Fleischverzicht wg. Klimakrise +++ Weihnachtsmann adieu, Weihnachtskraft welcome? (Umfragen + Kommentar) | #Briefing 89 #Gesellschaft #Klima #Umwelt #Klimakrise #Weihnachten #Gesundheit

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Wir sind mitten im Weihnachtsfest. Wann, wenn nicht jetzt? Die Gewohnheiten des Lebens an die Erfordernisse der Zeit anpassen. Zum Beispiel endlich auf Fleisch verzichten, um das Klima zu retten.

Sie haben es tatsächlich gewagt, heute eine solche Umfrage zu stellen:

Civey-Umfrage: Sollte man den eigenen Fleischkonsum aus Gründen des Umweltschutzes Ihrer Meinung nach reduzieren? – Civey

Erklärungstext aus dem Newsletter:

SPD, Grüne und FDP haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bis 2023 eine Ernährungsstrategie zu erarbeiten. Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir (Grüne), hat nun die Eckpunkte der neuen Strategie vorgestellt. Ziel ist es, eine fleischärmere und pflanzenbetonte Ernährung der Deutschen zu fördern. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wirbt laut Merkur ebenfalls für eine fleischarme Ernährung oder Fleischverzicht. Dies sei gesünder und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz.

Laut Bundesumweltministerium beträgt der Anteil der Ernährung an den Treibhausgasemissionen in Deutschland jährlich 15 Prozent pro Kopf. Einen großen Anteil an den Emissionen haben die Tierhaltung in der Landwirtschaft, die Düngung sowie der Transport von Lebensmitteln.

Angesichts der Energiekrise und gestiegener Lebensmittelpreise ist es vor allem für Menschen mit wenig Einkommen schwer, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Verena Bentele vom Sozialverband VdK fordert laut ARD daher, dass die Mehrwertsteuer auf bestimmte Produkte abgeschafft wird, damit gesundes Essen bezahlbar bleibe.

Dass also der komplette Verzicht auf Fleisch aller Einwohner:innen dieses Landes vermutlich nur ca. 0,0001 Prozent (wahlweise eine Stelle mehr oder weniger hinter dem Komma) der weltweiten Treibhausgase einsparen würde, ist nicht relevant. Wir sehen unseren Sonderweg bei der Atomkraft ja auch nicht pragmatisch, sondern idealistisch. Es geht darum, wo eine Gesellschaft in diesen Zeiten neue Gemeinsamkeiten finden und sich auf Ziele vereinbaren kann, wenn sie sonst schon so fragmentiert ist. Da bietet sich an:

Die Tiere sollen leben und das Nutzatom darf nicht gespalten werden.

Merken Sie was? Wir haben uns ein schlaues Hintertürchen für die Kernfusion offengelassen. Leider ist im obigen Erklärungstext keine Einlassung des Justizministers und Lauterbach-Gegners Marco Buschmann enthalten, der uns hätte sagen können, ob es juristisch überhaupt zulässig ist, gar kein Fleisch mehr zu verzehren. Zugegeben, man merkt diesem Text an, dass der Kampf vegetarisch / vegan gegen noch resistent auch in unserem Arbeitsteam voll im Gange ist, weil leider die Kantine noch immer beide Varianten anbietet. Zum gleichen Preis der geschmacksstarke Hirsch wie das grundfade Tofu, das kommt erschwerend hinzu. Unter solchen Umständen muss man Menschen zwingen oder vor vollendete vegane Tatsachen stellen, sonst wird das nix, und das geht nur mit juristischen Maßnahmen. Der Mensch is(s)t nicht freiwillig einsichtig. Man darf  aber vor allem nicht kurz vor Weihnachten mit Fleisch zum unschlagbaren Mitarbeiter-Preis als Bestandteil des Tagesessens Nr. 1 locken.

Immerhin sparen bei uns solche Highlights den privaten Fleischeinkauf mittlerweile fast vollkommen ein. Das führen wir ins Feld, bis der Wind of Change uns nicht mehr beim Gewohnten hält.

Was uns erstaunt hat: Selbst mitten im Weihnachtsfest, wenn allenthalben gesündigt wird, als gäb’s kein Morgen und keine Klimakrise, zeichnet sich bei der Umfrage eine Mehrheit für die Reduktion ab: derzeit sind fast 39 Prozent sehr dafür, immerhin ca. 14 Prozent überwiegend dafür und die Unentschiedenen (aktuell 6,5 Prozent) sind ja keine Gegner:innen, an denen man sich abarbeiten könnte. Das Beste kommt aber immer zum Schluss: Wir haben auch klar für eine Reduktion gestimmt. Sollen sie uns doch einfach keine Wahl mehr lassen, wir kommen auch damit klar. Wir stemmen jede Krise und jedes Verbot mit einer Hand, ohne Blutwurst in der anderen. im Magen oder als Rache im Kopf.

