Abgrund – Polizeiruf 110 Episode 401 #Crimetime Vorschau Das Erste, 11.12.2022, 20:15 Uhr #Swiecko #Raczek #Ross #RBB #Abgrund

Crimetime Vorschau – Titelfoto RBB, Christoph Assmann 

Abgrund ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110. Die 401. Folge innerhalb der Filmreihe Polizeiruf 110 wird  am 11. Dezember 2022 im Ersten ausgestrahl. Es ist der 13. und letzte Fall von Kriminalhauptkommissar Adam Raczek.[1]

Unser eigener Text wird sich in dieser Vorschau vermutlich sehr reduzieren, denn wir haben noch keinen der Fälle gesehen, in denen Raczek ohne seine frühere Ermittlungspartnerin Olga Lenski unterwegs ist. Oder gibt es doch etwas? Ja, wenn man weiter zurückschaut.

„Letzter Einsatz für Adam Raczek: Nach sieben Jahren und dreizehn Folgen hängt Lucas Gregorowicz die Rolle des etwas raubeinigen und eigenbrötlerischen, aber dennoch liebenswerten Kommissars mit polnischen Wurzeln an den Nagel, der zunächst zusammen mit Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) ermittelte, seit 2021 dann gemeinsam mit seinem jungen Kollegen, Kommissaranwärter Vincent Ross (André Kaczmarczyk). Raczeks letzter Fall in der Polizeiruf-110-Folge „Abgrund“ führt ihn und Ross in das einstige Braunkohlerevier in der Lausitz. Dort müssen sie den Tod einer Geologin aufklären, die mit hochfliegenden Plänen für die Zukunft der Region betraut war – und sich dabei womöglich Feinde gemacht hat.“ Polizeiruf 110: Abgrund – Tatort Fans (tatort-fans.de)

„In diesem Polizeiruf 110 ist die Gegenwart so brüchig wie das schlecht verdichtete Ufer am großen künstlichen See beim ehemaligen Braunkohle-Tagebau bei Fehlow. […] Es ist ein zutiefst moralischer, also ein großer Film.“

– Claudia Fromme: Süddeutsche Zeitung[3]

Also blicken wir rückwärts. In Berlin gibt es einen Tatort, also war es für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) klar, dass die Polizeirufschiene, die dem Sender zugewachsen war, draußen auf dem Land zu spielen hat. Mitte der 1990er kam man so zu einigen skurrilen Filmen mit großen Darsteller:innen, man kann auch sagen, ein guter Teil der Ost-Prominenz nach der Wende und auch einige der Altgedienten, die schon in der DDR bekannt waren, machten Krimi. In einer dieser Episoden, die in dem fiktiven Dorf Wustermark spielten, gab es eine Figur namens Horst Krause. Einen Dorfpolizisten, der ebenso heißt wie sein Darsteller. Diese Figur kam so gut an, dass man sich entschloss, diesen Polizisten zum Sidekick der stets weiblichen Kommissarinnen zu machen, die sich in Potsdam oder anderswo im Bundesland um die Aufklärung des Verbrechens zu kümmern hatten. Sie hießen Wanda Rosenbaum, Johanna Herz, Olga Lenski. Während Olga Lenskis Dienstzeit demissionierte Krause und Lenski ging an die deutsch-polnische Grenze, wo Raczek auf sie wartete.

16 Jahre lang gab es durch Krause eine starke Kontiunität im Brandenburg-Polizeiruf, beinahe wie in Halle/Saale, wo die KHK Schmücke und Schneider 50 Fälle miteinander lösten. Krauses Abschied gab dem Format beim RBB mehr Freiheit, die man für das Grenzpolizei-Setting genutzt hat. Theoretisch hätte man ihn dorthin mitnehmen können, aber mit Mitte 70 darf auch mal Feierabend sein. Die Raczeck-Lenski-Krimis hatten natürlich einen anderen Ton, waren moderner geworden, aber standen immer etwas im Schatten der Schiene Rostock mit ihrem Superteam König / Bukow und der Münchener Filme, die ohne Zweifel qualitativ an der Spitze des Formats angesiedelt waren.

