der Anzahl an Bränden im oberen Mittelfeld. Am häufigsten brannte es 2020 in in Portugal, Spanien und Frankreich, ersteres verzeichnete knapp 10.000 Waldbrände im entsprechenden Jahr. Generell hatten südeuropäische Länder am häufigsten mit brennenden Wäldern zu kämpfen, aber auch nordische Länder wie Schweden und Finnland rangierten relativ hoch in der Liste.

Treuenbrietzen und vor allem Beelitz sind uns bekannt, in der Tat ist das Gebiet dort sehr waldreich, viele quasi Wochenend-Häuser liegen auch mitten im Wald, ähnlich den Gartenkolonien in Berlin, nur eben außerhalb des Stadtgebiets. Vor einiger Zeit waren das noch Geheimtipps, weil man günstig etwas in der Natur erwerben konnte. Mit einer paar standardmäßigen Nachteilen, freilich. Der Brand von Treuenbrietzen / Beelitz war ein sehr großer, wie man daran sieht, dass er zehn Prozent der Waldfläche umfasste, die im Jahr 2019 in Deutschland insgesamt gebrannt hat. Die Natur erholt sich, keine Frage, sofern die Bodenqualität es zulässt, die in Berlin und Umgebung nicht die allerhöchste ist, aber es dauert immer einige Jahre, bis abgebrannter Wald wieder seine Funktion als „grüne Lunge“ erfüllen kann – dabei ist genau diese Funktion angesichts des Klimawandels nötiger denn je.

TH

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