UPDATE: Es böllert schon, aber weniger? (Statistik Feuerwerk-Import) +++ Die Wildgänse fliehen | Briefing 94 (zu Briefing 62)

Update Briefing 94 (hier zu 93)

Als besonderen Service haben wir heute unseren Ausgangsartikel vom 20. November zum Böllern unten angehängt. Das Thema ist traurig genug. Da fanden wir, Sie sollten sich nicht erst reinklicken müssen. Es wird auch dieses Jahr nicht zu einem Böllerverbot kommen. Da denken wir sofort an den Spruch von den Hosenscheißern in der Politik, der diese Woche groß rauskam. Da ging es zwar auch ums Böllern, aber nicht um etwas so Eklektisches wie das, was bei uns darunter verstanden wird. 

Lidl hatte diese Woche, wenn wir richtig in der Kaufda-App geblättert haben, 16 Seiten mit Böllern und Raketen im Prospekt. Wenn unser der Laden nicht ohnehin so unsympathisch wäre, dass wir dort höchstens mal ein Angebot abgreifen, wäre allein die Herausstellung des Irrsinns ganz nach vorne ein Anlass, künftig diesen Ort des Einkaufens zu meiden. Wir haben keine Ahnung, wie viele Argumente gegen diesen Silvesterquatsch noch vorgebracht werden müssen, damit die Politik ein Einsehen mit der Mehrheit, mit den Tieren, mit der Stadt als Begehungsraum hat. Kein Wunder, dass auch gegen den Klimawandel so gut wie nichts unternommen wird, das passt absolut ins Bild. Eine ignorante Minderheit samt ihrer poltischen Lakaien hält das Land in Schach und verhindert seine Weiterentwicklung.

Kennen Sie den Film „Die Wildgänse kommen?“ Muss man nicht unbedingt, es ist so ein Militär-Actionfilm, aber wir geben ja nie auf, deswegen auch heute wieder etwas, was wir zufällig bei „Spektrum“ gefunden haben:

Silversterknallerei stresst Wildgänse nachhaltig.

Warum wir diesen Link setzen, hat aber einen besonderen Grund: Aus der Sicht bestimmter Wildtiere, so die Autorin, sei es sinnvoller, in deren Lebensraum nicht zu böllern und nicht generell nicht. Sehen Sie, liebe Leser:innen, genau das ist es, was wir immer wieder kritisieren und was uns auch verzweifeln lässt. Diese Abspaltungen. Dem einen ist dies, dem anderen jenes wichtig, und dann gibt es noch die Wildgänse. Aber was hier empfohlen wird, ist ja im Grunde, es in Ballungsgebieten richtig krachen zu lassen, in denen die meisten Haustiere leben. Selbst, wenn die Intention sicher nicht diejenige war, verschiedene Tiere gegeneinander auszuspielen, Quatsch bleibt diese Schlussfolgerung doch.

Vielleicht kommt ja Hoffnung aus dem Konsumverhalten an sich? Bisher wurden weitaus weniger Feuerwerkskörper importiert als in den Jahren vor Corona.

„WIESBADEN – Auch wenn es zu Silvester in diesem Jahr voraussichtlich kein Verkaufsverbot für Böller und Raketen und keine Corona-Beschränkungen geben dürfte, liegen die Importe von Feuerwerkskörpern deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Von Januar bis September 2022 wurden rund 5 700 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland importiert. Das waren 81 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vor-Corona-Jahres 2019 (29 800 Tonnen), wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Mit Blick auf Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz wollen einige Städte das private Feuerwerk auch in diesem Jahr zumindest mancherorts verbieten.“ (Destatis

Bei uns gibt es nur wieder so ein paar Verbotszonen, die das Geschehen höchstens verlagern … ups, gerade wieder eine Böllerserie. Zum Glück in einiger Entfernung. Ist ja auch schon der 29. Dezember, um ein paar Tage kann man sich schon mal vertun, wenn man das Berliner Bildungssystem genossen hat. Der offizielle Verkauf von Silvesterfeuerwerk ist erst heute angelaufen, insofern deuten die geringeren Importzahlen zwar auf weniger Knallerei an Silvester hin, aber in welchem Umfang sich der Jux wieder dem Vor-Corona-Niveau annähert, lässt sich nicht sicher vorhersagen.