Da wir schon bei der nach wie vor nicht hinreichend energisch vorangetriebenen Modernisierung der Gesellschaft sind: Gestern kam es zu einer Umfrage, die uns zunächst die Sprache verschlagen hatte: „Weihnachtsmann noch zeitgemäß?“ lautete der Betreff im Mail-Newsletter. Was noch? WAS NOCH? Unsere Panik-Idee dazu war, bevor wir in den Text reingeschaut hatten: Wer glaubt angesichts der heutigen Zustände noch an den Weihnachtsmann? Kann der nicht weg? Außerdem, was machen Angehörige von Religionen, die kein Weihnachten und damit auch keinen Weihnachtsmann haben? Ihn sich schamlos aneignen? Das sehen wir kulturpolitisch kritisch. Da könnte ja jeder kommen, der Christen (außer an Weihnachten vielleicht) stets als Ungläubige bezeichnet, so, wie die Christen es vice versa mit den anderen tun. Doch darum geht es gar nicht. Es ist schlimmer.

Civey-Umfrage: Sollte die Bezeichnung „Weihnachtsmann” geschlechtsneutral ersetzt werden, damit sich auch Frauen mit dieser Rolle identifizieren können? – Civey

Passt der Weihnachtsmann – traditionell ein alter, weißer Mann – noch in die heutige Zeit? In einigen Teilen Deutschlands ist der Weihnachtsmann der traditionelle Überbringer der Weihnachtsgeschenke. Im Süden ist es vorwiegend das Christkind. Wer der Überbringer ist, leitet sich meist von den kirchlichen Prägungen in der Region ab. Während der Weihnachtsmann eine männliche Figur ist, kann das Christkind theoretisch beide Geschlechter haben.

Im MDR forderte die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch im vergangenen Jahr „das Weihnachtspersonal weiblicher zu machen“. Sie plädiert für eine geschlechtsneutrale Bezeichnung. Man könne beispielsweise von „Weihnachtskräften“ reden, meint Pusch. Der SWR erklärt in seinen „Leitplanken” für gendersensible Sprache dagegen, „natürlich bleibt der Weihnachtsmann der Weihnachtsmann”. Nach Angaben des Stern gibt es in Online-Foren „heftige Diskussionen” über geschlechterneutrale Formulierungen für den Weihnachtsmann.

Die Weihnachtsmannvermittlung des Berliner Studierendenwerks hatte 2017 beschlossen, dass den Job auch Frauen machen dürfen. Denn die Anfragen übersteigen deutlich das zur Verfügung stehende Personal. Zudem vermittelt laut Stern eine Berliner Agentur Weihnachtsfrauen, damit Kinder auch an Weihnachten Gleichberechtigung lernen.

Also, wir finden ja, alte weiße Männer passen generell nicht mehr in die Zeit. Erschießt oder ertränkt sie! Oder lasst sie an Corona oder am Einsparzwang beim Heizen sterben, das wirkt nicht ganz so deliktisch.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als fast sämtliche Berufsbezeichnungen „neutralisiert“ wurden, unter anderem mit dem Argument, dass Frauen sich dann eher in Männerberufe bewegen, weil sie sich mehr sprachlich integriert fühlen? Hintergedanke: Nicht die Gleichberechtigung, sondern der Fachkräftemangel. Deswegen hat man Putzfrauen zu Reinigungskräften gemacht. Es klingt kräftiger, fachkräftemäßiger und … es hat leider überhaupt nicht dazu geführt, dass Männer sich verstärkt für diesen ehrenwerten und notwendigen Job interessiert haben. Nicht einmal im eigenen Haushalt, versichern uns Frauen aus unserem Bekanntenkreis. Auch in den MINT-Berufen geht es nicht so richtig voran. Kann es daran liegen, dass Frauen Serverwartung und sogar das Designen von Ballerspielen langweilig finden? Frauen, die das langweilig finden, obwohl es gut bezahlt wird, haben unsere volle Sympathie. Aber wo wären wir ohne Frauen in sozialen Berufen und, zumindest in Berlin, wo sie längst die Mehrheit in diesem Bereich stellen, in der Verwaltung?