Wird es nun eine Staffelholzübergabe an jemanden geben, der schon im Team ist, wie es über lange Jahre beim RBB-Polizeiruf der Fall war, etwa an Raczeks Ermittlungspartner Vincent Ross? Wird dieser dann wiederum eine:n neuen Partner:in bekommen? Alleine kann er als Kommissarsanwärter  im Grunde nicht agieren. Auf jeden Fall muss es mit dem Polizeiruf Brandenburg weitergehen, sonst hat eines der beiden Bundesländer, die der RBB bedient, keinen Sonntagabendkrimi-Standort mehr. Bisher gibt es kein Bundesland, das nicht einen Tatort oder einen Polizeiruf vorweisen kann. Mindestens einen. An der Spitze liegt NRW mit drei Tatortschienen, Bayern kommt auf zwei Tatortstädte und einen Polizeiruf, mit der landesweiten Ausnahme, dass München die einzige Stadt ist, in der beide Formate beheimatet sind. Schon interessant, dass Bayern das einzige West-Bundesland ist, das den Polizeiruf auf Dauer adaptiert und integriert hat. Angesichts der Qualität der dortigen Produktionen mag das so bleiben.

Wenden wir uns den Stimmen zum Film zu:

„Adam Raczeks Einsätze im „Polizeiruf“ aus Brandenburg waren zumeist sehr sehenswerte Fernsehkrimis. So auch dieser letzte Fall, der zwar ein paar dramaturgische Hänger hat, die man aber leicht aushält, wenn man wissen will, wer denn nun wirklich der Mörder ist. Da legt das Drehbuch geschickt einige falsche Fährten. Allerdings hätte die Thematik rund um den Strukturwandel in der Lausitz noch intensiver ausgeleuchtet werden können; hier bildet sie zumeist die bloße Kulisse für den Mordfall. Auch die depressiven Schübe, unter denen Raczek plötzlich leidet, wirken wie absichtlich in den Plot hineingeschrieben, um seinen Ausstieg zu motivieren (…).Eigentlich schade, dass seine Partnerschaft mit Vincent Ross nach nur zwei Folgen endet.“  Polizeiruf 110: Abgrund – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Also, wenn das schade schon eigentlich ist, kann man die Trennung überleben. Wir erfahren indes, dass es in diesem Film einen weiteren Abschied gibt:

„Nicht nur Lucas Gregorowicz, bekannt geworden durch die kultigen „Lammbock“-Komödien mit Moritz Bleibtreu, verabschiedet sich hiermit vom „Polizeiruf“. Es ist auch der letzte Film von Fritz Roth. Der Polizeihauptmeister Wolfgang Neumann war eine Konstante im rbb-„Polizeiruf“. Er begann zusammen mit Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) in der Folge „Die verlorene Tochter“ (2011) und wechselte mit ihr nach Swiecko ins deutsch-polnische Kommissariat zu Adam Raczek (Lucas Gregorowicz). Im August 2022 erlag der 67-jährige Fritz Roth einer Krebserkrankung.“ „Polizeiruf 110: Abgrund“: TV-Kritik zum ARD-Krimi heute (prisma.de)

Neumann hatte also noch die Wege von Krause gekreuzt und war damit der „Dienstälteste“ im RBB-Polizeiruf-Team.