TH

Briefing 62 (Briefing 61)

Langsam geht unser Engagement für ein Böllerverbot in Berlin und darüber hinaus in den  Zusatnd des Lobbyismus über. Leider nicht wie bei der Wirtschaft, die sich Politiker:innen kaufen kann, um sie gefügig zu machen. Es geht nur um gute Argumente, und das seit Jahren:

Gegen den krachenden Schwachsinn – verbietet endlich die Böllerei! #Böllerverbot #Umweltsau @RegBerlin #Silvester #Tempolimit #CDU #FDP – DER WAHLBERLINER

Damals haben wir die Stadtregierung sogar direkt ins Adressbuch genommen, aber genützt hat es natürlich nichts. Was war es in den letzten beiden Jahren schon für eine Wohltat, dass es etwas weniger Knallerei gegeben hat. Nun fragt Civey uns und Sie, ob wir nicht endlich mal …? Eine Mehrheit dafür gibt es, und wenn wir immer wieder schreiben, Mehrheit ist nicht alles, dann vor allem, wenn es um unabdingbare Minderheitenrechte geht, nicht darum, dass eine Minderheit die Mehrheit ungestraft terrorisieren darf. Umgekehrt also: Rücksichtnahme gegenüber Minderheiten, aber kein Freidrehen rücksichtsloser Minderheiten gegenüber der Mehrheit. Mehr Solidarität, weniger Egoismus. Mehr soziale Intelligenz gegenüber asozialer Dummheit. Einfach, ganz im Kleinen und wenigstens für eine Nacht im Jahr ein wenig mehr bessere Welt.

Civey-Umfrage: Sollten Böller und privates Feuerwerk Ihrer Meinung nach dauerhaft verboten werden? – Civey

Der Erklärungstext dazu aus dem Newsletter:

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert von der Bundesregierung ein dauerhaftes Verbot von Schwarzpulverraketen und Böllern zu Silvester. Neben der Luftverschmutzung und Müll in den Straßen nennt die DUH laut ntv als Gründe: Millionen verschreckte und leidende Tiere, tausende Verletzte und zahlreiche Häuserbrände. Ein grundsätzliches Verbot müsste auf Bundesebene erlassen werden. Länder und Kommunen können Verbote aber für bestimmte Orte aussprechen.

Das Bundesinnenministerium lehnt die Forderung der DUH ab. Laut Handelsblatt sagte eine Ministeriumssprecherin, dass es dieses Jahr derzeit nicht absehbar sei, ob ein temporäres Verbot wie die letzten beiden Jahren notwendig ist. Wegen der Coronapandemie gab es u.a. ein Verkaufsverbot für Feuerwerk und regionale Versammlungsverbote. FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle lehnt generelle Verbote ohne konkrete Anlässe ab.

Der Bundesverband Pyrotechnik (BVPK) plädiert für eine Fortführung des Silvesterbrauchs, der zum traditionellen Kulturgut gehöre. Laut dpa argumentiert der BVPK, dass Tiere nur kurzzeitig von Störungen betroffen und die meisten Verletzungen auf den Alkoholkonsum in der Silvesternacht zurückzuführen seien. Derweil fordert die Gewerkschaft der Polizei Berlin ein dauerhaftes Pyrotechnikverbot im Innenstadtbereich der Hauptstadt, um „ausufernde Gewalteskapaden gegen Polizei und Feuerwehr“ zu verhindern und um etwas für den Klimaschutz zu tun.

Schon vor der aktuellen Civey-Umfrage gab es Stimmungsbilder, ähnlich sieht es derzeit auch bei der oben verlinkten Umfrage aus:

Böllerverbot zu Silvester? Die Mehrheit der Deutschen ist dafür! (berliner-kurier.de)

Es ist der alte Jammer mit „Liberalen“ und verzagten Regierungspolitikern, die uns gegenwärtig, anders als noch 2019, wirklich alles Mögliche reindrücken, weil sie es einfach können und wir uns nicht wehren können, denn heizen und Strom verbrauchen muss nun einmal jeder bis zu einem gewissen Grad. Aber dass wir dafür mal ein bisschen was zurückkriegen, und sei es nur ein besinnlicherer Übergang ins neue Jahr, das bestimmt auch wieder sehr fordernd werden wird, weil die Politik es so will, das geht natürlich gar nicht. In Berlin wird es wohl wieder zu drei mickerigen Verbotszonen kommen, die das Problem nun wirklich nicht lösen, wie sich jeder des Denkens Mächtige denken kann: Es wird zu Ausweichbewegungen kommen, und die werden auch unseren Kiez stark treffen, weil er in der Nähe einer solchen Verbotszone liegt, aber nicht mittendrin, leider. Auch die Willkür bei der Auswahl der Zonen ist erstaunlich. Nachvollziehbar ist noch das Verbot am Alexanderplatz, aber alles andere ist wohl gewürfelt.