Da muss doch auch bei den Weihnachtspersonen was gehen. Komischerweise ist man von Begriffen wie Jahresendzeitfigur anstatt Weihnachtsengel ganz weggekommen, da kreuzt sich irgendwie jetzt Progression mit Rückwärtsentwicklung, wenn die Weihnachtsmänner in Weihnachtskräfte umbenannt werden sollen. Nichts, aber auch gar nichts bleibt von den Errungenschaften des Sozialismus. Das Gendern hingegen zieht immer weitere Kreise. Kein Wunder, dass es Linke gibt, die Begriffsänderungen, welche nicht wirklich mehr Teilhabe für die somit sprachlich Inkludierten bringt, argwöhnisch beäugen. Oder ist das doch die Voraussetzung für mehr Chancengleichheit?

Um ehrlich zu sein, so belustigt, wie es klingen mag, sind wir gar nicht. Und zwar aus zwei Gründen: Wir wundern uns immer wieder, womit sich Menschen beschäftigen und wie viele Menschen durch die permanente Beschäftigung mit solchen Fragen davon abgehalten werden, sich Aufgaben zu widmen, die nun wirklich dringend sind. Da dies aber ein bekanntes Argument der Konservativen ist, vielleicht sogar ein Scheinargument, denn wir müssen nicht mehr alle im Bergwerk malochen, um uns als Arbeitskräfte (m/w/d) fühlen zu können, – dafür hat die Technik gesorgt –, haben wir mit unentschieden gestimmt.

Über 80 Prozent, auch die weitaus meisten Frauen, sagen aber: Der Weihnachtsmann soll der Weihnachtsmann bleiben!

Solche Umfragen sind richtige Fangfragen. Mit ihnen kann man subtil offenlegen, wie sehr Wokeness wirklich in der Gesellschaft angekommen ist. Wir würden den Weihnachtsmann nicht unbedingt gegen seine Genderung verteidigen wollen, aber über 80 Prozent, darunter vermutlich sogar einige Grünwähler:innen, tun dies sehr wohl.

Daraus darf man wiederum nicht schließen, dass über 80 Prozent auch dem alten weißen Mann als solchem gegenüber gnädig gestimmt sind, also an den übrigen ca. 364 Tagen im Jahr. Denn an diesen Tagen hat er nicht das folkloristische Gepräge, wie in jenen wenigen Stunden, in denen er sich in enien roten Mantel und eine Zipfelmütze aufsetzt.

Da gibt’s nur eines, insbesondere angesichts mehr Bedarf als Personal im Weihnachts…kräftebusiness: Alte weiße Männer, es muss euch doch leichtfallen, sofern ihr noch kraxeln und schwere Geschenkpakete mit tausenderlei Konsumtinnef darin heben könnt. Tut etwas, um euch nen Euro dazuzuverdienen, die Rente reicht doch eh hinten und vorne nicht! Wehe, wir sehen nochmal einen von euch beim Flaschensammeln, der nicht zuvor versucht hat, als Weihnachtskraft eine finanzielle Besserstellung zu erreichen. Und macht gleichzeitig wenigstens einmal im Jahr Werbung für eure gesellschaftliche Gruppe und gegen deren ansonsten berechtigte Diskriminierung: Kehrt reichlich Geschenke aus, lasst die Rute zuhaus! Oder war das mit der Rute der Nikolaus, dieser andere weiße alte Mann, den man sogar essen kann?

Ob Weihnachtsbäume nicht auch ein Relikt aus Zeiten sind, in denen man zu wenig ernsthaft an die Dinge herangegangen ist, hier noch eine Umfrage:

Nie ist was leicht zu entscheiden: schwere Waffen für die Ukraine, Atomkraftwerke länger laufen lassen – und dann noch der Weihnachtsbaum (Umfragen + Kommentar) | Briefing 88 | #Geopolitik #Weihnachten #Energiepolitik – DER WAHLBERLINER

Wir haben oben sowieso aufs 88. Briefing verlinkt, aber wir wollten noch einmal darauf hinweisen, dass es durchaus kohärent wirkt, was die Welt im Moment bewegt. Zumindest, wenn man es nach Umfragen zu wichtigen Themen sortiert. Wir hätten den gestrigen Beitrag anders zusammengestellt bzw. mit dem Weihnachtsbaumthema bis heute gewartet, wenn wir gewusst hätten, dass die Weihnachtsgegenstände weiterhin dermaßen aufpoppen. Oh je, er weiß, was morgen noch an Umfragen und damit an additiven Krisenelementen kommt. Was noch? WAS NOCH??

TH 

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