„Ob die Bewohner der Braunkohle-Region in der Lausitz „das Erste“ derzeit inständig lieben? Nach der schwül-depressiven Miniserie „Lauchhammer – Tod in der Lausitz“ (noch in der ARD Mediathek bis 23. Dezember) spielt Adam Raczeks „Polizeiruf“-Abschied in einem ähnlichen Ambiente und mit einer ähnlichen Stimmung. Im zutiefst melancholischen Fall (Drehbuch: Peter Dommaschk und Ralph Leuter, Regie: Stephan Rick) haben die Figuren allesamt mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, während sich ihre Zukunftsaussichten – trotz des geplanten Freizeitparadieses vor der Haustür – grau in grau darstellen. Das nasskalte Wetter trägt zur tristen Stimmung einer der ganz wenigen ARD-Krimipremieren während der Fußball-WM in Katar bei. Ebenso wie der desaströse Zustand Adam Raczeks, den sein jüngerer Kollege Vincent Ross immer mehr stützen muss. Dass darüber eine zarte Freundschaft zwischen den beiden erwächst, ist einer der wenigen Lichtblicke in einem vom Plot her eher konventionell gestrickten deutschen TV-Krimi.“

Lichtblick mit dem Status einer Momentaufnahme, denn Raczek geht ja nun. Passt alles wunderbar zum Novembergrau bei Minusgraden, in der wir diese Vorschau schreiben. Dafür verraten wir nun ein kleines Geheimnis: Auch Berlin ist bei dem Wetter nicht wunderprächtig, wenn man von ein paar stets illuminierten Hotspots absieht. Man ist nur mit mehr Leuten zusammen, die ähnlich in Moll gepackt sind, als das vermutlich in der Lausitz der Fall ist. Auch diese Vorschau fühlt sich aufgrund ihrer vom mittlerweile etablierten Muster abweichenden Gestaltung irgendwie nicht vertraut und kuschelig an, daher schwenken wir nun zu einer unserer Traditions-Stimmen:

„Trotz der Schwächen mit dem klischeehaften Anfang und der gespielten Lustlosigkeit des Kommissars ist der Polizeiruf aber vor allem eins: solides Handwerk und sicher auch über weite Strecken unterhaltsam. Gerade bei der Tätersuche hat die Story immer wieder eine neue Wendung parat. Aber mehr als drei Elche sind diesmal nicht drin.“ Polizeiruf 110 aus Frankfurt Oder: „Abgrund“ – SWR3

Dafür gibt es vom SWR in Person von Michael Haas drei von fünf Elchen. Man kann auch schon mit einem Elch kuscheln, aber nicht, wenn er nur als Geweih an der Wand präsent ist.

Dr. Woke und Mr. Breit. Pils und Pillen – so brachte sich Lucas Gregorowicz als Kommissar Raczek über die Runden. Auch ein Kollege mit Achtsamkeitsfimmel konnte den Abschied beim »Polizeiruf« nicht verhindern. Schade, aber nachvollziehbar. Polizeiruf 110 »Abgrund« – Abschied von Lucas Gregorowicz: Dr. Woke und Mr. Breit – DER SPIEGEL

So äußert sich, wie immer mit prächtig ausgedachtem Titel, Christian Buß im Spiegel. 4/10 lassen darauf schließen, dass der Film einen Depressiven nicht zu einem Sonnenschein macht, aber das wissen wir ja schon aus den bisherigen Anmerkungen, die wir gesichtet  und für Sie gesammelt haben. Eine Kritik, ohne die es nicht geht, fehlt noch:

„Die Tote arbeitete an einem Bodengutachten für die Renaturierung eines ehemaligen Kohleabbaus in der Lausitz. Anscheinend grub sie zu tief. Um den Mord an einer jungen Polin zu klären, quartieren sich die Ermittler aus Frankfurt an der Oder in dem (fiktiven) Dorf Fehlow ein. Raczek und Ross wollen die Verdächtigen im Umfeld der Toten durch ihre Anwesenheit unter Druck setzen. Dabei wird es für sie selbst schnell eng. „Polizeiruf 110 – Abgrund“ (RBB / Real Film Berlin) bringt zwei Abschiede mit sich und gewinnt durch den erneut starken Auftritt des Neuzugangs im Ermittlerteam. In der visuellen Umsetzung holt das Tagebau-Drama viel raus. Dazu spielt Regisseur Stephan Rick in seinem dritten Beitrag zur Reihe mit Versatzstücken aus dem Horror-Genre, ohne zu überdrehen. Der Krimi fällt gegen die gekonnte Machart etwas ab. Nicht zu viel gewollt und das, was ist, gut verpackt.“ Polizeiruf 110 – Abgrund – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