Erstaunliche Ideen gibt es zu dem Thema immer wieder, besonders von führenden Berliner Presseorganen:

Böller-Verbot: Das Problem sind die Idioten! Aber: Warum gibt es in Deutschland keinen Knaller-Führerschein? (berliner-kurier.de)

Klar, es gibt ja auch einen Autoführerschein. Trotzdem fahren 80 Prozent aller Autofahrer:innen in Berlin zu schnell, wenn es nicht gerade aufgrund einer Stausituation unmöglich ist. Wenn wir mit dem Rad mit 30 oder gar 40 Km/h unterwegs sind, haben wir den Eindruck, wir stehen, wenn die Raser auf den Ausfallstraßen vorbeizischen. Ganz richtig, ein Verbot an sich bringt nichts, wenn es nicht durchgesetzt wird. Wenn es schon bei so einfachen Dingen wie dem vermehrten Aufstellen von Blitzern nicht klappt, wieso dann beim Böllerverbot, wo sogar echter Personaleinsatz notwendig wäre, Konfrontationen aller Art inbegriffen. So muss man sich bei uns auch das Vorgehen gegen die OK denken: Nur, wenn es nicht wehtut, ganz anders als etwa bei linken Demonstrationen, wo die Polizei gerne herzhaft zupackt. Die Berliner Stadtregierung schiebt das Problem derzeit allen Ernstes an die Bundesregierug weiter, wieder gegen jede Logik. Wenn einzelne Verbotszonen gehen, dann geht auch ein Verbot innerhalb des S-Bahn-Rings.

„Und warum die Verbotszonen? An bestimmten Plätzen versammelten sich in früheren Silvesternächten häufig Gruppen junger Männer, die mit Feuerwerksraketen durch die Gegend schossen, Böller zündeten und auch mit Flaschenwürfen Polizisten und Feuerwehrleute angriffen. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. „Die endgültige Entscheidung zur Einrichtung polizeilicher Pyrotechnikverbotszonen erfolgt voraussichtlich im Dezember“, hieß es vom Senat.“

Ja, wer weiß schon, ob es dieses Jahr überhaupt dringend notwendige Einschränkungen gibt? Immerhin heißt die Regierende Bürgermeisterin jetzt Franziska Giffey, und die ist sich für keine populistische Aktion oder Nichtaktion zu schade, während ihr Vorgänger Michael Müller sein Image als wandelnde Büroklammer angenommen hatte und sich daher auchmal kleinteilige Bürokratie leistete.

Bekommt Berlin ein Böller-Verbot? DAS sagt Berlins Polizeipräsidentin… droht wieder ein trauriges Silvester? (berliner-kurier.de)

Das mit dem Böllern könnte aber auch ein wenig Züge wie seinerzeit bei der Prohibition in den USA annehmen, denn auf das zweijährige Verkaufsverbot, das wohl mehr als die Vernunft des Einzelnen für den Rückgang an Krach  zum Jahreswechsel sorgte, könnte nun ein blühender Schwarzmarkt folgen, gespeist von lauter bei uns verbotenen Polenböllern. Das erinnert wirklich an denn billige Fusel, der eine Konsequenz des Alkoholverbots in den USA von 1920 bis 1932 war. Es gibt aber auch einen wichtigen Unterschied: Saufen schadet erst einmal dem Säufer selbst, alle Emissionen und Gefahren der Böllerei werden wieder einmal der Gesellschaft übergehäuft. Allerdings möchten wir es heute nicht versäumen, über den kommenden Jahreswechsel hinauszudenken. Wir haben in den Städten generell zu viel Lärmbelästigung, und Lärm ist eine schädliche Emission, an dieser Erkenntnis führt nichts vorbei.  Es gibt ganz unterschiedliche Verhaltensweisen, die dazu beitragen. Sie alle haben eines gemeinsam: Ein Zeichen kulturellen Fortschritts sind sie nicht. So auch das Böllern.

TH

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