Das Opfer – Tatort 1218 #Crimetime Vorschau Das Erste, 18.12.2022, 20:15 Uhr #Berlin #Karow #RBB #Opfer

Crimetime Vorschau Titelfoto © RBB, Stefan Erhard

Opfer gibt es immer wieder

In Krimis. Opfer gehört dazu. Deswegen ist der Titel dieses Films auch ein wenig unspezifisch. Trotzdem kommt der Begriff Opfer erst zum vierten Mal in 1218 Tatorten vor und dieses Mal sogar kristallklarer Reinform, nachdem es bereits zu einer Gegenüberstellung von Täter und Opfer, zu einem Bauernopfer und einem ersten Opfer gekommen war. Und es ist ein Berlin-Krimi. Der erste nach dem Tod von Nina Rubin in „Das Mädchen, das allein nach Haus‘ ging“ (TO 1201). Aber worum geht es im Tatort zum 4. Advent?

„(…) Nach dem tragischen Tod seiner Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) in der Tatort-Folge 1201 „Das Mädchen, das allein nach Haus’ geht“ muss der Berliner Kriminalhauptkommissar Robert Karow (Mark Waschke) (…)  allein ermitteln. Wobei er offiziell sowieso nicht im Dienst ist, sondern Urlaub macht. Doch der Tod seines Jugendfreundes Maik Balthasar, der als verdeckter Ermittler in der Mafiaszene arbeitete und womöglich einer Intrige zum Opfer gefallen ist, lässt Karow einfach keine Ruhe. Kein Wunder, denn dieser Fall führt ihn weit zurück in seine eigene Vergangenheit und tief ins Innere seiner Seele, denn obwohl er seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, war Balthasar für Karow viel mehr als nur ein Schulfreund. Und immer wieder stellt sich für ihn eine entscheidende Frage, damals wie heute: Wie hältst du’s mit der Wahrheit?“ Tatort Folge 1218: Das Opfer – Tatort Fans (tatort-fans.de) Und damit gleich zur Kritik von dieser Stelle:

„Dieser Fall ist wie gemacht für Robert Karow, den distanziert-kantigen Einzelgänger unter den Tatort-Kommissaren. Einen Film, der so konsequent die Psyche einer Ermittlerfigur ausleuchtet, hat es in der Tatort-Reihe bisher nicht oft gegeben. Allein das macht diese Folge zu etwas Besonderem.

Die unterschiedlichen Zeitebenen und Perspektiven sind dabei so stringent und schlüssig in die Handlung eingeflochten und miteinander verknüpft, dass man als Zuschauer trotz der komplexen Geschichte nie das Gefühl hat, den Faden zu verlieren. Ebenso gelungen ist die Mischung aus Thriller-Elementen, die die Spannung und den Nervenkitzel aufrechterhalten, und den ruhigen Momenten, in denen wir Karow dabei beobachten können, wie er über sich selbst und seine Beziehung zu Maik nachdenkt. (…)“

Aber dem nächsten Berlin-Tatort wird Mark Waschke zusammen mit Corinna Harfouch ermitteln. Wenn Berlin eine Qualität im Übermaß besitzt, dann sind es gute Schauspieler:innen, überhaupt Kulturschaffende aller Sparten. Der Tatort hatte hier aber wohl nicht immer den Rang, den er heute hat, denn in den ersten Jahrzehnten der Reihe machte man von dieser Qualität zu wenig Gebrauch oder sie wollte sich nicht an ebenjenem Tatort einfinden. Das größte Problem aber war die mangelhafte Qualität der Drehbücher und der Production Values. Der Tatort spiegelte auf seine  Weise, was in Berlin nicht so gut läuft. Alles, was mit gutem Handwerk zu tun hat. Vielleicht geht ja jetzt die ansteigende Qualität der hiesigen Tatorte jener im Allgemeinen voraus. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Zumindest sind die Filme heute technisch auf der Höhe und man kann sie immerhin als interessant bezeichnen. Das Drehbuch für „Das Opfer“ stammt von Erol Yesilkaya, der schon viele Tatorte geschrieben hat, unter anderem den wohl besten des nunmehr aufgelösten Berlin-Duos Rubin / Karow namens „Meta“. Lesen wir weitere Meinungen:

„Eine Kollegin ist tot und ihm ist auch schon schlecht: Kommissar Karow ist ganz schön abgehalftert. Das neue Mordopfer kommt ihm auch bekannt vor. Ein trauriger Tatort kommt hier auf uns zu. (…) Ich finde, der melodramatische Neustart haut einen nicht vom Hocker, macht eher ein bisschen schlechte Laune. Mir ist das zu wenig Neustart, um auf es auf die Liste eines überdurchschnittlichen Tatorts zu schaffen. 3 von 5 Elchen. Schade.“ Tatort-Kritik: „Das Opfer“ mit Karow aus Berlin – SWR3

Jetzt versucht in Berlin mal irgendwer, irgendetwas ernst zu nehmen, sogar seinen Job, sogar seine sozialen Beziehungen, und schon kriegt er aus dem gutgelaunten Südwesten eins auf die Mütze. Viele Jahre lang war es so, dass es dem Berlin-Tatort an Ernst eher gemangelt hat und das hat sich mit Karow / Rubin final geändert, nachdem es zuvor bei Ritter und Stark schon Ansätze dazu  gab, den Tod nicht auf die Schippe zu heben oder auf die Schubkarre zu laden. Das war vor allem in deren letzten Fällen der Fall. Und wir finden, ein Krimi darf  auch etwas traurig sein, immerhin geht es um das gewaltsame Ableben von Menschen. Wenn man einem Film dieses Genres Mängel vorwirft, dann solche des Drehbuchs, der Regie, des Spiels, aber doch nicht, dass nicht alle wie Münster aufgestellt sein können. Das ist zu geschmäcklerisch. Außerdem ist der Film kein Neustart, sondern ein Zwischenspiel oder Zwischenprodukt vor dem Einsatz von Corinna Harfouch, siehe oben. Karows etwas düstere Art kommt bei diesem Alleingang eben gut zum Vorschein. Also, mindestens einen Elch mehr sollte man vergeben, wenn die Kritik vor allem der Stimmung in dem Film geschuldet ist.

Solo für Mark Waschke: Nach dem grandiosen Ausstieg von Meret Becker und vor dem Einstieg von Corinna Harfouch widmet sich die „Tatort“-Episode „Das Opfer“ (rbb, Degeto / Geißendörfer Pictures) ausgiebig dem sperrigen Typen Robert Karow – seiner ersten Jugend-Liebe, dem Konflikt mit dem Vater und den Gründen für seine obsessive Wahrheitssuche. Gleichzeitig gelingt Drehbuch-Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Stefan Schaller ein spannender und vielschichtiger Genre-Mix aus Thriller und tragischem Drama. Ein überragender Waschke verausgabt sich bei dieser Leidenstour Karows, der die Gründe für den Tod seiner Jugendliebe Maik Balthasar herauszufinden sucht. Aber auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt (Pietschmann, Tabatabai, Riedle, Eryilmaz). Und: Nicht zum ersten Mal findet der „Tatort“ außergewöhnliche Berlin-Bilder (Kamera: Markus Nestroy). Tatort – Das Opfer – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

Na bitte. Geht doch. 5,5/6. Das hätten wir beinahe voraussagen können, dass das, was wir aus den bisherigen Meinungen und Angaben herauslesen konnten, den Tittelbachern, in diesem Falle Thomas Gehringer, gefallen wird. Intensives Spiel ist modern, Verausgabung liegt im Trend und ist realistisch. Schließlich verausgaben wir uns in Berlin jeden Tag dabei, einfach nur  zu überleben, vor allem als Fahrradfahrer. Daher wird vielen von uns das Leiden des nicht mehr ganz jungen K. bekannt vorkommen und Identifikation ermöglichen.

Es ist ziemlich clever, was der mit dem Grimmepreis ausgezeichnete Drehbuchautor und Spezialist für äußerst clevere Thriller-Plots, Erol Yeliskaya („Tatort: Parasomnia“, „Tatort: Meta“), mal wieder mit den Zuschauern anstellt. (…) [Ein Plot], „der sich weiter in ungeahnte Richtungen entwickelt, die zum Zungeschnalzen gut ausgedacht sind, auch wenn sich Stimmung und Charakter des Films gefühlt zwei- oder dreimal ändern. Dabei – dies als Warnung an zarte Gemüter – wandelt sich der Psychogrusel der „Lebensübernahme“ ziemlich drastisch zum „Bodyhorror“, denn Ermittler Karow muss auf dem Lösungsweg mehrfach und körperlich ziemlich leiden. „Tatort: Das Opfer“: Kritik zum Fall aus Berlin (prisma.de)