Martina Kallweit von Tittelbach-TV mag Style und Stimmung dieses Werks und vergibt 5/6, was auch unter der Prämisse, dass der Durchschnitt für Tatorte und Polizeirufe dort etwa bei 4,5/6 angesiedelt ist – genau: überdurchschnittlich ist.

Wir schließen damit die Vorschau, warten auf das Ergebnis der eigenen Sichtung und fügen ein paar Infos von offizieller Seite bei:

Handlung

Die polnische Geologin Magdalena Nowak wird tot in einem Waldstück in der Nähe des Dorfes Fehlow am Rande eines ehemaligen Braunkohlegebiets gefunden – offensichtlich mit einer Plastiktüte erstickt. Kriminalhauptkommissar Adam Raczek und Kriminalkommissaranwärter Vincent Ross können ein Sexualverbrechen zunächst ausschließen. Aber warum war die junge Frau mitten in der Nacht allein im Wald?

Laut Aussage ihres Freundes Tom Grabowski wollte Magdalena zu ihrem Camper. Sie wohnte erst seit kurzem hier und arbeitete an einem Bodengutachten zur Renaturierung des ehemaligen Abbaugebiets, das touristisch erschlossen werden soll. Von der Leiterin des Projektes, Kristin Bredow, erfahren die Ermittler, dass hier einer der größten künstlichen Seen entstehen soll. Für die Bewohner hängt deshalb viel von dem Gutachten ab. Wollte jemand die Ergebnisse beeinflussen? Der langjährige Pfarrer von Fehlow, Simon Bredow, der seit Jahrzehnten die schrumpfende Gemeinde betreut und jeden im Dorf persönlich kennt, kann sich nicht vorstellen, dass Magdalena deshalb sterben musste. Als bei einer Rutschung unweit des ersten Tatorts eine weitere Leiche auftaucht, müssen Raczek und Ross herausfinden, ob ein Zusammenhang zwischen den zeitlich weit auseinanderliegenden Taten besteht. Ist der Täter oder die Täterin weiterhin aktiv?

Die beiden Kommissare wissen, dass sie den Fall nur durch schnelle Ergebnisse lösen können und konzentrieren sich auf die Bewohner des Dorfes. Sie wollen den Täter mit ihrer Anwesenheit unter Druck setzen und quartieren sich in Fehlow ein. Die Ermittlungen fordern Raczek und Ross extrem heraus und Raczek trifft schließlich eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen.

Besetzung und Stab

Rolle

Darsteller

Kriminalhauptkommissar Adam Raczek

Lucas Gregorowicz

Kriminalkommissaranwärter Vincent Ross

André Kaczmarczyk

Tom Grabowski

Patrick Kalupa

Dirk Grabowski

Peter Moltzen

Simon Bredow

Steven Scharf

Kristin Bredow

Annika Kuhl

Andreas Franke

Peter René Lüdicke

Maria Franke

Marie Anne Fliegel

Eva Wozniak

Anja Antonowicz

Bettina Sassnitz

Rosa Enskat

Polizeihauptmeister Wolfgang Neumann „Wolle“

Fritz Roth

Dienstellenleiter Karol Pawlak

Robert Gonera

Komisarz Wiktor Krol

Klaudiusz Kaufmann

Rechtsmediziner Marian Kaminski

Tomek Nowicki

 

Funktionsbereich

Name des Stabmitglieds

Kamera:

Felix Cramer

Musik:

Stefan Schulzki

Buch:

Peter Dommaschk

 

Ralf Leuther

Regie:

Stephan Rick

 

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