Auch von dieser Seite, mit einer anderen Ansicht zur Stimmung des Films, im Grunde nur Lob, wenn man die komplette Rezension liest. Christian Buß vom Spiegel fragt (rhetorisch oder nicht?):

„Wer traut sich, diesen Pitbull zu streicheln? Im letzten »Tatort« starb seine Kollegin, nun marodiert Kommissar Karow allein durch Berliner Stripkaschemmen und Nachtklubs. Ein Einzelkämpfer-Thriller mit unerwarteter Lovestory.“ Tatort »Opfer« aus Berlin über Clan-Kriminalität: Wer traut sich, diesen Pitbull zu streicheln? – DER SPIEGEL

Die Rückblenden seien zu schablonenhaft, findet Buß, das nehme etwas Fahrt aus dem Unterweltkrimi, aber: die unerwartete Love Story! Dafür gibt es 7/10 und von uns das Prädikat: Mit Spannung erwarten wir den heutigen Abend.

Handlung

Robert Karow ermittelt nach dem Tod seiner Kollegin Nina Rubin in diesem Fall solo: Ein Mann in Karows Alter wird in einem Waldstück tot aufgefunden. Er starb durch einen Schuss in den Kopf. Alles am Tatort deutet auf eine Milieu-Hinrichtung hin, wie Karow sofort feststellt, obwohl er für den Fall nicht zuständig ist. Doch Karow kennt den Toten, Maik Balthasar, aus Jugendzeiten und findet heraus, dass er ein verdeckter Ermittler war. Maik arbeitete für Mesut Günes, einen stadtbekannten Berliner Nachtclubbesitzer, der in zahlreiche Gewaltverbrechen verwickelt ist, die ihm allerdings nie eindeutig nachgewiesen werden konnten. Auf der Tatwaffe finden sich Günes Fingerabdrücke. Staatsanwältin Sara Taghavi sieht endlich ihre Chance, Günes vor Gericht zu bringen. Der bestreitet den Mord jedoch.

Zum Ärger der Staatsanwältin gibt sich Karow mit der so offensichtlichen Indizienlage nicht zufrieden. Obwohl sie ihn anweist, sich rauszuhalten, lassen ihm die Ungereimtheiten in dem Fall keine Ruhe. Um herauszufinden, was wirklich geschehen ist, nimmt er Urlaub, zieht undercover in Maiks Wohnung und wandelt auf seinen Spuren. Camilla (Kim Riedle), die in Günes Club arbeitet und Maik gut kannte, wird seine Verbündete. Mehr und mehr schlüpft er in die Rolle des Toten und taucht dabei auch immer tiefer in seine eigene Vergangenheit ein.

Besetung und Stab

Robert Karow, Kriminalhauptkommissar – Mark Waschke
Maik Balthasar, verdeckter Ermittler – Andreas Pietschmann
Sara Taghavi, Staatsanwältin – Jasmin Tabatabai
Camilla Peters, Sexarbeiterin – Kim Riedle
Mesut Günes, Mafiaboss – Sahin Eryilmaz
Sinan Günes, sein Bruder – Ugur Kaya
Memo, Betreiber des Döner- und Tattooladens – Burak Yigit
Sammy Paroussi, Sexarbeiter – Luka Dimic
Der junge Maik Balthasar – Laurids Schürmann
Der junge Robert Karow – Jona Levin Nicolai
Karows Vater (vor 30 Jahren) – Uwe Fischer
Karows Vater (heute) – Dietrich Hollinderbäumer
u. v. a.

Drehbuch – Erol Yesilkaya
Regie – Stefan Schaller
Kamera – Markus Nestroy
Szenenbild – Jenny Roesler
Kostümbild – Ramona Klinikowski
Schnitt – Heike Gnida
Ton – Bertin Molz
Musik – Bert Wrede
Casting – Karimah El-Giamal
Produzenten – Hana Geißendörfer, Malte Can
Producer – Simon Pirron
Produktionsleitung – Anja Firmenich, Jörgen Radach
Herstellungsleitung – Kirsten Frehse, Ismael Feichtl
Redaktion – Birgit Titze, Verena Veihl

 

 

 

 

 

 

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